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25.01.2012
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Lehrer im Internet

Stolperfalle Facebook

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Freundschaftsantrag: bestätigen oder ablehnen?

Dürfen Lehrer und Schüler in sozialen Netzwerken Freunde werden? Ein Blick nach England zeigt, dass mancher Lehrer die Grenzen seines Online-Lebens nicht recht einzuschätzen weiß. Da wird geflirtet oder peinliches Privates gezeigt - im schlimmsten Fall mit sehr realen beruflichen Konsequenzen.

Schüler sind bei Facebook, Lehrer sind bei Facebook - und natürlich treffen beide Seiten dort aufeinander. Doch wie sollen sie im Netz miteinander umgehen? Freundschaften schließen oder Abstand halten? Die Frage stellen sich Schüler und Pädagogen gleichermaßen - und ihre Antworten fallen sehr unterschiedlich aus.

Ein Blick nach England zeigt nun, dass Lehrer im Internet immer wieder leicht die Grenzen angemessenen Surfens überschreiten - und deshalb im schlimmsten Fall ihren Job verlieren. Mehr als jeder zehnte Lehrer, dem im vergangenen Jahr Fehlverhalten vorgeworfen wurde, war über soziale Netzwerke oder E-Mail "eine unangemessene Beziehung" mit Schülern eingegangen, berichtete die Zeitung "The Guardian".

In 43 Fällen, die dem General Teaching Council for England (GTC) gemeldet wurden, waren Lehrer mit ihren Schülern über Facebook, Twitter, Chats oder Mail allzu vertraulich geworden. Insgesamt untersuchte die Schulaufsichtsbehörde im Jahr 2011 336 Fälle von "inakzeptablem beruflichen Verhalten". Das sei allerdings nur die Spitze des Eisbergs, da dem GTC lediglich besonders schwere Fälle gemeldet werden, schreibt der "Guardian". Die Behörde wacht über die Qualität des Schulunterrichts und unterhält ein Register englischer Lehrer.

Regelverstoß trotz Pseudonym

Was die Sache schwierig macht: Es gibt kaum Empfehlungen und Richtlinien, an die sich Lehrer in England - wie auch in Deutschland - halten können. Die Schulen gehen mit dem Thema sehr unterschiedlich um. So hatte eine Schule in Essex Lehrern verboten, sich mit Schülern auf Facebook zu befreunden. Ein Lehrer handelte sich einen Verweis ein, weil er sich unter einem Pseudonym angemeldet und die Regel gebrochen hatte.

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Lehrer und Schüler bei Facebook: Ein Freund, ein guter Freund
Einem Lehrer aus Leeds wurde ein einjähriges Unterrichtsverbot erteilt, nachdem er "unangemessene und sexuell freizügige" Unterhaltungen mit einer 16-jährigen früheren Schülerin geführt hatte.

In einem anderen Fall hatte eine Lehrerin aus Bath Bilder von sich hochgeladen, auf denen sie betrunken scheint und eine Bong raucht, also eine Wasserpfeife, mit der meist Rauschmittel konsumiert werden. "Die Lehrerin hatte offenbar ein Bedürfnis, mit den Schülern befreundet und beliebt zu sein", urteilte das GTC. Das habe ihre Professionalität eingeschränkt und sie die Grenzen eines angemessenen Schüler-Lehrer-Verhältnisses überschreiten lassen.

Auch in Deutschland gehen die Meinungen darüber auseinander, was sich Lehrer im Internet erlauben und wie nah sie ihren Schülern kommen dürfen. Eine Hauptschule im nordrhein-westfälischen Hamm hat ihre Lehrer unlängst dazu verpflichtet, ein zweites Profil anzulegen, wenn sie sich mit Schülern über das Netzwerk austauschen. Die meisten Schulen handhaben das Thema lockerer oder haben schlicht noch nicht auf die neuen Medien reagiert.

Was Lehrer auf keinen Fall tun sollten: im Netz über ihre Schüler lästern. Das lernten Lehrer in der englischen Gemeinde Hull, als sie sich im Netz über die Unterschicht ihrer Heimatstadt lustig machten. Die Gemeindeverwaltung von Hull war not amused und drohte Konsequenzen an.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund eines technischen Fehlers musste der Diskussions-Thread unter diesem Artikel entfernt werden. Wir bitten um Entschuldigung.

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