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15.02.2012
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Geld für den Schulbesuch

"Jetzt ist es wie ein Job"

DPA

Eine Woche, fünf Dollar: Eine US-Schule überweist für Anwesenheit Geld aufs Sparbuch

Sie versuchten es mit kostenlosem Essen und befreiten ihre Schüler von der Uniform, trotzdem blieb die Schulbesuchsquote einer Highschool im US-Bundesstaat Ohio schlecht. Jetzt probiert es der Schulleiter mit einem neuen Experiment: Er bezahlt die Schüler dafür, dass sie regelmäßig kommen.

Es klingt nach einem kühnen Kindertraum: In Cincinnati, im US-Bundesstaat Ohio erhalten die Schüler der Dohn Community High School regelmäßig Geldgutscheine, wenn sie zum Unterricht kommen. "Ich weiß, dass viele Leute sagen, es ist verrückt", sagte Ramone Davenport, Leiter der Schule mit 170 Schülern, dem lokalen Fernsehsender "CBS Local 12". "Aber wir haben alles andere schon probiert." Sie verteilten Pizza, erlaubten ihren Schülern an einigen Tagen, die Schuluniform im Kleiderschrank zu lassen - und jetzt gibt es eben eine Entlohnung für Anwesenheit und Wohlverhalten.

Die Belohnung erhalten Schüler, wenn sie die ganze Woche pünktlich erscheinen, den Unterricht nicht stören und mitarbeiten, unabhängig allerdings von ihren schulischen Leistungen. Die Schule nimmt Schüler von 14 bis 21 Jahren auf, die jüngeren können sich zehn Dollar (gut sieben Euro) pro Woche verdienen, ältere Schüler 25 Dollar (etwa 19 Euro), ausgezahlt als Gutscheinkarte. Zudem überweist die Schule fünf Dollar pro Woche auf ein Sparbuch, ausgezahlt wird das Geld beim Schulabschluss. Die Schule plant für das Projekt in laufenden Jahr 40.000 Dollar (etwa 30.500 Euro) ein.

Schulleiter Ramone Davenport will den Versuch durchziehen, auch wenn er dafür kritisiert wird. "Leute werden sagen, ihr belohnt Kinder für etwas, das sie sowieso schon tun sollten", sagte er der Tageszeitung "The Cincinnati Enquirer". "Aber sie tun es nicht." Im vergangenen Jahr besuchten nur 84 Prozent der Schüler regelmäßig den Unterricht, die anderen müssten arbeiten oder auf jüngere Geschwister aufpassen, so Davenport. "Wir erzählen ihnen, dass sie die Schule wie einen Job behandeln sollen und sie sagen, sie werden nicht bezahlt."

"Schüler, die noch nie erfolgreich waren"

Davenport und seine Kollegen sind nicht die ersten, die ihre Schüler mit Anreizen anstacheln oder disziplinieren wollen: Einige Schulen in den USA versuchen ihre Schützlinge mit Geldscheinen zu Höchstleistungen anzutreiben, andere geben Geld fürs freiwillige Nachsitzen. Einige Schulen in Frankreich verschenkten Fußballtickets oder zahlten Zuschüsse zum Führerschein, um ihre Schüler zu motivieren.

Der Amerikaner Peter A. Spevak von der privaten Beratungsfirma "Center for Applied Motivation" sieht Aktionen wie die der Highschool in Cincinnati skeptisch: "In der Gesellschaft sollte man Dinge tun, weil es erfüllend ist, sie zu tun", sagte er "The Cincinnati Enquirer". Das Blatt zitiert allerdings auch eine Studie des Harvard-Ökonomen Roland Fryer Jr. Der fand 2007 bei Untersuchungen in mehreren städtischen Schulbezirken heraus, dass Anreize für korrektes Verhalten durchaus funktionieren, Vergütung für gute Noten hingegen nicht.

Dohn-Highschool-Direktor Davenport glaubt an den Erfolg seines Schulversuchs. "Wir sprechen über Schüler, die noch nie in ihrem Leben erfolgreich waren", sagt er. Schüler, deren Eltern sie nicht unterstützen. Eine Schülerin sagte dem "Enquirer", viele hätten bislang keine Motivation gehabt, regelmäßig zur Schule zu gehen. "Jetzt ist es wie ein Job." Und den hätten am Montag, zum Start des Experiments, zumindest ein paar mehr Schüler ernst genommen als sonst: Die Anwesenheit stieg um fünf Prozentpunkte. Wenn man in der nächsten Woche acht und später zehn Prozent schaffe, sei man auf einem guten Weg, hofft man in der Schulverwaltung.

fln/AFP

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