29.08.2008
Industriemechaniker in echt
Azubi am Apparat
Von Mirijam DischereitSebastian Voigt hatte schon immer ein Faible für Maschinen und Motoren. Als er auf der Suche nach einem passenden Beruf die Beschreibung von Industriemechanikern las, wusste er: das passt.
"Es ist faszinierend, was man alles mit Maschinen herstellen kann", sagt er. Kein Tag sei wie der Tag zuvor. Das liegt auch an seinem abwechslungsreichen Ausbildungsbetrieb. Denn der 19-Jährige lernt seinen Beruf an den Universitäten Berlins. In deren Werkstätten stellt er Bauteile her, die etwa Experimentalphysiker für ihre Versuche benötigen: Zapfen und Zylinder, Getriebe und Gestänge, Kolben und Kurbeln.
Sebastian hatte sich zunächst für eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker entschieden. Sein Vater riet ihm davon ab: "In der Industrie werden fast nur noch Roboter eingesetzt. Menschen haben da wenig Chancen für die Zukunft."
In seinem ersten Jahr als Industriemechaniker an der Technischen Universität lernte er das handwerkliche Rüstzeug für diesen Beruf - er feilte, sägte, bohrte, fräste, drehte. Längst werden Maschinenteile aber nicht mehr mit der Hand gefräst. Deshalb lernt er im zweiten Teil der Ausbildung, wie Werkzeugmaschinen funktionieren, sein tägliches Arbeitsgerät.
Maschinen Marke Eigenbau
Dafür ist Sebastian in einer der fünf Werkstätten des Fachbereichs Physik der Freien Universität stationiert. Mit Aufträgen versorgt wird er von den Experimentalphysikern, die bei ihren Messungen vorwiegend auf Apparate Marke Eigenbau angewiesen sind. Passt in einem Experiment ein Teil nicht, wird es nach Wunsch neu gefertigt. Das fordert einiges Geschick von den Feinmechanikern.
Sein drittes Lehrjahr wird Sebastian Voigt in einem Betrieb verbringen. Viele Betriebe können sich die teure Ausbildung von Feinmechanikern nicht leisten, nehmen die Auszubildenden nach dem zweiten Lehrjahr aber gern. Die müssen dann nicht mehr angelernt werden, können aber schon einiges leisten. Sebastian wird an einer Sortiermaschine arbeiten, die Kristalle aus Werkstoffen herausholt und sortiert.
Mit Sortiermaschinen hat Sebastian bereits Erfahrung, denn er musste für den ersten Teil seiner Abschlussprüfung eine bauen. Statt Kristallen sortierte sie kleine und große Kugeln. Zurzeit bauen die Auszubildenden an einem gemeinsamen Projekt, einem Viertaktmotor. Jeder ist für einen Arbeitsschritt verantwortlich, am Ende werden die einzelnen Stücke dann zusammenmontiert.
"Hoffentlich passt das Wissen in den Schädel"
Sebastians Aufgabe ist es, Motorteile zu fräsen. Dabei nutzt er an Werkzeugmaschinen die sogenannte CNC-Technik, das steht für "computerisierte numerische Steuerung". "Damit kann man viele Teile hintereinander haargenau, sogar bis auf ein Tausendstelmillimeter genau ausfräsen", schwärmt Sebastian.
Nach dem Jahr im Betrieb wird der junge Industriemechaniker an die FU Berlin zurückkommen und sich noch ein halbes Jahr auf die Gesellenprüfung vorbereiten. Dann muss er sich dem zweiten Teil der Abschlussprüfung stellen, dem fachlichen Gespräch, in dem seine Handlungskompetenz im Vordergrund steht. Er muss zeigen, dass er seine Arbeit verstanden hat, also weiß, warum er bei einem Projekt Hartmetall verwendet oder wie man kostengünstig vorgeht.
Nach der Prüfung will Sebastian zwei Jahre die Abendschule besuchen, um seinen "Techniker" zu machen, eine Art Meistertitel in der Industriellen Fertigung. Sebastian macht sein Beruf viel Spaß, am meisten gefällt ihm, wie abwechslungsreich er ist: "Vorkenntnisse braucht man nicht. Ich bin ohne Wissen hierhergekommen und komme mit viel Wissen und hoffentlich einem großen Schädel, in den alles reinpasst, wieder raus."