17.07.2012
Abschlussball in den USA
Willst du mit mir gehen?
Vor kurzem saß ich noch in meinem Zimmer in Georgia und habe darüber nachgedacht, was ich alles mit zurück nach Deutschland nehmen will. Und vor allem: Wie? Denn innerhalb der vergangenen zehn Monate hat sich die Anzahl meiner Sachen mindestens verdoppelt. Meine Gastmutter und ich fuhren kurzerhand zu "Walmart" und kauften sogenannte "Space bags". Zu meinem Glück musste ich am Flughafen nicht für das zweite Gepäckstück bezahlen.
In den vergangenen Monaten vor meiner Abreise ist viel passiert. Im März waren meine Familie und ich für eine Woche in Florida. Während meine Familie in Deutschland so richtig schön gefroren hat, durfte ich den ganzen Tag im Golfstrom baden. Zurück in Georgia musste ich mich langsam auf das wahrscheinlich größte Event des Jahres vorbereiten: Prom! Der Abschlusstanz. Meine Mitschüler bereiteten sich eigentlich schon das ganze Jahr darauf vor, aber im März ging es in die Endphase.
Kip, mein bester Freund, hatte mich schon im Februar gefragt, ob ich mit ihm zu Prom gehen will. Er hatte sich so viel Mühe gemacht - und die Überraschung ist ihm gelungen: Denn ich war ganz schön baff, als er mich während einer Aufführung vor der halben Schule auf der Bühne fragte. Sogar den Satz: "Willst du mit mir zum Prom gehen?" hat er vorher auf Deutsch auswendig gelernt.
Mein Date hatte ich also schon früh, nur leider fehlte mir noch alles andere. Das Kleid ersteigerte ich einen Tag vor Prom in einem Laden, es war gar nicht so leicht zwischen all dem Kitsch etwas Schönes zu finden. Auch die Schuhe habe ich dort gekauft, die mussten mindestens so hoch sein, dass das Kleid nicht auf dem Boden hängt.
Styling, Fotoshooting, Steak essen
Am Prom-Tag machte ich mich stundenlang mit rund 20 Freunden schick. Die haben extra junge Leute engagiert, die uns die Haare gemacht und uns geschminkt haben. Daran habe ich wieder einmal gemerkt, wie viel dieser Tag den Amerikanern bedeutet. Danach haben wir etwa eine Stunde lang Fotos gemacht.
Nachmittags ging's zum Steak essen - richtig amerikanisch - dann sind wir mit dem Partybus zum Abschlusstanz gefahren. Die Mädchen haben sich nach fünf Minuten ihre hohen Schuhe auszogen und danach bis 24 Uhr durchgetanzt. Gegen 4 Uhr lag ich im Bett. Das war Prom. Genauso crazy und abgefahren wie alle es vorher angekündigt hatten.
Die letzten Tage in Amerika sind unglaublich schnell vergangen. Jeden Tag traf ich mich mit Freunden und unternahm was mit meiner Familie, sie hatten viel für mich geplant. An meinem letzten Wochenende sind wir aufs Land gefahren, um meinen Gastgroßeltern "Farewell" zu sagen. Innerhalb eines Jahres bin ich zu einem Teil der Familie geworden. Ich durfte noch mal mit dem Truck meines Großvaters durch die Wälder fahren und meiner Großmutter im Barbecue-Restaurant helfen. Dann hieß es "Auf Wiedersehen" - oder "Tschüs", denn ich weiß nicht, wann ich wieder zurückkommen kann.
Rückblickend war das Auslandsjahr die beste Entscheidung meines Lebens. Nicht unbedingt, weil ich jetzt ziemlich gut Englisch spreche, sondern eher wegen all der anderen Erfahrungen, die ich gesammelt habe. Ich habe gelernt, wie es ist, neu und fremd und manchmal ganz auf sich allein gestellt zu sein. Ein Jahr lebte ich in einem Land mit einer anderen Kultur und eigenen Bräuchen. Von Anfang an habe ich probiert, das Beste daraus zu machen.
Das ist auch eines der Dinge, die ich mitgenommen habe: Versuchen, aus jedem Tag das Beste zu machen. Das ist mir in den USA nicht immer leicht gefallen, manchmal hat es mich emotional an meine Grenzen gebracht. Aber dieser Satz hat mir immer geholfen: "What doesn't kill you, makes you stronger".
Nach zehn Monaten bin ich unglaublich stolz in den Flieger gestiegen und konnte sagen: Ich hab's geschafft! Jetzt habe ich zwei Zuhause. Ich komme aus Deutschland, aber gleichzeitig wird ein Teil von mir immer in Amerika sein. Denn da gehöre ich auch hin.
Elisabeth Schröter hat auch eine Facebook-Seite und freut sich über Nachrichten.