26.07.2012
Falscher Tiger-Alarm
Schülerstreich mit Arrest geahndet
Von Frauke Lüpke-NarberhausEin Scherz sollte es sein. Vermutlich langweilten sich die vier Jungs, als sie die Polizei riefen und ihr von einem Tiger erzählten, den sie angeblich entdeckt hatten. Am Donnerstagmorgen saßen sie deswegen in Augsburg vor dem Jugendschöffengericht - wurden verurteilt und mit Jugendarrest bestraft.
Den Jux, der drei der vier nun für kurze Zeit die Freiheit kostet, erlaubten sie sich bereits im September 2011: An einem Montagnachmittag wählte der heute 19-Jährige in Augsburg den Notruf und meldete einen Tiger im nördlichen Augsburger Stadtwald. Er habe die Großkatze gerade in der Nähe der Minigolfanlage gesehen. Kurz darauf ging der nächste Tiger-Notruf ein, es folgte noch einer. Und noch einer. Nacheinander hatten die vier Freunde, damals zwischen 15 und 19 Jahre alt, der Polizei die gleiche Geschichte erzählt. Was blieb den Beamten anderes übrig, als die Anrufe ernst zu nehmen?
Sie schickten eine Streife zum Siebentischwald. Hunderte Hektar voller Fichten, Kiefern, Buchen, Eichen, und mittendrin ein Tiger? "Die Polizisten sind einiges gewohnt", sagt Hieronymus Schneider, Pressesprecher der Augsburger Polizei, "aber das ist nicht so alltäglich." 30 Beamte zogen an dem Nachmittag durch den Wald, immer wieder riefen sie die Jugendlichen an und fragten nach: Wo ist das Tier jetzt?
Polizei schmunzelt inzwischen über "Tigerente"
Weil der Siebentischwald an den Augsburger Zoo grenzt, fiel der Verdacht auch auf Jacques, einen Sumatratiger, der dort lebt. Die Polizei rief im Zoo an, doch Jacques liege friedlich in seinem Gehege, versicherten die Pfleger. Auch ein Augsburger Tierdompteur vermisste keinen Tiger, die Tierklinik auch nicht.
Inzwischen hatte die Polizei den Siebentischwald abgesperrt, ein Hubschrauber kreiste mit Wärmebildkamera am Himmel, ein Dutzend Feuerwehrmänner halfen mit, Mitarbeiter aus dem Zoo rückten an, aus der Tierklinik kam ein Arzt mit Betäubungsgewehr, und im Radio warnten die Moderatoren vor einem Tiger im Park.
Nach einer Stunde, als die Polizisten wieder von den Jungs wissen wollten, wo der Tiger ist, gab der erste auf. Er habe sich einen Spaß erlaubt, sagte der Junge am Telefon. Kurz darauf gab Schneider gegenüber der Presse eine Erklärung ab: "Der Tiger hat sich als Ente entpuppt."
Die Polizei zog wieder ab und nahm den Fall "Tigerente" in die Ermittlungsakten auf. Ein dummer Jungenstreich also, wie ihn die Notrufzentrale der Polizei häufiger erlebt. Dieser allerdings kostete die Polizei bis zu 7000 Euro. Hinzu kommen die Ausgaben der Feuerwehr.
Das Gericht erkannte den Telefonstreich als Straftat und sprach die Jugendlichen des "Missbrauchs von Notrufen und Beeinträchtigung von Unfallverhütungs- und Nothilfemitteln" schuldig. Der Älteste muss zwei Wochen in Dauerarrest, der 17-Jährige eine Woche, ein inzwischen 16-Jähriger ein Wochenende und der vierte, ebenfalls 16, muss 40 Stunden an einem Medienprojekt mitarbeiten. Kein mildes Urteil - auch weil drei der vier Angeklagten nicht zum ersten Mal auffällig geworden waren. Und vielleicht kommt noch mehr auf die Jugendlichen zu, wenn sie die Kosten für die Einsatzkräfte tragen müssen.
"Das ist kein Scherz, den wir zur Nachahmung empfehlen", betont Polizeisprecher Schneider - auch wenn er und die Kollegen inzwischen über die "Tigerente" schmunzeln können.

