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09.08.2012
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Abschlussball-Porträts

Letzter Moment der Kindheit

Von Frauke Lüpke-Narberhaus

Es ist einer der wichtigsten Tage im Leben junger Amerikaner: der Abschlussball. Mädchen werden zu Frauen, Jungen zu Männern. Jahrelang fotografierte Mary Ellen Mark die Proms - und schuf berührende Porträts von jungen Menschen auf der Suche nach sich selbst.

Morgens noch ein Mädchen, abends eine Frau: Als Idayary ihr grünes Kleid anzog, die Augen schminkte, die Haare zusammenband, weinte ihre Mutter. "Du bist so schnell groß geworden", sagte sie. "Manchmal wünschte ich, wir könnten die Zeit zurückdrehen."

Als die Amerikanerin Idayary davon erzählt, glänzen ihre Augen. Als würde sie sich das gleiche wünschen wie ihre Mutter, als könne sie nicht glauben, dass jetzt schon Zeit ist für den schönsten Tag in ihrem bisherigen Leben. Zeit für die Prom, die aus Mädchen Frauen und aus Jungen Männer macht. Der Abschlusstanz gehört zu den wichtigsten Ritualen der Jugendlichen in den USA, denn damit feiern sie das Ende ihrer Highschool. Kitschig, gefühlig, amerikanisch.

Vier Jahre lang widmete sich die Fotografin Mary Ellen Mark immer wieder diesem Tag. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Martin Bell besuchte sie zwischen 2006 und 2009 gut ein Dutzend Abschlussbälle, unter anderem in New York, Pennsylvania und Texas - Vielfalt sei dabei das oberste Ziel gewesen. Sie fuhr auch zu der Schule, an der sie selbst vor über 50 Jahren Prom feierte.

Mary Ellen Mark fotografierte, ihr Mann interviewte. Herausgekommen ist der Bildband "Prom" und ein dazugehöriger Film. Im Philadelphia Museum of Art werden die Bilder derzeit erstmals öffentlich ausgestellt. Sie zeigen junge Menschen, die suchen, zweifeln, hoffen, glauben. Junge Menschen, die nicht wissen, ob die Schulhofliebe hält, ob sie überhaupt heiraten sollen, wo doch ihre Eltern längst nicht mehr zusammen leben, die Angst davor haben, dass sie ihre Handy-Rechnungen jetzt selbst bezahlen müssen. Die sagen: "Ich möchte nicht erwachsen werden. Ich möchte Spaß haben, für den Rest meines Lebens."

Geständnis vor der Kamera: "Ich bin in dich verliebt"

Menschen wie Shane, die wohl jeder aus der Schule kennt: Etwas verklemmt und linkisch, trotzdem glaubt jeder daran, dass er irgendwann Großes im Labor oder am Computer vollbringen wird. Shane trägt Pottschnitt und Brille, er sagt: "Ich denke, ich werde bald erwachsen sein. Aber noch befinde ich mich im Übergang."

Er sieht tatsächlich nicht so aus, als sei er angekommen, seine Krawatte sitzt schief, seine rechte Hand umklammert den linken Arm - aber er weiß, was er will: einen großen Roman schreiben, etwas Großes entdecken oder etwas machen, das die Welt verändert. Er spricht von seinen Zielen genauso sachlich wie von seinem Prom-Date, das neben ihm steht: "Sie kennt meine Schwester und ich brauchte im Grunde jemanden, mit dem ich zur Prom gehen konnte." Sein Date, ein Mädchen mit blonden Locken und Haarreif, nickt und lächelt - zumindest kurz.

Später im Film gesteht eine Frau in weißem Kleid und mit Hochsteckfrisur ihrem Date: "Ich bin in dich verliebt." Erst schaut sie auf den Boden, dann zur Seite. Er lächelt sie an: "Hmmm. Wirklich?"

Sie: "Ja."

"Seit wann?"

"Seit Silvester."

Er: "Sil… Silvester." Grinst. "Wow." Selig.

Die Prom-Queen Christina, rote Scherpe, Krönchen und - nach eigenen Angaben - beste Schülerin in Texas, steht allein vor der Kamera. "Ich glaube nicht, dass sich Leute in unserem Alter verlieben können", sagt sie. Obwohl - vielleicht sei es doch möglich. "Ich kann dazu nicht so viel sagen, weil ich das noch nicht erfahren habe."

Der charmante Zahnarztsohn Greg mit weißer Rose am Revers erzählt, wie ihn die Zahnarztfreunde seiner Eltern immer fragen, ob auch er Zahnarzt werden wolle. Er sagt, er sei schon sehr gespannt darauf, mit der Tradition zu brechen und kein Zahnarzt zu werden. Thomas trägt einen weißen Anzug und Irokesenschnitt, er sagt, er werde Elektriker, genau wie sein Vater und Großvater. Latoya, rosa Kleid und kleine Krone, sagt, sie möchte später wohlhabend sein, ihre Familie motiviere sie: "Ich möchte es viel besser machen." Mallory, rosa Perlenkette und rosa Schleife im Haar, wird konkreter: Sie will ein Penthouse Apartment in der Park Avenue in New York City, ein Auto mit weißen Sitzen und einen Windhund, weil er so schön dünn sei.

Ashley hat sich für die Prom Wimpern angeklebt und die Augenbrauen aufgemalt. Die Haare musste sie nicht machen, früher reichten sie bis zur Taille, jetzt trägt sie Glatze. Sie sagt, sie fühle sich erwachsener als viele ihrer Freunde, alles, was sie durchmachen musste, habe sie fünf Jahre altern lassen. Die Tage und Nächte im Krankenhaus haben das Schuljahr zerstückelt, sie wird es wiederholen. Für ihren nächsten Abschlussball wünscht sie sich nur ihre Haare zurück.

Forum

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insgesamt 21 Beiträge
1. Wirklich
ganta 09.08.2012
glücklich sehen sie ja nicht gerade aus
glücklich sehen sie ja nicht gerade aus
2. Aus dem Englischen übersetzt?
beatcruiser 09.08.2012
Ist der Artikel einfach nur schlecht aus dem Englischen übersetzt? Oder schreibt die Autorin direkt selbst so damit alle mitbekommen, dass sie seit Jahren in den Staaten lebt?
Ist der Artikel einfach nur schlecht aus dem Englischen übersetzt? Oder schreibt die Autorin direkt selbst so damit alle mitbekommen, dass sie seit Jahren in den Staaten lebt?
3.
Atheist_Crusader 09.08.2012
Letzter Moment der Kindheit? Im Großteil der westlichen Welt endet die Kindheit inzwischen irgendwo zwischen 10 und 12.
Letzter Moment der Kindheit? Im Großteil der westlichen Welt endet die Kindheit inzwischen irgendwo zwischen 10 und 12.
4. Prom und was das wirklich ist
goodluck12 09.08.2012
Also ich war ja auch auf Prom. Prom ist zwei Sachen: Erstens ist es sowas wie ne Uebungshochzeit. Meistens fragen die Jungs die Maedels aus und erscheinen dann zusammen aufgetackelt machmal in Stretchlimos auf. Bei manchen [...]
Zitat von sysopEs ist einer der wichtigsten Tage im Leben junger Amerikaner: der Abschlussball. Mädchen werden zu Frauen, Jungen zu Männern. Jahrelang fotografierte Mary Ellen Mark die Proms - und schuf berührende Porträts von jungen Menschen auf der Suche nach sich selbst. Abschlussball: Mary Ellen Mark fotografierte Prom-Paare in den USA - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,845978,00.html)
Also ich war ja auch auf Prom. Prom ist zwei Sachen: Erstens ist es sowas wie ne Uebungshochzeit. Meistens fragen die Jungs die Maedels aus und erscheinen dann zusammen aufgetackelt machmal in Stretchlimos auf. Bei manchen belaufen sich die Ausgaben auch schon wie bei einer Mikrohochzeit. Zweitens gehts um Sex oder zumindest sexy sein: Wir hatten ne Stretchlimo mit 3 Jungs und 3 Maedels. Die Maedels forderten irgendwann die Jungs auf zu strippen. Naja wir waren noch zu jung und schuechtern. Es geht um Spass haben und wer geht mit wem etc...
5.
franko_potente 09.08.2012
Die Fotos sind großartig, sensationell. Mary Ellen hat es geschafft, jeden Menschen auf den hier gezeigten Fotos in die Seele zu sehen. Wirklich hervorragende Bilder. Schade, hätte sie gern größer gesehen
Zitat von sysopEs ist einer der wichtigsten Tage im Leben junger Amerikaner: der Abschlussball. Mädchen werden zu Frauen, Jungen zu Männern. Jahrelang fotografierte Mary Ellen Mark die Proms - und schuf berührende Porträts von jungen Menschen auf der Suche nach sich selbst. Abschlussball: Mary Ellen Mark fotografierte Prom-Paare in den USA - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,845978,00.html)
Die Fotos sind großartig, sensationell. Mary Ellen hat es geschafft, jeden Menschen auf den hier gezeigten Fotos in die Seele zu sehen. Wirklich hervorragende Bilder. Schade, hätte sie gern größer gesehen

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