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25.01.2013
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Mein erstes Mal

Ramon, 18, wird Karnevalsprinz

Günter Kampshoff

Eigentlich müsste er für sein Abi lernen, aber Ramon Otten, 18, steht lieber auf der Bühne: Als einer der jüngsten Karnevalsprinzen wirft er Kamelle, tanzt und verbreitet ganz akkurat gute Laune. Er trinkt keinen Alkohol und bleibt nie bis zum Schluss - denn das würde er nicht durchhalten.

"Die Begeisterung für Karneval liegt bei uns in der Familie: Schon meine Eltern waren Prinzenpaar, so dass ich bereits als Kind mit zu Sitzungen ging. Karneval habe ich schon damals geliebt. Mit 16 trat ich als offizielles Mitglied in unseren Karnevalsverein ein. Damit war ich der Letzte in der Familie: Mein drei Jahre jüngerer Bruder war schon dabei.

Als meine Eltern mich fragten, ob ich nicht Prinz werden wolle, habe ich keine Sekunde gezögert, danach musste nur noch der Vorstand zustimmen. Ich hatte immer auf diese Frage gehofft. Es ist schön, als Prinz für ein paar Wochen im Jahr im Mittelpunkt zu stehen.

An meiner Seite habe ich auch eine Partnerin, die sogenannte Venetia. Im echten Leben heißt sie Sandra, ist 21 und schon länger im Karnevalsverein als ich. Auch sie wurde da hineingeboren: Sie ist die Tochter unseres Schriftführers. Wir verstehen uns sehr gut, unser Verhältnis ist aber rein professionell. Meine Freundin hat Verständnis für die zweite Frau an meiner Seite: Sie ist selbst im Karnevalsverein und kennt sich mit den Traditionen aus.

Jeder Anzug passt zum Kleid von Venetia

Meine Freunde erfuhren zufällig von meiner neuen Aufgabe. Alle fanden es gut, schließlich ist Karneval bei uns eine große Sache. An Altweiber gehen wir sogar verkleidet in die Schule und bekommen nach der zweiten Stunde frei. Auch meine Lehrer sprachen mich an, nachdem sie mein Bild in der Zeitung gesehen haben. Ab und zu merke ich sogar, dass Leute auf der Straße mich anschauen, als müssten sie mich kennen.

Im November wurden wir zu Prinz und Venetia gekürt, das war die erste große Veranstaltung. Zunächst musste ich aber einkaufen, denn als Prinz brauche ich einige Anzüge - farblich abgestimmt auf Sandras Kleider.

Zusammen mit meiner Mutter zog ich los. In eineinhalb Stunden kauften wir vier Anzüge, passende Hemden, Krawatten, Schuhe. Die Anzüge habe ich absichtlich alltagstauglich ausgewählt, ich will sie schließlich auch nach meiner Amtszeit noch tragen, zu Bewerbungsgesprächen beispielsweise.

Aber nicht nur die Anzüge kosten: Allein für die Uniformen, die wir alle im Verein haben, bezahlte ich mehrere hundert Euro. Nur die Prinzenkappe, die ich bei meinen Auftritten trage, musste ich nicht kaufen. Die wird im Verein von Prinz zu Prinz immer weitergereicht und passte meinem Vater genauso wie mir. Hinzu kommt die Verköstigung der anderen Vereinsmitglieder: Es ist üblich, dass der amtierende Prinz bei Veranstaltungen wie dem Rosenmontagsfrühstück oder dem traditionellen Fischessen am Aschermittwoch Essen und Getränke für alle bereitstellt. Hier greifen mir meine Eltern finanziell unter die Arme. Allein könnte ich das alles nicht stemmen.

Um 1.30 Uhr ist immer Schluss mit lustig

Am Abend der Prinzenkürung mussten Sandra und ich auf der Bühne eine Rede vor 120 Gästen halten. Ich war nur ein bisschen aufgeregt, saßen doch viele Bekannte und Freunde im Publikum. Also übten wir vorher ein wenig: Über Facebook tauschten wir aus, was wir sagen wollen. Die kurze Ansprache trug ich dann meinen Eltern vor, schließlich kennen sie sich damit aus.

Auf die Rede folgte ein Tanz, das fand ich am schwierigsten. Damit ich mich nicht blamiere, übte ich einmal mit Sandra und einmal mit meiner Freundin, sie ist Profi, sie tanzt in der Garde. Sie war von meinen Tanzkünsten aber wenig begeistert: Ich stelle mich nicht besonders gut an, sagte sie. Geklappt hat es trotzdem, sogar gar nicht schlecht. Vielleicht lag es an den Karnevalsliedern, zu denen ich getanzt habe, denn die höre ich mir sogar privat zu Hause gern an.

Die meisten denken, dass an den Karnevalstagen viel getrunken wird. Auf mich trifft das allerdings nicht zu: Ich trinke grundsätzlich wenig Alkohol und bei den Auftritten gar nicht. Ich fände es peinlich, schwankend auf der Bühne zu stehen. Schließlich repräsentiere ich den Verein und bin für dessen Image verantwortlich. Von daher bin ich wohl eine der nüchternsten Personen im Raum.

Bis zum Schluss bleibe ich ohnehin nie bei den Veranstaltungen. Das würde ich auch nicht durchhalten: In den vier Monaten meiner Amtszeit bin ich auf rund 16 Veranstaltungen. Darum versuche ich, in dieser Zeit diszipliniert zu leben und spätestens um 1.30 Uhr nach Hause zu gehen. Wenn ich mit meinen Freunden feiere, bin ich länger unterwegs.

Nach dem Abitur werde ich weggehen aus Düsseldorf, ich möchte Tiermedizin studieren. Die Orte, an denen das Fach angeboten wird, sind keine Hochburgen des Karnevals. Verzichten werde ich aber trotzdem nicht, sondern dafür extra nach Hause fahren. Wer weiß, vielleicht werde ich noch mal Prinz. Vorstellen könnte ich es mir."

Aufgezeichnet von Marie-Charlotte Maas

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insgesamt 3 Beiträge
1. Die unseligen Folgen der schlecht schreib Reforn...
Ex-Kölner 25.01.2013
"Auch sie wurde rein geboren" Hmmm - So weit ich weiß, kommen Säuglinge nicht wirklich rein aus Muttis Bauch - eher im Gegenteil. Und ob die Dame reinen Herzens oder reinen Gewissens geboren wurde, dürften weder [...]
"Auch sie wurde rein geboren" Hmmm - So weit ich weiß, kommen Säuglinge nicht wirklich rein aus Muttis Bauch - eher im Gegenteil. Und ob die Dame reinen Herzens oder reinen Gewissens geboren wurde, dürften weder "Prinz" noch SPON-Autorin wirklich wissen. Vermutlich wurde die Venetia doch eher reingeboren in den Karneval - oder?
2.
Werner655 25.01.2013
Der Artikel dürfte unter denselben Bedingungen zustande gekommen sein, wie die Nominierung des jungen Mannes zum Prinzen...
Zitat von sysopEigentlich müsste er für sein Abi lernen, aber Roman Otten, 18, steht lieber auf der Bühne: Als einer der jüngsten Karnevalsprinzen wirft er Kamelle, tanzt und verbreitet ganz akkurat gute Laune. Er trinkt keinen Alkohol und bleibt nie bis zum Schluss - denn das würde er nicht durchhalten. Karneval: Roman Otten ist einer der jüngsten Karnevalsprinzen im Land - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/karneval-roman-otten-ist-einer-der-juengsten-karnevalsprinzen-im-land-a-877093.html)
Der Artikel dürfte unter denselben Bedingungen zustande gekommen sein, wie die Nominierung des jungen Mannes zum Prinzen...
3. Schöner Aufsatz
buckalot 26.01.2013
Ich hab schon lange keine Nacherzählung mehr gelesen, wegen mir könnte es davon ruhig mehr geben :)
Ich hab schon lange keine Nacherzählung mehr gelesen, wegen mir könnte es davon ruhig mehr geben :)

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