22.07.2012
Schüler als Romeo und Julia
"Ich kann hier nicht den Gangster geben"
Kann man HipHop zu klassischer Musik tanzen? Man kann. 120 Schüler aus dem Südwesten haben es bewiesen. Das Sinfonieorchester des Südwestrundfunks hat den Klassiker "Romeo und Julia" neu interpretiert. Und auf der Bühne standen die Nachwuchsrapper und HipHop-Tänzer des Freiburger Musikprojekts "Romeo feat. Julia".
"Musikalische Grenzen werden aufgehoben", sagte Projektleiterin und Regisseurin Sigrun Fritsch. Immer mit dabei sind während der Proben Fernsehkameras, denn ab 1. Oktober läuft das Experiment als tägliche TV-Doku. Acht junge Rapper sind mit dabei, sie wurden Anfang des Jahres deutschlandweit gecastet. Abiturient Kelvyn Ajala, 18, aus Wiesbaden spielt den Romeo. In Deutschrap und mit rhythmischen Bewegungen wirbt er um die Liebe seines Lebens. Die Orchestermusik passt dazu, fügt sich ein.
"Es ist ungewohnt", sagt Kelvyn. Als Rapper muss er sich auf den Stoff und das Orchester einstellen. "Ich kann hier nicht den Gangster-Rapper geben, das würde nicht passen und zudem dem Original schaden." Denn authentisch soll die vor mehr als vier Jahrhunderten entstandene Geschichte bleiben - auch wenn sie gerappt wird.
"Romeo und Julia" - reloaded
"Es stoßen Welten aufeinander. Und das Schöne ist: Es funktioniert", sagt François-Xavier Roth, Chefdirigent des SWR-Sinfonieorchesters. Er hat die musikalische Leitung des Projekts. In einer alten Lokhalle im Freiburger Güterbahnhof sorgen die Orchestermusiker für den klassischen Part der Inszenierung, bringen das bekannte und bewährte Stück von William Shakespeare auf die Bühne. Doch "Romeo und Julia" hat sich verändert: 415 Jahre nach seiner Veröffentlichung bekommt Shakespeares Werk ein neues Gewand.
Hier können Sie das Video zu "Romeo feat. Julia" auf YouTube sehen
Das Projekt soll Jugendliche an einen klassischen Stoff heranführen und gleichzeitig jugendliche Musik in den Fokus rücken. "Wir wollen, dass Alt und Jung gemeinsam verstehen, was Sache ist", sagt der Rap-Coach Robin Haefs. Die Musik soll verbinden, nicht trennen. "Schon das gemeinsame Proben und Experimentieren hat gezeigt, dass Musik, die gemeinsam gemacht wird, zusammenführt." Es sei schnell gegenseitiges Verständnis entstanden. "Respekt, wie es Rappern wichtig ist, gab es von Beginn an auf beiden Seiten."
Vom 1. Oktober an wird der KiKa die tägliche TV-Dokumentation "Romeo feat. Julia" in 20 Folgen ausstrahlen.
Von Jürgen Ruf/dpa/son

