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04.02.2013
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Austausch-Log USA

Bei Heimweh hilft Aprikosen-Streuselkuchen

Anna Sophia Burch

Als Anna Sophia Burch sich für den USA-Schüleraustausch entschied, dachte sie nicht an Stress und Heimweh. Jetzt weiß sie: Auch das gehört dazu. Wenn die Sehnsucht nach der Heimat zu groß wird, backt sie sich ein Vollkornbrot.

Es ist Halbzeit. Die ersten Schulwochen in den USA zogen sich hin wie Kaugummi, die vergangenen fünf Monate vergingen wie im Flug. Es kommt mir vor, als ob mein Austauschjahr aus meinem alten, gewohnten Leben ausgeschnitten wurde. Mein Alltag hier unterscheidet sich sehr von dem in der Schweiz.

Als ich mich für den Austausch entschieden habe, dachte ich nicht daran, dass ich auch Schwierigkeiten mitbuche, Heimweh und härtere Zeiten. Gerade habe ich meine Gastfamilie gewechselt, manchmal stimmt die Chemie einfach nicht. Das war mit viel Stress und Umgewöhnung verbunden. Dank der unkomplizierten Art der Amerikaner und meiner lieben, gleichaltrigen Gastschwester habe ich mich aber schnell in die neue Familie integriert.

Der Schüleraustausch, die Zeit fernab meiner vertrauten Umgebung, hat mich nicht nur selbständiger gemacht, ich bin auch ein positiverer Mensch geworden. Ich habe gelernt, mich selbst wieder hochzuziehen - auch wenn ich mich manchmal frage, warum ich mich freiwillig so vielen neuen Erfahrungen und Stress aussetze.

Wenn ich Heimweh habe, lenke ich mich ab und unternehme was mit der Familie und mit Freunden. Außerdem backe ich gern, wenn ich mich mal nach Zuhause sehne. Als Abwechslung zum obligatorischen Toastbrot buk ich mir ein gesundes Vollkornbrot. Meinen traditionellen Aprikosen-Streuselkuchen mochte meine Gastfamilie sehr gern und auch das eingeflogene deutsche Marzipan und die Schweizer Schokolade waren schnell weg.

Hawaii, ich komme!

Ich staune noch immer, woran sich ein Mensch gewöhnen kann - und vor allem: in welch kurzer Zeit. Hätte mir von zwei Jahren jemand gesagt, dass ich einen Ort Namens Keller in Texas einmal meine zweite Heimat nennen würde, dem hätte ich den Vogel gezeigt. Jetzt habe ich aber schon so viele tolle Leute kennengelernt, dass ich gar nicht daran denken mag, irgendwann Goodbye sagen zu müssen.

Sicher ist, dass ich die Free-refill-Drinks - ein Getränk bezahlen und beliebig oft nachfüllen - und die Lockerheit der Amerikaner vermissen werde. Der Umgang ist so freundlich, schnell geht ein Kompliment über die Lippen, das meist auch ernst gemeint ist, manche aber auch als Oberflächlichkeit verstehen. Auch die Natur und Landschaft habe ich richtig ins Herz geschlossen. Texas hat die schönsten Sonnenuntergänge: jeden Abend ein kunterbuntes Farbspektakel am Himmel.

Beinahe jeden Tag scheint hier die Sonne, im Sommer ist jeder Tag sehr heiß, jetzt im Winter spielen die Temperaturen allerdings verrückt: So ist es an einem Tag um die 25 Grad und am nächsten Tag um die null. Deswegen musste ich nicht mal auf Schnee verzichten: Eines morgens war der Vorgarten mit einem dünnen Schneeteppich bedeckt - allerdings hielt er gerade mal einen halben Tag. Es hätte jedoch nicht viel mehr gebraucht und die Schule hätte wegen schneefrei geschlossen. Der Verkehr spielte völlig verrückt, Facebook und Twitter waren überfüllt mit Schnee-Posts, so begeistert waren alle hier.

Dank meiner Gastfamilie lerne ich viele verschiedene Facetten von Amerika kennen. Kürzlich waren wir im Nachbarstaat Oklahoma in einem Häuschen am Fluss. Wir hatten kein Internet, hörten keinen Verkehrslärm, fuhren Kanu und hielten Marshmallows übers Lagerfeuer. Man kann zehn Stunden fahren und ist immer noch in Texas, gleichzeitig wähnt man sich nach vier Stunden schon in einer vollkommen anderen Welt. Ich freue mich, immer mehr von Land und Leuten kennenzulernen, und besonders freue ich mich schon aufs nächste Ziel: Hawaii, ich komme!


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