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Reise

Touristenattraktion in Tokio

Größter Fischmarkt der Welt zieht um

Das rätselhafte Treiben der Händler, die irren Auktionspreise: Ein Besuch auf dem Tokioter Fischmarkt ist ein unvergessliches Erlebnis. Nun zieht er um - trotz unappetitlicher Probleme am neuen Standort.

Bernhard Krieger / TMN
Donnerstag, 22.06.2017   13:38 Uhr

Manchmal verspürt Fischhändler Shibata San einen Anflug von Wehmut, wenn er sich seinen Weg durch das Gewusel des Tsukiji-Marktes bahnt. Es riecht nach Fisch und Algen und den Abgasen knatternder Dreiräder, mit denen Lagerarbeiter die Ware in atemberaubendem Tempo durch die Gänge des wohl größten Fischmarkts der Welt transportieren.

Knapp 2000 Tonnen Fisch werden täglich hier umgeschlagen. In den Hallen, die sich über eine Fläche von mehr als 40 Fußballfeldern erstrecken, spiegelt sich kaltes Neonlicht auf den von Pfützen bedeckten Betonböden. Shibata San ist einer von rund 800 Händlern, die hier allnächtlich frischen Fang anpreisen und nun umziehen müssen, um Platz für neue Häuser, Straßen und für das Pressezentrum der Olympischen Spiele 2020 zu machen.

Nach mehr als 80 Jahren wird der Fischmarkt von Chuo definitiv auf die nahegelegene künstliche Insel Toyosu umziehen. Das hat Tokios Gouverneurin Yuriko Koike am Dienstag bekannt gegeben.

Thunfischauktionen der Superlative

Obwohl ihr Geschäft am neuen Standort weitergeht, geht nun nicht nur für Fischhändler Shibata San eine Ära zu Ende. "Das Flair auf dem Tsukiji ist einzigartig", sagt Massimiliano Ziano. Der Italiener ist Küchenchef im "Hotel Peninsula" und einer von Shibatas Stammkunden. Japaner seien beim Essen geradezu besessen von der Qualität ihrer Zutaten. Das spüre man auf dem Tsukiji auf Schritt und Tritt. Immer wieder mal begleitet Ziano Hotelgäste gemeinsam mit dem Fischhändler zu den berühmten Thunfisch-Auktionen.

Gebote von umgerechnet rund 1000 Euro für einen einzigen Fisch sind normal. Und Kleingeld im Vergleich zu den Summen, die manche Käufer für den ersten Thunfisch des neuen Jahres zahlen. Der soll Glück bringen, Aufmerksamkeit beschert ein Kauf auf jeden Fall: Anfang Januar 2017 sicherte sich Kiyoshi Kimura den Glücksfisch für stolze 603.000 Euro. 2013 hatte der Chef der Restaurantkette "Sushizanmai" sogar fast 1,4 Millionen Euro gezahlt. "Ganz schön teuer", gibt Kimura zu. Weil landesweit darüber berichtet wird, lohnt sich das Investment dennoch.

Die Neujahrs-Auktion 2017 war nun die letzte am alten Standort. Eigentlich hätte der Markt schon Ende 2016 umziehen sollen. Gouverneurin Koike aber stoppte das Milliardenprojekt. Nicht aus nostalgischen Gründen, sondern weil der Boden am neuen Standort hochgradig mit Umweltgiften verseucht ist. Auf dem Grundstück stand früher eine Gasfabrik.

Rund 750 Millionen Euro wurden in die Erneuerung des Bodens gesteckt - bislang ohne den gewünschten Erfolg. Ein Expertengremium hat kürzlich empfohlen, weitere bauliche Maßnahmen zu ergreifen, um den Untergrund stärker zu versiegeln, damit keine chemischen Giftstoffe auf das Marktgelände heraussickern können.

Rätselhafte Fischautionen

Wann genau der Fischmarkt umziehen wird, steht noch nicht fest. Vorerst gehen die Geschäfte auf dem Tsukiji weiter. Jedes erdenkliche Meeresgetier, das in Restaurants auf Tellern landet, findet sich in einer der Tausenden, mit Eis gefüllten Styroporkisten. In einem mit Wasserbecken ausgestatteten Bereich werden die lebenden Tiere gehandelt. Auf Holzpaletten liegen in der Nachbarhalle gefrorene, bis zu zwei Meter lange Thunfischleiber. Kleine Stücke sind herausgeschnitten. "An Textur, Farbe und Maserung dieser Fleischprobe erkennen wir die Qualität", erklärt Shibata.

Hochkonzentriert prüfen die Einkäufer die Ware, bevor sie in die früh am Morgen beginnende Auktion einsteigen. Touristen können das Schauspiel live miterleben, wenn sie sich im Osakana Fukyu Center registrieren. Die Karten sind kostenlos, aber nicht reservierbar, weshalb sich oft schon nachts Schlangen vor dem Infocenter bilden. Mittlerweile ist der Zutritt auf 120 Besucher begrenzt, damit die Touristen den Händlern nicht im Weg stehen.

Was bei der Auktion im Detail passiert, bleibt selbst Japanern meist rätselhaft. Den Jargon aus Fachwörtern und Abkürzungen verstehen auch Einheimische nicht. Ohne einen kompetenten Begleiter ist man ziemlich aufgeschmissen. Leichter findet man sich auf dem ab 10 Uhr für alle geöffneten Großhandelsmarkt zurecht. "Dort kaufen auch viele Privatleute ein", erzählt Chefkoch Ziano. "Für Gourmets ist das ein Paradies", schwärmt der Küchenchef des Restaurants Peter. Frischere und bessere Ware bekomme man nirgendwo.

Themenpark für Genießer

Rund um den Markt haben sich neben Küchenwarengeschäften, die handgeschmiedete Messer anbieten, unzählige Feinkostläden angesiedelt. Metzger verkaufen perfekt marmoriertes Kobe-Rindfleisch für stolze 500 Euro pro Kilogramm. In der Luft liegt der Duft von Kräutern, Gewürzen und den allgegenwärtigen Bonito-Flocken, die japanischen Suppen ihr würziges Aroma verleihen. Obsthändler präsentieren einzeln in Zellophan eingebettete Erdbeeren, als seien es Juwelen.

"Die auf dem Tsukiji zu bestaunenden Produkte sind die Basis für den Erfolg der japanischen Küche", erklärt Ziano. Diese zeige sich auch in der großen Zahl an Spitzenrestaurants. Der Restaurantführer "Guide Michelin" zeichnete 2017 allein in den drei japanischen Metropolen Kyoto, Osaka und Tokio 121 Lokale mit zwei oder drei Sternen aus - mehr als in ganz Frankreich. Tokio hat mit zwölf Drei-Sterne-Restaurants mehr höchstdekorierte Gourmet-Tempel als jede andere Stadt der Welt. "Vielleicht auch ein bisschen dank des Tsukiji", meint Fischhändler Shibata.

Ein Ziel für Foodies soll die Gegend auch ohne das Gewusel der Fischhändler bleiben. In fünf Jahren soll ein kulinarischer Themenpark entstehen, wo sich jetzt noch die Styroporkisten stapeln.

Bernhard Krieger, dpa

insgesamt 2 Beiträge
micheleyquem 23.06.2017
1. Mal ein bisschen Wahrheit zu dem Thema.....
Ein bisschen viel Unsinn für einen Artikel, ich hoffe der SPON hat den Autor für diesen zusammengestopselten Mist nicht bezahlt? Warum lässt man nicht den üblichen Reporter in Tokyo, Wieland Wagner, schreiben, der Mann weiss [...]
Ein bisschen viel Unsinn für einen Artikel, ich hoffe der SPON hat den Autor für diesen zusammengestopselten Mist nicht bezahlt? Warum lässt man nicht den üblichen Reporter in Tokyo, Wieland Wagner, schreiben, der Mann weiss worüber er redet, und hat in der Print Ausgabe noch NIE Unsinn berichtet. Was hier verschwiegen wird, und was das an Japan Wesentliche ist, das ist, dass die erwähnten 750 Millionen Euro eben NICHT in die Sanierung gesteckt wurden, sondern unter der Oberaufsicht des selbst von den Vieles gewöhnten Japanern verachteten, durch und durch korrupten Vorgängers von Koike, genannt „Bnky-san“ in die üblichen Taschen geflossen sind. Zum Skandal wurde das Thema hier, weil nicht nur das Geld verschwand, was hier ja nur eine ganz normale Sache wäre, sondern, dass man das in die Keller des neuen Gebäudes eindringende Wasser 6x für teures Geld testen liess, und dabei 6x keine Schadstoffe fand. Bitte daran erinnern, wir sprechen hier von einem Grossmarkt in dem Fische verkauft wertden sollen! Koike liess diese Tests zweimal wiederholen und fand beide Male in dem Wasser unter vielem Anderem Krebs erregende Gifte wie Benzol. Und da wurden selbst die ja extremste Korruption gewohnten Japaner ärgerlich.
mettwurstlolli 30.06.2017
2. Wahnsinn
Ich habe den Markt mal besucht und es war wirklich atemberaubend. Da finden selbst Meeresbiologen Tiere, die sie noch nie gesehen haben. Dadurch, dass er eben nicht modern, steril und xlesn ist, hat er ein besonderes flair, das [...]
Ich habe den Markt mal besucht und es war wirklich atemberaubend. Da finden selbst Meeresbiologen Tiere, die sie noch nie gesehen haben. Dadurch, dass er eben nicht modern, steril und xlesn ist, hat er ein besonderes flair, das wird beim neuen dann wohl nicht mehr so sein, selbst wenn man dort dann auch noch rein kann.
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