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19.04.2011
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Austausch-Log Mexiko

Tag des Schlafanzugs

Austausch-Log Mexiko: Im Schlafanzug zur Schule
Fotos
Katharina Othmer

Austauschschülerin Katharina Othmer, 16, hält sich an den Rat ihrer Organisation: Unternehmt so viel wie möglich! Deswegen ging sie auch in ihrer Schlafanzughose zur Schule. Am Tage der Liebe und der Freundschaft fielen ihre Mitschüler dann mit herzförmigen Lutschern über sie her.

"Ihr solltet in eurem Austauschjahr Neues ausprobieren, etwas, das ihr in Deutschland noch nie gemacht habt und vielleicht auch nicht machen würdet oder könntet." Das sagten uns die Organisatoren des Austausches bei unserem Vorbereitungstreffen. Das ist nun 18 Monate her. Seit acht Monaten bin ich in Mexiko und habe mich an den Rat gehalten.

An einem Freitag im Januar erlaubte uns die Schule im Schlafanzug zu kommen. Meine Freunde erzählten mir schon vorher von dieser Aktion, denn sie fand schon im letzten Jahr statt. Der Direktor wünschte sich einen etwas lustigeren und abwechslungsreicheren Schulalltag, deswegen ist er mit dem Tag des Schlafanzugs einverstanden.

Ich spazierte morgens in rosa Pantoffeln und einer schwarz-weiß-gepunkteten Schlafanzughose in Schule. Ein bisschen nervös wurde ich schon, denn bisher hatten die anderen Schüler, die ich sah, alle normale Kleidung an. Als ich das Klassenzimmer betrat, entspannte ich mich: Da saß noch ein Mädchen im Pyjama. Einige Schüler hatten auch ihr Kissen und den Teddybären mitgebracht.

In der großen Pause erspähte ich immer mehr und auch ein paar Lehrer machten mit. Von schwarz-weiß-kariert bis zu den Simpsons und Hello Kitty war alles dabei. Eine Freundin behielt ihren Schlafanzug sogar gleich zum Tochito-Training an.

American Football auf mexikanisch

Meine Freundin Luna brachte mich auf die Idee, mich bei Tochito anzumelden. Damals hatte ich noch nicht die geringste Idee, was Tochito, oder Flag Ball, wie es auf Englisch heißt, sein könnte. Luna leider auch nicht. "Das ist so wie American Football", sagte sie. "Doch anstatt den Gegner zu schlagen, nimmst du ihm Fahnen ab, die er an einem Gürtel umgeschnallt hat." Soviel wusste sie immerhin. "Und wie ist American Football?", fragte ich. Das konnte sie schon nicht mehr erklären. Wir meldeten uns trotzdem an.

In der ersten Trainingseinheit übten wir zunächst, den Football zu fangen und Ruten zu laufen, die wichtig sind um als Team eine Taktik durchzuführen. Das ist nicht so leicht, schließlich ist der Ball nicht rund. Ab und an ist auch mal ein Finger angeschwollen. Dann sollten wir spielen. Aber wie? "Lauf einfach, fang den Ball und dann renn bis zum Ende des Spielfelds", erklärte ein Mitschüler. Die Grundidee hatten wir verstanden, dabei blieb es aber. Schließlich beendete der Coach das Training mit den Worten: "Nun ja, wir haben viel zu tun." Wenig motivierend.

Nach drei Monaten sah es schon etwas besser aus. Wir haben das Spiel verstanden. Ist unser Team an der Reihe, läuft jeder zunächst eine Rute, dann bleibt ein Spieler stehen und wirft den Ball. Den müssen wir fangen, sonst ist der Spielzug vorbei, und wir müssen von vorne anfangen. Wenn wir den Ball gefangen haben müssen, rennen wir so schnell wie möglich bis zum Spielfeldende, um Punkte zu machen. Die Gegner versuchen in der Zeit dem Spieler mit dem Ball in der Hand, Fahnen vom Gürtel zu reißen. Falls sie das schaffen, halten wir dort an, formieren uns wieder und beginnen erneut - dann etwas näher am gegnerischen Spielfeldrand.

Wir werden erst im nächsten Semester gegen andere Schulmannschaften antreten. Schade, dass ich dann nicht mehr dabei sein kann. Aber ich habe im Internet entdeckt: Es gibt auch in Deutschland Tochito-Vereine...

Der Tag der Liebe und der Freundschaft

Am Valentinstag zeigten mir meine Freunde in der Schule, wie schön es ist, nicht nur die Liebe, sondern auch die Freundschaft zu feiern.

Ich wusste, dass Pärchen sich an diesem Tag Rosen schenken würden. Sie haben sich gegenseitig Luftballons, Schokolade, Lutscher oder Marshmallows in Herzform in die Hände gedrückt. Aber nicht nur sie: Auch Freunde schenkten sich gegenseitig Süßigkeiten oder Luftballons. Ganz egal ob sie sich seit drei Tagen oder drei Jahren kannten. Ich wurde den ganzen Tag umarmt und mit den Worten "¡Feliz día del amor y de la amistad!" (Einen fröhlichen Tag der Liebe und der Freundschaft!) begrüßt. Natürlich von meinen Freunden, aber oft eben auch von Mitschülern, die ich kaum kannte, weil ich erst seit einem Monat ein Schulfach mit ihnen hatte. Als ich an diesem Tag nach Hause ging war mein Rucksack voller herzförmiger Lutscher und ein rosa Herz-Luftballon baumelte an einem Band von meiner Hand.

Der Gedanke, in drei Monaten wieder in den Flieger Richtung Deutschland steigen zu müssen, macht mich jetzt schon etwas wehmütig. Vieles werde ich vermissen. Doch bis dahin werde ich noch oft an den Rat der Organisatoren denken und viel Neues ausprobieren.

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