02.01.2013
Florian David Fitz als Lehrer
Mädchenschwarm in der Mädchenschule
Kreisch! Kein Durchkommen für Mädchenmagnet Florian David Fitz: Im Münchner Edith-Stein-Gymnasium herrscht Ausnahmezustand. Erstmals bei einer Vertretungsstunde müssen wir SPIESSER-Mitarbeiter als Bodyguards aushelfen. Mit aller Kraft und Fotolächeln schafft Florian es noch fast pünktlich zu seinen Zehnern.
Florian: Hallo, ich bin der Florian. Wir fragen uns heute, woran wir eigentlich glauben.
Große Freude über den Leckerbissen hinter dem Lehrerpult. Um die Herzfrequenz bei allen Mädchen erst einmal auf Normalniveau zurückzuschrauben, absolviert Florian einen Händeschüttel-Marathon durch die Sitzreihen.
Florian: Seid ihr alle katholisch?
Lea: Nein, man wird hier auch aufgenommen, wenn man nichts ist. Also, wenn man auf dem Papier keinem Glauben angehört.
Florian: Wie viele sind das in eurem Kurs?
Tina meldet sich.
Florian: Oh. Eine nur. Halte durch!
Die Mädchen kichern.
Florian: Ich bin auch katholisch aufgewachsen, bin ja auch Bayer, hatte aber immer ein Problem damit, das zu glauben, was im Gottesdienst erzählt wurde. Wie geht euch das?
Lea: Ich würde Glauben und Kirche in dem Fall trennen. Für mich gibt es keinen Gottesdienst, der wirklich das ausspricht, was ich denke. Aber ich glaube, dass eine höhere Macht existiert, die uns von oben beschützt.
Florian zieht skeptisch seine Augenbraue hoch. Die erste Reihe schmilzt vor Bewunderung.
Sophia: Ich wurde nicht allzu religiös erzogen, denke aber viel darüber nach, ob es einen Gott gibt. Mir fällt es schwer, etwas zu glauben und das auch festzulegen, wie es im Gottesdienst getan wird. Schließlich weiß ich ja nicht, ob es stimmt.
Florian: Sonst würde es ja auch "wissen" und nicht "glauben" heißen...
So ein schlauer Mann, dieser Florian.
Florian: Könnt ihr euch denn komplett mit dem Glaubensbekenntnis anfreunden? Betet ihr das einfach runter, oder meint ihr das auch?
Graciella: Bei ein paar Sachen denke ich, dass ich das so nicht mit mir vereinbaren kann. Da heißt es, ich glaube an die heilige katholische Kirche und so ist es bei mir aber nicht.
Florian: So ging es mir auch. Dann hab ich den Satz weggelassen und den nächsten auch...
Miriam: Aber ich denke, viel ist in der Kirche nicht wörtlich gemeint, sondern eher bildlich. Ob das auch die spanische Malerin dachte, die vor Kurzem ein Jesus-Gemälde zum Monchichi-Porträt umgestaltet hat?
Florian: Warum glauben wir eigentlich?
Eva: Früher vor allem, um zu erklären, warum die Welt so ist, wie sie ist. Zum Beispiel um ein böses Unwetter zu begründen.
Sophia: Genau. Glaube kommt vom Unwissen über Naturwissenschaften.
Florian: Obwohl wir heute so viel über das Universum wissen, wissen wir eigentlich trotzdem nichts.
Uff. In "Doctor's Diary" waren die Dialoge mit Florian Sahneschnitte Fitz irgendwie nicht so tiefgründig.
Anika: Wissenschaft und Glauben sollten nicht verbunden werden. Liebe kann zum Beispiel nicht wissenschaftlich erklärt werden: Warum liebe ich den einen jetzt ganz doll und den anderen nicht?
Sophia: Es gibt andere wichtige Werte in der Religion. Wie lebe ich, was habe ich für eine Ethik? Da finde ich es unsinnig zu sagen, Gott hätte in sieben Tagen die Welt erschaffen. Es ist bewiesen, dass es nicht so war. Also sollte man sich nicht daran festklammern.
Gott sei Dank: Von der anfänglichen Schüchternheit ist bei den Mädchen zum Ende der Stunde nichts mehr zu spüren. Zeit für eine Abschlussfrage.
Lea: Was glauben Sie eigentlich?
Florian: Früher habe ich versucht, das zu glauben, was in der Bibel steht. Mittlerweile glaube ich aber viel größer, ohne das zu limitieren. Daran, dass wir alle miteinander auskommen sollen. Das wäre was.
Die Schülerinnen sind sehr gut mit ihrem Vertretungslehrer ausgekommen. Doch der muss zu seinem nächsten Termin. Ein Gewusel von Schülerinnen verschluckt ihn auf dem Weg nach draußen.
Von Milena Zwerenz für das Jugendmagazin "Spiesser"

