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05.12.2012
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Jüdische Gemeinde Berlin

Joffe beklagt Antisemitismus unter Schülern

dapd

Gideon Joffe (Archiv): "Lehrer werden von Schülern attackiert"

Trauen sich Lehrer an manchen Schulen nicht mehr, Antisemitismus und Nahost-Konflikt im Unterricht anzusprechen? Davor warnt der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Berlin, Gideon Joffe. Schon jetzt würden Schüler das Wort "Jude" als Beleidigung gebrauchen.

Die jüdische Gemeinde in Berlin ist besorgt: In Schulen mit hohem Migrationsanteil könnten Lehrer aus Angst vor Übergriffen Themen wie Antisemitismus oder den Nahost-Konflikt oftmals nicht mehr behandeln, warnte der Gemeinde-Vorsitzende, Gideon Joffe. "Lehrer werden von den Schülern teilweise physisch attackiert, wenn sie versuchen, diese Themen anzusprechen." Es sei verständlich, dass Lehrer solche Themen deswegen mieden. So seien Sprüche wie "Was machen denn die Juden hier?" keine Ausnahme mehr.

"Auf dem Schulhof werden Begriffe wie Jude als Schimpfwort benutzt", beklagte Joffe. Die Politik oder die Zivilgesellschaft müssten daher ein Programm entwickeln, das sich direkt an die Schulen richte. "Die Lehrer dürfen einfach nicht mehr alleine gelassen werden", forderte er und mahnte: "Was man heute nicht erledigt, wird sich in den nächsten Jahren noch in viel, viel stärkeren Aggressionen ausdrücken."

Joffe ist nicht der Erste, der vor Antisemitismus an Schulen warnt. Verschiedene Studien und Erzählungen von Lehrern offenbarten in den vergangenen Jahren, welche Vorurteile unter Jugendlichen grassieren. Dass "Jude" auf Schulhöfen als schlimmes Schimpfwort benutzt und empfunden wird, besonders dort, wo viele Kinder mit ausländischer Herkunft lernen, stand bereits in vielen Zeitungsberichten.

Eine Berliner Grundschul-Erzieherin etwa sagte dem "Tagesspiegel", sie höre von den Schülern häufiger Sätze wie: "Hitler war cool, weil er so viele Juden umgebracht hat." Laut der Studie "Deutsch-Türkische Lebens- und Wertewelten" meinen 18 Prozent der Deutschtürken, Juden seien minderwertige Menschen. Einer Historikerin vom Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung zufolge haben Befragungen von Jugendlichen gezeigt, "dass die heftigsten antisemitischen Sprüche von Russlanddeutschen kommen". Zudem äußern sich acht bis zehn Prozent der Deutschen in Umfragen offen antisemitisch, sie halten Juden etwa für andere, schlechtere Menschen.

Der Gemeinde-Vorsitzende Joffe sagte aber auch, zwar würden die Gemeindemitglieder in Berlin tagtäglich daran erinnert, dass sie jüdisch seien. Trotzdem wachten sie nicht jeden Tag auf und denken: "Wie kann ich nur in einer Stadt leben, in der die Judenvernichtung geplant wurde?" Im Gegenteil: "Die Menschen fühlen sich hier sehr, sehr wohl."

Aus Angst werde die Religion aber in der Regel nicht offen gezeigt. "Vorurteile dauern an, sie existieren schon seit Jahrtausenden. Es wird wahrscheinlich noch lange so bleiben." Trotz allem sollte versucht werden, dagegen anzukämpfen.

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otr/dapd

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Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
1.
frontmann22 05.12.2012
Wahrscheinlich ist es wie bei anderen Problemthemen auch: wenn man einen dazugehörigen Menschen kennenlernt reagiert man anders als wenn man über die Verhältnisse im allgemeinen urteilt. Also kurz gesagt: ein [...]
Zitat von sysopdapdTrauen sich Lehrer an manchen Schulen nicht mehr, Antisemitismus und Nahost-Konflikt im Unterricht anzusprechen? Davor warnt der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Gideon Joffe. Schon jetzt würden Schüler das Wort "Jude" als Beleidigung gebrauchen. Gideon Joffe: Schüler verweigern sich Antisemitismus-Debatte - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/gideon-joffe-schueler-verweigern-sich-antisemitismus-debatte-a-871108.html)
Wahrscheinlich ist es wie bei anderen Problemthemen auch: wenn man einen dazugehörigen Menschen kennenlernt reagiert man anders als wenn man über die Verhältnisse im allgemeinen urteilt. Also kurz gesagt: ein jüdischer Mitbürger ist mir sympathisch. Die Verhältnisse im Nahen Osten sehe ich kritisch.
2. Zu kurz gesprungen
Verimathrax 05.12.2012
Der Artikel springt zu kurz. Nicht nur Juden, auch Schwule, Behinderte, oder Atheisten werden mit ähnlichen "Sprüchen" belegt. Das ist kein Antisemitismus das ist eine sehr viel genereller Intoleranz.
Der Artikel springt zu kurz. Nicht nur Juden, auch Schwule, Behinderte, oder Atheisten werden mit ähnlichen "Sprüchen" belegt. Das ist kein Antisemitismus das ist eine sehr viel genereller Intoleranz.
3.
CancunMM 05.12.2012
Und ? Was hat das jetzt mit dem Artikel zu tun. Glauben Sie die arabischstämmigen Jugendlichen würden dann das Wort nicht mehr als Schimpfwort verwenden ?
Und ? Was hat das jetzt mit dem Artikel zu tun. Glauben Sie die arabischstämmigen Jugendlichen würden dann das Wort nicht mehr als Schimpfwort verwenden ?
4.
mm71 05.12.2012
Jetzt bleibt nur noch die Frage, was ein deutscher Mitbürger jüdischen Glaubens mit den "Verhältnissen im Nahen Osten" mehr zu tun hat als Sie oder ich.
Zitat von frontmann22Wahrscheinlich ist es wie bei anderen Problemthemen auch: wenn man einen dazugehörigen Menschen kennenlernt reagiert man anders als wenn man über die Verhältnisse im allgemeinen urteilt. Also kurz gesagt: ein jüdischer Mitbürger ist mir sympathisch. Die Verhältnisse im Nahen Osten sehe ich kritisch.
Jetzt bleibt nur noch die Frage, was ein deutscher Mitbürger jüdischen Glaubens mit den "Verhältnissen im Nahen Osten" mehr zu tun hat als Sie oder ich.
5. wen wundert es?
2337-570 05.12.2012
Man muß nicht die Kinderköpfe in den Schulen umprogrammieren, sondern einfach mal schauen, dass entweder die Verknüpfung der jüdischen Religion zum Land Israel aufgeben wird oder aber besser: die Situation in Nahost gelöst [...]
Man muß nicht die Kinderköpfe in den Schulen umprogrammieren, sondern einfach mal schauen, dass entweder die Verknüpfung der jüdischen Religion zum Land Israel aufgeben wird oder aber besser: die Situation in Nahost gelöst wird. Ich habe 3 Kinder und bin ausserstande ihnen zu erklären was wir da mit Israel und Palästina veranstalten. Sie sehen die Bilder und sagen sich: da hauen die Starken immer auf die Schwachen und stellen sich auf die Seite der Schwachen. Ich habe dem absolut nichts nachvollziehbares entgegen zu setzen
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