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Reise

Wandel der Insel Gili Trawangan

Vom Paradies zum indonesischen Ballermann

Vor über 30 Jahren verbrachten Thomas Eglis Eltern einige Tage auf Gili Trawangan - und erzählen noch heute von ihrem Urlaubsparadies. Der Fotograf wollte wissen: Wie sieht es dort heute aus?

Thomas Egli
Von
Montag, 14.05.2018   04:29 Uhr

Unberührte, weiße Strände, glasklares Wasser, atemberaubende Korallenriffe und freundliche Einheimische: Für die Eltern des Schweizer Fotografen Thomas Egli ist Gili Trawangan ein Sinnbild des Paradieses. Vor über 30 Jahren verbrachten sie ihre Flitterwochen auf der Insel und schwärmen noch heute ihrem Sohn davon vor.

Egli wollte die Erinnerungen seiner Eltern mit der aktuellen Realität abgleichen, denn aus der unberührten indonesischen Laguneninsel ist mittlerweile ein brodelnder Touristenort geworden sein. Er verbrachte insgesamt sechs Wochen dort, erkundete jeden Winkel, sprach mit Einwohnern und Touristen.

Fotostrecke

Zwischen Sand und Müll: Zu Besuch auf Gili Trawangan

Gili Trawangan ist die größte der drei Gili-Inseln in der Nähe von Lombok und gehört wie auch Gili Meno und Gili Air zu Indonesien. Auf der Insel leben zwischen 1000 und 3000 Menschen auf einer Fläche von rund 3,5 Quadratkilometern - noch vor 50 Jahren hatten sich hier nur ein paar nomadische Fischer niedergelassen.

Wegen ihrer Abgeschiedenheit wurde die Insel in den Neunzigerjahren unter Aussteigern und Hippies bekannt und dann auch von der Tauchindustrie entdeckt. Durch eine direkte Schnellbootverbindung seit 2005 stieg die Zahl der Touristen kontinuierlich an - heute kommen rund 2000 täglich auf die Insel.

Eine Parallelwelt

Was suchen die Menschen hier? Egli traf viele Touristen, die nur an Party, Sex, Drogen und Alkohol interessiert waren. Trotz der strengen Drogengesetze in Indonesien wird auf der Insel in Bars mit "fresh magic mushrooms" geworben, Chrystal Meth in Shots für wenige Euro angeboten. Gili Trawangan gilt als Partyinsel mit einem abwechslungsreichen Nachtleben - bis in die Morgenstunden.

Während die einen am Pool in Bikini und Badehose Bier und Cocktails trinken, ruft der Muezzin der nahegelegenen Moschee zum Gebet. Der Großteil der Einwohner der Insel sind Muslime, der Lebensstil, den die Touristen nach Gili Trawangan bringen, lässt sich schwer damit vereinbaren. Doch viele Bewohner leben von der Vermarktung der Trauminsel.

Manche Touristen glauben, hier den perfekten Ort gefunden zu haben. Egli lernte Alex und Fabienne kennen, die sagten: "Diese Insel ist wie eine Parallelwelt. Wir können unvernünftig sein, die Grenzen verschieben, und es interessiert niemanden. Wir sind noch nie glücklicher gewesen, es ist unser Paradies."

Egli lenkt mit seinen Fotos die Aufmerksamkeit auf die negativen Auswirkungen, die der Tourismus mit sich bringt. Er zeigt Ansichten, die sich so gar nicht mit denen einer Trauminsel vereinbaren lassen: vermüllte Landschaft, überfüllte Strände, Boote voll mit Bier und drogensüchtige Einheimische.

Die einst atemberaubende Unterwasserwelt wurde von Dynamitfischern, rücksichtslosen Touristen und Umweltverschmutzung stark in Mitleidenschaft gezogen, ein großer Teil der Korallen ist mittlerweile tot. Auf einem von Eglis Fotos sieht man einen Vater mit seinem Kind im trüben Wasser spielen, das Meer hat nichts mehr mit der einstigen Beschreibung der Eltern des Fotografen zu tun.

Die Touristenmassen überfordern die Infrastruktur, die nicht für so viele Menschen ausgelegt ist. Täglich entstehen bis zu zehn Tonnen Abfall, wobei die meisten auf einer großen Deponie auf der Insel landen. Auch die Klärgruben sind überlastet - und das Abwasser fließt ungefiltert ins Meer.

"Es gibt keine Begrenzung, wie viele Häuser gebaut werden können", sagt Egli. Jeden Monat würden neue Unterkünfte für Urlauber entstehen. Geht die Entwicklung so weiter, könnte das die Insel bald komplett zerstören.

Scott Gilberston, mit dem Egli sprach, sagt: "Die Gili-Inseln sind keine Inseln, auf die man geht und die man erlebt. Sie sind eine Idee, eine Kulisse, auf der Touristen ihre Fantasien darüber ausleben können, was ein Paradies ist." Für manche Einwohner ist sie aber jetzt schon zu einem Albtraum geworden.

insgesamt 11 Beiträge
Sal.Paradies 14.05.2018
1. Zerstörtes Paradies
Ich war vor 23 Jahren auf den Gilis. Auf Trawangan gab es nur wenige Restaurants und die Unterkünfte waren überschaubar, was nicht störte, da nur wenige Touristen dort waren. Tagsüber schnorcheln und jeden Abend dann Fussball [...]
Ich war vor 23 Jahren auf den Gilis. Auf Trawangan gab es nur wenige Restaurants und die Unterkünfte waren überschaubar, was nicht störte, da nur wenige Touristen dort waren. Tagsüber schnorcheln und jeden Abend dann Fussball mit den Einheimischen und auch ohne Drogen ging es allen gut. Länger gewohnt haben wir allerdings auf Gili Air, die damals extrem relaxed war. Ein Rundgang um die Insel war ein kleiner Spaziergang auf dem man unzählige tolle Muscheln sammeln konnte. Zwischendurch ein Plausch mit dem Bootsbauer, der einen gerne einen Arrak kredenzte. Jeden Abend super-frischen Fisch für wenige Ruphia und Sonnenuntergänge die jedes mal noch schöner waren. Wenn man Abwechslung brauchte, konnte man in wenigen Minuten nach Lombok rüber, wo man mit dem Moped tolle Tagesausflüge machen konnte. Die Eltern des Autors haben nicht übertrieben mit ihrer Beschreibung. Die Gilis "waren" ein Paradies und jeder der damals dort anlegte spürte sofort, dass das hier ein ganz besonderer Ort war. Die Muslims dort vertraten eine eher offene Auslegung des Koran und waren super-nett und offen gegenüber Touristen. Damals haben wir alle noch geholfen den anfallenden Müll weg zu räumen. Heute ist das ein Ort, wo Idioten sich einen Dreck um die Natur und die Schönheit der Inseln kümmern. Die kommen ausschließlich, um sich mit Drogen + Alk vollzuhauen und die Insel vollzuschei....! Genau genommen, sind das gar keine normalen Touristen mehr heute. Hätten jene Eltern, die damals die Gilis besuchten gewusst, was ihre Kinder später mit diesem Ort machen, wären sie bei der Familienplanung eventuell etwas vorsichtiger gewesen. Was diese Chaoten gottseidank nicht können, ist, mir meine Bilder und Erinnerungen von damals zu zerstören. Die Gilis sind nur ein Beispiel. Ich stelle so oft fest wie viel Glück ich hatte, dass ich all diese traumhaften Orte vor so vielen Jahren kennenlernen durfte. In eingen Jahren ist Trawangan erledigt, aber vergessen sollte man nicht, dass all dies nur möglich ist, weil Indonesien ein extrem korruptes Land ist, wo jede Schändung möglich ist, wenn nur genügend Geld fließt.....
takvor 14.05.2018
2. Gili Air
Ich war letzte Woche auf Gili Air und es war traumhaft. Sehr gemütlich, verkehrsfrei und nur Fahrräder sowie Pferde zugelassen. Es ist wirklich eine rurale Stimmung mit wenig Hotels und meistens Homestay. Natürlich bemerkt man [...]
Ich war letzte Woche auf Gili Air und es war traumhaft. Sehr gemütlich, verkehrsfrei und nur Fahrräder sowie Pferde zugelassen. Es ist wirklich eine rurale Stimmung mit wenig Hotels und meistens Homestay. Natürlich bemerkt man wie schmutzig ist, was meistens nicht an Touristen liegt, sondern an Einheimischen, die keine Sensibilität für die Umweltverschmutzung haben. Gili Inseln sind Tauchparadies und es gibt zahlreiche Projekte für den Schutz und Erhaltung der Ozeane.
thequickeningishappening 14.05.2018
3. Tja, ich war 1990 dort
Damals schon abzusehen. 2000 Das letzte Mal in Bali, 2004 in Boracay, 2002 Koh Samui und 2007 Phuket . Habe fertig! Es gibt noch Geheimnisse bis Der Runway verlaengert wird.
Damals schon abzusehen. 2000 Das letzte Mal in Bali, 2004 in Boracay, 2002 Koh Samui und 2007 Phuket . Habe fertig! Es gibt noch Geheimnisse bis Der Runway verlaengert wird.
Sal.Paradies 14.05.2018
4. Wer hat`s erfunden?
Die Schuld jetzt auf die EInheimischen zu lenken ist ganz schön dreist und wirft ein gutes Licht auf den Charakter der heutigen "Besucher" wie Ihnen. Ab wann gab es auf den Gilis diesen blöden Plastikmüll? Ja [...]
Zitat von takvorIch war letzte Woche auf Gili Air und es war traumhaft. Sehr gemütlich, verkehrsfrei und nur Fahrräder sowie Pferde zugelassen. Es ist wirklich eine rurale Stimmung mit wenig Hotels und meistens Homestay. Natürlich bemerkt man wie schmutzig ist, was meistens nicht an Touristen liegt, sondern an Einheimischen, die keine Sensibilität für die Umweltverschmutzung haben. Gili Inseln sind Tauchparadies und es gibt zahlreiche Projekte für den Schutz und Erhaltung der Ozeane.
Die Schuld jetzt auf die EInheimischen zu lenken ist ganz schön dreist und wirft ein gutes Licht auf den Charakter der heutigen "Besucher" wie Ihnen. Ab wann gab es auf den Gilis diesen blöden Plastikmüll? Ja genau. Der kam "mit den Touristen". Von den Einheimischen wäre damals keine auf die bescheuerte Idee gekommen permanent diesen Plastikdreck zu benutzen. Und dann würde ich mal bitte den Bericht hier "richtig" zu lesen. Da stehen harte Zahlen, wie viele Menschen wann auf die Gilis kommen. Dagegen sind die paar Einheimischen Peanuts. Aber Leute wie Ihr habt glücklciherweise immer gleichi den Schuldigen gefunden. Auf einen Einheimischen kommen 1000 Touristen, aber der Müll kommt von deim einen. Für Leute wie Euch kann man sich wirklich nur fremdschämen.....
takvor 14.05.2018
5. "Klugreisender" #1, #4
Bitte erzählen Sie mir nicht, wie ich reisen soll. Ich bin in Sumatra gestartet, wo in manchen Dörfern niemals einen Touristen gesehen haben und glauben Sie mir, ES WAR VOLL DRECKIG. Plastikbeutel findet man auf jedem [...]
Bitte erzählen Sie mir nicht, wie ich reisen soll. Ich bin in Sumatra gestartet, wo in manchen Dörfern niemals einen Touristen gesehen haben und glauben Sie mir, ES WAR VOLL DRECKIG. Plastikbeutel findet man auf jedem einheimischen Markt, wo man Mangos und Snakefruit kaufen kann. Dasselbe gilt für alle kleine Restaurants, wo SEHR VIEL PLASTIK benutzt wird. Nach 1 Monat habe ich gesehen, dass viele Touristen verantwortungsvoll mit der Umwelt gehen und es eine Vielzahl von Defiziten bei den Einheimischen gibt.
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