02.08.2012
Parkgebühr für Lehrer
NRW-Städte bitten zur Kasse
Parken auf dem Schulgelände: Einige NRW-Städte hätten dafür gerne Geld
Nordrhein-westfälische Lehrer können nicht erwarten, dass sie kostenlos auf dem Schulgelände parken dürfen. Das hat die rot-grüne Landesregierung festgestellt. Sie gibt damit den Kommunen Rückendeckung, die von ihren Lehrern fürs Parken Geld einsammeln wollen, um ihre Kassenlage ein wenig aufzubessern.
"Wie für die Beschäftigten der allgemeinen Verwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen gibt es auch für Lehrerinnen und Lehrer weder einen Anspruch darauf, dass am Dienstort überhaupt ein Parkplatz vorhanden ist, noch, dass dieser kostenlos zur Verfügung gestellt wird", schreibt das Innenministerium in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP im Landtag, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Jede Kommune könne selbst entscheiden, ob sie Parkgebühren einführen wolle.
In Köln, Bonn und Duisburg wird das Thema schon seit einiger Zeit diskutiert. Ende Juni entschied der Kölner Stadtrat, Lehrer zunächst testweise im Stadtbezirk Porz zur Kasse zu bitten. Die Stadt verspricht sich allein in diesem Bezirk jährliche Einnahmen von rund 100.000 Euro und argumentiert, dass städtische Mitarbeiter schließlich auch für ihre Stellplätze zahlen müssten.
Auch in Bonn sollten sich Pädagogen darauf einstellen, dass sie bald nicht mehr umsonst parken dürfen. Auf Druck der Ratsmehrheit lasse die Stadtverwaltung gerade entsprechende Richtlinien erarbeiten, berichtete der Bonner "General-Anzeiger". "Die Gebühren werden sich an die bisherigen Tarife der städtischen Mitarbeiter anlehnen", zitierte das Blatt eine Sprecherin der Stadt. Für einen überdachten Parkplatz würden bislang 41 Euro im Monat fällig, für Freiluftplätze 28 Euro.
"Abzocke auf Kosten von Lehrkräften"
Die Stadt Duisburg wollte die Parkgebühr für Lehrer schon im vergangenen Jahr einführen, verschob das Projekt dann aber wegen heftiger Proteste. "Lehrer sind gezwungen, ihre Unterrichtsmaterialien täglich von zu Hause in die Schulen zu transportieren und müssen daher mit dem Auto fahren. Städtische Mitarbeiter haben ihre Akten im Büro", sagte Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung.
Auch die Bildungsgewerkschaft GEW in Nordrhein-Westfalen verteidigt für ihre Klientel das kostenfreie Parken. "Das ist definitiv nicht der richtige Weg, um in Zeiten klammer Kassen einen städtischen Haushalt zu sanieren", sagte ein Sprecher. Für Brigitte Balbach, Vorsitzende des Haupt- und Realschullehrerverbandes lehrer nrw, sind die Pläne schlicht "Abzocke auf Kosten von Lehrkräften".
Das nordrhein-westfälische Innenministerium teilte mit, dass die Lehrer nicht versuchen sollten, sich die Parkgebühren vom Land zurückzuholen. "Ein Rechtsanspruch auf Erstattung etwaiger Parkplatzkosten für Stellplätze in unmittelbarer Nähe der Schule oder sogar auf dem Schulgelände besteht nicht."
Bundesweit ist die Gebühr bisher kaum verbreitet. Zwei Ausnahmen unter den größeren deutschen Städten sind Bremen und Stuttgart. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt zahlen Lehrer schon seit rund 20 Jahren, wenn auch nicht flächendeckend, erklärte ein Stadtsprecher. Auch der baden-württembergische Landkreis Böblingen erhebt an seinen beruflichen Schulen Parkgebühren. Damit wolle man die Parkraumprobleme bekämpfen und Lehrer und Schüler motivieren, mit Bussen und Bahnen zur Schule zu fahren, sagte ein Sprecher.
son/dpa