23.02.2011
Hightech gegen Blaumachen
US-Distrikt kontrolliert Schwänzer per Satellit
GPS-Satellit (Illustration): Schüler-Kontrolle dank Weltraumtechnik
Wer viermal unentschuldigt fehlt, ist dran: Im Anaheim Union High School Destrict in Kalifornien müssen notorische Schulschwänzer damit rechnen, von ihrem Schuldirektor ein mobiles GPS-Gerät in die Hand gedrückt zu bekommen. Der handygroße Kasten soll sie zurück in die Schule lotsen - mit spürbarem sozialem Druck.
Denn wer sich an dem für die Schüler freiwilligen Programm beteiligt, wird auf Schritt und Tritt überwacht: Morgens gibt es einen automatischen Weckanruf mit der Aufforderung, sich pünktlich auf den Weg zur Schule zu machen. Fünfmal am Tag müssen die Schüler per Knopfdruck ihre Position übermitteln, wo sie gerade sind: zu Hause beim Losgehen, bei der Ankunft in der Schule, beim Mittagessen, auf dem Weg nach Hause und noch einmal abends um acht Uhr.
Zusätzlich bekommen die Schüler einen Betreuer zugeteilt, der sie mindestens dreimal wöchentlich anruft. 75 Jugendliche werden derzeit betreut. "Das Ganze ist keine Strafe, sondern eine Unterstützung, um besseres Verhalten und regelmäßigen Schulbesuch zu erlernen", sagte ein Sprecher der Firma, die die Sender herstellt, der Zeitung "Orange County Register".
Eltern fühlen sich diskriminiert
Sechs Wochen lang sollen die knapp 400 US-Dollar teuren Kästchen getestet werden. Der Einsatz an Schulen in San Antonio und Baltimore habe bereits zu einem spürbaren Rückgang der Fehlstunden bei den chronischen Schulschwänzern geführt - sogar dann noch, als die GPS-Ortung gar nicht mehr eingesetzt wurde, berichtet der "Orange County Register".
Der Einsatz der Geräte ist ein neuer Versuch in einer ganzen Reihe von Bemühungen, das Schulschwänzen in den Griff zu bekommen. In Frankreich war mit Geldzahlungen an Schüler genauso experimentiert worden wie mit der Kürzung des Kindergelds für die Eltern der Schwänzer. Britische Schulen setzten auf mehr Disziplin und Druck, in den USA wurde mit Webcam-Überwachungen experimentiert.
Ob der neue Versuch mit GPS erfolgversprechender ist, muss sich erst noch zeigen. Manche Eltern jedenfalls ließen es bereits an Kooperationsfreude mangeln. Eine Mutter in Anaheim klagte etwa, sie fühle sich diskriminiert, weil ihre Tochter aufgefordert worden war, am GPS-Programm teilzunehmen. "Da stehen wir doch da wie ganz gewöhnlichen Kriminelle", empörte sich die Mutter vor dem Reporter des "Register".
So ganz falsch lag die Frau mit ihrer Einschätzung nicht: Auch in Kalifornien gilt die Schulpflicht. Wer seine Kinder also ohne triftigen Grund nicht zur Schule schickt, macht sich tatsächlich strafbar.
him/ dapd
