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08.01.2013
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Jugendwerbung der Bundeswehr

Freizeit statt Krieg

Von Heike Sonnberger
dapd

Bomben, Kampf und Tod? Nein, Abenteuer und Kameradschaft! Die Bundeswehr umwirbt Jugendliche im Internet mit Emotionen statt mit Argumenten, kritisieren Freiburger Medienforscher. Ihre Studie wirft neue Zweifel an der Jugendarbeit des Militärs auf.

Die Bundeswehr setzt gern auf Freizeitspaß und Action, wenn sie um Jugendliche wirbt - und weniger gern auf Berichte aus Krisengebieten. So lief im Herbst auf der Internetseite der Jugendzeitschrift "Bravo" ein Werbevideo, das potentielle Rekruten mit Popmusik und Urlaubsfotos bei ihrer Abenteuerlust packen sollte - und eine Debatte anstieß: Darf die Bundeswehr Jugendlichen den Eindruck vermitteln, dass der Alltag bei der Truppe cool und aufregend ist und Krieg eher keine Rolle spielt?

Sie tut es jedenfalls nach Ansicht von Experten auch auf ihrer Jugendseite www.treff.bundeswehr.de. Die ist zwar weniger bunt und poppig als das Video. Aber sie funktioniere nach ähnlichen Prinzipien, schreiben zwei Wissenschaftler der Freiburger Universität in einer Studie, die einer der Autoren bisher nur in Kurzfassung in seinem Blog veröffentlicht hat.

Junior-Professor Friedemann Vogel und seine wissenschaftliche Hilfskraft Maximilian Haberer vom Institut für Medienkulturwissenschaft analysierten auf der Webseite Anfang Dezember unter anderem Wortschatz und Sprachmuster. Ihre knapp 30-seitige Pilotstudie "Die Zukunft im Visier - Die mediale Selbstinszenierung der Bundeswehr gegenüber Jugendlichen auf www.treff.bundeswehr.de" liegt SPIEGEL ONLINE vor.

Was Angst auslösen kann, wird nicht thematisiert

"Die Bundeswehr versucht, vor allem über Emotionen und kaum über Argumente an die Jugend anzudocken", sagte Vogel. Sie erschaffe dabei ein überwiegend positives Selbstimage: Die Bundeswehr solle als Ort rüberkommen, an dem sich junge, ehrgeizige, mitteleuropäische Männer und auch Frauen treffen, um Abenteuer zu erleben, ihre Kindheitsträume umzusetzen, außergewöhnliche Maschinen und Waffen bedienen zu lernen und fremde Länder zu bereisen, sagte Vogel. "Außerdem wird ihnen suggeriert, dass sie stets finanziell abgesichert und Teil einer großen Gemeinschaft seien."

Dass sich die Bundeswehr in ihrem Internetauftritt in ein vorteilhaftes Licht rücken möchte, ist verständlich. Seit 2011 die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, ist sie verstärkt darauf angewiesen, Nachwuchs zu rekrutieren. Als Ziel hatte das Verteidigungsministerium jährlich 5000 bis 15.000 Freiwillige ausgegeben. Doch Kritikern stößt sauer auf, dass die Bundeswehr mit dem Risiko, in das sich junge Menschen im Einsatz begeben, öffentlich nicht transparenter umgeht - sondern Werbekampagnen schaltet wie manches Privatunternehmen.

Was auf Gefahren hinweise oder Angst auslösen könnte, wird auf der Jugendseite nach Ansicht von Vogel und Haberer nicht thematisiert. Waffen, Panzer und Kriegsschiffe sind zwar häufig abgebildet. Doch das, worauf sie im Einsatz zielen würden, sehe man nicht. Maschinen und Fahrzeuge seien ästhetisch inszeniert und oft schräg von unten fotografiert, um imposanter zu wirken. Sie strahlten dabei keine direkte Bedrohung aus, schreiben die Forscher. Militärische Dinge würden in den Alltag integriert - so können Schüler sich zum Beispiel Stundenpläne herunterladen, die im Hintergrund ein Eurofighter ziert.

Auf der Seite finden sich Fotos von Kameraden am Lagerfeuer und von Paraden auf Prachtstraßen. Die spärlichen Bilder aus den Krisengebieten zeigen zum Beispiel afghanische Kinder, die einen Bundeswehr-Soldaten anlachen. Es lassen sich Panzer-Poster bestellen, und im Forum wird über Kondition und Kampfsport diskutiert.

"Krieg" als vergangenes Ereignis

Worte wie "Traum", "Herausforderung", "abwechslungsreich" und "Kameradschaft" haben Vogel und Haberer auf der Seite sehr häufig gefunden, den Begriff "Krieg" hingegen seltener. Und wenn er auftauche, verweise er meist auf einen vergangenen Konflikt (Golfkrieg, Kalter Krieg, Zweiter Weltkrieg) oder auf Gegenstände (Kriegsbrücken, Kriegsschiffe).

"Man gewinnt auf der Seite leicht den Eindruck, das soldatische Leben sei vor allem geprägt von sportlichen Übungen, Gemeinschaftsleben, dem Bedienen und Reparieren von nichtalltäglichen Maschinen und - zugespitzt formuliert - der Realisierung der eigenen militärischen Karriere", resümiert Vogel.

Die Bundeswehr selbst sieht in der Aufmachung der Seite kein Problem. "Man kann Jugendlichen nicht zumuten, dass dort reale Einsatzbilder gezeigt werden", sagte Presseoffizier Guido Hedemann. Es gehe vielmehr erst einmal darum, das Interesse von Jugendlichen zu wecken. Dazu bedürfe es auch einer zielgruppengerechten Sprache. Wenn dann ein konkreter Arbeitsplatz in Frage kommen könnte, klärten Soldaten die Interessenten in Einzelgesprächen über mögliche Entbehrungen und Gefahren wie Tod und Verwundung auf.

Ginge es nach Vogel und Haberer, würde die Jugendseite der Bundeswehr junge Menschen von vornherein besser über das Leben beim Militär aufklären. "So ließe sich etwa über die Funktion der Bundeswehr im Rahmen internationaler Friedenstruppen diskutieren und die damit verbundenen Gefahren, Erfolg und Misserfolg", schlagen die Freiburger vor. Man könne auch kontrovers erklären, wie es zu den aktuellen Krisen auf der Welt gekommen ist - oder welche Schwierigkeiten entstehen, wenn Soldaten lange Zeit auf engem Raum zusammenleben. Da dürften manchem noch andere Schlagwörter einfallen als "Kameradschaft".

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Forum

Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 164 Beiträge
1. Hui, wie gemein...
Gort 08.01.2013
Da macht die Bundeswehr also Werbung für sich und stellt sich nur im besten Licht dar? Wie fies, wie gemein, wie hinterhältig! Und vor allem im krassen Unterschied zu jedem anderen werbetreibenden. Manche "Forscher" [...]
Da macht die Bundeswehr also Werbung für sich und stellt sich nur im besten Licht dar? Wie fies, wie gemein, wie hinterhältig! Und vor allem im krassen Unterschied zu jedem anderen werbetreibenden. Manche "Forscher" haben echt zuviel Zeit oder zuviel Etat. Vermutlich beides.
2. Man kann...
spon-facebook-10000361426 08.01.2013
dazu stehen wie man will. Das der Bund kein Freizeitverein ist bei dem man Stockbrot macht und es jeden Abend einen herrlichen Budenzauber gibt ist aber auch der schützenswerten Jugend sicher bekannt (jedenfalls waren wir mit 15 [...]
dazu stehen wie man will. Das der Bund kein Freizeitverein ist bei dem man Stockbrot macht und es jeden Abend einen herrlichen Budenzauber gibt ist aber auch der schützenswerten Jugend sicher bekannt (jedenfalls waren wir mit 15 nicht so doof anzunehmen dass das ein Spielplatz ist). Mal ehrlich, welche Wahl hat denn die Bundeswehr um neue Soldaten zu gewinnen? Kommt zum Bund, ihr geht in Tod und verderben? Ich verstehe die ganze aufregung nicht... wirklich nicht.
3.
bourne 08.01.2013
Wie der Presseoffizier bereits sagt: Die Wissenschaftler sollten unbedingt mal einen Wehrdienstberater aufsuchen. Nach einem freundlichen "Guten Tag" gehts los mit Fragen wie: "Sind Sie sich bewusst, was der Beruf [...]
Wie der Presseoffizier bereits sagt: Die Wissenschaftler sollten unbedingt mal einen Wehrdienstberater aufsuchen. Nach einem freundlichen "Guten Tag" gehts los mit Fragen wie: "Sind Sie sich bewusst, was der Beruf eines Soldaten von einem verlangen kann und was er kosten kann?" Und diese Fragen werden sehr direkt beantwortet. Nach dem Besuch so eines Beraters kann kein Soldat mehr behaupten man hätte ihm nicht gesagt was auf ihn zu kommt. Zur Website: Die Bundeswehr ist auf junge Menschen angewiesen. Militärisches Gerät hat auf viele, vorallem junge Männer, eine große Anziehungskraft und diese wird von der Jugendseite eben befriedigt. Würden stattdessen Bilder von verstümmelten Soldaten hochgeladen wäre die Reaktionen wahrscheinlich man solle doch lieber Bilder von ruhigen Manövern ohne Verletze hochladen... Wie mans macht, macht mans verkehrt. Die einzige Lösung ohne Nörgler wäre die Jugendarbeit einzustellen, aber das kann sich ein vom Wehrdienst befreites Land wohl nicht leisten.
4. Lügen bringt nichts...
Prellbock 08.01.2013
...sondern nur das was wir heute in der "Armee" haben. Menschen die durch falsche Vorstellungen geködert wurden. Die Werbung sollte offen und ehrlich sein, alles offenlegen denn, das deutsche Volk muss nicht belogen [...]
...sondern nur das was wir heute in der "Armee" haben. Menschen die durch falsche Vorstellungen geködert wurden. Die Werbung sollte offen und ehrlich sein, alles offenlegen denn, das deutsche Volk muss nicht belogen werden (was oben gerne getan wird). Man würde nicht nur der BW etwas gutes tun, denn es würden nur Menschen kommen die auch wirklich wollen und dies akzeptieren, vielmehr würde man sich wundern, dass der Zuspruch zur Wahrheit um einiges höher liegt als sich mancher, bereits mumifizierter Politiker eingestehen kann.
5. In der Zwickmühle
Blackwin62 08.01.2013
Die Armee befindet sich hier in der klassischen Zwickmühle: Zum Einen soll sie nicht mit Abenteuer und Kameradschaft werben. Da könnte der falsche Eindruck entstehen. Und Lagerfeueromantik passt auch irgendwie nicht zur [...]
Die Armee befindet sich hier in der klassischen Zwickmühle: Zum Einen soll sie nicht mit Abenteuer und Kameradschaft werben. Da könnte der falsche Eindruck entstehen. Und Lagerfeueromantik passt auch irgendwie nicht zur Einsatzarmee. Zum Anderen kann sie aber auch nicht mit der Einsatzrealität allein werben, denn die ist - da hart und entbehrungsreich und das Ergebnis langer Ausbildung - wenig werbewirksam und so gar nicht romantisch. Was also tun? Auch ich bin der Meinung, dass alle Facetten beleuchtet werden müssen. Es besteht aber die Gefahr, dass genau diejenigen, die den bisherigen Werbestil bemängeln, dann auch auf die Barrikaden gehen würden. Und da sind wir wieder in der Zwickmühle. Meine Empfehlung wäre, dass die Bundeswehr mit Profilen wirbt, in denen sie typische Tätigkeitsbilder (und nicht nur den Jetpilot) realistisch mit allen Aspekten (was z.B. kann einem Gruppenführer/ Zugführer/ Kompaniechef der Infanterie alles begegnen) einschließlich der Möglichkeiten, Risiken und auch Grenzen beschreibt. Darauf hätten junge Menschen einen Anspruch.
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