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Reise

Leserfotos auf Instagram

Schaut ihr ins Gesicht

Eine lässige Kubanerin mit Zigarre, Geschwister auf einer staubigen Straße im Iran, ein junges Mädchen zwischen Pferden auf Island - Gesichter erzählen manchmal mehr über ein Land als jede Sehenswürdigkeit.

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Mittwoch, 09.05.2018   11:28 Uhr

Regungslos und mit geschlossenen Augen steht ein Mädchen auf Island zwischen zwei weißen Pferden und scheint ihre innere Ruhe darin zu finden. "Johanna ist 14 Jahre alt und das einzige Kind in Mjóifjörður, einem abgelegenem Fjord im Osten Islands", sagt Marzena Skubatz, die das Foto gemacht hat.

Die Fotografin aus Berlin hat das Bild Anfang April auf Instagram gepostet. Gelungene Porträts auf Reisen einzufangen, ist oft keine Frage von teurer Fotoausrüstung. Es ist der Blick des Fotografen auf sein Gegenüber und sein Instinkt für Momente, der die Bilder besonders macht.

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Aus einem Coming-of-Age-Film könnte die Aufnahme von Christoph Rothenberger aus Karlsruhe stammen, die einen Teenager aus Bagan beim Rauchen zeigt. "Er hielt neben mir auf dem Roller an und fragte mich, ob ich mich verlaufen hätte und er mir den Weg zeigen könnte", sagt der Kita-Erzieher, der nebenberuflich als Fotograf arbeitet und Anfang des Jahres für einen Monat durch Myanmar reiste. "Mir fiel auf, dass er für den Roller und die Zigarette ziemlich jung wirkte. Deshalb habe ich ihn nach einem Foto gefragt. Er war sichtlich stolz, stellte sich gleich vor mich und nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarette."

Leseraufruf: "Mit Instagram um die Welt"

Am 14. Juni startet die WM. Dann stehen russische Städte wie Nischni Nowgorod, Wolgograd, Moskau oder St. Petersburg im internationalen Rampenlicht. Sind Sie schon einmal in eine der WM-Städte gereist und haben unterwegs Bilder eingefangen? Dann zeigen Sie uns Ihre schönsten Aufnahmen! Taggen Sie Ihre Fotos mit #Spon_Reise_WM2018. Die besten Fotos stellen wir bald vor!

Auch Sven Belz hält gerne Menschen fest, die ihn auf Anhieb faszinieren. Bei dem Foto eines Spaziergängers an einem sonnigen Tag im Londoner Kensington Park fällt sofort ins Auge, was den Fotografen an diesem Moment reizte: "Der Mann, der mir entgegen kam, wirkte so unglaublich sorglos, zufrieden und glücklich, während er ganz allein am See entlang spazierte und seine Mitmenschen beobachtete", sagt der Hochzeitsfotograf aus Limburg. "Ich entschied mich, diesen Moment festzuhalten."

A happy Sunday walk

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Mit Händen und Füßen hat Sören Funk einer Feldarbeiterin in Kathmandu verständlich gemacht, dass er sie gern porträtieren möchte. "Auf einer Wanderung haben wir Bekanntschaft mit drei Arbeiterinnen gemacht, die Unkraut zupften" sagt der Reisefotograf aus Hessen, der mit seiner Frau sechs Monate durch Asien und Australien reist. "Dazu gehört auch "Weed", kleine Marihuana-Pflanzen, die hier tatsächlich an jeder Ecke wie Unkraut aus dem Boden sprießen und dem Gemüse die Nährstoffe rauben. "Sie lächelte und schien sich über unser Interesse zu freuen."

Eine Frau des philippinischen Stamms der Ifugao hat die Aufmerksamkeit der Fotografin Elina Gathof sofort auf sich gezogen: "Ihre Schönheit und ihre bunte Kleidung haben mich fasziniert", sagt die Münchnerin. Die 28-Jährige fragt die Menschen immer zuerst um ihr Einverständnis, bevor sie fotografiert. "Meistens deute ich einfach auf meine Kamera und schaue fragend", sagt sie. "Die alte Frau hat dann sofort genickt." Oft kaufe sie den Menschen auch eine Kleinigkeit, um das Eis zu brechen - "vor allem in Kulturen, in denen sich die Menschen nicht so gerne fotografieren lassen."

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Wie Skubatz, Rothenberger, Belz, Funk und Gathof haben auch weitere SPIEGEL-ONLINE-Leser ihre Fotos auf Instagram gepostet: Klicken Sie auf die Fotostrecke und lassen sich inspirieren.

insgesamt 4 Beiträge
spon-facebook-1027497194 09.05.2018
1. So schön solche Fotos sind ...
ist Ihr Aufruf genau genommen ein Aufruf zum Rechtsbruch (Recht am eigenen Bild), der vor allem nach dem Inkrafttreten des DSVGO am 25. Mai für die Hobbyfotografen, die solche Aufnahmen in Instagram veröffentlichen, verheerende [...]
ist Ihr Aufruf genau genommen ein Aufruf zum Rechtsbruch (Recht am eigenen Bild), der vor allem nach dem Inkrafttreten des DSVGO am 25. Mai für die Hobbyfotografen, die solche Aufnahmen in Instagram veröffentlichen, verheerende Folgen haben kann, denn ich glaube nicht, dass irgend ein Urlaubsknipser mit den betreffenden Personen einen Modelvertrag abschließen wird. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich bedaure als Fotograf sehr, dass dieses Gesetz noch mehr als bisher schon Menschenaufnahmen faktisch unmöglich macht (außer man stellt Fotos mit professionellen Models oder eigenen Familienmitgliedern), denn eigentlich möchte man gerade im Urlaub ja das Leben vor Ort einfangen und dazu gehören die Menschen. Aber die lange geschürte Angst vor dem Verlust der eigenen Daten schlägt sich jetzt zunehmend in lähmende Gesetze nieder, die jedes Augenmaß vermissen lassen.
Papazaca 09.05.2018
2. Deutsches Recht regelt das Weltgeschehen ...
Und die DSVGO gilt auch in Myanmar, Island, Cuba usw.? Und von unseren Hobbyfotografen wird auch nur einer belangt? Ich will jetzt nichts weiter dazu sagen, mein Rat: Trinken Sie einen Kaffee, entspannen Sie gut und [...]
Zitat von spon-facebook-1027497194ist Ihr Aufruf genau genommen ein Aufruf zum Rechtsbruch (Recht am eigenen Bild), der vor allem nach dem Inkrafttreten des DSVGO am 25. Mai für die Hobbyfotografen, die solche Aufnahmen in Instagram veröffentlichen, verheerende Folgen haben kann, denn ich glaube nicht, dass irgend ein Urlaubsknipser mit den betreffenden Personen einen Modelvertrag abschließen wird. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich bedaure als Fotograf sehr, dass dieses Gesetz noch mehr als bisher schon Menschenaufnahmen faktisch unmöglich macht (außer man stellt Fotos mit professionellen Models oder eigenen Familienmitgliedern), denn eigentlich möchte man gerade im Urlaub ja das Leben vor Ort einfangen und dazu gehören die Menschen. Aber die lange geschürte Angst vor dem Verlust der eigenen Daten schlägt sich jetzt zunehmend in lähmende Gesetze nieder, die jedes Augenmaß vermissen lassen.
Und die DSVGO gilt auch in Myanmar, Island, Cuba usw.? Und von unseren Hobbyfotografen wird auch nur einer belangt? Ich will jetzt nichts weiter dazu sagen, mein Rat: Trinken Sie einen Kaffee, entspannen Sie gut und denken Sie besser über Ihren nächsten DSGGO- Kommentar nach.
Papazaca 09.05.2018
3. Mein Lieblingsfoto: Dame mit Zigarre
Dieses Foto prägt sich ein. Die Frau genießt. Ich hoffe nicht, das sie an die DSVGO denkt und an das Geld, das Sie mit dem Recht am eigenen Bild einklagen könnte. Aber nur, wenn europäisches Recht in Cuba gelten würde. Aber [...]
Dieses Foto prägt sich ein. Die Frau genießt. Ich hoffe nicht, das sie an die DSVGO denkt und an das Geld, das Sie mit dem Recht am eigenen Bild einklagen könnte. Aber nur, wenn europäisches Recht in Cuba gelten würde. Aber so weit sind wir noch nicht. Aber wenn die Kubaner eines Tages Mitglied der EU werden wollen, wäre ich sofort einverstanden. Hoffentlich riskieren wir dann keinen Krieg mit der USA,( Cuba, der Hinterhof der USA und so ...).So lange können wir uns nur über so schöne Fotos freuen ....
Hamberliner 12.05.2018
4. grenzwertig
Dass man vor allem Gesichter fotografieren muss, um einen Gesamteindruck eines fremden Landes mitzunehmen, finde ich nicht. Ich verorte dahinter ein konservatives kleingeistiges Weltbild, nicht allzuweit von Rassismus und [...]
Dass man vor allem Gesichter fotografieren muss, um einen Gesamteindruck eines fremden Landes mitzunehmen, finde ich nicht. Ich verorte dahinter ein konservatives kleingeistiges Weltbild, nicht allzuweit von Rassismus und Xenophobie entfernt, nämlich: wer so und so aussieht, gehört gefälligst da und da hin. Ich bin nur 10 Jahre nach Ende des 3. Reichs geboren, und als ich klein war hatten wir zuhause ein Lexikon, das wohl noch zu der Zeit entstanden war. Es triefte vor Rassismus. Es enthielt mehrere Seiten Fotos um zu dokumentieren: das ist ein Bantun*ger, das ist ein Pygmäe, das ist ein Kalmücke, das ist ein Indianer, das ist ein Kreole. Daran fühle ich mich erinnert. Die hier gezeigten Menschen sollten IMHO eigentlich genausogut mitten in Deutschland vorstellbar sein. Ich wage sogar zu behaupten: wer Gesichter als etwas landestypisches ansieht, versucht gar nicht erst sich zum Teil der Bevölkerung zu machen und meint: die sehen sowieso alle ganz anders aus als ich, also kann ich hier mit kurzen Hosen und einer grenzdebilen Kopfbedeckung unangenehm auffallen.
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