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15.01.2011
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Digitale Schultafeln

Bye-bye, Kreide

Digitale Tafel: Spielerei oder Fortschritt?
TMN

Digitale Tafel: Spielerei oder Fortschritt?

Die Schulen rüsten um und tauschen Tafeln gegen Whiteboards. Was Schüler und Lehrer schreiben, projiziert dann ein Beamer an die Wand. So soll das Lernen moderner, interaktiver und besser werden. Bildungsexperten fürchten allerdings einen Rückfall in den Frontalunterricht.

Quietschende Kreide und dunkelgrüne Tafel haben in einigen Schulen ausgedient. Stattdessen schreiben Schüler und Lehrer dann auf sogenannten Whiteboards - digitale Tafeln, verbunden mit einem Computer und einem Beamer. Die Hersteller werben, die Technik bringe mehr Motivation und Spaß am Lernen.

Aber lassen sich diese Versprechen halten? Eindeutige Studien gibt es zwar nicht, jedenfalls nicht aus Deutschland. Doch Bildungsforscher sind eher skeptisch.

So fällt es vielen Lehrern nicht leicht, die Geräte zu bedienen. Zudem verleiten Whiteboards offenbar dazu, dass Lehrer wieder verstärkt Frontalunterricht machen. Das jedenfalls befürchten Bildungsexperten.

Starren die Schüler stur aufs Whiteboard?

"Whiteboards können zu einer Zentralisierung des Lernens führen", sagt Stefan Aufenanger, Professor für Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik an der Universität Mainz. Denn: Alle Schüler würden dann nach vorn starren, auf die digitale Tafel. Von Interaktivität keine Spur.

Doch die digitalen Tafeln haben auch ihre Stärken: Gerade in Fächern wie Geografie, Physik oder Chemie können auf Whiteboards Formeln und Reaktionen anschaulicher dargestellt werden. "Bei Formeln können auch Entwicklungsprozesse abgebildet werden, die dann per E-Mail an die Schüler verschickt werden", so Aufenanger.

Allerdings ist es mit ein paar schwungvollen Bögen auf der Tafel nicht getan: "Das Schreiben auf dem Whiteboard muss erst gelernt werden", sagt Detlev Harms, Leiter des Medienzentrums Hochtaunuskreis. Auch seien die Anforderungen an die Lehrer je nach Fach sehr unterschiedlich. Fächer wie Ethik oder Religion lebten vom Diskutieren: Visuell zu arbeiten kann da schwierig werden. Sollen in einer Schule Whiteboards eingeführt werden, dürfen Eltern ruhig nachfragen, für welche Unterrichtszwecke die Boards denn bestimmt sind.

Die Schüler sind von der Technik oft angetan. "Ihre Lebensrealität finden sie damit auch in der Schule vor", sagt Kerstin Geis, Vorsitzende des Landeselternbeirats in Hessen. Sie findet, dass Kinder so früh an Präsentationstechniken herangeführt würden, die sie auch später an der Uni oder im Beruf brauchten.

"Ein guter Unterricht wird vielleicht besser, ein schlechter nicht"

Digitale Tafeln, das bedeutet aber auch: Der Medienkonsum der Kinder steigt. Vormittags schauen sie auf das projizierte Beamer-Bild; nachmittags dann auf den Computerbildschirm zu Hause, den Fernseher oder das Handy. "Ich habe nicht das Gefühl, dass die zusätzliche Nutzungszeit bislang reflektiert wurde", sagt Geis. Eltern sollten also den Medienkonsum zu Hause begrenzen.

Wie die neue Technik im Klassenzimmer ankommt, hängt auch vom Alter der Schüler ab. Bis zur fünften Klasse finden es Kinder offenbar toll, wenn der Napoleon-Projekttag auch mit einem Napoleon-Spiel auf der Nintendo-Konsole ergänzt wird. Doch ältere Schüler sind weit weniger begeistert. "Das funktioniert meist nur bis zur sechsten Klasse. Danach wollen die Schüler nicht mehr im Unterricht spielen", sagt Aufenanger. Oft sind es demnach die Jugendlichen selbst, die sich nach dem traditionellen Tafelbild sehnen.

Die Erwartungen an die Technik sind hoch: Sie soll den Unterricht anschaulicher und verständlicher machen, die Schüler sollen bessere Leistungen liefern. "Ausreichend Daten gibt es dazu aber noch nicht", sagt Medienpädagoge Aufenanger. Eine empirische Studie in Großbritannien habe zwar gezeigt, dass die Noten durch Whiteboards besser würden. "Aber ich bin da skeptisch."

Letztlich hängt es nicht von der Tafel ab, wie gut der Unterricht ist, sondern vom Lehrer: Setzt er die Technik vernünftig ein? Kann er selbst damit umgehen? Gegen eines allerdings kann selbst der talentierteste Pädagoge kaum etwas ausrichten: Wenn er eine Schulstunde mit dem Whiteboard geplant hat - und die Technik fällt aus.

"Ein guter Unterricht wird mit Whiteboard vielleicht besser, ein schlechter aber nicht", sagt Aufenanger.

Von Julia Kirchner, dpa/otr

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