07.06.2011
Körperschmuck an US-Schule
Heiliger Nasenstab
Piercing-Fan (Archivbild von 2006): Wo endet die Religionsfreiheit?
Sie gehöre zur "Church of Body Modification", der Stecker in ihrem Nasenloch sei Ausdruck ihrer religiösen Überzeugungen, als Gläubige müsse sie ihn tragen. Mit dieser Argumentation setzte sich die Highschool-Schülerin Ariana I. aus North Carolina gegen ihre Schule durch, an der Piercings im Gesicht eigentlich verboten sind.
Die Clayton Highschool hatte die Schülerin im Herbst suspendiert, nachdem sie mit dem Nasenstecker zum Unterricht erschien. Denn die Schulordnung verbietet solchen Körperschmuck. Ein Bundesrichter entschied allerdings: Das Mädchen soll weiter zur Schule gehen, Piercing hin oder her, bis geklärt sei, ob Schulordnung oder das Recht auf Religionsfreiheit schwerer wiegen.
Ursprünglich habe die Schulverwaltung geplant, den Streit rechtlich durchzukämpfen schreibt die "Washington Post". Dann sei man aber zu dem Schluss gekommen, dass sich ein voraussichtlich langwieriger und teurer Prozess nicht lohnen würde, das Geld werde anderswo gebraucht, zitiert die Zeitung einen Schulrat. Die Schule ließ ihren Widerspruch gegen die richterliche Anordnung fallen und akzeptiert, dass das Mädchen jetzt gepierct zur Schule kommt.
Bodymodfication-Kult hat angeblich 3500 Anhänger
Bei der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union, die die Schülerin in dem Fall vertrat, war von einem Sieg der Religionsfreiheit die Rede.
Die Schule erlaubt dem Mädchen jetzt, ihren Nasenschmuck solange zu tragen, wie sie Mitglied der "Church of Body Modification" bleibt. Die kleine Gruppe hat nach eigenen Angaben 3500 Mitglieder in den USA, berichtet die "Washington Post". Zu den spirituellen Ritualen gehören demnach auch Tätowierungen.
Erst im letzten Jahr hatte ein 22-Jähriger US-Amerikaner für Aufmerksamkeit gesorgt, weil er seinen Cannabiskonsum als Ausdruck seiner Religion ansah. Er war der "Church of Universal Sacraments" beigetreten, trug Hemden aus Hanffasern und kiffte. Vor Gericht kam er damals allerdings nicht damit durch.
otr/AP