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10.11.2011
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CDU-Bildungspolitik

Union frisst Hauptschul-Kreide

Hauptschule wegwischen - oder doch nicht? Die CDU grübelt weiter
DPA

Hauptschule wegwischen - oder doch nicht? Die CDU grübelt weiter

Die CDU sucht in der Bildungspolitik weiter ihren Kurs: Bislang stand die Parteiführung dazu, die Hauptschule nicht mehr zu unterstützen. Jetzt steht im Bildungs-Leitantrag für den kommenden Parteitag wieder ein Bekenntnis zur siechen Schulform - ein Zugeständnis an die Konservativen.

Zwei Schritte vor und einen zurück: Es fällt der CDU schwer, sich von der Hauptschule und dem traditionellen dreigliedrigen Schulsystem zu verabschieden. Die Antragskommission hat den Leitantrag für eine neue CDU-Bildungspolitik deutlich korrigiert, um Streit auf dem Parteitag in der kommenden Woche in Leipzig zu vermeiden. Die Gestaltungskompetenz der Länder und ihre Verantwortung für die Schulpolitik wird nun klarer herausgestellt.

Zwar wird in dem von der Kommission überarbeiteten Entwurf weiterhin ein zweigliedriges Schulsystem mit Gymnasium und Oberschule als Idealbild für die Zukunft empfohlen. Doch dass es tatsächlich unter dem Druck des Schülerrückgangs "in allen Ländern" zur Zusammenlegung von Hauptschulen und Realschulen unter dem Dach der neuen Schulform Oberschule kommt, gilt nach den Änderungen jetzt nur noch als "wünschenswert". "Darüber hinaus stehen wir zu Haupt- und Realschulen sowie integrativen Schulformen, wo diese funktionieren und dem Elternwillen entsprechen", heißt es in dem Papier.

CDU ringt heftig mit ihrer Schul-Geschichte

Noch nie hat eine Partei so intensiv über Bildungspolitik diskutiert und gestritten, wie jetzt die CDU. Im Sommer verabschiedete der Vorstand fast einmütig den 40-seitigen Bildungs-Leitantrag, den Bundesbildungsministerin Annette Schavan und Sachsens Kultusminister Roland Wöller (beide CDU) entwickelt hatten. Der Inhalt: ein Zwei-Wege-Schulmodell aus Gymnasium und Oberschule. Danach hagelte es empörte Proteste. Nach dem überraschenden Kurswechsel in der Atompolitik, den neuen Bekenntnissen in der CDU-Familienpolitik zur Kleinkinderbetreuung und zu Ganztagsschulen nun auch noch ein Abschied von der Hauptschule? Das ging nicht nur der CSU zu weit - sondern auch vielen an der CDU-Basis, vor allem in Hessen und Baden-Württemberg.

Der Philologenverband und andere konservative Eltern- und Lehrerverbände sprachen offen von Verrat. Denn jahrzehntelang hatten CDU-Politiker vor allem im Westen vor Ort und in den Landtagen gegen Gesamtschulen und andere integrierte Schulformen erbittert gekämpft. Die Hauptschule, deren Bestand in mehreren Landesverfassungen verankert war, galt für die CDU als sakrosankt - auch wenn man die eigenen Kinder häufig lieber zum Gymnasium schickte.

Doch den Wandel in der Schulpolitik, den mancher CDU-Funktionär an der Parteibasis nun schmerzlich erfährt, haben in der Realität die Eltern längst vollzogen: Schavan verweist auf Umfragen, denen nach nur noch zwei Prozent aller Eltern ihr Kind auf eine Hauptschule schicken würden - könnten sie tatsächlich nach Landesrecht frei wählen. In den fünf neuen Bundesländern gibt es die Hauptschule als eigenständige Schulform längst nicht mehr, ebenso auch im Saarland. In Bremen ist sie nahezu abgeschafft. In Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz sind die Weichen dafür gestellt. Überlegungen dazu gibt es in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. In Nordrhein-Westfalen gibt es die Hauptschule noch, doch seit CDU und rot-grüne Landesregierung an Rhein und Ruhr ihre Streichung aus der Landesverfassung besiegelten, ist sie auch dort ein Auslaufmodell.

1600 Änderungswünsche am Bildungskonzept

Gleichwohl besuchten bundesweit gerechnet im Schuljahr 2009/2010 noch immer 17,6 Prozent aller Achtklässler eine eigenständige Hauptschule. Die meisten Hauptschüler stellen Bayern (Landesanteil 29,9 Prozent) und Baden-Württemberg (26,3 Prozent). Doch auch hier werden in den nächsten Jahren gravierende Änderungen unvermeidlich sein - unter dem Druck des Schülerrückgangs und dem Ziel, dennoch viele Schulen bestehen zu lassen und dabei möglichst viele weiterführende Schulabschlüsse ortsnah anzubieten.

Fast 1600 Änderungswünsche registrierte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, nachdem der Vorstand das CDU-Bildungskonzept veröffentlicht hatte. Erstmals richtete die CDU-Parteizentrale dazu ein eigenes Diskussionsforum im Internet ein. Auf über 400 Seiten listet das Antragsbuch zum Parteitag allein die Änderungsforderungen aus den Gremien auf. Auf fünf Regionalkonferenzen musste Schavan das Konzept verteidigen. Besonders kontrovers und turbulent ging es dabei in Wiesbaden zu, wo Gröhe mit der Aussage zitiert wurde, dass sich die Hauptschule offensichtlich unter den Eltern einer weit weniger großen Zustimmung erfreue als auf CDU-Parteitagen.

Von Karl-Heinz Reith, dpa / fln

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insgesamt 48 Beiträge
1. Schluss mit der unendlichen Reform!
kioto 10.11.2011
Hallo, Wie ich selbst wären auch meine Kinder am deutsche Schulsystem fast gescheitert. Über den zweiten Bildungsweg habe ich dann Elekrtrotechnik und Informatik bis zum Diplom erfolgreich studiert. Bei meinem Jüngsten habe [...]
Zitat von sysopDie CDU sucht in der Bildungspolitik weiter ihren Kurs: Bislang stand die Parteiführung*dazu, die Hauptschule nicht mehr zu unterstützen.*Jetzt steht im Bildungs-Leitantrag für den kommenden Parteitag wieder ein Bekenntnis*zur siechen Schulform - ein Zugeständnis an die*Konservativen. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,797043,00.html
Hallo, Wie ich selbst wären auch meine Kinder am deutsche Schulsystem fast gescheitert. Über den zweiten Bildungsweg habe ich dann Elekrtrotechnik und Informatik bis zum Diplom erfolgreich studiert. Bei meinem Jüngsten habe ich endlich die Konsequenz gezogen und ihn auf eine Waldorfschule gegeben. Kein stures Pauken, kein Mobbing, kreativ teoretisch und praktisch lernen, so sollte Schule immer sein. Und das ohne viel Geld vom Staat, trotz niedrigem Gehalt motivierte Lehrer. Diese unendliche Schulreform, durch die Länderhoheiten zum Irrsinn mutiert, wird nie erfolgreich sein, wenn das Grunddogma nicht geändert wird, dass Schule möglichst billig sein muss. Gesamt- und Ganztagesschule, um die immer mehr fehlende Sozialisierung der Kinder im Elternhaus nachzuholen. Unsere Zukunft ist nicht Grün, oder Ökologisch oder hochtechnisch oder sonstwie. Nur gut ausgebildete und motivierte Kinder sind unsere Zukunft. Deshalb sollte man endlich aufhören, die schrumpfende Schülerzahlen für weiter Sparmaßnahmen und Schulzusammenlegung unter dem Deckmantel der Reform zu missbrauchen und in die Schule zu investieren, auch in die Schule für die, die später ev. ein Handwerk erlernen. Die deutsche Schulpolitik ist krank !!! mfg Kioto
2. die Hauptschule kann ruhig bleiben!
europaerzuerst 10.11.2011
diese Schulform ist nützlich! auch deutschen Schülern ohne Migrationshintergrund, auch aus völlig regelten Familien! im Dorf der Partnerin von einem kürzlichen Bundeskanzler gab es keinen einzigen Ausländer mehrere Jahren. die [...]
diese Schulform ist nützlich! auch deutschen Schülern ohne Migrationshintergrund, auch aus völlig regelten Familien! im Dorf der Partnerin von einem kürzlichen Bundeskanzler gab es keinen einzigen Ausländer mehrere Jahren. die Lehrerin ist vom Dorf! und trotzdem gab es Dramen! die Schüler lernen (bei ihr) nichts und die ganze Klasse (beinahe) kann nicht zur weiterführenden Schule! wer ist schuld? die (sicher bequeme) Dorflehrerin, ein Dorfkind, Fernsehen, Gameboys, Computer-Spiele, Ratlosigkeit vor einer ungewissen Zukunft, Angst vor Arbeitslosigkeit? kann alles sein, ist aber nicht das Thema: das Thema ist die Hauptschule vorab zu beseitigen, wie ein Verbrecher, obwohl sie so vielen Menschen weitergeholfen hat, weil die Zivilisation sonst krank ist! und warum will man das? ganz konkret gesehen: der VORWAND (es ist nämlich nur ein Vorwand) ist, dass es den Schülern keine Chancenverbesserung bringt. warum? man braucht nicht mehr Leute mit mittlerer Reife oder Abgang in der 10. Klasse! für diese unterqualifizierte Leute gibt es auch keine bessere Chancengestaltung! jeder der von unten her ihnen einen Platz streitig macht, beraubt einem aus dieser mittleren Klasse seinen Platz! das Problem ist völlig anders, speziell bei Migranten: ein Abi allein nutzt gar nichts mehr! man muss studieren, sonst ist es für die Katze... Studium bedeutet aber, dass dann das Kind, ob Mädchen (sollte schon lang unter der Haube doch sein!) oder Junge, Dir am Bein hängen bleibt, bis es 25..30 Jahre alt ist! und vom Staat ist die Förderung weit unterhalb des Niveaus in anderen zivilisierten Ländern! Bafög ist nur ein Darlehen, und muss dennoch trotzdem erkämpft werden! vor sehr agressiven Beamten! hier ist Stipendium keine Hilfe zum Aufstieg und Förderung in eine andere gesellschaftliche Klasse und das ist vielleicht das Problem Nummer Eins der mangelnden Integration und bald des entstandenen Kastensystems, das sich in Deutschland langsam sehr deutlich aufbaut: die unzähligen Einwanderer und Dauerarbeitslose können ihren Kindern keinerlei Ideale mehr vermitteln, weil ein Klassenwechsel schlicht und ergreifend bewußt erschwert wird! Stipendien sind nicht ein Förderungsweg, sondern eine Belohnung für besondere Leistung!!! Bafög bekommt man mit unzähligen Hürden, nicht wegen sich selber, sondern wegen das Elternhaus (absoluter Nonsens und sozial bis zum höchsten Grad ungerecht: was haben volljährige Kinder mit der Situation der Eltern noch zu tun? sind sie davon immer noch so etwas wie ein Blinddarm?) und auch für nachweisliche Schrott-Studien ohne oder mit nur minimalen Aussichten auf realistischer Eigenversorgung in angestellter sowie in selbstständiger Beschäftigung nicht ein mal schwerer, als wenn man etwas studiert, wonach die Gesellschaft heute schon mangelt!
3. Sehr unterschiedlich
Domkirke 10.11.2011
In großen Städten kann man ein so stark gegliedertes Schulsystem wohl noch eher gebrauchen. Aus meiner alten Heimat weiß ich, dass es dort einfach nicht mehr genug Schüler gibt um an allen drei Schulformen normalen Unterricht [...]
In großen Städten kann man ein so stark gegliedertes Schulsystem wohl noch eher gebrauchen. Aus meiner alten Heimat weiß ich, dass es dort einfach nicht mehr genug Schüler gibt um an allen drei Schulformen normalen Unterricht anzubieten. Klar kann man dann noch einmal Unterschiede zwischen Stadt und Land machen, aber dann blickt niemand mehr durch. Daher bin ich dafür nur noch zwei Schulformen anzubieten. Das klassische Gymnasium mit Abitur und eine weitere Schule. Das Ganze am Besten den ganzen Tag mit einem ansprechen Nachmittagsprogram von Sport über Musik, Theater bis Lernen für die Kinder!
4. union frisst hauptschulkreide
fortelkas 10.11.2011
Es ist in Deutschland so unendlich schwer, eine vernünftige Schulreform durchzusetzen. Ausgerechnet eine Minderheitsregierung in NRW hat es geschafft, mit der CDU einen ersten richtigen Schritt in die Richtung zu einem längeren [...]
Es ist in Deutschland so unendlich schwer, eine vernünftige Schulreform durchzusetzen. Ausgerechnet eine Minderheitsregierung in NRW hat es geschafft, mit der CDU einen ersten richtigen Schritt in die Richtung zu einem längeren gemeinsamen Lernen der Kinder zu ermöglichen. Aber es ist nur der erste Schritt. Das dreigliedrige Schulsystem ist tot, nur die Konservativen in diesem Land haben es noch nicht gemerkt oder wollen es einfach nicht wahrhaben! Erwin Fortelka Ehemaliger didaktischer Leiter einer Gesamtschule, an der viele Schülerinnen und Schüler Chancen bekommen haben, die sie im dreigliedrigen Schulsystem nie erhalten hätten!
5. CDU-Bildungspolitik!
pkeszler 10.11.2011
Sie haben vollkommen Recht. Das dreigliedrige Schulsystem mit der Hauptschule, das hauptsächlich die unionsgeführten Bundesländer befürworten, ist ein Auslaufmodell, weil durch den Demographiefaktor immer weniger Schüler die [...]
Zitat von DomkirkeIn großen Städten kann man ein so stark gegliedertes Schulsystem wohl noch eher gebrauchen. Aus meiner alten Heimat weiß ich, dass es dort einfach nicht mehr genug Schüler gibt um an allen drei Schulformen normalen Unterricht anzubieten. Klar kann man dann noch einmal Unterschiede zwischen Stadt und Land machen, aber dann blickt niemand mehr durch. Daher bin ich dafür nur noch zwei Schulformen anzubieten. Das klassische Gymnasium mit Abitur und eine weitere Schule. Das Ganze am Besten den ganzen Tag mit einem ansprechen Nachmittagsprogram von Sport über Musik, Theater bis Lernen für die Kinder!
Sie haben vollkommen Recht. Das dreigliedrige Schulsystem mit der Hauptschule, das hauptsächlich die unionsgeführten Bundesländer befürworten, ist ein Auslaufmodell, weil durch den Demographiefaktor immer weniger Schüler die Schule besuchen, und weil es auch nicht allen Kindern gleiche Bildungschancen bietet.Die PISA-Studie hat eindeutig nachgewiesen, dass in Ländern, wie Finnland und Schweden,wo das längere gemeinsame Lernen angewandt wird, die Lernerfolge größer sind.Dabei spielen Ganztagsangebote eine wichtige Rolle. Zwei Schultypen in ganz Deutschland reichen vollkommen aus und sind für Kinder, die mit ihren Eltern in ein anderes Bundesland ziehen, von großem Vorteil. Warum muss jedes Bundesland noch ein eigenes Schulsystem, mit eigenen Lehrbüchern usw. haben? Hier geht der Föderalismus entschieden zu weit.

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