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07.08.2013
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Reise-Bloggerin Hillmer-Wiechmann

Rauf aufs Containerschiff!

Fotos
weltenbummlermag.de

Wie übersteht man Beirut auf Flip-Flops? Ist ein Eseltrip durch Ägypten eine gute Idee? In ihrem Blog "Weltenbummler Mag" schreibt Marianna Hillmer-Wiechmann über exotische Reisen. Hier verrät sie ihre Traumziele und auf welches Utensil sie im Urlaub auf gar keinen Fall verzichtet.

Persönliche Texte, neue Blickwinkel: Die deutschsprachige Reiseblogger-Szene hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt, ein riesiger Schatz von inspirierenden Berichten aus aller Welt ist entstanden. Im Fragebogen-Interview stellen wir die Menschen hinter den originellsten Webseiten vor. Den Anfang macht Marianna Hillmer-Wiechmann von weltenbummlermag.de.

Bitte schreiben Sie für uns exklusiv ein Blog über Ihre letzte Reise - und zwar in einem Satz:

In der libanesischen Hauptstadt Beirut habe ich herausgefunden, dass ich bei 35 Grad im Schatten gute zehn Kilometer zu Fuß an einem Tag zurücklegen kann, dass man sich mit Flip-Flops dabei unangenehme Löcher in den Fuß scheuert, dass ich mich dabei rund um die Uhr sicher fühlte und die Beiruter durchweg offene, herzliche Menschen sind, die Besuchern gerne ihre Stadt zeigen, in der mich überrascht hat, dass Kopftuch tragende Frauen in etwa so häufig anzutreffen sind wie in der Münchner Innenstadt.

Wo fühlen Sie sich am wohlsten: Gebirge, Meer, Großstadt oder Wüste?

Ich finde Berge zwar wunderschön, schaue sie mir aber lieber aus der Ferne an. In den Steinmassiven selbst fühle ich mich nach ein paar Tagen beklommen. Von Wüste und Meer dagegen kann ich nicht genug bekommen. Die scheinbare Monotonie und Endlosigkeit ziehen mich an. Aber im Grunde meines Herzens bin ich ein Großstadtkind. Ich mag es, nachts rauszuschauen, andere beleuchtete Fenster zu sehen und mich in Gedanken zu verlieren, was die anderen Menschen so umtreibt, die gerade auch nicht schlafen können.

Die verrückteste Reise Ihres Lebens?

Die kommt noch. Ich möchte mit einem Esel den Nil entlangreisen, dann zur Ost- oder Westküste Afrikas abbiegen (ob nach links oder rechts, entscheide ich spontan). Und ich möchte auf einem Containerschiff anheuern, das sich im Winter durch die russischen Eismassen kämpft.

Ohne welchen Gegenstand würden Sie niemals reisen?

Bisher hab ich immer "Zahnbürste" oder "Ehering" geantwortet, aber ich habe schon beides zu Hause vergessen, ohne in große Nöte zu kommen. Also die nackte Wahrheit? Ohne meine Kreditkarte gehe ich nicht auf Reisen. Damit kann ich mir auch unterwegs noch eine Zahnbürste kaufen.

Ihr Lieblings-Blog-Eintrag?

Was für eine fiese Frage - "Haben Sie ein Lieblingskind?" Aber gut, derzeit würde ich den "Erfahrungsbericht einer Revolutionstouristin" aus Ägypten wählen, einen Text, den ich kurz vor dem Militärputsch gegen Mursi veröffentlicht habe. Zum einen, weil der Artikel gar nicht in den restlichen Kontext der Medienberichterstattung passt und ich mich die ganze Zeit frage, ob die jetzige Situation in Ägypten eigentlich eine ähnliche ist wie vor zwei Jahren zur Revolution. Und zum anderen, weil er recht gut meine Grundeinstellung zum Reisen widerspiegelt: Solange andere Menschen ihrem Alltag nachgehen können, also zur Schule gehen, Feste feiern, einkaufen und arbeiten, kann ich mich dort auch als Reisende bewegen.

Ein völlig unterschätztes Reiseziel ist...?

Heimaturlaub. Reisen beginnt im Kopf. Auf Reisen hat man immer mehr Zeit und Lust, sich auf andere Menschen und Neues einzulassen. Das geht aber auch zu Hause. Denn auch vor der eigenen Haustür gibt es Unbekanntes zu entdecken. Man muss für interessante Bekanntschaften und Geschichten nicht um den halben Globus fliegen.

Ihre schlimmste Reisepanne?

Eine Fehlbuchung: Statt für den 23. Dezember buchte ich einen Flug für den 23. November. Den ließ ich dann natürlich verfallen, und am 23. Dezember ging ich nichtsahnend zum Flughafen, wo ich mich am Schalter der Fluggesellschaft lautstark über das miserable Buchungssystem beschwerte - bis mir klar wurde, dass der Fehler bei mir lag. Peinlich!

Hat das Bloggen die Art verändert, wie Sie reisen?

Ja, ich fotografiere mein Essen. Total klischeehaft, ich weiß, aber ich berichte auch gern über die einheimische Küche, und ohne Fotos ist das nur halb so interessant.

Der größte Luxus, den Sie sich unterwegs gönnen?

Ich liebe schöne Ausblicke. Ich versuche, meine Unterkünfte manchmal danach auszuwählen. Und wenn es keine preisgünstigen Optionen mit schönem Ausblick gibt, aber eines von diesen sagenhaft teuren Luxushotels den Blick schlechthin bietet, kann es schon mal vorkommen, dass ich weich werde.

Zum Weiterlesen: www.weltenbummlermag.de.

Lesen Sie hier die weiteren Blogger-Fragebogen dieser Serie:

Marianna Hillmer-Wiechmann vom "Weltenbummler Mag"
Christoph Pfaff von VonUnterwegs.com

Die Fragen stellte Stephan Orth

Forum

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insgesamt 24 Beiträge
1. Falsches Datum
spon-facebook-660138087 07.08.2013
Ist mir auch einmal passiert. Hatte einen Mietwagen in Lissabon reserviert im Juli, gebucht hatte ich aber tatsächlich im Juni. War auch etwas peinlich als wir rausfanden, warum ich im Juli nicht im Buchungsystem stand..
Zitat von sysopWie übersteht man Beirut auf Flipflops? Ist ein Eseltrip durch Ägypten eine gute Idee? In ihrem Blog "Weltenbummler Mag" schreibt Marianna Hillmer-Wiechmann über exotische Reisen. Hier verrät sie ihre Traumziele und auf welches Utensil sie im Urlaub auf gar keinen Fall verzichtet. weltenbummlermag.de: Bloggerin Hillmer-Wiechmann über die besten Reiseziele - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/fernweh/weltenbummlermag-de-bloggerin-hillmer-wiechmann-ueber-die-besten-reiseziele-a-915149.html)
Ist mir auch einmal passiert. Hatte einen Mietwagen in Lissabon reserviert im Juli, gebucht hatte ich aber tatsächlich im Juni. War auch etwas peinlich als wir rausfanden, warum ich im Juli nicht im Buchungsystem stand..
2. Ich auch...
berniu 07.08.2013
"Ich möchte mit einem Esel den Nil entlangreisen, dann zur Ost- oder Westküste Afrikas abbiegen (ob nach links oder rechts, entscheide ich spontan)." Ich würde gerne mitkommen. Blöderweise bin ich aber kein Blogger und [...]
"Ich möchte mit einem Esel den Nil entlangreisen, dann zur Ost- oder Westküste Afrikas abbiegen (ob nach links oder rechts, entscheide ich spontan)." Ich würde gerne mitkommen. Blöderweise bin ich aber kein Blogger und muss arbeiten.
3. Die andere Art zu reisen
insidecanada 07.08.2013
Grossartig! Dass es mehr als eine Art gibt, um die Welt zu reisen, hat auch der Kanadier Jean Beliveau bewiesen. Er brauchte weder Auto, noch Esel, noch Fahrrad. Seine Reise fuehrte ihn in elf Jahren 75.000 KM zu Fuss um die Welt. [...]
Grossartig! Dass es mehr als eine Art gibt, um die Welt zu reisen, hat auch der Kanadier Jean Beliveau bewiesen. Er brauchte weder Auto, noch Esel, noch Fahrrad. Seine Reise fuehrte ihn in elf Jahren 75.000 KM zu Fuss um die Welt. Einzelheiten gibt's hier, auch eine gut gemachte animierte Weltkarte, die Beliveaus Stationen aufzeigt: http://canada365.wordpress.com/2011/10/18/in-elf-jahren-zu-fus-um-die-welt
4. Gääähn...
kroto 07.08.2013
... nein, ein weiteres Blog zu exotischen Reisezielen/Weltreisen? Das hätte ich niemals erwartet. Durch das Übermaß an Blogs, Artikeln, Fotoserien auf Facebook usw. werden diese früheren Sehnsuchtsorte leider selbst entwertet, [...]
... nein, ein weiteres Blog zu exotischen Reisezielen/Weltreisen? Das hätte ich niemals erwartet. Durch das Übermaß an Blogs, Artikeln, Fotoserien auf Facebook usw. werden diese früheren Sehnsuchtsorte leider selbst entwertet, banalisiert, das Netz übersättigt. Kurzum: Die lausige Weltreise, die ich machte, interessiert morgen schon keinen Menschen mehr. Eigentlich schade.
5. Weisheiten
lug&trug 07.08.2013
Juhu! Endlich sagt mir das mal jemand.
Zitat von sysopBildunterschrift letztes Foto: "Wer bei 35 Grad im Schatten zehn Kilometer durch die Stadt läuft, muss mit Fußschmerzen rechnen".
Juhu! Endlich sagt mir das mal jemand.

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Zur Person

  • Marianna Hillmer-Wiechmann, 30, ist Literaturwissenschaftlerin und bloggt seit Januar 2011 auf weltenbummlermag.de über ihre Reisen. "Ungeschönt und emotional und auch gerne mal abseits der normalen Touristenpfade", so beschreibt sie ihre Berichte. Hillmer-Wiechmann lebt in München.

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