10.07.2012
Spicken mit Smartphone
US-Schule hadert mit App-Schreibern
Stuyvesant High School, Manhattan: Wer hier lernen will, muss sich reinhängen
70 Schüler einer renommierten New Yorker Highschool sind beim Schummeln erwischt worden, sie nutzten dafür ihre Smartphones. Ein 16-jähriger Schüler habe seine Antworten fotografiert und die Bilder an die anderen geschickt, berichtete das Schulbehörde der Stadt New York am Montag.
Der Schwindel flog auf, als der Direktor der Stuyvesant High School während einer zentralen Sprachprüfung am 18. Juni einem der Schüler das Handy wegnahm, schreibt unter anderem das "Wall Street Journal". Ein weiterer Schüler habe mit seinen Sitznachbarn Spickzettel getauscht. Insgesamt sechs Jugendliche könnten von der Schule fliegen. Alle Abschreiber müssen die Prüfungen wiederholen, von denen einige für den Schulabschluss zählen.
Es geht um mehrere zentrale Tests, die Schüler im Bundesstaat New York regelmäßig schreiben müssen, die sogenannten Regents Examinations. Gespickt wurde in den Fächern Englisch, US-Geschichte und Physik. Dabei galten die Tests nicht einmal als besonders schwierig. "Schummeln gibt es schon wer weiß wie lange", sagte der Leiter der New Yorker Schulbehörde, Dennis Walcott, dem Radiosender "WOR". Doch die Schüler suchten nach immer neuen Wegen und machten sich neue Technologien zunutze. "Das ist nicht akzeptabel."
"Wir verdienen Aufgaben, die uns zum kritischen Denken anregen"
Die Stuyvesant High School in Manhattan gilt als eine der renommiertesten öffentlichen Schulen in New York City, schreibt die "New York Times". Die Schüler bezahlen kein Schulgeld, müssen aber eine harte Aufnahmeprüfung bestehen. Die technisch und naturwissenschaftlich orientierte "Stuy" wirbt mit vier Nobelpreisträgern unter ihren Absolventen. Schüler klagen jedoch darüber, dass der Leistungsdruck das Abschreiben geradezu provoziere. "Ich spicke nicht", zitierte die "Times" einen 15-Jährigen. "Deswegen leiden meine Noten."
Vor zwei Jahren hatte die Schülerzeitung "The Spectator" in einem selbstkritischen Artikel beschrieben, dass Abschreiben im Schulalltag ständig vorkomme: "Akademische Unehrlichkeit ist in der Kultur der Stuyvesant High School fest verankert." Zahlen und Statistiken seien wichtiger als Wissen und Bildung. Die Schüler würden mit stupider Arbeit zugeschüttet und selten dafür verantwortlich gemacht, wenn sie abschreiben. "Wir verdienen Aufgaben, die uns zum kritischen und analytischen Denken anregen und nicht nur unsere mentale Ausdauer testen und unsere Fähigkeit, Fakten wiederzugeben", schrieb die Redaktion.
In einem fiktiven Beitrag im März machten sich die Schüler allerdings auch über das Abschreiben lustig: 110 Prozent der knapp 3300 Schüler würden regelmäßig abschreiben. Ein Schüler habe sich sogar 225 Spickzettel auf den Körper tätowiert.
son