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Netzwelt
Ausgabe
33/2017

Umstrittene Kirchenaktion

Herr Roboter, gib uns deinen Segen

In der Lutherstadt Wittenberg gibt es eine Maschine, die Menschen segnet. Ist das Blasphemie oder Gottes Werk?

EKHN/ Di Dio

Roboter BlessU-2

Von Uwe Buse
Montag, 04.09.2017   20:21 Uhr

Der Auftrag, den Fabian Vogt vor gut einem Jahr erhielt, lautete: Denk dir etwas Spielerisches aus, etwas Politisches, es darf auch gern ein wenig provokant sein, für die Weltausstellung der Reformation in der Lutherstadt Wittenberg.

Fabian Vogt ist Pfarrer und Kabarettist, ein dem Leben zugewandter Mann, 50 Jahre alt. Als Pfarrer ist er in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zuständig für Kommunikationsprojekte. Er soll die Kirche wieder näher zu den Menschen bringen, soll dafür sorgen, dass die Kirchenbänke wieder voller werden, man kann Vogt also einen Reformator nennen, wie Luther damals. Dass er auch noch Kabarettist ist, ist hilfreich. Seine Reformbemühungen kommen deutlich leichter, unbeschwerter daher als die seines Vorbilds.

Nachdem Vogt den Auftrag bekommen hatte, etwas für die Weltausstellung zu schaffen, musste er nicht lange nachdenken. Er wollte einen Roboter bauen lassen, der Menschen segnet. Das schien ihm ein Projekt am Puls der Zeit zu sein. Die Idee gefiel Vogt sehr. Seine Kollegen und Vorgesetzten sahen das anders. Ihre Reaktion, in ein paar Worten zusammengefasst: huch. Darf man das?

Vogt war sehr zufrieden mit dieser Reaktion. Er ist der Meinung, dass man dorthin gehen muss, wo es wehtut, zumindest ein bisschen, wenn man etwas verändern will. Das sahen seine Kollegen schließlich auch so, und deshalb steht Vogt jetzt auf dem Rasen in Wittenberg, in der Stadtmitte, gleich hinter den roten Backsteinwänden der Exzerzierhalle. Links eine Kirche aus Holz- und Acrylglas, die LichtKirche, ebenfalls für die Ausstellung aufgebaut, und neben Vogt eine Kabine, etwas geräumiger als eine Telefonzelle. In der Kabine steht der Roboter.

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Aus dem SPIEGEL

Heft 33/2017
Alpentraum
Wie sich das bedrohte Paradies wandelt

insgesamt 5 Beiträge
brimbamborium 04.09.2017
1.
Ja, und die Beichte abnehmen könnte er auch. Die Menschen würden sich dann so erleichtert fühlen und ihm dafür dankbar vor die Knie fallen. Predigt halten könnte er ebenso, die ganze Messe folgt dann auch irgendwann. Die [...]
Ja, und die Beichte abnehmen könnte er auch. Die Menschen würden sich dann so erleichtert fühlen und ihm dafür dankbar vor die Knie fallen. Predigt halten könnte er ebenso, die ganze Messe folgt dann auch irgendwann. Die Menschen werden zuerst mit ihm beten, ihn später anbeten, ihn, den gottähnlichen, unsterblichen, sie immer und auf allen wegen begleitenden Robogotti. Später wird sich dann jeder einen halten können und auf seinem persönlichen Schrein abstellen. Wie krank muss man als Mensch sein und wie heuchlerisch als Kirche? Fehlt nur noch, dass man dem Tand eine Seele zuspricht. Eine reine, eine göttliche, wohlgemerkt. Jeder selbsbewusste und menschenbejahende Philosoph schlägt sich bei so etwas nur verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen. Arme Seelen!
Sumerer 05.09.2017
2.
"In der Lutherstadt Wittenberg gibt es eine Maschine, die Menschen segnet. Ist das Blasphemie oder Gottes Werk?" Selbst wenn der segnende Roboter die Gestalt einer herkömmlichen Ratte hätte, wäre er, konsequent [...]
"In der Lutherstadt Wittenberg gibt es eine Maschine, die Menschen segnet. Ist das Blasphemie oder Gottes Werk?" Selbst wenn der segnende Roboter die Gestalt einer herkömmlichen Ratte hätte, wäre er, konsequent gedacht, noch Gottes Werk! Der winkende Schwanz der Ratte könnte sinnbildlich der Fingerzeig Gottes sein.
Sumerer 05.09.2017
3.
Sie sind phantasielos! Ein "Robogotti" gehört in jede anständige moderne Kirche!
Zitat von brimbamboriumJa, und die Beichte abnehmen könnte er auch. Die Menschen würden sich dann so erleichtert fühlen und ihm dafür dankbar vor die Knie fallen. Predigt halten könnte er ebenso, die ganze Messe folgt dann auch irgendwann. Die Menschen werden zuerst mit ihm beten, ihn später anbeten, ihn, den gottähnlichen, unsterblichen, sie immer und auf allen wegen begleitenden Robogotti. Später wird sich dann jeder einen halten können und auf seinem persönlichen Schrein abstellen. Wie krank muss man als Mensch sein und wie heuchlerisch als Kirche? Fehlt nur noch, dass man dem Tand eine Seele zuspricht. Eine reine, eine göttliche, wohlgemerkt. Jeder selbsbewusste und menschenbejahende Philosoph schlägt sich bei so etwas nur verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen. Arme Seelen!
Sie sind phantasielos! Ein "Robogotti" gehört in jede anständige moderne Kirche!
zerr-spiegel 05.09.2017
4. Das zeigt, ...
... wie lächerlich das ganze gehabe der Kirche(n) ist, dass man eine Person für Gottes Segen braucht. Kann Gott das nicht auch alleine?
... wie lächerlich das ganze gehabe der Kirche(n) ist, dass man eine Person für Gottes Segen braucht. Kann Gott das nicht auch alleine?
hman2 05.09.2017
5. Segnen...
...ist ja gar nicht die eigentliche Aufgabe des Roboters, auch wenn er das tut. Nein, er soll eine Diskussion auslösen. Nämlich genau diese "darf man das überhaupt" oder "kann eine Maschine einen Menschen [...]
...ist ja gar nicht die eigentliche Aufgabe des Roboters, auch wenn er das tut. Nein, er soll eine Diskussion auslösen. Nämlich genau diese "darf man das überhaupt" oder "kann eine Maschine einen Menschen segnen"? Und ganz offensichtlich erfüllt der Roboter diese Primärmission geradezu vorbildlich! :-)

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