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Reise

Fotoreportage aus der WM-Stadt

"Sankt Petersburg ist eine der schönsten Städte der Welt"

Ein Besuch von Sankt Petersburg ist eine Reise, auf der man zugleich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sehen kann. Der Fotograf Daniel Biskup hat die Stadt porträtiert - und ist glücklich nach Hause gekommen.

Daniel Biskup
Ein Interview von
Sonntag, 12.11.2017   08:00 Uhr

SPIEGEL ONLINE: Es fällt auf, wie viele Ihrer Aufnahmen den Newskij-Prospekt zeigen, die zentrale Straße Sankt Petersburgs. Was fasziniert Sie so daran?

Biskup: Das Publikum auf dem Newskij verändert sich mit der Tageszeit: Morgens sind die Alten dort, tagsüber die Geschäftsleute, nachts kommen die Jungen und die Straßenmusiker geben ihre Konzerte, im Sommer wie im Winter.

Die Leute gehen ganz bewusst auf die Straße, sie machen sich schick. Als Besucher fühlt man sich wie in einer Inszenierung. Aber es ist ein Stück, das die Menschen selbst inszenieren. Ich kenne keine Stadt, in der sich so viel auf einem so kleinen Raum abspielt.

Zur Person

SPIEGEL ONLINE: Ist der Newskij nicht auch eine Fassade? Er ist herausgeputzt, eine Prachtmeile. Aber schon in den Seitenstraßen bröckelt der Putz, man fühlt sich zurückversetzt in die Achtzigerjahre.

Biskup: Das ist sogar schon in den Hinterhöfen der Häuser am Newskij so. Und es sind nicht die Achtzigerjahre, es sieht eher so aus wie in den Sechziger- oder sogar Fünfzigerjahren. Das macht einen Teil der Faszination aus: Ein Besuch von Sankt Petersburg ist eine Reise, auf der man zugleich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sehen kann. Ein ganzes Jahrhundert ist noch gegenwärtig, Eindrücke der Zarenzeit, die kommunistische Herrschaft und das neue Russland. Das habe ich so noch in keiner anderen Stadt erlebt.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben insgesamt rund 60 Tage in Sankt Petersburg verbracht. Wie sind Sie bei der Recherche vorgegangen?

Biskup: Vielleicht zehn Prozent der Fotos sind vorbereitet, jemanden wie den Fußballstar Andrej Arschawin trifft man natürlich nicht einfach so. Ansonsten bin ich aber einfach losgelaufen. Das ist das, was meine Begleiter oft sehr entrüstet, weil ich oft stehen bleibe und fotografiere. Manchmal dauern 100 Meter Weg bei mir eine Stunde oder länger. Ich sehe etwas, ich komme mit den Menschen ins Gespräch, erzähle ihnen von meinem Buch und frage sie, ob ich sie dafür fotografieren könnte.

Fotostrecke

Sankt Petersburg in Russland: Streifzug durch die Stadt der Kontraste

Ich weiß deshalb am Anfang des Tages nie, wo ich am Abend rauskommen werde. Manchmal ist das Licht bezaubernd, manchmal streift einen zufällig ein besonderes Bild, beispielsweise die nächtliche Party auf dem Newskij-Prospekt. Man wird immer belohnt. Jede Seitenstraße ist eine Entdeckung in Sankt Petersburg. Ich hätte auch zehn Bildbände füllen können.

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SPIEGEL ONLINE: Im Begleittext zu Ihrem Bildband wird der "Mythos der Andersartigkeit Sankt Petersburgs" beschrieben. Wie äußert sich dieses Anderssein?

Biskup: Die Menschen strahlen Gelassenheit aus. Sie wirken, als seien sie mit sich im Gleichgewicht, vielleicht ist es die Balance zwischen Leben und Arbeit - das fällt vor allen Dingen auf im Vergleich zum viel hektischeren Moskau. In Sankt Petersburg gibt es viele Menschen, die mit wenig zurechtkommen und damit glücklich sind.

SPIEGEL ONLINE: Hat Sankt Petersburg Sie auch verändert?

Biskup: Die Stadt verleiht einem zusätzliche Energie, weil man glücklich ist, dort zu sein. Das war im Sommer so, wenn es 24 Stunden lang nicht dunkel wird, aber auch im Winter, bei minus 20 Grad. Die eisige Kälte gibt einem das Gefühl, sich selbst besser zu spüren.

SPIEGEL ONLINE: Im kommenden Jahr ist Fußballweltmeisterschaft in Russland, Sankt Petersburg ist Spielort. Russland sorgt in jüngster Zeit aber vor allem für negative Schlagzeilen. Wie überzeugen Sie einen Russlandmuffel, dass sich eine Reise doch lohnt?

Biskup: Manchmal habe ich das Gefühl, vor allem bei Gesprächen in Deutschland, dass wir uns wieder im Kalten Krieg befinden. Viele fragen mich, warum ich dennoch immer wieder hinfahre. Ich glaube, trotz politischer Gegensätze ist es wichtig, selbst eigene Erfahrungen vor Ort zu machen. Die Menschen in Sankt Petersburg freuen sich wirklich über jeden Ausländer, den sie in der Stadt sehen, ob auf der Straße oder im Café. Sankt Petersburg ist eine der schönsten Städte der Welt. Und: Russland ist immer ein Abenteuer - man kann so viele Sachen neu entdecken und kommt bereichert wieder nach Hause.

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SPIEGEL ONLINE: Der Ton zwischen Russland und dem Westen hat sich in den vergangenen Jahren verschärft, das russische Fernsehen macht viel Stimmung gegen Europa. Haben Sie keine Ressentiments zu spüren bekommen?

Biskup: Nur ein einziges Mal, als ich einen Mann am Rande der Feierlichkeiten aus Anlass des Endes des Zweiten Weltkriegs fotografieren wollte. Ich solle abhauen, hat er gesagt. Ansonsten können viele Russen nicht verstehen, dass Deutschland so viele Flüchtlinge aufgenommen hat. "Bei euch darf ja jeder von denen einfach so rein", sagen sie. Es kränkt sie, dass russische Bürger noch immer aufwendig ein Visum für EU-Staaten beantragen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Haben die Russen Europa nicht den Rücken gekehrt?

Biskup: Ich glaube nicht. Reisen nach Europa sind in Sankt Petersburg ein großes Thema. Das zeigt schon dieses Café in der Nähe des deutschen Konsulats. Es heißt Schengen.

Daniel Biskup über Russlands Wandel: "Ich will zeigen, warum Putin erfolgreich ist"

insgesamt 38 Beiträge
blauerapfel 12.11.2017
1. Leningrad
Leningrad, die Stadt der Oktoberrevolution, die Stadt der Hoffnung der Menschheit, die Stadt, die mit unglaublicher Willenskraft den Nazihorden standgehalten hat. Die Stadt Lenins. Diesen Namen sollte man auf ewig bewahren.
Leningrad, die Stadt der Oktoberrevolution, die Stadt der Hoffnung der Menschheit, die Stadt, die mit unglaublicher Willenskraft den Nazihorden standgehalten hat. Die Stadt Lenins. Diesen Namen sollte man auf ewig bewahren.
axel1958 12.11.2017
2. Ich kann Herrn Biskup....
nur zustimmen.War in diesem Sommer auch für 8 Tage dort.Eine fantastische Stadt die scheinbar nie schläft.Freundliche und herzliche Menschen.Man kann sich Nachts ohne Probleme auch in Seitenstrassen bewegen.Wäre in Berlin [...]
nur zustimmen.War in diesem Sommer auch für 8 Tage dort.Eine fantastische Stadt die scheinbar nie schläft.Freundliche und herzliche Menschen.Man kann sich Nachts ohne Probleme auch in Seitenstrassen bewegen.Wäre in Berlin Neukölln oder Wedding nicht wirklich ratsam.Eins wurde allerdings nicht erwähnt,das oft sehr schlechte Wetter in St.Petersburg mit nur ca.65 Tagen Sonnenschein im Jahr.Ansonsten ist die Stadt ein Traum.
remcap 12.11.2017
3. Was ist so schwer alle Seiten auszuleuchten?
Das Gleiche kann man auch von all den anderen Weltstädten behaupten. Also wahrlich nix Neues. Jede Stadt hat seine guten und schlechten Seiten. Es liegt in der Natur , das in solchen Artikeln nur hauptsächlich die positiven [...]
Das Gleiche kann man auch von all den anderen Weltstädten behaupten. Also wahrlich nix Neues. Jede Stadt hat seine guten und schlechten Seiten. Es liegt in der Natur , das in solchen Artikeln nur hauptsächlich die positiven Seiten geschildert werden...und mit Fotos von jungen attraktiven Damen gezeigt werden. Obwohl auch die Omas und Opas ja auch zum Stadtbild gehören, will die komischerweise keiner zeigen. Wäre der Zuschauer in dem Fall auch ehrlich geneigt die Stadt weiterhin Attraktiv zu finden?
biesi61 12.11.2017
4. Ein Artikel über Russland mit echtem Informationswert.
Ich hoffe, das ist der nachhaltige Beginn einer Wende zum Besseren in der Spiegel-Redaktion!
Ich hoffe, das ist der nachhaltige Beginn einer Wende zum Besseren in der Spiegel-Redaktion!
apopluto 12.11.2017
5.
Das die Schönheit von Sankt Petersburg auf dem ersten Bild von einer jungen, gutaussehenden Frau mit geschlitztem Kleid dargestellt wird, ist jetzt aber reiner Zufall. Auch wird der SPIEGEL garantieren können, dass die [...]
Das die Schönheit von Sankt Petersburg auf dem ersten Bild von einer jungen, gutaussehenden Frau mit geschlitztem Kleid dargestellt wird, ist jetzt aber reiner Zufall. Auch wird der SPIEGEL garantieren können, dass die Bildauswahl von einem akademisch ausgebildeten Feminismus- Gleichstellungs- und Sexismusbeauftragten freigegeben worden ist. Wenn Sankt Petersburg, die Schöne, auch noch schöne Einwohnerinnen hat, dann ist das halt so. Nicht das wieder Beschwerden kommen.
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