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19.05.2011
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Abi-Panne in NRW

Schüler dürfen zweimal Mathe-Abi schreiben

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DPA

Tausende Abiturienten in NRW bekommen im Mathe-Abi eine zweite Chance: Weil zwei von drei Mathematikaufgaben unpräzise waren, korrigiert sich das Schulministerium und setzt nun einen weiteren Termin an. Dabei rühmt sich NRW bislang der "bestgeprüften Abituraufgaben Deutschlands".

Die schriftlichen Abiturprüfungen in Nordrhein-Westfalen sind gelaufen. Endlich, werden wohl viele der 20.000 Gymnasiasten und Gesamtschüler gedacht haben, die am Montag ihre vermeintlich letzte Matheklausur hinter sich brachten.

Doch diese Schüler müssen nun eine schwierige Entscheidung fällen: Wollen sie ihr Mathe-Grundkurs- Abitur ein zweites Mal schreiben oder reicht es für eine passable Abinote - auch wenn die Aufgaben nicht exakt oder vielleicht sogar zu schwierig waren?

Die Abiturienten in Nordrhein-Westfalen bekommen beim schriftlichen Grundkurs-Abitur in Mathematik eine zweite Chance, entschied das nordrhein-westfälische Schulministerium am Mittwoch. Begründung: Zwei von drei Aufgaben der zentralen Grundkursprüfung in Mathematik waren missverständlich. Darum setzte das Ministerium für den kommenden Donnerstag einen weiteren Prüfungstermin an.

Die Schüler sollen bis Montag, 23. Mai, selbst entscheiden, ob sie zu der zweiten Prüfung antreten wollen. Die Note aus dem ersten Versuch ist ihnen bis dahin allerdings nicht bekannt. Wer antritt, entscheidet damit, dass die neue Note zählt.

Ungenaue Aufgaben passierten die Fachkommission Mathematik

Eine der zwei ungenau gestellten Aufgaben war noch vor Beginn der Prüfung am Montag in einem Rundschreiben an die Schulen präzisiert worden, schreibt das Ministerium in einer Mitteilung. Die zweite Ungenauigkeit fiel erst auf, als die Angabenzettel schon vor den Schülern lagen. Die Aufgabe sei aber "fachlich korrekt" gewesen, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Der Vater einer Bonner Gymnasiastin sagte SPIEGEL ONLINE hingegen, die Schule habe ihn am Mittwochmorgen darüber informiert, die Klausur sei zu schwierig gewesen, darum gebe es einen Nachschreibetermin.

Noch am Montag, dem Tag der Prüfung, gingen mehrere Beschwerden von Schülern, Lehrern und Schulleitern beim Ministerium ein. Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) sagte hingegen, die Rückmeldungen aus den Schulen hätten ergeben, dass "nahezu alle Beteiligten" mit den Aufgaben zurecht gekommen seien. Die Schüler durften sich eine der drei Aufgaben aussuchen. Es sei nun eine Entscheidung "aus pädagogischen Gründen", die Schüler nachschreiben zu lassen.

Nachträglich stellte eine Prüfkommission unter Leitung des Dortmunder Bildungsforscher Wilfried Bos und zweier Mathematiker der Fachkommission Mathematik fest, dass eine der drei Aufgaben bei Lehrern und Schülern "zu Beginn möglicherweise zu Irritationen" habe führen können.

Aus der Aufgabenstellung sei nicht klar erkennbar gewesen, ob mit konkreten Funktionen oder einer Funktionenschar gerechnet werden sollte. Weil noch zwei weitere Aufgaben zur Verfügung gestanden hätten, bestehe aber "kein weiterer Handlungsbedarf". Bemerkenswert: Die Fachkommission Mathematik prüft die Aufgaben für das Abitur auch schon, bevor sie an die Schulen gehen und fand die Ungenauigkeiten offenbar beim ersten Lesen nicht.

Ministerium: Keine Mehrkosten, kein Handlungsbedarf

Fachkommissionen, die mit insgesamt 25 Mitgliedern über die Qualität des NRW-Abis wachen, gibt es seit zwei Jahren. Nach einer nahezu unlösbaren Aufgabe in Mathematik beim Abi 2008, dem "Oktaeder des Grauens", wollte die damalige Ministerin Barbara Sommer (CDU) unbedingt weitere neue Pannen vermeiden - und installierte den Abi-TÜV mit Bildungsforscher Bos an der Spitze.

Qualitätsprüfer Bos versprach damals "die bestgeprüften Abituraufgaben, die es in Deutschland je gegeben hat". Zwei Jahre nach den großen Worten ging nun erneut etwas schief. Im Ministerium allerdings sieht man keinen Grund, an dem bisherigen Prozedere zu zweifeln. Es werde keine Änderungen im Verfahren geben, sagte eine Sprecherin.

Der zweite Mathe-Abiturtermin ist nun Donnerstag, der 26. Mai. An diesem Tag werden in NRW auch die regulären Nachschreibklausuren der Schüler geschrieben, die das ihre ersten Prüfungen nicht mitschreiben konnten. Viel Mehraufwand sei das für die Schulen nicht, heißt es im Ministerium. Die Prüfungsblätter lägen auf einem Server, von dem sich die Schulen die Aufgaben herunterladen und selbst ausdrucken. Demnach sollen durch den zweiten Termin auch keine Mehrkosten entstehen.

Eine "faire Lösung" nennt das der Vize-Vorsitzende des Philologenverbandes NRW, Jürgen Baues, in der "Rheinischen Post". Der Weg sei vernünftig, weil die Konkurrenz der Abiturienten 2011 wegen der Doppel-Jahrgänge in Bayern und Niedersachsen besonders groß sei. Nun haben die Schüler über das Wochenende Zeit, sich zu entscheiden, ob sie ein zweites Mal das Mathe-Abitur im Grundkurs schreiben wollen.

cht

Forum

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insgesamt 48 Beiträge
1. Ein Beispiel würde nicht schaden
mundi 19.05.2011
Es wäre hilfreich für die Leser des Spiegels, würde man in diesem Artikel anhand eines konkreten Beispiels die Panne besser erklären.
Es wäre hilfreich für die Leser des Spiegels, würde man in diesem Artikel anhand eines konkreten Beispiels die Panne besser erklären.
2. .
Xaron74 19.05.2011
Bildung sollte Bundesangelegenheit sein. Warum jedes Ländchen hier sein eigenen Süppchen kocht, hat sich mir noch nie erschlossen.
Bildung sollte Bundesangelegenheit sein. Warum jedes Ländchen hier sein eigenen Süppchen kocht, hat sich mir noch nie erschlossen.
3. Kein Titel
Hans Blafoo 19.05.2011
Da stimme ich Ihnen absolut zu! Aber es ist immerhin schon ein Fortschritt, dass nicht wie früher in vielen Ländchen jede Schule ihre eigenen Abituraufgaben hat.
Zitat von Xaron74Bildung sollte Bundesangelegenheit sein. Warum jedes Ländchen hier sein eigenen Süppchen kocht, hat sich mir noch nie erschlossen.
Da stimme ich Ihnen absolut zu! Aber es ist immerhin schon ein Fortschritt, dass nicht wie früher in vielen Ländchen jede Schule ihre eigenen Abituraufgaben hat.
4. und dann?
bierus 19.05.2011
Und was würde das nützen? Uniformität ist kein Wert an sich.
Zitat von Xaron74Bildung sollte Bundesangelegenheit sein. Warum jedes Ländchen hier sein eigenen Süppchen kocht, hat sich mir noch nie erschlossen.
Und was würde das nützen? Uniformität ist kein Wert an sich.
5. Rückschritt
macfan 19.05.2011
Das ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt. Durch das Zentralabitur wird alles nivelliert. Die Lehrer drillen nur noch auf die vorgegebenen Inhalte, neue kreative Wege werden dadurch verhindert. Um auf das Beispiel [...]
Zitat von Hans BlafooAber es ist immerhin schon ein Fortschritt, dass nicht wie früher in vielen Ländchen jede Schule ihre eigenen Abituraufgaben hat.
Das ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt. Durch das Zentralabitur wird alles nivelliert. Die Lehrer drillen nur noch auf die vorgegebenen Inhalte, neue kreative Wege werden dadurch verhindert. Um auf das Beispiel Mathematik zurückzukommen: Alle Aufgaben gibt es für den "herkömmlichen" Unterricht oder für den Unterricht mit einem Computeralgebrasystem (CAS). Hätte es vor der Einführung des Zentralabiturs nicht schon CAS-Ansätze gegeben, wären sie nie mehr möglich gewesen, da man diesen neuen Weg unter dem Zwang alter Vorgaben nicht hätte gehen können. Das Zentralabitur verhindert eine Vielfalt, vor allem aber eine inhaltliche Unterrichtsentwicklung.

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