02.12.2011
Zehn Jahre Pisa
Die Bildungsschocker
Von Frauke Lüpke-Narberhaus
Wir fanden das damals eigentlich ganz cool: zwei Tage keine Schule. Keiner fühlte sich unter Druck gesetzt, es würde sich schließlich nicht auf unsere Noten auswirken. Alles nur zum Spaß also - so ist es bei uns angekommen.
Mir war damals nicht klar, dass noch mehr Schulen in Deutschland mitschreiben - geschweige denn im Ausland. Ich habe mir damals keine Gedanken über Schulsysteme gemacht. Ich hatte nie Streit mit Lehrern, nie Probleme in der Schule, bin morgens hingegangen und nachmittags zurück - ohne groß darüber nachzudenken.
An unserer Schule schrieben etwa 20 Schüler mit. Jeder hatte eine Nummer und einen festen Sitzplatz. Vorne stand der Testleiter, ich vermute, es war auch ein Lehrer dabei, schon aus disziplinarischen Gründen: Ich glaube, wir hätten uns nicht gut benommen, wenn kein Lehrer dabei gewesen wäre.
Der Testleiter erklärte alles sehr ausführlich. Wir durften nicht allein weiterblättern, wir mussten immer warten, bis eine bestimmt Zeit abgelaufen war, dann mussten alle gleichzeitig umblättern. Wir verstanden damals nicht, warum wir das machen sollten. Wir fanden den Testleiter komisch. Er war so akkurat und streng. Er nahm alles etwas zu wichtig, dachten wir.
Die schlechten Ergebnisse bedrückten mich
Angestrengt habe ich mich trotzdem. Allein, weil wir beim Lesen ab und zu Zeitlimits hatten, wollte ich mir selbst beweisen, dass ich es schaffe. Aber ich denke, unter richtigem Prüfungsdruck hätte ich noch etwas besser gearbeitet.
Als dann ein Jahr später die Ergebnisse rauskamen, dachte ich: Ach, hast du da nicht mitgemacht? Mich hat aber nie jemand drauf angesprochen. Meine Mitschüler wussten gar nicht, dass ich für die Ergebnisse mitverantwortlich bin.
Dass die Ergebnisse so schlecht sind, hätte ich nicht gedacht. Mich hat das bedrückt, weil ich sie auf mich persönlich bezogen habe - auch wenn es mir eigentlich nicht schwerfiel, die Aufgaben zu lösen. Unsere eigenen Ergebnisse haben wir nie erfahren. Leider.
Nach dem Test bekamen wir ein Jojo und einen Kuli, OECD und Pisa stand darauf. Der Kugelschreiber funktioniert schon lange nicht mehr, aber ich habe ihn immer noch. So vergesse ich nie, dass ich an etwas teilgenommen habe, das noch Jahre später hohe Wellen schlägt."
Eva, 26, wird bald als Lehrerin Förderschüler unterrichten, ihr Referendariat hat sie fast beendet. Sie nahm im Jahr 2000 an der Pisa-Studie teil und besuchte damals ein Gymnasium im saarländischen Homburg.