Lade Daten...
22.12.2011
Schrift:
-
+

Mit James Rizzi durch New York

Sexspielzeug in the City

Von Julia Stanek

Angeln im Central Park, Erotik im Museum, Hochzeit im Helikopter: New York erfüllt Touristen einfach jeden Wunsch. In seinem Reiseführer zeichnet der Pop-Art-Künstler James Rizzi ein quietschbuntes Bild von Manhattan - und verrät, wo Weihnachten im Big Apple am schönsten ist.

New York ist eine Stadt zum Verlieben - und eine Stadt zum Verzweifeln. Wer einmal durch die schier endlos scheinenden Straßen Manhattans gelaufen ist, sich im Dickicht der Wolkenkratzer verirrt hat, der kennt das Gefühl, verloren zu sein - und gleichzeitig alle Möglichkeiten der Welt zu haben.

Reiseführer über New York haben die schwierige Aufgabe, Touristen auf clevere Weise durch die coolste, chaotischste und teuerste Stadt der USA zu führen - ohne sie in den Bankrott zu stürzen. Wenn man den Städteführer "My New York City" von James Rizzi und Peter Bührer nach diesen Kriterien beurteilt, muss man dem kürzlich bei Marco Polo erschienenen Buch eine ziemlich gute Note geben.

Auf 240 Seiten schwärmen der amerikanische Pop-Art-Künstler James Rizzi und der Schweizer Koch und Autor Peter Bührer dem Leser von ihrer Lieblingsstadt vor. Sie geben unendlich viele konkrete Tipps für originelle Unternehmungen (Klettern im Central Park), außergewöhnliche Unterkünfte (Erotik-Hotels) und Shopping-Touren, die sie nach Produkten (Sneakers, Glitzerkram, Unterwäsche, Jelly Beans) und Zielgruppen ("Toys for Boys", "Der Duft der Frauen") sortieren - so zeichnen die beiden ein so buntes New-York-Bild, wie die Metropole es verdient.

Der Ausdruck "buntes New-York-Bild" ist dabei wörtlich zu nehmen: Denn das Buch ist ein wahrer Kunst-Reiseführer. Jede Seite hat eine andere Knallfarbe, Stadtviertel wie Chinatown, Soho oder Tribeca sind in einem wuseligen Pop-Art-Gemälde dargestellt. Lustiges Buch-Accessoire: Das angehängte Lesezeichen besteht aus einem Rizzi-Bild in Form eines Apfels - eine künstlerische Anlehnung an New Yorks Kosenamen Big Apple.

Noch mehr dieser Spielereien hat der Künstler in einer zweiten, deutlich wuchtigeren Ausgabe von "My New York City" versteckt, die ein paar Kilogramm mehr wiegt und fünfmal so viel kostet wie der kleinformatige Reiseführer. Darin findet man von Rizzi gestaltet Kofferanhänger, Postkarten und einen Gutschein für einen ermäßigten Rizzi-Regenschirm.

Das Buch und der Reiseführer sind nicht nur hübsch gestaltete Bücher, die New York mal nicht mit Hilfe von Fotos, sondern mit quietschbunten Zeichnungen illustriert. "My New York City" ist vielmehr eine nützliche Anleitung, die streng dem Motto "Komm her und hab Spaß!" folgt.

New York mit kleinem Geldbeutel

Im Nachtleben-Kapitel des Reiseführers erklären die Autoren, dass nicht alles eine Bar ist, was nach Bar aussieht. Man muss in der Stadt, die sprichwörtlich nie schläft, schon unterscheiden zwischen Hangouts und Lounges, Nachtclubs, Live-Musik-Entertainment und den VIP-Läden, in denen man mit Glück Promis trifft. Auf einer Doppelseite erfährt man außerdem, wo es die besten Drinks der Stadt gibt: Ob Sake, Wodka, Tequila, Whiskey, Scotch, Rum, Champagner oder Martini - Rizzi empfiehlt jeweils die einzig wahre Bar.

Dass ein Urlaub in Manhattan nicht immer teuer sein muss, beweisen Rizzi und Bührer im Kapitel "Nicht nur billig - es ist umsonst": eine Führung durch die berühmte Grand Central Station, der Bronx Zoo, Theater im Park, die Late-Night-Show mit David Letterman und ein gutes Dutzend Museen. Es gibt in New York ein enormes Kulturprogramm, das Besucher an bestimmten Tagen keinen Cent kostet - man muss nur wissen, wann. Ein besonderer Tipp für alle, die mit Kindern oder Hobby-Anglern reisen: Im Central Park kann man kostenlos Bambusruten ausleihen und im Harlem-Meer Steinbeißer und Barsch fischen.

Wer Fisch mag, ihn aber nicht selber angeln möchte, der bekommt eine große Auswahl an Lokalen aufgetischt - verziert sind die Restaurant-Tipps, wie das gesamte Buch, mit liebevollen Zeichnungen von James Rizzi. Bunte Fische schwimmen über die Seiten, pinkfarbene Vögel baden in Bierkrügen, und Kakteen lächeln den Leser an.

Tattoos und Tabus

Es ist, als wolle einem Rizzi quasi durch die Blume sagen, wie verrückt seine Stadt ist. Da darf natürlich eine Seite über Tattoo-Studios genau so wenig fehlen wie ein Kapitel über das Thema "Heiraten in New York". Wer wirklich Lust auf den Wahnsinn hat und sich im Empire State Building oder im Helikopter über der Freiheitsstatue das Ja-Wort geben möchte, der erfährt hier alles über den Markt der wedding planner: Wo gibt es Hochzeitskleider und -sträuße, wer macht wo die kitschigsten Fotos - dazu gibt es noch einen Tipp, damit die Heirat in der Heimat auch anerkannt wird.

Der Reiseführer sorgt jedoch nicht nur dafür, dass Romantiker bei einem Kurztrip auf ihre Kosten kommen. Auf vier Seiten geht es auch um Appetitanreger für die Nacht im Hotel. Zu diesem Zweck wird nicht nur das Museum of Sex in der Fifth Avenue empfohlen, sondern auch das Museums-Café mit dem Namen Oralfix, "wo angeblich aphrodisierendes kulinarisches Viagra serviert wird", außerdem Tabeldance-Bars und zwei Geschäfte, in denen man Sexspielzeug und Erotikfilme kaufen kann.

Da sage noch mal jemand, die Amerikaner seien prüde.

Lesen Sie hier vier Auszüge aus "James Rizzi - My New York City":

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
1. Ny
jewast 22.12.2011
Ich weiß nicht, was man von einem Reiseführer halten soll, der behauptet der Bahnhof heiße Grand Central Station...
Ich weiß nicht, was man von einem Reiseführer halten soll, der behauptet der Bahnhof heiße Grand Central Station...
2. woher wissen Sie,
hdudeck 22.12.2011
das der Reisefuehrer das gemacht hat und nicht der Autor in seinem Artikel?
Zitat von jewastIch weiß nicht, was man von einem Reiseführer halten soll, der behauptet der Bahnhof heiße Grand Central Station...
das der Reisefuehrer das gemacht hat und nicht der Autor in seinem Artikel?
3. Rockets
mafras 22.12.2011
der/die auch die Rockettes mit Raketen verwechselt...
Zitat von hdudeckdas der Reisefuehrer das gemacht hat und nicht der Autor in seinem Artikel?
der/die auch die Rockettes mit Raketen verwechselt...
4. Einfach
jewast 22.12.2011
die Bilderstrecke anschauen ;) Und die Autorin schreibt es auch falsch...
Zitat von hdudeckdas der Reisefuehrer das gemacht hat und nicht der Autor in seinem Artikel?
die Bilderstrecke anschauen ;) Und die Autorin schreibt es auch falsch...
5. So what?
hajoschneider 22.12.2011
Geben Sie mal Grand Central Station bei Google ein, das ergibt über 75 Mio. Fundstellen. Grand Central Station kann also nicht so falsch sein, es ist einfach so im Gebrauch. Zumal Bahnhöfe in USA durchaus »Station« heißen. [...]
Zitat von jewastIch weiß nicht, was man von einem Reiseführer halten soll, der behauptet der Bahnhof heiße Grand Central Station...
Geben Sie mal Grand Central Station bei Google ein, das ergibt über 75 Mio. Fundstellen. Grand Central Station kann also nicht so falsch sein, es ist einfach so im Gebrauch. Zumal Bahnhöfe in USA durchaus »Station« heißen. Teilen wir also den Apfel: Sie haben recht, was den offiziellen Namen angeht (Grand Central Terminal), Millionen andere dürfen weiterhin Grand Central Station sagen.

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Verwandte Themen

Fotostrecke

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter RSS
alles zum Thema Bücher rund ums Reisen
RSS
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten