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Reise

Louvre in Abu Dhabi

Wie Picasso in die Wüste kam

Die Scheichs verlangten nicht weniger als ein architektonisches Weltwunder: Am 11. November wird nun der Louvre von Abu Dhabi eröffnet. Der spektakuläre Bau lässt schon jetzt die Kunstszene im Emirat aufblühen.

Louvre Abu Dhabi / Mohamed Somji
Von Helge Sobik
Dienstag, 17.10.2017   11:42 Uhr

In ihren langen Gewändern wandeln die Besucher durch das riesige Gebäude, und sie wissen nicht, was sie zuerst bestaunen sollten: die gewaltige Kuppel, die sich über ihnen erhebt, oder die Wasserfläche zu ihren Füßen, die den schneeweißen Bau zur Insel macht. Sogar einen Bootsanleger gibt es.

Draußen flirrt die Hitze, das Thermometer zeigt 46 Grad. Durch die Ornamente in der Kuppelstruktur fallen Sonnenstrahlen, und die Gäste - die Frauen in Schwarz, die Männer in Weiß - zücken das Handy und fotografieren das raffinierte Schattenspiel auf dem Boden. Von Bauarbeitern und Planern abgesehen, hat das sonst noch niemand gesehen.

Das war Mitte September, als etwa hundert emiratische Würdenträger rund um Abu Dhabis Kronprinzen Mohammed bin Zayed al-Nahyan auf exklusiver Preview durch den fast fertigen Louvre von Abu Dhabi geführt wurden.

Einer, der mit dabei war und ebenfalls eifrig mit dem Handy gefilmt hat, ist Galerist Khaleed Seddiq Samea: "Zu meinen Lebzeiten werde ich nichts Schöneres zu sehen bekommen", schwärmt er danach, während sein rechter Zeigefinger zwischen den Fotos der Besichtigung auf seinem Handy hin- und herwischt.

Architektur-Weltwunder für Abu Dhabi

Die Eröffnung ist nun für den 11. November geplant. Dabei hatte es viele bauliche Herausforderungen hier im Sand von Abu Dhabi gegeben. Am Ende haben die Planer rund um den französischen Stararchitekten Jean Nouvel doch für alles eine Lösung gefunden - wenn auch insgesamt mit mehrjähriger Bauverzögerung.

Denn was der Mann aus Paris sich da an Konstrukt ausgedacht hat, ist alles andere als simpel. Es bemisst sich an der Aufgabenstellung der Scheichs, die all das bezahlen. Sie verlangten ein architektonisches Weltwunder - ein Gebäude, das eines Tages so sehr für das neue Abu Dhabi stehen kann wie die Oper von Sydney für Australien, wie das Empire State Building für New York. Und mindestens so wie das Burj al-Arab für den ewigen Lokalrivalen Dubai.

Das neue Gebäude sollte dabei zweifelsfrei in der Gegenwart verankert sein, ohne in seiner Formensprache schon morgen überholt zu werden. Und es sollte ebenso zweifelsfrei hierher gehören und Anleihen bei der Bautradition der Region machen

Deshalb hat Nouvel sich die komplizierte Kuppel mit ihren Öffnungen für Luft und Licht einfallen lassen. Sie soll an die althergebrachten Deckungen der Gassen mit Palmwedeln erinnern und überspannt gleichwohl die Fläche von fünf Fußballfeldern, wird getragen von nur vier Säulen: "Wie früher im Basar, wenn Sonnenstrahlen plötzlich durch die Abdeckungen aus Strohmatten bis in die Gassen hineinschienen", sagt der Architekt in einem Interview über den Effekt.

Fotostrecke

Eröffnung des Louvre in Abu Dhabi: Lichtdurchflutet wie ein Basar

Aus demselben Grund sind die 55 Quadergebäude unter und neben der Kuppel, die eigentlichen Ausstellungsgebäude, angeordnet wie in einer arabischen Medina. Gassen und Gänge führen durch dieses Labyrinth in Schneeweiß, Treppen hinauf auf die Flachdächer mancher Quader.

Eine Kunstszene entstand

Ein paar Ehrengäste werden erst kurz vor der Eröffnung anreisen: Leonardo da Vinci, Piet Mondrian, Henri Matisse und Pablo Picasso - jeweils vertreten durch ihre Werke. Denn die wertvollsten Bilder der größten Künstler, fast alles Leihgaben französischer Museen, genießen strengsten Schutz und kommen erst, wenn nichts mehr an eine Baustelle erinnert und alle Alarmanlagen scharf geschaltet sind.

Überhaupt spielte Picasso ein Schlüsselrolle dabei, dieses Museum ebenso wie das in unmittelbarer Nachbarschaft geplante Guggenheim den Bewohnern der Emirate nahezubringen. Es galt, Menschen für eine Kunst zu gewinnen, mit der viele von ihnen kaum jemals zuvor wirklich Berührung hatten und die auf den ersten Blick nichts mit ihren Traditionen zu tun hatte.

Zehn Jahre ist es her, dass eine erste große Picasso-Ausstellung im Emirates Palace in Abu Dhabi stattfand und gezielt von zahllosen Schulklassen besucht wurde. Die Jüngeren wurden spielerisch an seine Kunst herangeführt, die Älteren über den Intellekt angesprochen, und manchen nötigte allein der Marktwert der Werke den erforderlichen Respekt ab. Es folgten viele weitere vergleichbare Ausstellungen großer, vor allem europäischer Künstler des 20. Jahrhunderts.

Heute gibt es etwa ein Dutzend Galerien in Abu Dhabi - wie Khaleed Seddiq Sameas Etihad Modern Art Gallery im Al-Bateen-Viertel. Dazu im Hafengebiet nicht weit vom Schlachthof und der Markthalle das Warehouse 421 als ultramodernes Ausstellungszentrum gerade für einheimische Künstler, in dem auch Videoinstallationen ihren Platz haben.

Abu Dhabi hat weiter Großes vor - und Teures

Die Saat scheint aufgegangen zu sein. Tatsächlich ist es gelungen, eine gewisse Kunstsinnigkeit zu fördern, eine Neugierde auf das Fremde. Der Louvre wird bei seiner Eröffnung nichts Fremdes sein, das Abu Dhabi übergestülpt wird: "Er wird hierher passen, und die Kunstszene wird weiter wachsen", so ist jedenfalls Seddiq Sameas Überzeugung.

Das liegt auch an der Konzeption als Touristenattraktion und als universelles Museum, das Kunst aus aller Welt und vielen Epochen bis zurück zur ägyptischen Pharaonenzeit präsentiert, Ursprünge, Entwicklungen und Schnittmengen aufzeigen soll und mit etwas mehr als 600 Exponaten auf 8600 Quadratmetern Ausstellungsfläche alles andere als überladen sein wird.

Auch sonst hat Abu Dhabi weiter Großes und Teures vor, was Museen angeht: Sir Norman Foster soll das neue Nationalmuseum, Frank O. Gehry das Guggenheim Abu Dhabi direkt neben dem neuen Louvre bauen. Die Pläne sind alle fertig, die Fundamentierungsarbeiten gelaufen.

Nur mit der Bekanntgabe von Eröffnungsterminen ist man vorsichtiger geworden.

Helge Sobik schreibt als freier Autor für SPIEGEL ONLINE. Die Reise wurde unterstützt von der Tourism and Culture Authority Abu Dhabi.

insgesamt 25 Beiträge
HISXX 17.10.2017
1. Prunk und Protz
erbaut von Bauarbeitern, die wie Sklaven gehalten werden.
erbaut von Bauarbeitern, die wie Sklaven gehalten werden.
sPeterle 17.10.2017
2. traumhaft
Klasse jetzt kommt der Stil zum Geld. Vielleicht besinnen sich die Moslems auf ihre grandiose Kultur und es gibt etwas anderes als Gewalt
Klasse jetzt kommt der Stil zum Geld. Vielleicht besinnen sich die Moslems auf ihre grandiose Kultur und es gibt etwas anderes als Gewalt
Carll 17.10.2017
3. Picasso im Gefängnis
Mir gehen diese Protzbauten und die Vereinnahmung der Kunst total an meinem Abu Dhabi vorbei. Hiermit verurteile ich die Verantwortlichen zu 3 Jahren Haft und 3 Ohrfeigen wegen Beleidigung Picassos und der europäischen Kunst.
Mir gehen diese Protzbauten und die Vereinnahmung der Kunst total an meinem Abu Dhabi vorbei. Hiermit verurteile ich die Verantwortlichen zu 3 Jahren Haft und 3 Ohrfeigen wegen Beleidigung Picassos und der europäischen Kunst.
equigen 17.10.2017
4. Dekadent
Wieviel der gezeigten Kunstwerke stammen aus dem eigenen Land von moslemischen Künstlern? Oder leidet am Ende die Kreativität wenn alles was Spaß macht verboten ist, weil es dem Propheten nicht passt?
Wieviel der gezeigten Kunstwerke stammen aus dem eigenen Land von moslemischen Künstlern? Oder leidet am Ende die Kreativität wenn alles was Spaß macht verboten ist, weil es dem Propheten nicht passt?
ralle58 17.10.2017
5. War doch klar
dass in diesem Forum wieder vorwiegend Spaßbremsen unterwegs sind.
dass in diesem Forum wieder vorwiegend Spaßbremsen unterwegs sind.
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