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28.03.2013
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Weiße Städte

Oasen des Lichts

Egmont Strigl

Casablanca, Ghadames, Oia - diese Städte haben etwas gemein: Ihre Konturen zeichnen weiße Silhouetten in den Himmel. An vielen Orten auf der ganzen Welt hatten Architekten wohl ein Faible fürs Farblose.

Ob auf der Iberischen Halbinsel, in Griechenland oder in Nordafrika - Städte in verschiedensten Kulturkreisen präsentieren sich ganz in Weiß. Das hellt auf, sorgt für gute Laune, und gerade jetzt im Frühling sehnen wir uns nach Licht, Reinheit und Klarheit. Fünf Städte, die die Seele beflügeln.

Casablanca: Marokkos glänzende Metropole

Schon der Name sagt es: Casablanca - was so viel wie "das weiße Haus" bedeutet - ist die weißeste Stadt Marokkos. Viele der Fassaden in der Altstadt der Millionenmetropole strahlen immer noch traditionell in Weiß. Das Wirrwarr aus Gässchen und Häuschen ist so verwinkelt, dass Autos sich nur schwer einen Weg bahnen können.

Die Kellner in den Cafés servieren Michkaffee und dampfenden Minztee. Hauptsehenswürdigkeit ist die leuchtend weiße Hassan-II.-Moschee. Sie ist die fünftgrößte Moschee der Welt und bietet Platz für 25.000 Gläubige. Das Minarett ist mit 210 Metern das höchste der Erde. Casablanca erlangte durch den gleichnamigen Film mit Ingrid Bergman und Humphrey Bogart Berühmtheit - gedreht wurde allerdings in Hollywood.

Ghadames: Weißes Wüstenjuwel in der Sahara

Dass Weiß die Strahlen der Sonne besonders gut reflektiert, wissen die Menschen nirgendwo so gut wie in Ghadames in Libyen. Die Oasenstadt im westlichen Teil des Wüstenstaats liegt etwa 600 Kilometer südwestlich von Tripolis in der Sahara - und sie leuchtet in schönstem Weiß.

Schon 1986 wurde der ummauerte Altstadtkern mit seinen Jahrhunderte alten Wohnhäusern, den teilweise überdachten Gassen und kühlen Palmgärten von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt. Einige der Häuser sind auch im Inneren reich verziert. Zwar wurden in den siebziger Jahren von der Regierung zahlreiche neue Wohnhäuser vor den Toren der Altstadt gebaut und weite Teile des historischen Zentrums sind unbewohnt. Im Hochsommer aber kehren viele Bewohner immer noch in die Altstadt zurück, um der sengenden Hitze zu entgehen.

Oia auf Santorin: Ägäis in Blütenweiß

Auch die Kykladen sind berühmt für ihre strahlendweiße Architektur. Eines der schönsten Beispiele dafür ist das Dorf Oia auf der Vulkaninsel Santorin. Wie im Märchen erheben sich die blütenweißen Fassaden über die Caldera, hellblau leuchten die Kuppeln der Kirchen. Das Dorf hat kaum 1000 Einwohner und erstreckt sich fast zwei Kilometer entlang des Kraterrands. Die teilweise in den Fels gebauten Haus-Ensembles waren einst die Behausungen einfacher Seeleute, heute zählen die Grundstückspreise zu den teuersten Griechenlands.

Die beste Zeit, um durch die verwinkelten Gassen zu schlendern, ist der späte Nachmittag. Dann sind die an der zentralen Kraterrandgasse gelegenen Tavernen, Cafés und Bars gut gefüllt. Nach einem Aperitif machen sich viele auf zur Aussichtsterrasse des Lóntza-Kastells. Der Blick auf den Sonnenuntergang zählt zu den schönsten des Mittelmeers.

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Arcos de la Frontera: Leuchtendes Kleinod in Andalusien

Stolz erhebt sich Arcos de la Frontera in der spanischen Provinz Cádiz über das Umland. Die Altstadt, die fast 200 Meter hoch auf einem Felsen oberhalb des Flusses Guadalete thront, ist der Hauptort der berühmten weißen Dörfer. Arcos wurde bereits von den Iberern gegründet und war in römischer Zeit als Arco Briga bekannt.

In der Altstadt fallen neben den quaderförmigen, weißen Häuern die vielen Rundbogen auf, die die Gebäude verbinden: Sie sind ein Relikt aus der Zeit der Mauren. Zentrum der Stadt ist die Plaza del Cabildo mit dem Rathaus, dem Parador und der Kirche Santa Maria de la Asuncíon. Auf der offenen Seite bietet sich eine wunderbare Aussicht auf den Fluss Guadalete. Wer dort im Frühling die ersten wärmenden Sonnenstrahlen erhaschen kann, für den gibt es keinen schöneren Ort.

Lissabon: Strahlende Schönheit am Tejo

Stadt des Lichts, so nennen die Einheimischen ihr Lissabon. Zu Recht, denn nicht nur die Fassaden im Altstadtviertel Alfama unterhalb des Castelo de São Jorge sind weiß getüncht. An vielen Häuserwänden und in vielen Kaffeehäusern leuchten weiße und hellblau bemalte Wandkacheln, sogenannte Azulejos. Nicht umsonst nannte der Schweizer Regisseur Alain Tanner seinen 1983 gedrehten Kinofilm über Lissabon "In der weißen Stadt".

Am Tejo-Ufer erhebt sich ganz in Weiß das Entdeckerdenkmal, das an Portugals großartige Zeit als Seefahrernation erinnert, und sogar ein weißes Hotel gibt es: Im Altis Hotel im Viertel Belém leuchtet nicht nur die Fassade in Weiß, auch viele Zimmer sind komplett in Weiß gehalten.

Fabian von Poser/srt/jus

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