04.12.2005
Sanktionen gegen Schulschwänzer
Papa zahlt für Sohnemanns Eskapaden
Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin stellte als Konsequenz aus den wochenlangen Unruhen in den Vorstädten ein Programm gegen Diskriminierung und für Chancengleichheit vor. Es sieht neben harten Strafen für alltägliche Ausgrenzungen auch die Möglichkeit vor, die Zahlung des Kindergelds auszusetzen, wenn Eltern ihrer Verantwortung nicht nachkommen.
"Die Lehrer können besonders schwierige Schulsituationen nicht allein bewältigen", sagte der Regierungschef. Deshalb können die Eltern von Schulschwänzern künftig mit einem Bußgeld oder der Aussetzung des Kindergelds bestraft werden, das bis zur Beseitigung des Missstands auf ein Sperrkonto überwiesen wird. Die elterlichen Verpflichtungen sollen in einem Vertrag mit den Behörden festgeschrieben werden.
Diskriminierungen aufgrund der Hautfarbe sollen mit einer Geldstrafe von bis zu 25.000 Euro belegt werden. Die Organisation SOS Rassismus begrüßte die Ankündigung. Sie hatte zuletzt im Juli Testpersonen afrikanischer und maghrebinischer Abstammung in 20 französischen Städten in Nachtclubs und Restaurants geschickt. In 32 Fällen wiesen Türsteher laut SOS Rassismus die Tester ab, während Weiße eingelassen wurden. In einem Fall wurde ein Farbiger rassistisch beschimpft.
Anonymisierter Lebenslauf
Villepin will außerdem im öffentlichen Dienst und in staatlichen Unternehmen die Einführung des so genannten anonymen Lebenslaufs ausprobieren. Viele Jugendliche aus den Vorstädten beklagen sich, dass sie trotz guter schulischer Leistungen wegen ihres Namens oder ihres Wohnsitzes in einem sozialen Brennpunkt bei ihren Bewerbungen keine Chance bekämen. Darüber soll mit den Tarifparteien verhandelt werden.
Ein Schwerpunkt des Regierungsprogramms liegt auf der Bildungspolitik. Schwächere Schüler sollen schon in der Grundschule besser gefördert werden. Zudem sollen Jugendliche bereits ab 14 Jahren eine Lehre beginnen können, zwei Jahre früher als bisher. In Frankreich gibt es im Gegensatz zu Deutschland kein duales Ausbildungssystem.