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24.05.2012
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Hebräischunterricht im Gaza-Streifen

Schulfach "Kenne deinen Feind"

Palästinensische Schüler im Gaza-Streifen: "Wir bringen ihnen die Sprache des Feindes bei"
REUTERS

Palästinensische Schüler im Gaza-Streifen: "Wir bringen ihnen die Sprache des Feindes bei"

Schulen im Gaza-Streifen wollen nach fast zwanzig Jahren wieder Hebräisch unterrichten. Die Ziele der Hamas klingen zweideutig: Die jungen Palästinenser sollen Israelis besser verstehen lernen - doch laut "New York Times" soll das Fach "Kenne deinen Feind" heißen.

Hamburg - Schulen im Gaza-Streifen führen im Herbst ein neues Schulfach ein, der Kurs heißt einem Bericht der New York Times zufolge: "Kenne deinen Feind". Laut dem Zeitungsbericht verbirgt sich hinter dem konspirativ klingenden Fachnamen Hebräischunterricht.

Seit fast zwanzig Jahren wurde Hebräisch, die Sprache der Israelis, der Feinde, nicht mehr in Gaza unterrichtet. Nun, sieben Jahre nachdem sich Israel aus dem Gaza-Streifen zurückgezogen hat und fünf Jahre nachdem die Hamas die Kontrolle von der Palästinensischen Autonomiebehörde übernommen hat, soll sich das wieder ändern.

Im vergangenen Monat entschieden der "New York Times" zufolge Hamas-Funktionäre, die Sprache als Wahlfach einzuführen, anstelle von Türkisch oder Deutsch. Ab der neunten Klasse soll - zunächst in zehn bis zwanzig Schulen - Hebräisch unterrichtet und der Unterricht je nach Nachfrage dann auf alle 180 weiterführenden Schulen im Gaza-Streifen ausgeweitet werden.

"Durch die hebräische Sprache verstehen wir, wie die Israelis denken"

Die Gründe schwanken offenbar zwischen dem Wunsch nach Verständigung und dem nach intelligenter Kriegsführung: "Durch die hebräische Sprache können wir die Struktur der israelischen Gesellschaft verstehen und wie die Israelis denken", sagt Mahmud Matar, Generaldirektor des von der Hamas geleiteten Bildungsministeriums. "Die arabische Sprache ist eine wesentliche Sache für die Israelis, und sie nutzen sie, um ihre Ziele zu erreichen. Wir betrachten Israel als Feind. Wir bringen unseren Schülern die Sprache des Feindes bei", sagt Matar.

Von den 1,6 Millionen Einwohnern im 360 Quadratkilometer großen Gaza-Streifen sprechen die wenigsten fließend Hebräisch, lesen oder schreiben kann es fast keiner. Einige erhoffen sich durch die neuen Sprachkurse Erleichterung in Alltagsdingen: Papierkram für medizinische Behandlungen in Israel kann damit leichter erledigt oder israelische Nachrichten verstanden werden.

Die von der Fatah kontrollierte Palästinensische Autonomiebehörde im Westjordanland hat hingegen keine Pläne, Hebräisch an Schulen einzuführen. In Israel ist arabischer Sprachunterricht während der Mittelstufe verpflichtend, knapp 400.000 israelische Schüler lernen derzeit laut Bildungsministerium Arabisch.

lgr

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