Lade Daten...
03.07.2009
Schrift:
-
+

Mein erstes Mal

Sandro Wagner, 21, wird Fußball-Europameister

Das ganze Turnier über war er nicht in der Startelf - im Finale aber trat er an und machte mit zwei Toren den Sieg perfekt. Sandro Wagner, 21, erzählt im SchulSPIEGEL, wie er Fußball-Europameister wurde.

"Europameister werden - das war die Vorgabe, mit der wir nach Schweden gereist sind. Aber EM-Stimmung kam in der Mannschaft erst langsam auf: Wir kamen alle aus unseren Vereinen, ich hatte mit dem MSV Duisburg den Aufstieg verpasst, da hängt man gedanklich noch drin.

Mir hatte Nationaltrainer Horst Hrubesch vier Tage vor dem ersten Treffen der Mannschaft Ende Mai gesagt, dass ich zur Europameisterschaft nach Schweden mitfahre. Es war für mich keine große Überraschung: Ich hatte damit gerechnet und auch noch keinen Urlaub gebucht.

Vor dem ersten Spiel war ich auch relativ sicher, dass ich in der Startelf sein würde, schließlich waren wir nur zwei echte Angreifer im Kader. Es kam erst einmal anders. So ist das eben in der Nationalmannschaft: Es gibt viele gute Spieler, da muss man sich fügen. Aber klar habe ich vor jedem Spiel gehofft, dass es soweit ist und ich von Beginn an auflaufen kann. Doch das dauerte noch etwas.

Ich hatte von Beginn an keine Zweifel, dass wir es weit bringen werden, auch wenn es in der Vorrunde noch nicht perfekt lief: Gegen Spanien war vor allem die erste Hälfte schlecht, gegen Finnland lief es insgesamt nicht so rund. Aber im Training habe ich gemerkt: Wir packen das hier, wir haben eine tolle Stimmung entwickelt.

Als wir dann im Halbfinale gegen Italien gewonnen haben, ist sehr viel Druck abgefallen. Endlich einen Großen geschlagen, das war enorm wichtig.

Gleich am Abend nach dem Halbfinalsieg ging Horst Hrubesch zu unseren Führungsspielern und sagte ihnen, dass er die Startelf im Finale ändern werde. Sami Khedira, unser Kapitän, ist danach zu mir gekommen und hat gesagt: 'Der Trainer will dich im Finale aufstellen.' Ich habe mich riesig gefreut, es ist einfach etwas, auf das ich sehr lange hingearbeitet habe. Am nächsten Tag kam dann Horst Hrubesch zu mir und sagte, dass ich in der Startelf stehen werde. Da wusste ich natürlich schon Bescheid - trotzdem großartig!

50 SMS nach dem Sieg - und Sonderurlaub vom Trainer

Die Nacht vor dem Finale war ich unruhig, klar, aber alles andere wäre wohl auch nicht normal. Es ist doch ein Traum: Ich habe das erste Mal Fußball gespielt, da war ich drei. Ich habe schon immer, so lange ich denken kann, Fußball im Fernsehen angeguckt. In dem Alter, in dem man anfängt zu sagen, was man mal werden will, habe ich nicht Feuerwehrmann gesagt, sondern Fußballspieler. Jeder hat gelacht und gefragt: 'Okay, im Ernst: Was willst du wirklich werden?'

In der ersten Halbzeit des EM-Finales bin ich viel gelaufen, hatte aber keine Chancen. Dann heißt es immer: Der spielt schlecht, aber die Leute sehen einfach nicht, was da gearbeitet wird. In der zweiten Halbzeit hatte ich die erste Chance - und vergab sie. Das hat mir aber keine Sorgen gemacht, ich dachte: Die zweite machst du rein. Und das klappte, es war das 3:0, knapp zehn Minuten vor Schluss. Eine unglaubliche Freude.

Fünf Minuten später bin ich einen Konter gelaufen, bin mit dem Ball von halblinks in die Mitte, war gut 20 Meter vom Tor weg. Den Schuss von dort übe ich sehr oft im Training: Angeschnitten in die rechte Ecke, das Ding ist unhaltbar, wenn es gut kommt. Der Ball flog genau richtig.

Nach dem Abpfiff ist die ganze Anspannung abgefallen, ich war nur noch glücklich. Wir haben erst im Stadion gefeiert, dann in der Kabine habe ich mein Handy angemacht: 50 neue SMS. Ich habe als erstes meine Freundin angerufen, dann meinen Trainer beim MSV Duisburg - ich wollte wissen, wann das Training losgeht. Die Mannschaft hat schon zwei Tage nach dem Finale wieder angefangen, ich habe aber eine Woche Urlaub bekommen.

Am nächsten Tag saß ich mit Sami Khedira am Flughafen in Malmö, wir waren unter den letzten, die noch da waren. Wir haben uns angeguckt und gesagt: 'Mann, das ist historisch, das wird immer in Erinnerung bleiben' - aber so richtig kapiert haben wir das noch nicht.

Vielleicht werde ich verstehen, was in Schweden passiert ist, wenn ich am Strand liege und mal abschalte. Ich habe jahrelang auf diesen Titel hingearbeitet - jetzt ist mein Ziel: Urlaub!"

Aufgezeichnet von Birger Menke

Forum

Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
1. ...
webman 03.07.2009
...der lohn für einen langen weg - es gibt eben nichts schöneres.... herzlichen glückwunsch
...der lohn für einen langen weg - es gibt eben nichts schöneres.... herzlichen glückwunsch
2. Herzlichen Glückwünsch!!
monaco_franze 03.07.2009
Sie haben sich es verdient - ich wünsche Ihnen für Ihren weiteren Karriereweg alles Gute, möglichst Verletzungsfreiheit und baldige Einsätze in der 1. Bundesliga.
Sie haben sich es verdient - ich wünsche Ihnen für Ihren weiteren Karriereweg alles Gute, möglichst Verletzungsfreiheit und baldige Einsätze in der 1. Bundesliga.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL
Twitter RSS
alles zum Thema Mein erstes Mal
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten