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Reise

Schlendern, Stöbern, Schätze suchen

Das sind Europas schönste Flohmärkte

In Seelenruhe über den Markt schlendern, nach Schnäppchen und Kuriositäten suchen, mit Händlern feilschen: Flohmärkte haben noch immer ihren Reiz und im Herbst Hochsaison.

Ekko von Schwichow/ SRT
Montag, 11.09.2017   11:46 Uhr

Ob hippe Hosen in Berlin oder zarte Glaswaren in Wien - wen das Flohmarktfieber einmal erwischt hat, der wird süchtig. Während die Märkte im Mittelalter für den Weiterverkauf fürstlicher Gewänder (mit dem ein oder anderen Floh darin) entstanden, reicht auf heutigen Flohmärkten das Angebot von gebrauchten Haushaltsgeräten über Möbel und Kunst bis hin zu Kleidung und Elektrokleinteilen.

Hier stellen wir einige der schönste Märkte in Europa vor:

Berlin: der Hippe

Nicht unbedingt so traditionell wie der Trödelmarkt in der Straße des 17. Juni, dafür mit der Möglichkeit, ein hippes Outfit aus der letzten Saison günstig zu erstehen: Der Mauermarkt ist inzwischen zu einer Institution unter den Berliner Flohmärkten geworden.

Selbstgemachter Schmuck, individuelle Gürtel, Hüte und Comics werden ebenso verkauft wie ganze Wohnungseinrichtungen von Hauptstädtern, die hinaus in die weite Welt ziehen (oder zurück in die Provinz). Dazwischen präsentieren junge Künstler sich und ihre Werke und wer weiß, vielleicht ist einer von ihnen in ein paar Jahren der neue Georg Baselitz?

Wo und Wann? jeden Sonntag zwischen 9 und 18 Uhr an der Bernauer Straße

Rom: der ehemalige Schwarzmarkt

Der Sänger Claudio Baglioni hat dem sonntäglich stattfindenden Flohmarkt ein eigenes Lied gewidmet. Die "Porta Portese", wie der größte Flohmarkt der italienischen Hauptstadt heißt, existiert seit über 70 Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg als "Schwarzmarkt der Römer" entstanden, gibt es hier einfach alles. Es heißt sogar, wem etwas gestohlen wurde, der habe gute Chancen, es auf der Porta Portese inmitten von Strohtaschen, Elektro- und Haushaltsartikeln, alten Tischdecken und Pelzen oder auch Bundeswehrparkas wiederzufinden.

Dass Stöbern hungrig macht, wissen auch die Anbieter der regionalen Spezialitäten und platzieren sich mit ihren Verkaufsständen auf den kleinen Plätzen am Ende der Marktgassen. Ein Bestseller: Panini con Porchetta, Brötchen mit Schweinebraten.

Wo und Wann? immer sonntags von 6 bis 14 Uhr rund um die Via di Porta Portese

Paris - der Klassiker

Der Blick auf die Gassen rund um den Eingang des Marché aux Puces an der Porte de Clignancourt wirkt ernüchternd. Das immer gleiche Angebot aus Sport- und Markenartikeln, Tennissocken und Elektronikspielzeug liegt gestapelt auf den Ständen. Nur nicht abschrecken lassen, im Inneren des ältesten Flohmarkts Frankreichs stoßen Schnäppchenjäger auf das typische bunte Wirrwarr aus alten Schildpattkämmen, wackeligen Fensterläden mit abgeblätterter Farbe - garantiert aus der Provence -, Stühlen mit zerschlissenen Samtbezügen und natürlich alten Gemälden und Büchern.

Schallplatten- und Comicfreunde finden in dem reichhaltigen Angebot verschiedenster Händler vielleicht die lange gesuchte noch fehlende Ausgabe ihrer Sammlung. Und wer durch die verlockenden Küchen- oder Kaffeedüfte Hunger bekommen hat, stärkt sich in einem der 21 Restaurants und Cafés für den weiteren Bummel.

Wo und Wann? Von Samstag bis Montag

Fotostrecke

Schatzsuche: Auf Europas schönsten Flohmärkten

Amsterdam - der Größte

Der größte und einzigartigste Flohmarkt Europas, wie sich der IJ-Hallen-Flohmarkt selbst bezeichnet, findet einmal im Monat in den IJ-Hallen statt und kostet fünf Euro Eintritt (Kinder zahlen zwei Euro). Schon die Anreise mit der kostenlosen Fähre vom Hauptbahnhof ist ein Erlebnis und die Markthallen mit leeren Händen und Mägen zu verlassen, ist nahezu unmöglich. Angeboten werden vor allem Secondhand-Kleidung, Möbel und Haushaltswaren. Wer von der wuseligen Hallenatmosphäre und dem vielfältigen Angebot überwältigt ist, kauft sich an einem der zahlreichen Snackstände ein paar Poffertjes, wie die kleinen süßen Pfannkuchen heißen, und schaut dem munteren Treiben erst mal zu.

Wo und Wann? einmal im Monat am Samstag und Sonntag (zum Beispiel 16./17. September und 14./15. Oktober) in den IJ-Hallen in der Nähe der NDSM-Wer

Wien - der Gemütliche

Am Samstag zwischen 6.30 und 18 Uhr sind Marktfreunde im Paradies. Direkt neben den Lebensmittelständen des traditionellen Wiener Naschmarkts findet dann nämlich der größte Wiener Flohmarkt im schönsten Jugendstilambiente statt. Seit 1977 gibt es den Markt inzwischen an der Linken Wienzeile bei der Kettenbrücke, vorher war er als Tandelmarkt nahe dem Stephansdom bekannt.

Antikes, Gebrauchtes und einst Geliebtes wie zarte Glaswaren, Porzellan und Kunstgegenstände werden ebenso angeboten wie Haushaltsartikel, Bücher und gebrauchte Kleidung. Und wer auf dem Oktoberfest in Tracht mit Patina glänzen möchte, nutzt den Bummel und stöbert im üppigen Angebot von Lederhosen, Jankern und Dirndln. Zum Abschluss der Jagd gibt es ein Glaserl Wein auf dem benachbarten Naschmarkt.

Wo und Wann? Samstags zwischen 6.30 und 18 Uhr

London - der Edle

Auf der Portobello Road im hübschen Notting Hill findet täglich, bis auf Sonntag, ein Straßenmarkt statt. Montag bis Donnerstag werden in erster Linie Lebensmittel, Blumen und Mode verkauft, freitags gesellen sich Kunstgegenstände und Antiquitäten dazu, und am Samstag, dem Haupttag, quillt der Markt zwischen den bunten Häusern dann über von Vintagekleidung, einzigartigen Sammlerstücken und edlen Antiquitäten. Wie beinahe überall in London sind auch hier die Preise eher hoch, dafür liefert der Bummel auch für Schatzsucher und Jäger von Fotomotiven ein unvergleichliches Erlebnis.

Wo und Wann? täglich bis auf Sonntag auf der Portobello Road

Sandra Ehegartner, srt

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