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Ausgabe
40/2017

Jüdischer Häftling im Auschwitz-Sonderkommando

"Wenn ihr lest, welche Arbeit ich erledigt habe..."

Zwei Forscher haben ein bedrückendes Dokument enträtselt: die Aufzeichnungen eines jüdischen Häftlings, der in Auschwitz der SS bei der Vergasung von Juden und der Verbrennung ihrer Leichen assistieren musste.

DPA

Schuhe ermordeter Juden in Auschwitz

Von
Donnerstag, 05.10.2017   02:44 Uhr

Die Arbeit im Sonderkommando Auschwitz gehört zum Schlimmsten, was Menschen je einander angetan haben. Die SS zwang jüdische Häftlinge, anderen Juden dabei zu helfen, vor den Gaskammern ihre Kleidung abzunehmen. Die Mitglieder des Sonderkommandos mussten den Toten dann die Goldzähne herausbrechen und die Haare abrasieren, die zu Garn verarbeitet wurden. Anschließend waren die Leichen in Massengräbern zu beerdigen oder, ab 1942, in Krematorien zu verbrennen.

Nach einigen Monaten wurden die Häftlinge des Sonderkommandos umgebracht und durch Neuankömmlinge ersetzt. Von rund 2200 Menschen überlebten nur gut hundert.

Um das Ungeheuerliche in die Welt zu tragen, schrieben manche Häftlinge auf, was sie erlebten. Und vergruben die Berichte in der Hoffnung, dass diese eines Tages gefunden würden. Jetzt ist es zwei russischen Forschern gelungen, einen solchen Kassiber nahezu vollständig lesbar zu machen, ein ebenso bewegendes wie bedrückendes Dokument.

Es stammt von Marcel Nadjari, einem jüdischen Kaufmann aus Thessaloniki. Er hatte sich vor den deutschen Besatzern bei kommunistischen Partisanen versteckt, war jedoch bei einer Razzia in Athen 1944 den Häschern in die Hände gefallen und nach Auschwitz deportiert worden. Seine Aufzeichnungen wurden vor Jahren bei Grabungen nahe dem ehemaligen Krematorium III gefunden. Sie befanden sich in einer verstöpselten Thermosflasche, die in eine Ledertasche gewickelt war, waren aber nur noch zu einem Bruchteil lesbar. Nun gelang es dem Historiker Pavel Polian und dem IT-Spezialisten Alexander Nikitjajew, den Text fast vollständig zu entziffern, wie sie in der neuen Ausgabe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte berichten.

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"Nach einer halben Stunde öffneten wir die Türen (der Gaskammer -Red.), und unsere Arbeit begann. Wir trugen die Leichen dieser unschuldigen Frauen und Kinder zum Aufzug, der sie in den Raum mit den Öfen beförderte, und dort steckten sie sie in die Öfen, wo sie verbrannten ohne Zuhilfenahme von Brennmaterial aufgrund des Fetts, das sie haben. Ein Mensch ergab nur etwa ein halbes Okka Asche (entspricht rund 600 Gramm -Red.), die uns die Deutschen zu zerkleinern zwangen, um sie dann durch ein grobes Sieb zu pressen, und danach holte es ein Auto ab und schüttete es in den Fluss, der in der Nähe vorbeifließt, und so beseitigen sie alle Spuren."

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"Wenn ihr lest, welche Arbeit ich erledigt habe, werdet ihr sagen; wie konnte ich ... oder irgendjemand anderes diese Arbeit machen und seine Glaubensgenossen verbrennen ... viele Male habe ich daran gedacht, zusammen mit ihnen reinzugehen, um Schluss zu machen. Aber davon abgehalten hat mich immer die Rache; ich wollte und will leben, um den Tod von Papa und Mama zu rächen und den meiner geliebten kleinen Schwester Nelli."

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"Unsere Arbeit bestand darin, erstens sie in Empfang zu nehmen, die meisten kannten den Grund nicht ... den Menschen, bei denen ich gesehen habe, dass ihr Schicksal besiegelt war, habe ich die Wahrheit gesagt. Nachdem alle nackt waren, gingen sie weiter in die Todeskammer, da drinnen hatten die Deutschen an der Decke Rohre angebracht, damit sie glauben, dass sie das Bad vorbereiteten, mit Peitschen in der Hand zwangen die Deutschen sie, immer enger zusammenzurücken, damit möglichst viele hineinpassen, eine wahre Sardinendose von Menschen, danach haben sie die Tür hermetisch verschlossen. Die Gasbüchsen kamen immer mit dem Auto des Deutschen Roten Kreuzes mit zwei SS-Leuten."

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