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Politik
Ausgabe
36/2017

Wie tickt der Wähler?

"Solches Toben und Wüten, so viel Hass - das habe ich noch nie erlebt"

In Tiefeninterviews hat Stephan Grünewald ergründet, was die Bürger vor der Wahl bewegt. Er warnt: "Es rumort in Deutschland."

Hermann Bredehorst/ DER SPIEGEL

Demonstranten bei Merkel-Auftritt in Quedlinburg: "Der Bürger ist labil"

Ein Interview von
Mittwoch, 06.09.2017   15:55 Uhr
Michael Englert/ DER SPIEGEL

Stephan Grünewald

Grünewald, 56, schrieb Bestseller wie "Deutschland auf der Couch" und leitet das Rheingold-Institut in Köln, ein auf Tiefeninterviews spezialisiertes Marktforschungsinstitut.


SPIEGEL: Herr Grünewald, das Rheingold-Institut hat vor der Wahl wieder eine Tiefenanalyse der deutschen Befindlichkeit vorgenommen. Wie sind Sie vorgegangen?

Grünewald: Wir hatten 50 Wähler auf der Couch. 26 in psychologischen Tiefeninterviews und die anderen in drei Gruppendiskussionen. Wir hatten sieben Psychologen, zwei waren im Osten unterwegs. Das ist nicht repräsentativ, aber man erkennt schon Wesenszüge.

SPIEGEL: Was haben Sie herausgefunden?

Grünewald: Das Grundmoment war, dass die Wähler von diesem Wahlkampf total enttäuscht sind. Sie haben das Gefühl, dass nicht auf das eingegangen wird, was sie bewegt, und dass vieles schöngefärbt wird. Wir haben uns gefragt: Was ist denn mit den Leuten los?

SPIEGEL: Was fanden Sie heraus?

Grünewald: In den Tiefeninterviews kam immer nur: Flüchtlingskrise, Flüchtlingskrise, Flüchtlingskrise. Was im Wahlkampf so galant ausgespart wird, ist bei den Wählern immer noch ein wunder Punkt, der von der Politik nicht behandelt worden ist.

SPIEGEL: Was genau ist das Wunde daran?

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Titelbild

Aus dem SPIEGEL

Heft 36/2017
Aufwachen!
Der Kampf ums Kanzleramt: Worum es geht. Wer es kann.

insgesamt 73 Beiträge
mxmchn 06.09.2017
1. Widerspruch pur.
Sollten die Ergebnisse dieser Studie die realen Verhältnisse in ihrer Tendenz wirklich abbilden, wäre dies ein klarer Beleg nicht nur für die absolute politische Desorientierung größerer Teile der Wählerschaft, sondern für [...]
Sollten die Ergebnisse dieser Studie die realen Verhältnisse in ihrer Tendenz wirklich abbilden, wäre dies ein klarer Beleg nicht nur für die absolute politische Desorientierung größerer Teile der Wählerschaft, sondern für eine zunehmende fundamentale Unfähigkeit, politische Zusammenhänge überhaupt zu begreifen. Einerseits die Globalisierung zu fürchten, andererseits jedoch ausgerechnet die Konstellation zu bevorzugen, die wie keine andere für Marktkonformität der Gesellschaft und Ausrichtung der Regierung an den Verwertungsinteressen des Kapitals steht - das neoliberale Dreamteam Merkel/Lindner - spricht Bände. Das wäre nicht nur komplett geschichtsvergessen (Finanzkrise? Klientelpolitik? Vermögensschere? TTIP? War da was?), das wäre auch nicht mehr leichtfertig, das offenbarte zumindest für den Fall, dass die Ergebnisse tatsächlich repräsentativ sind, ein Ausmaß an politischer - sorry - Verblödung, dessen Ursachen wirklich dringend zu klären wären. Denn mit Leuten, die ohne mit der Wimper zu zucken aus einem diffusen Bauchgefühl heraus massiv gegen zuvor formulierte grundlegende Interessen wählen, lässt sich längerfristig keine Demokratie, die diesen Namen verdient, veranstalten. Allerdings habe ich meine Zweifel, ob auf einer äußerst dürftigen empirischen Basis (50 ausführliche Interviews) auch nur halbwegs verlässliche Schlüsse gezogen werden können. Aber immerhin entspricht das - in jedem Fall interessante - Ergebnis ja in etwa den aktuellen Umfragen.
agt69 06.09.2017
2. Symbole?
Arbeitsplatz und Wohnen sind also Symbole für Struktur und Ordnung? Ich würde eher sagen, dass das die Grundlagen für ein menschenwürdiges Leben sind. Wenn diese Grundlagen schon schwer zu bekommen sind, oder die Preise dafür [...]
Arbeitsplatz und Wohnen sind also Symbole für Struktur und Ordnung? Ich würde eher sagen, dass das die Grundlagen für ein menschenwürdiges Leben sind. Wenn diese Grundlagen schon schwer zu bekommen sind, oder die Preise dafür - wie für Wohnungen in deutschen Großstädten - in immer astronomischere Höhen klettern, dann wird der Wähler verständlicherweise nervös.
Worldwatch 06.09.2017
3. Eine Repräsentative Demokratie ...
... die nicht repräsentativ sein will, ruft wütende Reaktionen im Souverän hervor. Es wird Zeit auch auf Bundesebene direkte Demokratie zu ermöglichen. Vier Jahre legislativer Zeit sind für, in dieser Zeit unkorrigiert, [...]
... die nicht repräsentativ sein will, ruft wütende Reaktionen im Souverän hervor. Es wird Zeit auch auf Bundesebene direkte Demokratie zu ermöglichen. Vier Jahre legislativer Zeit sind für, in dieser Zeit unkorrigiert, nachhaltig schwerwiegende Fehler zu lang für Staat und Staatsvolk. Es braucht daher das Korrekturinstrument des Volksentscheid wie Volksbegehren.
schnapporatz 06.09.2017
4. Bürger labil...
Regierung debil, kann man da nur sagen. Die Parteien haben versagt. Insbesondere SPD und Grünen haben in der Vergangenheit viel zu oft das Gegenteil dessen gemacht, was sie dem Bürger zuvor hoch und heilig versprochen haben. [...]
Regierung debil, kann man da nur sagen. Die Parteien haben versagt. Insbesondere SPD und Grünen haben in der Vergangenheit viel zu oft das Gegenteil dessen gemacht, was sie dem Bürger zuvor hoch und heilig versprochen haben. (Soziale Gerechtigkeit, Mitbestimmungsmöglichkeiten etc.) An charakterstarken Persönlichkeiten kommt auch nichts mehr nach. Einzig mehr Direktdemokratie, auch auf Bundesebene, könnte jetzt noch helfen. Aber sowas muß erst hart der Politik abgerungen werden. Freiwillig werden die alten Parteien wohl nie ihre Macht beschränken und (endlich) ein passendes Volksabstimmungsgesetz nach Artikel 20/2 GG verabschieden. Dafür brauchen wir Protestparteien und den Protest auf der Straße.
sojetztja 06.09.2017
5.
Natürlich rumort es in Deutschland und ich kann das teilweise auch verstehen. Und ich hoffe inständig, dass unsere großen, demokratischen Parteien endlich kapieren, dass man sich mit den Sorgen der Bürger ernsthaft [...]
Natürlich rumort es in Deutschland und ich kann das teilweise auch verstehen. Und ich hoffe inständig, dass unsere großen, demokratischen Parteien endlich kapieren, dass man sich mit den Sorgen der Bürger ernsthaft auseinandersetzen muss, wenn man nicht will, dass es hier so läuft wie in Polen, Ungarn, Türkei etc.. Dort sind längst die Hetzer, Kraftmeier und Kriegstreiber an der Macht und basteln an ihren Diktaturen. Die gehen alle nach Plan F vor. Demokratie/Gewaltenteilung aushöhlen, eigene Macht sichern, Gegnern das Maul stopfen, nationalistische Töne bedienen, dazu außenpolitisch den starken Mann spielen - siehe jetzt wieder Polen mit ihren Reparationsforderungen - , um dem Volk vorzugaukeln, "man ist wieder wer". Wenn es so weitergeht, stehen uns schlimme Zeiten bevor & Nordkorea wird unser kleinstes Problem sein (halte ich ohnehin aus europäischer Sicht im Moment noch für einen Nebenschauplatz, wenn man sich betrachtet, was für Zündler wir vor der eigenen Haustür haben).
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