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24.08.2011
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Gesundheit

"Depressive Stimmung"

Von Guido Kleinhubbert
Gesundheit von Kindern: "Depressive Stimmung"
Fotos
AP

Deutsche Kinder leiden laut neuer Studien häufig an psychischen Störungen und Entwicklungsproblemen. Experten halten die veröffentlichten Zahlen für trügerisch und übertrieben.

Hamburg-Volksdorf ist ein Stadtteil mit großem Waldgebiet, verkehrsberuhigten Zonen und gepflegten Vorgärten voller bunter Plastikrutschen und Trampoline. Das Viertel wirkt idyllisch, familienfreundlich und kindgerecht, doch die schlechten Nachrichten über Deutschlands Nachwuchs reißen auch hier nicht ab.

In Volksdorf sitzt die Sprachheilkundlerin Karen Grosstück im Büro ihrer logopädischen Praxis, schenkt stilles Wasser ein und erzählt über Entwicklungen, die man bisher eher aus Problemvierteln zu kennen glaubte. Auch hinter den Fassaden der schmucken Einfamilienhäuser plagten sich viele Kinder mit Wortfindungsschwierigkeiten, phonologischen Schwächen und vielen anderen Entwicklungsstörungen, erklärt die Logopädin. "Und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer", sagt Grosstück, die sich 1992 als erste Sprachtherapeutin in dem Stadtteil niederließ. Jetzt gebe es drei Konkurrenzpraxen, alle seien gut ausgelastet und hätten Wartelisten.

Volksdorf, das Idyll im Hamburger Nordosten, erstaunt und alarmiert gleichermaßen. Denn es steht für ein bundesweites Phänomen: Geht es um die sprachliche Entwicklung, das Verhalten und die psychische Verfassung von Deutschlands Kindern, folgt seit Wochen eine Hiobsbotschaft auf die nächste.

"Therapie statt Spielplatz"

"Therapie statt Spielplatz", schrieb die Techniker Krankenkasse kürzlich in einer Pressemitteilung. Die Zahl der Kinder, die zum Logopäden gingen, sei laut Heilmittelstatistik innerhalb eines Jahres um 15 Prozent gestiegen - und zwar quer durch alle Schichten. "Jeder dritte Schüler hat Depressionen", schrieb "Bild" und bezog sich auf Zahlen von der DAK und der Universität Lüneburg. "Druck macht die Kinder seelisch krank", meldete das "Hamburger Abendblatt" auf seiner Internetseite.

Mehr denn je gehörten Angstattacken, hoher Blutdruck und Ohrensausen zum Alltag in den deutschen Kinderzimmern, berichteten Krankenkassen und Ärzte. Burnout treffe nicht nur Lehrer, sondern mittlerweile auch Schüler. Der Nachwuchs wälze sich mit Schlafproblemen im Bett, plage sich mit psychosomatisch bedingten Rückenschmerzen und Neophobie, wie das Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung kürzlich spekulierte. Dabei handelt es sich um die Angst vor allem Neuem, also zum Beispiel die Angst vor ungewohnten Gemüse- und Obstsorten.

Es sind bedrohliche Botschaften und steile Thesen, die in den vergangenen Monaten über Pressemitteilungen, Zeitungen und TV-Sender verbreitet wurden. Und sie werden auch gierig, fast dankbar, angenommen, von besorgten Müttern und Vätern, von Kindeswohl-Verbänden, von professionellen Apokalyptikern und dem heilenden Gewerbe im weißen Kittel. Nur: Belegen lässt sich derzeit lediglich, dass die Zahl der behandelten Kinder steigt - aber so gut wie gar nicht, dass Deutschlands Nachwuchs von Jahr zu Jahr kränker wird.

Schon "wegen Kleinigkeiten" würden Kinder heutzutage "einer intensiven Diagnostik unterzogen" und dann "pathologisiert", relativiert etwa der Bonner Kinderneurologe Helmut Hollmann. Vieles, was früher dem Bereich des Normalen zugerechnet worden sei, werde heute - wohl in einigen Fällen auch zu Recht - als "behandlungsbedürftige Gesundheitsstörung" bewertet, berichtet Martin Schlaud, Leiter des Fachgebiets Gesundheit von Kindern und Jugendlichen am bundeseigenen Robert Koch-Institut (RKI). Diese Neubewertung von Symptomen treibt die Statistiken nach oben und verstärkt den Eindruck, dass es den Kindern immer schlechter gehe. Nebenbei dient sie der Pharmaindustrie: Allein die Verordnung von Psycho-Stimulanzien wie Ritalin, das in erster Linie Kindern verabreicht wird, stieg zwischen 2006 und 2009 um 41 Prozent.

Schlauds Team arbeitet in einer Außenstelle des RKI in Berlin-Tempelhof. Weil auch die Bundesregierung das Mysterium des kränkelnden Nachwuchses aufgeklärt haben will, befragt es nun etwa 24 000 Kinder und Jugendliche. Was die Forscher bei dieser Studie erfahren, soll mit Ergebnissen einer Basisuntersuchung aus den Jahren 2003 bis 2006 verglichen werden. Erst danach werden bundesweit gültige Aussagen möglich sein wie: "Immer mehr Kinder haben Kopfschmerzen." Bis dahin können sich zum Beispiel Kinderärzte fast nur auf ihren subjektiven Eindruck stützen.

Ulrich Fegeler, Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, betreibt seit über 20 Jahren eine Praxis in Berlin-Spandau. Er erlebe zwar jeden Tag kleine Patienten, die am Nachmittag "nur vor der Glotze" hingen und deswegen viele körperliche und psychische Probleme entwickelt hätten. Gerade in sozial schwächeren und "anregungsarmen" Familien liege da einiges im Argen, sagt der Kinderarzt.

Gleichzeitig verschreibe sein Berufsstand heute aber auch viel schneller Rezepte für Heilmittel, oft schon bei kleineren Sprach- und Verhaltensauffälligkeiten. Grund sei unter anderem, dass manche Eltern "ungeheuren Druck" ausübten.

Forum

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insgesamt 112 Beiträge
1. Schlimm
Hercules Rockefeller 24.08.2011
Wenn "Experten" etwas behaupten, dann ist immer das Gegenteil der Fall. Wir kennen das ja aus der Finanzmisere, da haben bisweilen sogar während des Crashs die "Experten" noch die Märkte gelobt und alles rosig [...]
Wenn "Experten" etwas behaupten, dann ist immer das Gegenteil der Fall. Wir kennen das ja aus der Finanzmisere, da haben bisweilen sogar während des Crashs die "Experten" noch die Märkte gelobt und alles rosig gesehen. Insofern, ganze Jugend total gaga und plemplem! Ist ja auch alternativlos...
2. sprachliche Entwicklung
leser_81 24.08.2011
Es ist traurig, doch ich denke viele Sprachprobleme bei Kindern kommen einfach daher, dass Eltern sich nicht mehr wie früher mit Ihren Kindern austauschen. Statt wie früher den Kindern eine gute Nachtgeschichte vorzulesen, [...]
Es ist traurig, doch ich denke viele Sprachprobleme bei Kindern kommen einfach daher, dass Eltern sich nicht mehr wie früher mit Ihren Kindern austauschen. Statt wie früher den Kindern eine gute Nachtgeschichte vorzulesen, wird einfach mal die Glotze angeschaltet bis die kleinen schlafen. Statt sich beim essen zu unterhalten, isst die gesamte Familie um den Fernseher rum und spricht dabei kein Wort. Es ist schon schon sehr weit verbreitet, dass man Kleinkinder vor die Glotze setzt und mit Teletubies und co. unterhalten lässt. Wenn sich die komischen Puppen (die alle auch kein richtiges Deutsch können) dann auch noch unterhalten wie "Gagga pumps gemacht" oder so muss man sich nicht wundern, dass Kinder an sprachstörungen leiden. Das TV, der PC und Playstation und co. haben schon längst die Kinderzimmer erobert und fürhrt dazu, dass sich Kinder nicht mehr richtig ausdrücken können. Oder welches Kind spricht schon mit einem Unterhaltungsmedium ?
3. Wer als Arzt nicht spurt....
dborrmann 24.08.2011
hat Ruckzuck folgende Menschen am Hals: Die Eltern als Vorfront - Die Anwälte der Eltern - Die Richter - Und nicht zuletzt die kranken Kassen selber - Beliebtetes Krankheitsbild: ADHS - An Stelle zwei steht: [...]
hat Ruckzuck folgende Menschen am Hals: Die Eltern als Vorfront - Die Anwälte der Eltern - Die Richter - Und nicht zuletzt die kranken Kassen selber - Beliebtetes Krankheitsbild: ADHS - An Stelle zwei steht: Entwicklungsverzögerung -
4. Vielleicht auch Panikmache seitens der Betreuer oder Eltern???
Koda 24.08.2011
Meine Tochter kam auch in die Frühförderung; u.a. wegen eines Sprachfehlers und Konzentrationsschwierigkeiten. Aber auch mangelnde Fitness wurden ihr nachgesagt und das sie (damals gerade 5 J.) nicht zählen könnte. Das mit dem [...]
Meine Tochter kam auch in die Frühförderung; u.a. wegen eines Sprachfehlers und Konzentrationsschwierigkeiten. Aber auch mangelnde Fitness wurden ihr nachgesagt und das sie (damals gerade 5 J.) nicht zählen könnte. Das mit dem Zählen übte ich dann abends schon mal; allerdings kam sie schon allein bis 12; da war sie aber genervt und gelangweilt. Mit Männchen-Zeichnen wurde ich auch verückt gemacht: sie würde nur Strichmännchen ohne Hals und Finger malen; beim Test in der Frühförderung malte sie dann alle Männchen detailreich aus. Da bekomme ich den Eindruck, dass die Kinder manchmal nicht einfach altersgerecht malen wollen, weil sie es selber geradfe so schöner finden.
5. Und wir von Ickooch-Pharma
gsm900 24.08.2011
verdiene und dann eine goldene Nase dran, abgesehen von der Arbeitsbeschaffung für Psychologen und andere Scharlatane
Zitat von sysopDeutsche Kinder leiden laut neuer Studien häufig an psychischen Störungen und Entwicklungsproblemen. Experten halten die veröffentlichten Zahlen für trügerisch und übertrieben. http://www.spiegel.de/0,1518,781712,00.html
verdiene und dann eine goldene Nase dran, abgesehen von der Arbeitsbeschaffung für Psychologen und andere Scharlatane

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