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06.04.2012
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Wut in Moskau

Stalin-Schulheft verkauft sich bestens

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DPA

Der Diktator Stalin hat zwar Geschichte geschrieben, aber gehört er deswegen auf ein Schulheft? Nein, sagen Menschenrechtsaktivisten und empören sich deswegen über einen russischen Verlag, der genau das getan hat. Nun verkauft sich dieses Heft auch noch besonders gut.

Fast 60 Jahre nach seinem Tod sorgt der Diktator Stalin in Russland für viel Unruhe: Ein Verlag ließ sein Konterfei ausgerechnet auf ein Schulheft drucken und das verkauft sich nun bestens - sehr zum Ärger von Menschenrechtsaktivisten. Es gäbe derzeit 20 Bücher in der Serie, sagte Artyom Bilan, der künstlerische Leiter vom Verlag Alt, aber einzig das Stalin Heft verkaufe sich gut.

Neben Stalin erscheinen in der Serie "Große Namen der russischen Geschichte" unter anderem der Komponist Sergej Rachmaninow oder Zarin Katharina II. Verlagsmann Bilan sieht den Diktator in dieser Reihe gut aufgehoben: "Stalin liegt 60 Jahre zurück - 60 Jahre", sagte er der Zeitung "The Moscow Times". "Wir beziehen uns auf ihn als Teil unserer Geschichte, vielleicht ein schlechter Teil, vielleicht ein guter, aber nicht mehr." Er sei der Führer, der am längsten an der Macht war und das Land durch seine härteste Zeit geführt habe. Stalin stand fast drei Jahrzehnte bis zu seinem Tod 1953 an der Spitze der Sowjetunion. Sogar seine Anhänger räumen ein, dass er Millionen Menschen in die gefürchteten Gulags und damit in den Tod schickte.

"Wir leben in einem freien Land"

Deswegen dürfe der Diktator Schülern nicht in dieser Form präsentiert werden, sagen Menschenrechtler: "Wenn ein Porträt von jemandem auf einem Schulheft erscheint, wird er von Kindern in einem positiven Licht wahrgenommen", sagte etwa die renommierte Aktivistin Ljudmila Alexejewa. "Wir können keine Porträts von Verbrechern auf Schulhefte drucken." Die Menschenrechtsorganisation Memorial hatte bereits vor wenigen Tagen von einer Schändung der Geschichte des Landes gesprochen.

Die Aktivisten stehen dabei mit ihrer Kritik nicht allein da: "Schulen sind kein Ort für politische Propaganda", sagte etwa der Menschenrechtsbeauftragte des Kreml, Michail Fedotow. Der Bildungsminister, Andrei Fursenko, sagte, er sei zwar gegen das Buch, er könne allerdings nichts dagegen unternehmen, schließlich verstoße es gegen kein Gesetz.

Das weiß auch der künstlerische Leiter Bilan: "Wir leben in einem freien Land", sagt er "The Moscow Times". Und die Leute, die nun gegen das Buch kämpfen, sei diejenigen, die sich selbst als liberal bezeichnen und als Verteidiger der Redefreiheit. "Wenn wir freie Rede gilt, dann gilt sie für jeden."

fln/AFP

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