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Reise

Weltreise von oben

Nie wieder ohne Drohne

Mal erleidet das Fluggerät Totalschaden, mal werden sie der Spionage verdächtigt - eine Weltreise mit Drohne ist nicht immer einfach. Zwei Blogger aus Bayern dokumentieren ihre Abenteuer aus der Luft.

Nadine Gleissner & Franz Russ
Von
Montag, 26.12.2016   12:51 Uhr

Sie saßen in einer Strandbar auf den Seychellen und genossen den Sonnenuntergang, die leichte Brise und die Langusten. Und sie bedauerten, dass sie am nächsten Tag wieder heim nach Ingolstadt fliegen mussten: Franz Russ, der Ingenieur, zu seinem Job bei Audi, seine Frau Nadine Gleissner, die Lehrerin, zu ihrer siebten Klasse, Mathe und Chemie.

Da gesellten sich Gäste zu ihnen an den Tisch, die nicht in den deutschen Winter zurückmussten. Die ein ganzes Jahr lang frei hatten und sich schon über die Karten des nächsten Kontinents beugten, den sie erkunden wollten. Franz und Nadine warfen sich einen Blick zu. Das wollten sie auch. Zwei Jahre ist das her.

Heute sitzen Nadine und Franz, beide 30, auf einer Tropenholzterrasse, die sich über eine Schlucht wölbt. Ringsum Dschungel. Unten rauscht der Weru-Weru-Fluss vorbei. Vor ihnen strahlt die Schneekuppe des Kilimandscharo. Sie sind in Tansania angekommen. "Doch im Paradies befinden wir uns schon seit vier Monaten", sagt Nadine, während Franz an der Fernsteuerung seiner Drohne herumfummelt.

Oben zieht ein Adler seine Kreise - nicht, dass der noch mit der Phantom-4 kollidiert. Gerade taucht die aufgehende Sonne den berühmten Berg in ein rötlich-violettes Licht, Eukalyptusbäume beugen sich gen Tal, ein paar Diademmeerkatzen toben auf ihnen herum und machen sich die Bananen streitig. Von so etwas hatten die beiden Weltenbummler aus Bayern immer geträumt.

Fotostrecke

Weltreise mit Drohne: Der ganz besondere Blick

Die Leidenschaft für die Drohnenfotografie hat Franz Russ schon seit anderthalb Jahren. Die Liebe zum Reisen teilten die beiden schon immer. Irgendwann möchten sie Kinder bekommen, dann ist es vielleicht zu spät für den großen Traum einer Weltreise, dachten sie sich und baten ihre Arbeitgeber, ein Sabbatical einlegen zu dürfen.

Die Idee: Sie wollten sich eine Drohne kaufen und die spektakulärsten Orte der Welt ansteuern. Mit etwas Glück könnten sie hier und da umsonst wohnen und die Lodges dafür mit exklusiven Aufnahmen versorgen. "Die Resonanz war deprimierend", erinnert sich Nadine Gleissner, "es gab keine einzige positive Reaktion." Dennoch zogen die beiden los. Jetzt erst recht, sagten sie sich.

Drohnen-Totalschaden in Bolivien

Seit vier Monaten erkunden sie nun schon die Welt. Und damit die Lieben daheim immer im Bilde sind, was die beiden gerade erleben, bloggen sie von unterwegs. Es sind weniger die Texte, die beeindrucken. Das Blog Ourdays besticht durch die Luftaufnahmen.

Begonnen hatte die Drohnen-Tournee in Rio de Janeiro und an den Iguazú-Wasserfällen, dann zogen Franz und Nadine weiter nach Bolivien, nach Mexiko, Belize und Uganda. Wenn sie Serengeti und Ngorongoro-Krater erkundet haben, soll es über Dubai noch zum Baden auf die Philippinen und zum Skifahren nach Japan gehen. Das ist der grobe Plan. Mit Überraschungen muss allerdings gerechnet werden.

In der bolivianischen Salzwüste zum Beispiel schmierte Franz die Drohne ab, aus 200 Meter Höhe fiel sie wie ein Stein zu Boden: nirgendwo ein Ort, wo man sie hätte reparieren können, weit und breit kein Händler, der hätte Ersatz beschaffen können. Also machten die beiden kurzerhand einen Umweg über Miami und kauften ein neues Fluggerät.

In Belize hingegen wollten Hoteliers Franz und Nadine am liebsten gar nicht weiterziehen lassen. So beeindruckt war eine Hotelkette von den Bildern, die Franz ihnen mit seiner Drohne machte, dass sie ihnen zum Preis von ein paar Luftaufnahmen eine zwölftägige Tour durch Luxusressorts auf einsamen Inseln anbot.

"Da kamen wir ganz schön ins Grübeln", sagt Franz, "aber wir hatten den Besuch bei den Gorillas schon im Voraus gebucht und mussten weiter nach Afrika." Sie sagten schweren Herzens ab, aber heute sind sie froh, dass sie nicht auf Belize hängengeblieben sind: "Die Begegnung mit den Menschenaffen gehört zu den Highlights der bisherigen Reise." Bis auf einen Meter kamen sie an die Affensippe heran.

"Besser kann es gar nicht werden"

Dabei wäre es fast gar nicht dazu gekommen. In Uganda wollten grimmige Zöllner sie mit dem unbekannten Fluggerät zunächst nicht ins Land lassen; die zwei könnten ja Spione sein. Erst ein Marathon durch diverse Polizeireviere der Hauptstadt Kampala und ein bisschen Schmiergeld ermöglichten die Weiterreise zu den Gorillas im Bwindi-Regenwald, den legendären Mondbergen und den Murchison Falls.

Überhaupt ist es vor der Einreise in vielen Ländern schwierig, sagen die beiden, Informationen über eine Drohnenerlaubnis zu erhalten. Während sie in Südamerika keinerlei Probleme hatten, ist es in Afrika schwieriger: In Tansania, wo die beiden gerade auf der Terrasse sitzen, ist das Abheben von Drohnen in Nationalparks verboten. In Kenia, dem nächsten Ziel, dagegen wie in Uganda generell - falls man keine offizielle Erlaubnis der Polizei und der Luftfahrtbehörde hat.

"Meistens allerdings sind die Leute freundlich, wenn wir mit der Drohne auftauchen", sagt Franz, "und zeigen uns ganz stolz die schönsten Ecken." Begegnungen mit wilden Elefanten sind so zustande gekommen und Ausflüge in den Regenwald.

Wo es am schönsten war, können sie nicht sagen: "Immer denken wir: Besser kann es nicht werden, und dann kommt wieder so ein Wahnsinnsmoment."

insgesamt 6 Beiträge
smartphone 26.12.2016
1. Verharmlosung der
Genau solch gestrikcte Artikel sollet man dringend nicht veröffentlichen - Denn mittlererweile meint Hinz und Kunz mit solch "Handtaschenfliegern" überall rumzudüsen ... Sie landen ggfs schneller im Knast ,als Sie [...]
Genau solch gestrikcte Artikel sollet man dringend nicht veröffentlichen - Denn mittlererweile meint Hinz und Kunz mit solch "Handtaschenfliegern" überall rumzudüsen ... Sie landen ggfs schneller im Knast ,als Sie denken können....... Im übrigen sollte der Ingenieur bei AUDI mal seine Hasuaufgaben machen und ggfs sein Geld lieber sparen bevor der Laden machulle geht ..... Nur Dumme kaufen noch einen AUDI - sagt ein dt Dipl.-Ing ( echter Titel )
DGDSV 26.12.2016
2. Nach dem Artikel kann ich mir leicht ausmalen ...
wie es in einigen Jahren auf unseren Urlaubsreisen zugehen wird. Zusätzlich zu den bereits grassierenden Segnungen oder Unsitten (je nach Blickwinkel), wie z.B. Knipseritis und Selfie-Flut, werden tausende Ko-Touristen jede [...]
wie es in einigen Jahren auf unseren Urlaubsreisen zugehen wird. Zusätzlich zu den bereits grassierenden Segnungen oder Unsitten (je nach Blickwinkel), wie z.B. Knipseritis und Selfie-Flut, werden tausende Ko-Touristen jede erdenkliche Sehenswürdigkeit von ihren mitgebrachten Drohnen umschwirren lassen. Jeder verbleibende Rest an Ruhe wird damit endgültig dahin sein ...
bissig 26.12.2016
3.
Mit den Handtaschenfliegern könnten Sie Recht haben, ich warte noch immer auf das erste Smartphone mit eingebautem Flugmodus, bei dem der Nutzer zu spät merkt, dass seine Fernbedienung gerade mit wegfliegt. Und was Audi [...]
Zitat von smartphoneGenau solch gestrikcte Artikel sollet man dringend nicht veröffentlichen - Denn mittlererweile meint Hinz und Kunz mit solch "Handtaschenfliegern" überall rumzudüsen ... Sie landen ggfs schneller im Knast ,als Sie denken können....... Im übrigen sollte der Ingenieur bei AUDI mal seine Hasuaufgaben machen und ggfs sein Geld lieber sparen bevor der Laden machulle geht ..... Nur Dumme kaufen noch einen AUDI - sagt ein dt Dipl.-Ing ( echter Titel )
Mit den Handtaschenfliegern könnten Sie Recht haben, ich warte noch immer auf das erste Smartphone mit eingebautem Flugmodus, bei dem der Nutzer zu spät merkt, dass seine Fernbedienung gerade mit wegfliegt. Und was Audi angeht: Wir leben in einer Marktwirtschaft. Da kann jeder sein Geld ausgeben, wofür er auch immer Lust hat. Sei es für Smartphones, Drohnen, Schokolade, Briefmarken oder Autos. Sagt einer mit einem akademischen Grad ;-) Im Gegensatz zu vielen Anderen hier im Forum haben die beiden aber etwas, an das sie sich ein Leben lang erinnern können. Nicht vielen ist es vergönnt, so viel zu erleben. Ich habe Respekt vor der Entscheidung und wünsche den beiden weiterhin viel Spass.
-dye- 26.12.2016
4. @smartphone
Wer oder was hat dir denn das Fest versaut? Wie viele Piloten einer Drohne sitzen denn schon im Knast? Und es gibt ja wohl schlimmere Berufe als Ingenieur und Lehrer. Egal wie man zu Drohen steht aber die Bilder sehen einfach [...]
Wer oder was hat dir denn das Fest versaut? Wie viele Piloten einer Drohne sitzen denn schon im Knast? Und es gibt ja wohl schlimmere Berufe als Ingenieur und Lehrer. Egal wie man zu Drohen steht aber die Bilder sehen einfach toll aus!
ines7 26.12.2016
5. Einen Höllenlärm
machen diese Sch...dinger. Jedenfalls die, die ich letzen Sommer erleben durfte. In einem schattigen Park ein Buch lesen, auf einem Berg den Ausblick und die Stille genießen - völlig unmöglich; Laubbläser sind harmlos dagegen. [...]
machen diese Sch...dinger. Jedenfalls die, die ich letzen Sommer erleben durfte. In einem schattigen Park ein Buch lesen, auf einem Berg den Ausblick und die Stille genießen - völlig unmöglich; Laubbläser sind harmlos dagegen. Ich bin weder technophob noch paranoid, aber wenn sich das nicht ändert, dann schwör ich, ich suche auf dem Dachboden meiner Eltern nach meinem alten Bumerang und übe damit so lange, bis ich richtig gut treffen kann ...
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