15.02.2011
Austausch-Log Mexiko
Zwölf Trauben für zwölf Wünsche
Ich hatte hier in Mexiko über einen ganzen Monat schulfrei. Gleich in der ersten Ferienwoche fuhr ich mit meiner Gastfamilie in den Urlaub nach Cancún, einem der beliebtesten Strände Mexikos. Wahrscheinlich ist es sogar der beliebteste - besonders bei Kanadiern und Amerikanern. Die Preise standen überall in Dollar. Geldwechselstube reihte sich an Geldwechselstube, überall hingen Flaggen der USA und Kanada.
Meine Gastfamilie hat mich vorher schon vor dieser "Amerikanisierung" gewarnt. Ich war trotzdem überrascht, dass ich mexikanische Touristen dort wirklich suchen musste. Kein Wunder also, dass ich immer erst auf Englisch angesprochen wurde und mal wieder - wie auch in Guadalajara - für eine "Gringa", also Amerikanerin, gehalten wurde. Wenn ich auf Spanisch antworte, schauen mich die Mexikaner meist verwirrt an und fragen dann: "Wo kommst Du denn her?"
Am Anfang hat mich das immer etwas aufgeregt. Ich werde nicht nur einfach für eine "Gringa" gehalten. "Gringa" ist nicht nur eine Nationalität. "Gringa" sein bedeutet, mit Vorurteilen abgestempelt zu werden - meist mit negativen. Doch mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt, schließlich liegt es nahe, dass ich auch Amerikanerin bin. Mit einem Lächeln erkläre ich dann, dass ich aus Deutschland komme. Meist reagieren sie darauf positiv und fragen viel: "Da ist es sehr kalt, oder? Trinkt ihr wirklich so viel Bier? Ist der Tintenfisch Paul sehr unbeliebt?"
Kaum Palmen und Taco-Restaurants, dafür viele Amerikaner und Hotels
In Cancún habe ich mit meiner Gastfamilie in der Hotelzone gewohnt. Es war aber nicht sehr mexikanisch - bis auf die Angestellten, die riesige Mexiko-Fahne und ein bisschen das Essen. Ein riesiges Hotel reiht sich dort ans nächste.
Wir haben uns mit Blick aufs Meer an den Strand gesetzt und die mexikanische Karibik genossen. Leider hatten wir die amerikanischen Hotels im Rücken, es standen auch nur wenig Palmen am Strand und Taco-Restaurants mussten wir suchen. Aber das Meer dort ist wirklich schön: türkis mit weißem Sand. Kein Wunder, dass das Viele genießen wollen.
Einmal sind wir diesem Rummel entkommen: Wir sind mit dem Bus ins Zentrum gefahren, in 20 Minuten waren wir an einem ganz anderen Ort. Die Häuser waren kleiner, Wohnhäuser, keine Hotels. Auch die Essens- und Kleiderpreise waren wieder normal und alle haben in Pesos bezahlt. Es war einfach mexikanischer. Da hab ich mich gleich viel wohler gefühlt. Die Amerikaner, zumindest so wie ich sie dort kennengelernt habe, sind kühler als die Mexikaner. Mexikaner sind im Grunde immer nett, auch wenn sie dich gar nicht kennen.
Während ich in Cancún trotz "winterlicher" Temperaturen in kurzer Hose und T-Shirt - im Meer und am Strand trug ich natürlich einen Bikini - herumlaufen konnte, so musste ich zurück in Guadalajara doch wieder Jeans und einen dünnen Pullover anziehen. "Ja, auch hier wird es im Winter kalt", wurde mir von Lupita, meiner Gastmutter versprochen.
Zwölf Weintrauben für zwölf Wünsche
Kalt, also wirklich kalt, ist es hier tatsächlich manchmal. Ich friere aber nur nachts und früh morgens. Schnee, Mäntel und Handschuhe werde ich hier aber wohl nie brauchen. Manchmal hat mir das schon gefehlt. Einige meiner mexikanischen Freunde haben noch nie im Leben Schnee angefasst. Schade, was sie verpassen. Aber wenn ich an einem Januarnachmittag im T-Shirt durch die Straßen gehe, kann mir der deutsche Winter doch gestohlen bleiben.
Zu Silvester hat meine Gastcousine meine Gastschwester und mich nach Puerto Vallarta eingeladen. Diesmal ging es also an die West-, statt an die Ostküste, an den Pazifik, statt in die Karibik, in einem Reisebus, statt im Flugzeug.
Wir sind gerade angekommen, da fuhren wir schon zu Freunden, die dort ein Zimmer besitzen. Dort stießen wir auf das neue Jahr an - inklusive Feuerwerk am Strand.
In Mexiko ist es Brauch, zwölf Weintrauben zu essen. Bei jeder Weintraube darf man sich etwas wünschen. Leise, geheim und in Gedanken natürlich. Sonst gehen sie nicht in Erfüllung. Ich fand es aber gar nicht so einfach zwölf sinnvolle Wünsche parat zu haben. Leider haben sie mir auch auch erst ein paar Minuten vorher von den Wünschen erzählt. Vorher dachte ich, man isst einfach nur die Weintrauben.
Der Strand in Puerto Vallarta hat zwar nicht so weißen Sand wie der in Cancún und auch das Meer ist nicht so blau, dafür ist er aber auch nicht zubetoniert mit Hotels. Dadurch ist das Ambiente viel schöner.
Das Wochenende in Puerto Vallarta war viel zu kurz. Ich wollte noch gar nicht zurück ins "kalte" Guadalajara, zurück in die Schule.

