31.10.2009
Halloween an US-Schulen
Kinder, das dürft ihr aber nicht anziehen!
Vielen Kindern in den USA wird der Spaß an Halloween schon vergangen sein, bevor er überhaupt beginnen konnte. "Aufgepasst, Eltern", überschrieb etwa ein Schulbezirk im Bundestaat Illinois eine Mitteilung und lieferte sogleich eine Liste, die manchem Kostüm den sofortigen Garaus bereiten dürfte: Verboten sind Blut oder Blutspritzer, Spielzeugwaffen, Masken und "provokative Kostüme jeder Art".
Auch der Direktor einer öffentlichen Schule in Los Angeles teilte Eltern seine Vorstellung von einem gelungenen Kostüm mit: Auf keinen Fall solle es gruselig sein, künstliche Fingernägel seien verboten, ebenso Waffen, "auch unechte". Ein Schulbezirk bei San Francisco verbot gar Babyflaschen und drohte, es werde auch nicht toleriert, wenn sich Jungs als Mädchen oder Mädchen als Jungs verkleiden, wie die Zeitung "New York Times" berichtete.
In den USA haben Halloweenpartys in etwa die Bedeutung wie der Karneval im Rheinland. Die Tradition des Festes reicht bis weit ins 19. Jahrhundert zurück. Gern höhlen kleine Amerikaner Kürbisse aus, wandern - oft verkleidet als Skelette, Geister, Vampire oder Zombies - von Tür zu Tür und fordern von den Nachbarn "Süßes oder Saures!". Längst sind die Halloween-Feiern auch in Europa und in Asien verbreitet.
Beherzter Tritt auf die Gruselbremse
Derweil geben immer mehr US-Schulen den süßen Kleinen Saures und springen auf die Gruselbremse: Sie geben penibel vor, welche Verkleidung erwünscht ist. Die politische und moralische Korrektheit will gewahrt sein, da darf das Gruselfest keine Ausnahme sein. So werden neben Waffen und Blut vielerorts Kostüme untersagt, die in irgendeiner Weise Religionen, Ethnien oder Behinderte diskriminieren könnten. Zu sexy darf es ebensowenig sein; so untersagt eine Schule explizit jedes Zimmermädchen-Kostüm ("French maid").
Zudem kleben viele Schulbezirke an ihrer "Null Toleranz"-Linie: Die Regeln, was als unerlaubte Waffe gilt, sind strikt. Wie eng der Waffenbegriff zuweilen ausgelegt wird, erfuhr erst Mitte Oktober ein sechsjähriger Grundschüler, der wegen eines Campingbestecks in eine Besserungsanstalt geschickt werden sollte.
In Illinois wollten die Behörden jedoch nicht nur Verbote aussprechen: Der Schulbezirk Plainfield schlug laut "New York Times" vor, dass sich die Schüler doch als "historische Persönlichkeiten" oder "köstliche, gesunde Lebensmittel" verkleiden könnten. Wenn der gute alte Kürbis oder die Karotte zu ihrem Recht komme, sei das gleich viel besser als "Vampire oder Zombies".
"Halloween"? Schon zu spooky, nennen wir's lieber "Herbstfest"
Eine Rolle bei den sonderbaren Versuchen, die Kinder auf eine Anti-Grusel-Richtung zu trimmen, dürfte auch der Einfluss von Fundamentalchristen spielen. Ihnen graust vor dem Fest, die Evangelikalen sehen es eher als Teufelswerk - denn das Böse ist immer und überall.
"Wir versuchen hier, eine Tradition mit der Moderne in Einklang zu bringen", sagte ein Sprecher des Schulbezirks Plainfield. Vor ein paar Jahren seien viele Menschen besorgt gewesen, weil sie dachten, Halloween sei ein satanistisches Ritual: "Sie waren nicht einverstanden damit, was Halloween repräsentiert." Weil man Halloween aber nicht ganz verbieten wollte, habe man Richtlinien herausgegeben, wie die Kostüme auszusehen hätten.
In Illinois erhielten die Schüler immerhin konkrete Vorschläge; eine Schule in Texas regte an, die Kinder sollten sich für "positive Kostüme" entscheiden. Und auch eine Schule, deren Namensgeber massenweise Steilvorlagen für Kinderkostüme geliefert hat, vertritt eine restriktive Linie: "Kinder dürfen keine Waffen oder Masken zur Kostümparade mitbringen, auch keine Schwerter - überhaupt nichts Extremes", sagte ein Mitarbeiter der Walt-Disney-Grundschule in Burbank (Kalifornien) der "New York Times".
Manchen Schulen in den USA ist sogar schon der Name des Festtages zu obskur: Sie lassen die Kinder zwar feiern - aber nicht "Halloween", sondern fall festival, also ein schlichtes "Herbstfest".
bim/jol

