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15.02.2011
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Austausch-Log Mexiko

Zwölf Trauben für zwölf Wünsche

Austausch-Log Mexiko: Zwölf Trauben für zwölf Wünsche
Fotos
Katharina Othmer

Die Austauschschülerin Katharina Othmer, 16, fühlt sich eigentlich heimisch in Mexiko. Nur der Familienurlaub in Cancún irritierte sie ein wenig - ging es dort doch reichlich unmexikanisch zu. Auch mit einigen Bräuchen tut sie sich noch schwer.

Ich hatte hier in Mexiko über einen ganzen Monat schulfrei. Gleich in der ersten Ferienwoche fuhr ich mit meiner Gastfamilie in den Urlaub nach Cancún, einem der beliebtesten Strände Mexikos. Wahrscheinlich ist es sogar der beliebteste - besonders bei Kanadiern und Amerikanern. Die Preise standen überall in Dollar. Geldwechselstube reihte sich an Geldwechselstube, überall hingen Flaggen der USA und Kanada.

Meine Gastfamilie hat mich vorher schon vor dieser "Amerikanisierung" gewarnt. Ich war trotzdem überrascht, dass ich mexikanische Touristen dort wirklich suchen musste. Kein Wunder also, dass ich immer erst auf Englisch angesprochen wurde und mal wieder - wie auch in Guadalajara - für eine "Gringa", also Amerikanerin, gehalten wurde. Wenn ich auf Spanisch antworte, schauen mich die Mexikaner meist verwirrt an und fragen dann: "Wo kommst Du denn her?"

Am Anfang hat mich das immer etwas aufgeregt. Ich werde nicht nur einfach für eine "Gringa" gehalten. "Gringa" ist nicht nur eine Nationalität. "Gringa" sein bedeutet, mit Vorurteilen abgestempelt zu werden - meist mit negativen. Doch mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt, schließlich liegt es nahe, dass ich auch Amerikanerin bin. Mit einem Lächeln erkläre ich dann, dass ich aus Deutschland komme. Meist reagieren sie darauf positiv und fragen viel: "Da ist es sehr kalt, oder? Trinkt ihr wirklich so viel Bier? Ist der Tintenfisch Paul sehr unbeliebt?"

Kaum Palmen und Taco-Restaurants, dafür viele Amerikaner und Hotels

In Cancún habe ich mit meiner Gastfamilie in der Hotelzone gewohnt. Es war aber nicht sehr mexikanisch - bis auf die Angestellten, die riesige Mexiko-Fahne und ein bisschen das Essen. Ein riesiges Hotel reiht sich dort ans nächste.

Wir haben uns mit Blick aufs Meer an den Strand gesetzt und die mexikanische Karibik genossen. Leider hatten wir die amerikanischen Hotels im Rücken, es standen auch nur wenig Palmen am Strand und Taco-Restaurants mussten wir suchen. Aber das Meer dort ist wirklich schön: türkis mit weißem Sand. Kein Wunder, dass das Viele genießen wollen.

Einmal sind wir diesem Rummel entkommen: Wir sind mit dem Bus ins Zentrum gefahren, in 20 Minuten waren wir an einem ganz anderen Ort. Die Häuser waren kleiner, Wohnhäuser, keine Hotels. Auch die Essens- und Kleiderpreise waren wieder normal und alle haben in Pesos bezahlt. Es war einfach mexikanischer. Da hab ich mich gleich viel wohler gefühlt. Die Amerikaner, zumindest so wie ich sie dort kennengelernt habe, sind kühler als die Mexikaner. Mexikaner sind im Grunde immer nett, auch wenn sie dich gar nicht kennen.

Während ich in Cancún trotz "winterlicher" Temperaturen in kurzer Hose und T-Shirt - im Meer und am Strand trug ich natürlich einen Bikini - herumlaufen konnte, so musste ich zurück in Guadalajara doch wieder Jeans und einen dünnen Pullover anziehen. "Ja, auch hier wird es im Winter kalt", wurde mir von Lupita, meiner Gastmutter versprochen.

Zwölf Weintrauben für zwölf Wünsche

Kalt, also wirklich kalt, ist es hier tatsächlich manchmal. Ich friere aber nur nachts und früh morgens. Schnee, Mäntel und Handschuhe werde ich hier aber wohl nie brauchen. Manchmal hat mir das schon gefehlt. Einige meiner mexikanischen Freunde haben noch nie im Leben Schnee angefasst. Schade, was sie verpassen. Aber wenn ich an einem Januarnachmittag im T-Shirt durch die Straßen gehe, kann mir der deutsche Winter doch gestohlen bleiben.

Zu Silvester hat meine Gastcousine meine Gastschwester und mich nach Puerto Vallarta eingeladen. Diesmal ging es also an die West-, statt an die Ostküste, an den Pazifik, statt in die Karibik, in einem Reisebus, statt im Flugzeug.

Wir sind gerade angekommen, da fuhren wir schon zu Freunden, die dort ein Zimmer besitzen. Dort stießen wir auf das neue Jahr an - inklusive Feuerwerk am Strand.

In Mexiko ist es Brauch, zwölf Weintrauben zu essen. Bei jeder Weintraube darf man sich etwas wünschen. Leise, geheim und in Gedanken natürlich. Sonst gehen sie nicht in Erfüllung. Ich fand es aber gar nicht so einfach zwölf sinnvolle Wünsche parat zu haben. Leider haben sie mir auch auch erst ein paar Minuten vorher von den Wünschen erzählt. Vorher dachte ich, man isst einfach nur die Weintrauben.

Der Strand in Puerto Vallarta hat zwar nicht so weißen Sand wie der in Cancún und auch das Meer ist nicht so blau, dafür ist er aber auch nicht zubetoniert mit Hotels. Dadurch ist das Ambiente viel schöner.

Das Wochenende in Puerto Vallarta war viel zu kurz. Ich wollte noch gar nicht zurück ins "kalte" Guadalajara, zurück in die Schule.

Forum

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insgesamt 11 Beiträge
1. haha
Tranquilo 15.02.2011
oh ja die amis sind ja soo kalt und alle mexicaner sind ganz toll^^ .Ich lebe seit 3 Jahren in Cancun(weder in der zona hotelera noch im direkten zentrum ) und wurde noch nie als gringo bezeichnet...die stadt lebt halt vom [...]
oh ja die amis sind ja soo kalt und alle mexicaner sind ganz toll^^ .Ich lebe seit 3 Jahren in Cancun(weder in der zona hotelera noch im direkten zentrum ) und wurde noch nie als gringo bezeichnet...die stadt lebt halt vom tourismus der im momentan aber alles andere als gut läuft..12 trauben ißt man auch in Spanien aber das war die war wahrscheinlich nicht exotisch genug^^ auch mit 16 kann man schon peinliche Artikel/Erfahrungsberichte schreiben ....LMAO
2. Malle ?
berghamburg 15.02.2011
Also ist Cancún wohl sowas wie Malle: Abgedrehte Deutsche, Briten, Niederländer, Russen usw., Spanier sieht man nur als Kellner oder im Hinterland. Inzwischen wird da ja nur noch mit Euro bezahlt, früher war aber auch DM und GBP [...]
Zitat von sysopDie Austauschschülerin Katharina Othmer, 16,*fühlt sich*eigentlich heimisch in Mexiko. Nur der Familienurlaub in Cancún irritierte sie ein wenig - ging es dort doch reichlich unmexikanisch zu. Auch mit einigen Bräuchen tut sie sich noch schwer. http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,742182,00.html
Also ist Cancún wohl sowas wie Malle: Abgedrehte Deutsche, Briten, Niederländer, Russen usw., Spanier sieht man nur als Kellner oder im Hinterland. Inzwischen wird da ja nur noch mit Euro bezahlt, früher war aber auch DM und GBP eine Malle-Währung. Zum Glück muss ich da nicht Urlaub machen, ich kann mir jetzt Urlaub in Deutschland leisten...
3. No se enoje!
carsonlau 15.02.2011
Tranquilo, Señor - tranquilo! Was regen Sie sich denn auf? Es kann ja nicht jeder so ein toller alter Hase wie Sie sein! Was hätten Sie denn im Alter von 16 Jahren nach ein paar Wochen über Ihren - vermutlich ersten großen - [...]
Zitat von Tranquiloauch mit 16 kann man schon peinliche Artikel/Erfahrungsberichte schreiben ....LMAO
Tranquilo, Señor - tranquilo! Was regen Sie sich denn auf? Es kann ja nicht jeder so ein toller alter Hase wie Sie sein! Was hätten Sie denn im Alter von 16 Jahren nach ein paar Wochen über Ihren - vermutlich ersten großen - Auslandsaufenthalt von sich gegeben? Aber es ist ja schon toll, wenn sich ein Sabelotodo schon extra für so einen glänzenden Kommentar im Forum registriert!
4. Cancun gleich Malle?
Mexikaner 15.02.2011
Man könnte es meinen. Nur das in Cancun eigentlich nur Gringos/Amis und Kanadier rumlaufen. Ich habe keinen einzigen Mexikaner dort angetroffen in meinem Hotel, nur einen deutschen, der ziemlich arrogant wirkte (er machte [...]
Zitat von berghamburgAlso ist Cancún wohl sowas wie Malle: Abgedrehte Deutsche, Briten, Niederländer, Russen usw., Spanier sieht man nur als Kellner oder im Hinterland. Inzwischen wird da ja nur noch mit Euro bezahlt, früher war aber auch DM und GBP eine Malle-Währung. Zum Glück muss ich da nicht Urlaub machen, ich kann mir jetzt Urlaub in Deutschland leisten...
Man könnte es meinen. Nur das in Cancun eigentlich nur Gringos/Amis und Kanadier rumlaufen. Ich habe keinen einzigen Mexikaner dort angetroffen in meinem Hotel, nur einen deutschen, der ziemlich arrogant wirkte (er machte alleine Urlaub, während seine Familie zu Hause ist und muss das Hotel "vortesten", wobei er sich darüber aufgeregt hat, dass er ein wenig auf seinen Kaffee warten musste). Die Kellner haben sich ziemlich gefreut, als sie mit uns auf Spanisch reden konnten. Anscheinend passiert das bei ihnen im Job nicht so häufig. Ansonsten kann ich nur sagen, dass der Artikel größtenteils so stimmt. Aber jeder macht ja bekanntlich andere Erfahrungen. Ich habe überigends auch ein Austauschjahr in Mexiko gemacht. Ich zolle meinen Respekt, ich hätte mich nicht getraut, hier beim Spiegel Berichte zu veröffentlichen.
5. Immer das Gleiche?!
rolf1975 15.02.2011
Ich muss Tranquilo schon ein bisschen Recht geben - man hört halt immer wieder die gleiche Leier: Cancún ist von Amis überrannt, man möchte doch die URSPRÜNGLICHEN Mexikaner kennenlernen, Touristen können sich nicht benehmen und [...]
Zitat von Tranquilooh ja die amis sind ja soo kalt und alle mexicaner sind ganz toll^^ .Ich lebe seit 3 Jahren in Cancun(weder in der zona hotelera noch im direkten zentrum ) und wurde noch nie als gringo bezeichnet...die stadt lebt halt vom tourismus der im momentan aber alles andere als gut läuft..
Ich muss Tranquilo schon ein bisschen Recht geben - man hört halt immer wieder die gleiche Leier: Cancún ist von Amis überrannt, man möchte doch die URSPRÜNGLICHEN Mexikaner kennenlernen, Touristen können sich nicht benehmen und so weiter und so fort. Irgendwann ist man dieser politisch korrekten Standardfloskeln halt überdrüssig. Als ich Zeit in Mexiko verbracht habe, hatte Cancún einfach mit die schönsten Strände (laut Erfahrungsbericht scheint das ja immer noch so zu sein), die muss man sich nun mal mit anderen Touris teilen, ob es einem gefällt oder nicht...

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