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16.02.2013
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Verschuldete Jugendliche

Nach dem Auszug abgestürzt

TMN

Zu viele Verträge angelacht? Manchmal ist es schwer, seine Ausgaben im Blick zu behalten

Mehr als 10.000 Euro Schulden mit 23 Jahren: Kevin aus Kiel wuchsen die Ausgaben über den Kopf. Als er von zu Hause auszog, fing der Ärger an. Handy-Vertrag, Miete und Dispo-Kredit trieben ihn in die Privatinsolvenz. Hätte er doch nur seine Post gelesen.

Könnte Kevin die Zeit für ein paar Jahre zurückdrehen, würde er wahrscheinlich vieles anders machen. Vielleicht würde er nicht so früh in eine eigene Wohnung ziehen. Sicherlich würde er keinen Handy-Vertrag für 90 Euro im Monat mit zweijähriger Laufzeit abschließen. Und ganz bestimmt würde er besser auf seine Post achten.

Kevin kann die Zeit nicht zurückdrehen. Stattdessen bereitet er seine Privatinsolvenz vor: Der 23-Jährige aus Kiel ist pleite. Zwischenzeitlich hatte er mehr als 10.000 Euro Schulden. "Es hätte auch die Hälfte sein können, wenn ich mich rechtzeitig gekümmert hätte", erzählt er. Aber er kümmerte sich nicht.

So wie Kevin geht es vielen Jugendlichen in Deutschland. Der "Schuldneratlas 2012", eine Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, geht von 216.000 Schuldnern unter 20 Jahren aus. Das Statistische Bundesamt wertete Daten von Beratungsstellen über knapp 74.000 verschuldete Menschen in Deutschland aus. Mehr als 5000 von ihnen waren 2011 unter 25 Jahre alt, etwa jeder Fünfte dieser Gruppe hatte mehr als 10.000 Euro Schulden.

Einnahmen auf die eine, Ausgaben auf die andere Seite

"Das Hauptproblem ist, dass viele junge Menschen kaum in der Lage sind, ihre finanziellen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen", sagt Alis Rohlf, Leiterin der Koordinierungsstelle Schuldnerberatung in Schleswig-Holstein. Dies habe zum einen mit überzogenen Gehaltsvorstellungen zu tun. Zum anderen hätten viele Jugendliche kein Gefühl für ihre Finanzen.

Wie viel Geld habe ich im Monat zur Verfügung? Wie teuer ist die Miete? Wie viel brauche ich für meinen täglichen Bedarf? Diese Fragen müsse man sich regelmäßig stellen. Für den besseren Überblick rät Rohlf zu einem Haushaltsplan: Einnahmen auf die eine, Ausgaben auf die andere Seite. Im Internet gibt es für solche Finanzplaner gleich mehrere Seiten.

Solange die Jugendlichen noch zu Hause leben, springen oft Eltern oder Verwandte ein, wenn am Ende des Monats kein Geld mehr übrig ist. "Wenn junge Menschen einen Haushalt gründen, verrennen sie sich oft", sagt Rohlf.

So ging es auch Kevin, als er mit 18 Jahren in seine erste eigene Wohnung zog. "Die erste Zeit lief es eigentlich noch ganz gut", berichtet er. Doch als er seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker abbrach, sei es steil bergab gegangen. "Ich habe mir leider ein paar Verträge zu viel angelacht." Inzwischen arbeitet er in einem Call-Center.

Verlockend, aber teuer

Mit 18 Jahren dürfen junge Erwachsene eigene Verträge abschließen. Das ist verlockend, kann aber teuer werden. "Gerade bei wichtigen Entscheidungen sollte man wirklich noch mal eine Nacht drüber schlafen", sagt Rohlf. Auf der Straße oder an der Wohnungstür sollten auch Jugendliche grundsätzlich nichts unterschreiben. Stattdessen sollten sie interessante Verträge erst mal mit nach Hause nehmen und sich in Ruhe angucken.

Eine weitere Schuldenfalle sind Dispo-Kredite bei der Bank. Kevin legte sich gleich zwei Konten zu. Irgendwann war das eine um 500 Euro, das andere um 800 Euro überzogen. Hinzu kommen die hohen Zinsen, die man der Bank zahlen muss.

Auch Christina Huber, Schuldnerberaterin in München, berät viele junge Menschen, die Probleme mit Dispo-Krediten haben. Sie rät dazu, statt mit Karte lieber bar zu zahlen. "Wenn man relativ viel mit der EC-Karte zahlt, verliert man den Überblick." Die Banken sind jedoch nicht die einzigen, denen ihre Klienten Geld schulden. Vermieter, Telefonanbieter, Behörden: Rechnungen und Mahnungen kommen von vielen verschiedenen Absendern.

Am besten offen drüber reden

Bei Kevin landete die Post irgendwann nur noch auf der Ablage - oder im Mülleimer. "Ich hab die Rechnungen erst mal beiseite gepackt", sagt er. Nach einem Umzug sei die Post weiter an die alte Adresse gegangen, weil er keinen Nachsendeauftrag einrichtet hatte. Schließlich wurden seine Konten gepfändet. Huber rät in solchen Fällen, sich sofort mit den Gläubigern in Verbindung zu setzen. So ließe sich unter Umständen eine Ratenzahlung vereinbaren.

Kann man selbst die Miete nicht mehr bezahlen, droht man sogar das Dach über dem Kopf zu verlieren. "Wenn kein Kontakt mehr zu den Eltern besteht, muss man bei Freunden unterkommen", sagt Huber. Sie ermutigt die Betroffenen, offen mit Freunden und Verwandten über ihre Geldprobleme zu sprechen. Im Notfall könne man sich an Fachstellen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit wenden.

Zumindest das blieb Kevin bislang erspart. Vor zwei Jahren lernte er seine heutige Freundin kennen. Ein Wendepunkt, sagt der 23-Jährige. Kevin ließ sich helfen und wandte sich an eine Schuldnerberatung. Zusammen mit seiner Beraterin habe er einen Plan aufgestellt.

Trotz professioneller Hilfe wird Kevin noch mehrere Jahre gegen den bedrohlichen Schuldenberg ankämpfen müssen. Immerhin hat er jetzt wieder eine Perspektive, für die es sich zu kämpfen lohnt. Im April erwartet seine Freundin Zwillinge.

Von David Kluthe/dpa/son

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insgesamt 342 Beiträge
1.
statussymbol 16.02.2013
Man sollte vielleicht noch mal den Unterschied zwischen Verschuldung und Überschuldung erwähnen. Sofern der "Jugendliche" mit 23 Jahren einen unbefristeten Job hat, sagen wir 1500 Netto und aufwärts erhält und [...]
Zitat von sysopMehr als 10.000 Euro Schulden mit 23 Jahren: Kevin aus Kiel wuchsen die Ausgaben über den Kopf.
Man sollte vielleicht noch mal den Unterschied zwischen Verschuldung und Überschuldung erwähnen. Sofern der "Jugendliche" mit 23 Jahren einen unbefristeten Job hat, sagen wir 1500 Netto und aufwärts erhält und die Schulden bewusst aufgenommen wurden und in Raten zurückgezahlt werden (z.B. für Wohnungseinrichtung o.ä.) dann kann man darüber streiten ob sowas sein muss, halte ich aber für nicht Überschuldet. Das was im Artikel beschrieben ist, ist allerdings Überschuldung!
2.
rulamann 16.02.2013
Und was sagt uns das? Diese Banalitäten zeigen doch nur eins: Unternehmen und Banken können ohne gesetzlichen Schutz Menschen ausnehmen wie Weihnachtsgänse. Astronomischer Zins, überteuerte Telefonkosten und Drückerkolonnen [...]
Zitat von sysopMehr als 10.000 Euro Schulden mit 23 Jahren: Kevin aus Kiel wuchsen die Ausgaben über den Kopf. Als er von zu Hause auszog, fing der Ärger an. Handy-Vertrag, Miete und Dispo-Kredit trieben ihn in die Privatinsolvenz. Hätte der doch nur seine Post gelesen. Wenn Jugendliche Schulden haben: Absturz nach dem Auszug - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/wenn-jugendliche-schulden-haben-absturz-nach-dem-auszug-a-883475.html)
Und was sagt uns das? Diese Banalitäten zeigen doch nur eins: Unternehmen und Banken können ohne gesetzlichen Schutz Menschen ausnehmen wie Weihnachtsgänse. Astronomischer Zins, überteuerte Telefonkosten und Drückerkolonnen können wüten wie sie wollen. Oder eine Lehrstunde in: wie mache ich relativ leistungslos Geld.
3. Jugendlicher?
Papierleschweizer 16.02.2013
Also einen 23-jährigen als Jugendlichen zu bezeichnen, ist etwas komisch. Am schlimmsten finde ich jedoch, dass Leute die für sich selbst keine Verantwortung übernehmen können, auch noch Kinder in die Welt setzen. Zuerst [...]
Also einen 23-jährigen als Jugendlichen zu bezeichnen, ist etwas komisch. Am schlimmsten finde ich jedoch, dass Leute die für sich selbst keine Verantwortung übernehmen können, auch noch Kinder in die Welt setzen. Zuerst bilde ich das finanzielle Fundament, dann Kinder! Aber im Vollkaskostaat Deutschland ist das ja altmodisch...
4. Die Post lesen?
teufelsküche 16.02.2013
Wie altmodisch. Heute liest doch nicht einmal mehr jemand einen Vertrag oder die Nutzungsbedingungen durch, selbst wenn es nur drei Absätze sind. Sobald irgendwo steht "Bequem online bestellen", "Angebot" [...]
Zitat von sysopMehr als 10.000 Euro Schulden mit 23 Jahren: Kevin aus Kiel wuchsen die Ausgaben über den Kopf. Als er von zu Hause auszog, fing der Ärger an. Handy-Vertrag, Miete und Dispo-Kredit trieben ihn in die Privatinsolvenz. Hätte der doch nur seine Post gelesen. Wenn Jugendliche Schulden haben: Absturz nach dem Auszug - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/wenn-jugendliche-schulden-haben-absturz-nach-dem-auszug-a-883475.html)
Wie altmodisch. Heute liest doch nicht einmal mehr jemand einen Vertrag oder die Nutzungsbedingungen durch, selbst wenn es nur drei Absätze sind. Sobald irgendwo steht "Bequem online bestellen", "Angebot" oder "Flatrate", wird eine Art Pawlow'scher Klickreflex ausgelöst. Immer nur her damit, von allem das beste und das meiste, und zwar jetzt gleich. Neulich erzählte ich mienem Neffen, daß meine erste Einrichtung zum Großteil aus Sperrmüll bestand, der hat Bauklötze gestaunt. Einige der Stücke habe ich übrigens immer noch, vor gut 30 Jahren konnte man schöne Möbel von Gründerzeit bis Art Deco von der Straße holen, weil die Leute was modernes wollten. Möbel, die heute auf Ebay ein Vermögen kosten. Für solche Aktionen ist man sich heute wohl zu schade. Klein anfangen ist nicht mehr.
5. richtig....
cabeza_cuadrada 16.02.2013
Schuld sind immer die anderen
Zitat von rulamannUnd was sagt uns das? Diese Banalitäten zeigen doch nur eins: Unternehmen und Banken können ohne gesetzlichen Schutz Menschen ausnehmen wie Weihnachtsgänse. Astronomischer Zins, überteuerte Telefonkosten und Drückerkolonnen können wüten wie sie wollen. Oder eine Lehrstunde in: wie mache ich relativ leistungslos Geld.
Schuld sind immer die anderen

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