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Sport
Ausgabe
49/2017

Verbrechen

Die unglaubliche Geschichte des Bombenanschlags auf Borussia Dortmund

Was geschah beim Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus am 11. April - und was trieb den mutmaßlichen Attentäter? Ein SPIEGEL-Team hat den Fall im Detail rekonstruiert.

Marcus Simaitis / DER SPIEGEL

Wald beim Mannschaftshotel "l'Arrivée": Hier baute der Täter mutmaßlich seine Bomben zusammen

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Donnerstag, 21.12.2017   04:15 Uhr

In der Nacht auf den 11. April, um 0.44 Uhr, verlässt ein junger Mann die Lobby des Hotels "l'Arrivée" südlich von Dortmund und wird sie erst fünf Stunden später wieder betreten. Später verfolgen Polizeihunde die Spuren des Mannes in den angrenzenden Niederhofer Wald. Es ist Vollmond, kurz vor Ostern, die ersten Narzissen blühen schon. Tagsüber spazieren hier die Nachbarn und Hotelgäste, um diese Zeit aber ist niemand mehr unterwegs.

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Aus dem SPIEGEL

Heft 49/2017
Verlierer an die Macht!
Die Kleine Koalition - was sie anrichten und bewirken könnte

Der Mann, 28 Jahre alt, klein, blond, geht vermutlich den schmalen Reiterpfad hinunter, überquert einen Bach, wendet sich nach links und verschwindet in einer dichten Buchenschonung. Hier, in einer Kuhle, umgeben von großen Fichten, will er die letzten Vorbereitungen treffen für ein Verbrechen, das er seit Monaten plant: einen Anschlag auf den Mannschaftsbus des Fußballvereins Borussia Dortmund.

Sergej, so heißt der Mann, entzündet in der Nacht vor der Tat ein Feuer im Wald. Er hat ein Zelt mitgebracht, gegen den Wind, es ist kühl jetzt im April, unter zehn Grad. Einen Kanister mit mehreren Litern Diesel hat er auf der Lichtung deponiert, weil er später, wenn seine Vorarbeiten beendet sein werden, alles in Flammen aufgehen lassen will, um Beweise zu vernichten. Er hat Funktransmitter dabei, Batterien, Antennen. In großen Behältern hat er eine Flüssigkeit herbeigeschleppt, eine wasserklare, farblose, geruchlose, ätzende und brandfördernde Substanz: Wasserstoffperoxid. Er fügt Brennstoff hinzu und füllt die Mischung in Röhren, er versieht sie mit Drähten, einem Zünder, einer Funkantenne. Er platziert mindestens 65 fingerlange Metallbolzen aus rostfreiem Stahl in den drei, je etwa ein Kilogramm schweren Zylindern, die er zur Tarnung mit grüner Farbe bestrichen hat.

Sergej, aus Freudenstadt im Schwarzwald, dessen Nachname hier nicht genannt werden darf, ein unauffälliger, freundlicher, gewissenhafter Elektriker in einem Tübinger Heizwerk, ein Mann, über den bald zu lesen sein wird, dass er "stets brav in der Schlange gestanden" habe - dieser Mann also, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, baut kurz vor Ostern im Niederhofer Holz im Schein seines Lagerfeuers drei Bomben.

Was genau er in diesen Stunden tut, was er in den Tagen und Wochen zuvor getan hat - das alles lässt sich rekonstruieren aus der Anklageschrift, die dem SPIEGEL vorliegt, aus den Ermittlungsakten der Polizei, aus Videoaufnahmen von Überwachungskameras, Zeugenaussagen, Computerauswertungen, Tatortbegehungen, aus Bodenproben, aus Bewegungsprofilen, die mithilfe von Spürhunden erstellt wurden. Und ob sich all dies so bestätigt, wird das kommende Verfahren zeigen.

Der Mann, Sergej, ist angeklagt, "dazu angesetzt zu haben, aus Habgier, heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln 28 Menschen zu töten". Darüber hinaus wird ihm vorgeworfen, sich an der Börse bereichert haben zu wollen, indem er auf den Kursabsturz der Aktie des Dortmunder Fußballvereins wettete. Sergej selbst, der Tatverdächtige, sagt kein Wort zum Hergang des Verbrechens, er sagt bislang nur, er habe mit allem nichts zu tun und sei unschuldig. Er habe in dem Hotel, vor dem das Attentat stattfand, nur Urlaub gemacht.

Sergej wird bald nach seiner Verhaftung untersucht werden, von Ärzten, Gutachtern, Psychologen, Profilern des Bundeskriminalamts. Und genauso, wie die Kriminaltechniker die Bombe in ihre Einzelteile zerlegen, um zu verstehen, wie sie gebaut ist, werden die Sachverständigen den Menschen Sergej analysieren, um zu verstehen, wer er ist.

Das Bundeskriminalamt erstellt eine Biografieanalyse. Dieser zufolge seien bei Sergej keine Hinweise auf eine "relevante destruktive Dynamik" gefunden worden. Die Ermittler konnten auch keine Hinweise auf frühere Straftaten entdecken und schon gar keine auf solche mit Gewaltbezug. Es deute demnach auch nichts darauf hin, dass Sergej zu "aggressiven oder gewalttätigen Problemlösungen" neige.

Der Anschlag vom 11. April ist so ungewöhnlich, dass sich Politiker, Funktionäre und Journalisten in den nächsten Tagen gegenseitig in ihrem moralischen Urteil überbieten. Angela Merkel wird ihn als "widerwärtige Tat" bezeichnen, der Justizminister als "abscheulich", der Innenminister spricht von einem "besonders widerwärtigen Tatmotiv". Andere deuten die Tat als "ein Zeichen, wie krank unsere Welt geworden ist", als "perfide Form, mit der Angst der Bevölkerung zu spielen", als "beispielloses Verbrechen in der deutschen Kriminalgeschichte".

Nachdem Sergej in der Nacht vor der Tat seine Sprengsätze fertig gebaut hat, öffnet er den Verschluss des Dieselkanisters und gießt den Inhalt über die Waldlichtung. Dann steckt er die Fläche in Brand. Es wird Tage später noch rauchen, sodass ein Spaziergänger im Wald die Polizei auf den Ort aufmerksam macht. Sergej trägt in der Dunkelheit seine Bomben Richtung Hotel und platziert sie in einer Eibenhecke neben der Ausfahrt, an der, wie er weiß, der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund am Abend vorbeifahren muss. Die Bomben lassen sich nun per Funk zur Explosion bringen. Anschließend geht Sergej frühstücken. Es gibt pochierte Eier und frisch gebrühten Kaffee.

Einer psychiatrischen Gutachterin, die Sergej in der Untersuchungshaft besucht, erzählt er, dass er seit einer Woche wegen des Vorwurfs, das Attentat in Dortmund begangen zu haben, im Gefängnis sei, er habe jedoch "nichts gemacht". Die Gutachterin hält fest, dass Sergej sich ärgere, dass er "wegen nichts" seinen Urlaub verpasse und sich seine Familie um ihn sorgen müsse. Der Explorand "grüble viel" und sehe sein privates Leben als zerstört an.

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Mannschaftsbus von Borussia Dortmund nach dem Anschlag

Man kennt Mörder, die sich durch ihre Taten selbst unsterblich machen; Terroristen, die einem Gott dienen wollen; Linksextremisten, die die Revolution beginnen; Rechtsextremisten, die die Revolution beenden wollen. Auch den rätselhaften, motivlosen Mörder kennt man, wie den Mann, der kürzlich in Las Vegas 58 Menschen erschoss, einfach so, "das pure Böse", wie Donald Trump es nannte. Für all diese Fälle gibt es Vorbilder, Schablonen, typische Verbrecherprofile. Für die Tat von Sergej, gegen den in wenigen Wochen, am 21. Dezember, in Dortmund der Prozess beginnen wird, gibt es das nicht.

Bei diesem Verbrechen treffen zwei Spiele aufeinander, das Spiel mit dem Ball und das Spiel mit dem Geld. Und dazwischen ein Mann, der offenkundig eine Wette abgeschlossen hat, die er zu manipulieren gedenkt: eine Wette auf den Tod.

Diese Wette rechnet mit dem Schaden an Leib und Leben von 28 Menschen. Bei einem geglückten Anschlag auf die Spieler würde die BVB-Aktie einbrechen, so der Plan, und eine Wette auf fallende Kurse würde mehrere Hunderttausend Euro einbringen. Ein Verbrechen, das nicht möglich wäre ohne die Planung eines kalt kalkulierenden Mannes, der wenig Geld hat, aber mehr davon will, und der sich deshalb von einer Bank ein bisschen Geld leiht, um bei einer anderen Bank viel Geld zu machen. Die Tat wäre auch nicht möglich ohne eine Bank, die Wertpapiere verkauft, deren Wert steigt, wenn andere Wertpapiere fallen.

Späterer Angeklagter Sergej auf Facebook-Foto

Es wäre ebenso wenig möglich ohne diesen Fußballklub, den Ballspielverein Borussia Dortmund, kurz BVB, 400 Millionen Euro Umsatz im Jahr, der eigentlich ein Konzern ist und als einziger Fußballverein Deutschlands an der Börse notiert - was ihn für den Täter interessant gemacht hat. Das Kapital dieses Vereins, mit dem spekuliert werden kann, besteht letztlich aus seinen Fußballern, also aus Familienvätern, Söhnen, Ehemännern und Freunden, der kompletten Dortmunder Mannschaft, dazu ihren Trainern, Betreuern, Physiotherapeuten, Übersetzern, ihrem Busfahrer.

Das psychiatrische Gutachten konstatiert, dass Sergej in gutem Allgemeinzustand und normalem Ernährungszustand erschienen sei. Er habe sich zunächst "extrem misstrauisch" gezeigt, sei aber im Verlauf der Untersuchung "minimal zugänglicher" geworden. Abgesehen davon: "kein Tremor, Stand sicher".

Der Tag des Anschlags, der Tag, der Sergej, so der Vorwurf, reich machen sollte, ist eigentlich der Tag, der Borussia Dortmund ins Halbfinale der Champions League führen soll. Es ist der 11. April 2017, kurz nach Mittag, gegen 13 Uhr, als sich die Spieler, wie vor jedem Heimspiel, im Hotel l'Arrivée versammeln, demselben Viersternehotel, in dem auch Sergej schläft. Schon am Morgen, drei Stunden zuvor, hat Thomas Tuchel, Cheftrainer des Vereins, alle 18 Spieler, die im Kader für das Heimspiel gegen den französischen Tabellenführer AS Monaco stehen, zu einer letzten Trainingseinheit zusammengezogen: Freistöße üben, anschwitzen.

Nun, in einem Seminarraum des Hotels, drei Stockwerke unter dem Zimmer 402, in dem der mutmaßliche Attentäter wohnt, bespricht Tuchel die Aufstellung und Taktik. Es ist das Viertelfinal-Hinspiel, es geht um Millionen und um den Erfolg einer ganzen Saison. Nach der Besprechung essen sie gemeinsam, es gibt Hühnchen mit Nudeln und Gemüse. Am späten Nachmittag, gegen 17 Uhr, ziehen sich die Spieler auf die Hotelzimmer zurück; manche lesen Zeitung, manche hören Musik, andere versuchen, sich auf das Spiel zu konzentrieren.

Nuri Sahin, 28, und Marcel Schmelzer, 29, trinken gemeinsam einen Kaffee auf ihrem Zimmer, ein Ritual, sie machen das seit Jahren so. Beide haben schon als Jugendliche im Verein gespielt, beide sind mit dem Verein Deutscher Meister geworden. Nach dem Kaffee legt sich Sahin noch für ein paar Minuten auf sein Bett, so schreibt er es später in einem Erlebnisbericht für "The Players' Tribune". Er schließt die Augen und stellt sich vor, wie das Spiel für ihn und seine Mannschaft laufen könnte. Vor der Abfahrt zum Stadion ruft er, wie immer, noch einmal seine Frau an. Er erkundigt sich, ob bei ihr und den beiden Kindern alles in Ordnung sei. Dann schaltet er das Handy aus.

Um kurz vor 19 Uhr, knapp zwei Stunden vor der Anstoßzeit, steigt die Mannschaft in den Bus. Dessen Fenster sind doppelt verglast und mit Folie beschichtet. Über Panzerglas verfügt der Bus nicht. Die Spieler, die einsteigen, verdienen Millionen im Jahr, haben Millionen Likes auf Facebook, zeigen sich mit schönen Frauen und teuren Autos, sind beliebt und manchmal auch verhasst. Sie sind sichtbar. Sie sind das Gegenteil von Sergej.

Laut Biografieanalyse der Ermittler fällt bei Sergej besonders auf, dass er im Umgang mit anderen Menschen "reduzierte Verhaltensweisen" zeige. Seine ehemalige Lehrerin erzählt, dass sich Sergej als Schüler "mit aller Konsequenz" Gruppenarbeiten verweigert habe, auch habe er keine Freunde gehabt. Die Beamten finden, dass er auf Bildern "gekünstelt, steif und mitunter wie ein ,Nebenprodukt'" wirke.

Fabian Weiss / DER SPIEGEL

Plattenbauten in Tscheljabinsk

Sergej wurde geboren, als der Kommunismus starb, 1989. Sein Leben beginnt im südlichen Ural, in einer Stadt namens Tscheljabinsk. Er wuchs auf in einem Teil der Stadt, der "Metallurgischer Bezirk" genannt wird. Dort steht eine Traktorenfabrik, an schlechten Tagen rauchen die Schornsteine so, dass die Menschen sich abends den Ruß vom Gesicht waschen müssen. In diesem Stadtviertel zwischen Plattenbauten und Schlaglöchern liegt Sergejs Grundschule, die Schule 74. Dort, im ersten Stock, sitzt eine Frau auf einem Stuhl, ihre Haare hat sie selbst geschnitten, ihre Hände faltet sie im Schoß, als sie davon erzählt, was für ein Kind Sergej einmal gewesen ist. Ljudmila Wiktirowna unterrichtete ihn von der ersten bis zur dritten Klasse.

Seiner Gutachterin erzählt Sergej, dass er zu seinen Eltern und seiner einzigen Schwester "immer ein gutes Verhältnis" gehabt habe. Er erzählt ihr ebenfalls, zur Bestrafung von den Eltern "auch mit Gürteln" geschlagen worden zu sein.

Sergej, so erinnert sich Ljudmila Wiktirowna, habe sich damals mehr für seine Bücher und Magazine interessiert als für seine Mitschüler, er habe schon als Grundschüler wissenschaftliche Fachartikel gelesen. Die Lehrerin weiß nichts von der Tat, die man ihrem ehemaligen Schüler zur Last legt, sie weiß nicht, dass er im Gefängnis sitzt. Irgendwann fragt sie: "Was macht Sergej denn heute?" Als sie die Antwort hört, schüttelt sie lange den Kopf.

Anfang der Neunzigerjahre lebten noch Tausende Russlanddeutsche in Tscheljabinsk, doch viele sind mit dem Zerfall der Sowjetunion als Spätaussiedler nach Deutschland gezogen - wie die Familie Sergejs, die im Jahr 2003, als Sergej 14 Jahre alt war, die Stadt verließ.

Verwandte hat Sergej kaum noch in Tscheljabinsk, nur hier, in einem unverputzten Backsteinbau am Stadtrand, soll noch jemand wohnen aus seiner Familie. Die Farbe blättert von der Wand im türkisfarben gestrichenen Treppenhaus, eine Tür ohne Namen, man klopft. Ein Mann erscheint im Türrahmen und baut sich auf wie ein Grenzstein. Er trägt eine Jogginghose und einen Pullover, der zu kurz ist, um seinen mächtigen Bauch zu bedecken, er verweigert den Handschlag. Das ist Alexander Alexandrowitsch, Sergejs Onkel.

Alexandrowitsch hält den Vorwurf, sein Neffe sei ein Attentäter aus Habgier, für eine Verschwörung des Westens. Sergej habe mit der Großmutter in den Gemüsebeeten gegärtnert, habe Fernsehen geschaut und draußen auf dem platt gestampften Lehm Fußball gespielt. Sein Vater sei ein Schweißer gewesen, das Geld sei immer knapp gewesen, die Mutter, eine Ärztin, habe keine Perspektive gesehen in Tscheljabinsk. Deswegen sei die Familie nach Deutschland ausgewandert.

Sergej kam aus dem Traktorbezirk Tscheljabinsk ins schwäbische Freudenstadt, an den Hängen des Schwarzwalds, wo sich viele Deutschrussen niedergelassen haben. In ein reiches Land, in dem die Menschen in nachhaltig isolierten Häusern wohnen und geräuschlose Audis mit Bremsassistent fahren. Es mag sein, dass ihm auf diesem Weg etwas verloren gegangen ist, vielleicht der Unterschied zwischen richtig und falsch.

Das psychiatrische Gutachten erwähnt, dass Sergej öfter Opfer von Mobbing in der Schule gewesen sein soll. Sergej erzählt, dass er den Umzug nach Deutschland "nicht als stark belastend" empfunden habe. Viele Freunde habe er in Russland sowieso nicht gehabt, deshalb habe er "nicht viel verloren".

Fabian Weiss / DER SPIEGEL

Sergejs frühere Grundschullehrerin Wiktirowna im russischen Tscheljabinsk

Als die Mannschaft am 11. April in den Bus steigt, um zum Stadion zu fahren, setzt sich Fritz Lünschermann, 61, Teammanager und schon sein halbes Leben lang im Verein, wie immer ganz vorn hin, rechts neben Busfahrer Christian Schulz, 47, Spitzname "Schulle". Hinter ihnen, auf der rechten Fensterseite, so erzählt Lünschermann, sitzt Thomas Tuchel , der Trainer, auch Betreuer, Physiotherapeuten und Übersetzer haben ihren Platz im vorderen Bereich.

Ganz hinten rechts, auf dem Platz direkt am Fenster, sitzt Marc Bartra, 26, ein zu Saisonbeginn aus Barcelona gekommener Verteidiger, er trägt keine Kopfhörer, er tippt auf seinem Handy, auch er schreibt seiner Verlobten. In wenigen Wochen wollen sie heiraten, sie haben eine kleine Tochter.

Als gegen 19.15 Uhr der Motor startet, als der Mannschaftsbus noch im Schritttempo über den Parkplatz rollt, bittet Marcel Schmelzer seinen Sitznachbarn Nuri Sahin um eine Flasche Wasser. Auch sie, die beiden Anführer der Mannschaft, die erfahrensten Spieler des Vereins, sitzen auf der rechten Fensterseite.

Der Bus rollt vom Parkplatz und biegt hinter der Hotelausfahrt nach rechts auf den Schirrmannweg ab. Nuri Sahin beugt sich gerade nach vorn, um die Wasserflasche aus dem Regal vor sich zu greifen, da hört er plötzlich, wie aus dem Nichts, einen "Riesenknall". Die Doppelscheiben aus Sicherheitsglas direkt neben seinem Kopf zerbersten, Splitter schießen in den Bus. Busfahrer Schulz tritt auf die Bremse, für Sekunden wird es im ganzen Bus still.

Nuri Sahin, der schon häufiger Attacken gegnerischer Fans erlebt hat, denkt im ersten Moment an einen Steinwurf, aber andere Spieler spüren, wie der Bus wackelt, sie atmen Rauch und riechen Verbranntes. Sie werfen die Hände über dem Kopf zusammen, kauern in ihren Sitzen, werfen sich auf den Boden, sie denken sofort an einen Terroranschlag.

Was draußen, rechts vom Bus, vorgeht, ob Terroristen am Straßenrand lauern, ob jemand mit Waffen auf den Bus schießt, kann keiner von ihnen sehen. Hinten, auf der rechten Seite, sind zwei Fensterscheiben zerborsten. Vorn, unter dem Sitz von Thomas Tuchel, einen halben Meter unterhalb seiner Hüfte, ist ein Metallsplitter eingeschlagen, daumengroß.

DPA

Dortmund-Spieler Sahin, Bender (hinten), Polizisten kurz nach dem Anschlag vom 11. April

Sahin, der in der Mitte sitzt, der überall Schreie hört und sich nach seinen Mannschaftskameraden umblickt, sieht Marc Bartra, den spanischen Verteidiger, er blutet stark und schreit um Hilfe. Glassplitter haben sich in seinen rechten Arm gebohrt, die Speiche ist nah am Handgelenk gebrochen, in seinen Ohren piept es. Direkt neben seinem Kopf hat sich einer der sieben Zentimeter langen Metallstifte in den Sitz gebohrt. Bartras Gesicht ist weiß, seine Augen, so wird Sahin später sagen, sehen "dunkel" aus und "voller Angst".

Die Sekunden danach erlebt Nuri Sahin wie in Zeitlupe. Er versteht nicht, was passiert ist, aber seine Gedanken rasen, er denkt ans Sterben, ans Leben, an seinen fünfjährigen Sohn, an seine einjährige Tochter. Als er Mitspieler hinter sich aufstehen sieht, schreit er, so laut er kann: "Bleibt unten! Bleibt unten! Weg von den Fenstern!" Dann schreit er nach vorn, zu Busfahrer Schulz, er brüllt, er fleht: "Halt nicht an! Bitte, bitte, bitte, fahr weiter!" Solange der Bus steht, so fürchtet Sahin, so fürchten auch andere Spieler, kann jemand einsteigen und alle töten.

Bei seiner Begutachtung erzählt Sergej, dass sein Leben aus "Arbeit und Einkaufen" bestehe. Von Geldsorgen berichtet er nicht. Er kann keine Hobbys beschreiben, auch habe er keine Freundin. Erst vor einem Jahr sei er von zu Hause ausgezogen.

Fährt man nach Rottenburg am Neckar, Sergejs letztem Wohnort, dann steht dort auf einem Schild: "Willkommen, ab hier beginnt die Zukunft." Sergej lebte zuletzt an einem Hang mit Blick auf grüne Hügel, gegenüber der kleinen Kapelle St. Theodor. Vor den riesigen Anwesen parken BMW-, Audi- und VW-Fahrzeuge. Steinerne Löwen bewachen die Eingänge, und japanische Vasen verzieren die Terrassen. In Sergejs Straße wohnen Diplom-Ingenieure, Wirtschaftsingenieure, Menschen mit Doktortitel. Sergej schaut sich hier täglich das Leben der Reichen an.

In seiner direkten Nachbarschaft gibt es zwar Menschen, die sich an Sergej erinnern, aber auch sie sagen, sie kennen ihn "nur flüchtig". Wenn man ihm begegnet sei, habe er "immer auf den Boden geguckt" und "selten gegrüßt", es habe "kaum Blickkontakt" gegeben. Seine Mutter wird der Polizei sagen, dass ihr Sohn ein lieber Junge sei, der seine Nichte über alles liebe.

DPA

Durch den Sprengsatz zerstörte Hecke beim Hotel l'Arrivée, Dortmund

Das einzige Mal, so scheint es, als Sergej einem Menschen außerhalb seiner Familie vertraut, ihn liebt, eine Zukunft plant, ist in der Zeit mit seiner deutschen Freundin Rebecca R. Die beiden lernen sich im März 2014 in ihrer Kirchengemeinde kennen, nicht weit von Sergejs Elternhaus. Drei Monate später sind sie zusammen. Er geht mit ihr zum Weihnachtsbacken der Gemeinde, sie fahren in den Urlaub. Vielleicht ist es die Ruhe des älteren Mannes, die die jüngere, religiöse Rebecca anzieht. Sie zieht bei ihm ein, zusammen wohnen sie in der Dreizimmerwohnung mit Sergejs Eltern. Zwei Monate vor dem Anschlag trennen sie sich.

Seiner Gutachterin erzählt Sergej, dass seine Ex-Freundin ihm gesagt habe, sie wolle sich "auf ihre Religion konzentrieren", doch das glaube er nicht. Er meint, sie habe ihn einfach nicht mehr gewollt. Er jedoch habe sie geliebt und habe mit ihr eine Familie gründen wollen.

Im Internet fantasiert sich Sergej in eine andere Welt, eine mit mehr Glanz. Hier nennt er sich "Alex Braun", gibt sich die Adresse Schillerstraße, eine der schönsten Straßen der Stadt. Er sucht nach Immobilien, versucht sich an Sportwetten, handelt mit Aktien. Auf seinem Profilbild bei Facebook steht Sergej vor historischen Stätten, in Griechenland. Er trägt eine Pilotenbrille, schwarze Gläser, goldumrandet, ein enges Hawaiihemd um seine muskulösen Oberarme, das Hemd weit aufgeknöpft, der Wind weht seinen trainierten Bauch frei. Alles leuchtet hier in goldenen Farben. Sergej könnte auch auf einer Jacht stehen. Das Bild zeigt einen Reisenden, gut gelaunt, selbstbewusst, wohlhabend, ein wenig überheblich, keinen Elektriker aus dem Schwäbischen Land, eher einen russischer Millionärssohn.

Den Ermittlungsakten liegt auch eine "Faktensammlung" von Sergejs Ex-Freundin Rebecca R. bei, Aufzeichnungen, die sie auf Bitten der Polizei angefertigt hat. Sie berichtet, dass ihr Ex-Freund immer das Gefühl gehabt habe, "nicht gut genug" zu sein, er habe dies auch immer von seinen Eltern vermittelt bekommen. Er habe Angst "vor Menschen" gehabt und Angst, "rauszugehen". Wegen seines russischen Akzents und seines von ihm offenbar als mangelhaft empfundenen Deutsch habe er befürchtet, "als Versager" dazustehen. Im Jahr 2013, so erzählt er demnach seiner Freundin, habe er versucht, sich beim Gleitschirmfliegen umzubringen. Er habe keinen anderen Weg gesehen, seiner Depression zu entkommen. Seiner Psychiaterin im Gefängnis erzählt er, anfangs zögerlich, dass er 2012 versucht habe, sich die Pulsadern aufzuschneiden.

Von Oktober vergangenen Jahres an versucht Sergej, sich Hilfe zu holen, er geht zum Psychiater, nimmt ein Antidepressivum. Er würde nur noch arbeiten und schlafen, keinen Sinn mehr im Leben sehen, sagt er dem Psychiater. Seiner Freundin schreibt er auf WhatsApp, dass er keine Freude empfinden könne, eines Abends auch, dass er "voll komische Stimmen" höre, während der Arbeit im Heizwerk, menschliche Stimmen. Über die nächsten Monate wird sich Sergejs Situation verschlimmern. Doch der Arzt ist im Oktober noch der Meinung, der Patient fühle sich "insgesamt stabiler".

Irgendwann in diesen Tagen jedoch muss Sergej offenbar den Entschluss gefasst haben, seine persönlichen Probleme mit technischen Mitteln zu lösen und sich selbst neu zu erfinden. Ab November bleibt er länger bei der Arbeit und sagt seiner Freundin, er habe "was zu basteln" oder müsse "was für sich bauen". Die Ermittler vermuten, dass Sergej an seinem Arbeitsplatz die Sprengsätze hergestellt hat, im Biomasse-Heizwerk des Universitätsklinikums Tübingen. An seinem Spind wird später ein Sprengstoffspürhund anschlagen.

Um den Jahreswechsel eröffnet Sergej ein Depot bei einer Bank, er plant einen Urlaub für April, erklärt er seiner Freundin, allein. Er bucht seinen ersten Aufenthalt im l'Arrivée-Hotel. Im Elektronikmarkt Conrad kauft er Schaltstufen, Empfängermodule, Stahlkugeln.

DPA

Polizeifahrzeuge am Tag nach dem Anschlag vor der Hotelzufahrt

Bei diesem Einkauf, so gibt es der Verkäufer an, habe zwar nur Sergej geredet, eine andere, zweite Person habe jedoch im Hintergrund gewartet. Auch ein weiterer Mitarbeiter kann sich an zwei Personen erinnern. Hatte Sergej einen Komplizen? Es gibt keine Beweise für eine Mittäterschaft, auch keine Anklage, nur Vermutungen. Ob die Frage eines möglichen Zweittäters noch eine Rolle spielen wird, ist offen, der Prozess wird es zeigen.

In Notizen, die die Ermittler später finden, hält Sergej Ende Januar fest, dass es ihm schlecht gehe, dass einfach alles zum Heulen sei. Er habe nur im Bett gelegen und geweint "wie ein Kind". Er wünsche sich "echte Liebe" und überlege, dass er "sehr viel Geld ausgebe". Was Sergej sich seinen Notizen nach wünscht, ist ein Leben, wie es seine Nachbarn führen, mit Haus und Auto, Fernseher und Couch, Frau und Kind.

Nach den Schreien von Nuri Sahin, wenige Sekunden nach der Explosion, tritt Christian Schulz, der Fahrer der Mannschaft, auf das Gaspedal, lässt die Hecke mit den Bomben hinter sich, biegt in die Hauptstraße ein. Dann bringt er den Bus wieder zum Stehen. Er öffnet die Tür und alle im Bus, Teammanager Lünschermann, Trainer Tuchel, alle Betreuer, alle Spieler, steigen aus, so schnell es geht. Sie wissen nicht, was gefährlicher ist, den Schutzraum des Busses zu verlassen oder noch länger im Bus zu bleiben. Aber draußen ist nichts, keine Angreifer, keine Terroristen, auch gegnerische Fans sind nirgendwo zu sehen.

Marc Bartra, der im Bus ganz hinten saß, der noch immer blutet, in dessen rechtem Arm Glassplitter stecken, wird von Mitspielern gestützt und auf eine Decke am Straßenrand gelegt. Er weint, ist kurz davor, das Bewusstsein zu verlieren. Zwei Physiotherapeuten versuchen, seine Wunden zu versorgen, sie spritzen ihm Wasser ins Gesicht und geben ihm Ohrfeigen, damit er bei Bewusstsein bleibt. Der Mannschaftsarzt ist nicht vor Ort, er ist bereits im Stadion.

Busfahrer Schulz ruft einen Krankenwagen. Teammanager Lünschermann ruft erst Sportdirektor Michael Zorc, dann Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke an, auch sie sind schon im Stadion. Als Zorc an sein Handy geht, holt Lünschermann tief Luft, er sagt: "Michael, jemand hat uns angegriffen."

Die Frage seiner psychiatrischen Gutachterin, ob er sich allein und einsam fühle, bejaht Sergej. Als es um seine Einstellung zur Religion geht, erwidert er, er sei "gläubig, aber nicht religiös".

Die Dämmerung setzt ein, es wird kalt, Tuchel und seine Spieler werfen sich gelbschwarze Wärmejacken über und gehen langsam in Richtung des Hotels zurück. Auf einem Grünstreifen, direkt vor der Einfahrt des l'Arrivée, sammeln sie sich, hören Sirenen näher kommen, Polizeiautos, Feuerwehrfahrzeuge. Nuri Sahins Ohren dröhnen. Er schaut an sich herunter, sucht nach Verletzungen, aber ihm ist nichts passiert. Er schaltet wieder sein Handy ein, tippt auf die gespeicherte Nummer seiner Frau. Er ruft sie an und sagt, dass auf der Fahrt zum Stadion etwas geschehen sei, dass es eine Explosion gegeben habe, aber dass es ihm gut gehe und dass sie keine Angst zu haben brauche.

Während Sahin mit seiner Frau telefoniert, sieht er in die Gesichter seiner Mannschaftskameraden. Keiner von ihnen bewegt sich. Keiner von ihnen spricht ein Wort. Irgendwann bringt ihm jemand ein zweites Handy, es ist das von Marc Bartra, am Telefon ist Bartras Verlobte. Sahin, der ein Jahr für Real Madrid gespielt hat und Spanisch spricht, soll sie beruhigen, soll ihr erklären, was geschehen ist. Aber Nuri Sahin weiß es selbst nicht. Er sagt ihr, dass ihr Mann verletzt wurde und schon auf dem Weg ins Krankenhaus sei. Er hört Bartras Verlobte weinen, minutenlang.

Tourist Sergej auf Facebook-Foto: "Angst vor Menschen"

Um diese Zeit sitzt Sergej im Hotelrestaurant Rustique, neben dem zerstörten Bus, im Kamin brennt ein kleines Feuer, er hat sich ein Steak vom Lavagrill bestellt. Es gibt als Beilage dazu Süßkartoffeln.

Im April 2014 gerät Sergej in eine Verkehrskontrolle, er fällt auf, weil er "kaum ansprechbar und seltsam in seinen Reaktionen" sei, die Polizei vermutet einen Drogenkonsumenten. Doch sämtliche Tests verlaufen negativ, Sergej ist nüchtern. Trotzdem verhängen die Beamten ein 24-stündiges Fahrverbot, weil sie sein Verhalten so irritiert. Die Profiler des BKA werten die Episode als Beweis dafür, dass Sergej in Lebenssituationen, die ihn überfordern, "geradezu erstarrt".

Im ausverkauften Stadion des BVB, des größten Stadions in Deutschland, wo schon mehr als 60.000 Fans auf den Tribünen sitzen, unter ihnen Fürst Albert von Monaco, passiert währenddessen etwas Ungewöhnliches: Der Ort, wo sonst wild durcheinandergeredet, gesungen, geflucht wird, ist totenstill. Das Spielfeld ist verlassen. Die Polizei hält weitere Anschläge für wahrscheinlich.

Die Zuschauer starren auf ihre Handys, die wegen der Überlastung der Funknetze nicht funktionieren. Während alle großen Fernsehstationen Reporter vor Ort schicken und Sondersendungen laufen, tagt unter der Nordtribüne der Krisenstab des BVB: Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bespricht in den Katakomben des Stadions mit einem walisischen Uefa-Delegierten und der Polizei, das Spiel auf den nächsten Tag zu verlegen, nach Artikel 26 der Uefa-Richtlinien müssen sie die Entscheidung innerhalb von zwei Stunden nach Spielabsage treffen. Die Richtlinien machen keinen Unterschied, ob ein Spiel wegen schlechter Witterung abgesagt wird oder wegen eines Attentats.

Zur selben Zeit beugen sich Ermittler und Islamwissenschaftler über ein Bekennerschreiben, das am Bus gefunden wurde, eine falsche Spur, die Sergej gelegt haben soll. In dem Schreiben wird Kanzlerin Angela Merkel im Namen des "Islamischen Staates" aufgefordert, "Tornados" aus Syrien abzuziehen und die Ramstein Air Base zu schließen; ein anderes Bekennerschreiben wird kurz darauf auf einer linksextremen Plattform veröffentlicht; wenig später erscheint ein rechtsextremes Bekennerschreiben, das sich auf Adolf Hitler beruft. Noch in der Nacht hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen an sich gezogen. Drohnen und Hubschrauber werden bereit gemacht, die Polizei ahnt nicht, dass der Täter nach der Explosion aus seinem Zimmer gekommen ist, um draußen den Schaden zu begutachten. Ein paar Minuten lang stehen Spieler, Täter und Polizei nur wenige Meter voneinander entfernt. Zwar verhört die Polizei später alle Hotelgäste, darunter auch Sergej, aber er gilt ihren Notizen nach als "unauffällig und überlegt", sie fragen nicht weiter nach. Sergejs Tat ist so abwegig, dass er durch alle Raster fällt, niemand kommt auf die Idee, dass jemand einen Anschlag verübt, um vermeintlich Aktienkurse zu manipulieren. Es finden sich keine brauchbaren Fingerabdrücke, keine DNA-Spuren, keine verdächtigen Handygespräche, keine Hinweise von Geheimdiensten oder Verfassungsschutz, nichts in den sozialen Netzwerken, keine Zeugen, keinen ersten Anhaltspunkt, keine Idee.

Aus Aufzeichnungen von Sergejs Ex-Freundin für die Polizei: "Pflanzenliebhaber: Tomaten, Erbsen, Gurken, Erdbeeren selbst eingepflanzt mit Spezialdünger aus dem Bauhaus".

Folgende Täter kommen infrage: Der IS, Nazis, Fußball-Hooligans, die Antifa. In Internetforen werden Juden und Flüchtlinge beschuldigt. Die AfD spricht davon, wie furchtbar es sei, "wohin uns dieses elende Gutmenschengehabe bereits gebracht hat", schreibt den Anschlag Islamisten und Linksextremen zu und attackiert Kanzlerin Merkel wegen einer verfehlten "Willkommenspolitik". Zeitungen spekulieren, ob der Sprengstoff aus Bundeswehrbeständen stamme. Die Polizei nimmt bei einer Wohnungsdurchsuchung einen Iraker als Verdächtigen fest, verhört einen Syrer, der zufällig einen Regenschirm des Hotels dabei hat. Die Bundesanwaltschaft spricht von einem terroristischen Hintergrund. Borussia-Geschäftsführer Watzke spricht von einem Anschlag auf die Bundesrepublik Deutschland, die freiheitliche Grundordnung stehe auf dem Prüfstand. Niemand weiß irgendetwas.

DPA

Schriftzug in Dortmund am Tag nach dem Attentat

Bis auf einen Mann, der durch Zufall schon drei Stunden vor dem Anschlag überzeugt war, den Täter erkannt zu haben, aber ihn nimmt anfangs niemand ernst.

Dieser Mann ist ein Börsenhändler aus dem 700 Kilometer entfernten Bad Ischl, im österreichischen Salzkammergut, ein BVB-Fan, der glaubt, das ihn die Vorsehung Gottes leite. Sein Name ist Rudolf S.

Wer mit ihm redet, hat manchmal Mühe, ihn zu verstehen, weil er in der starken Mundart Oberösterreichs spricht. "Ka Probläm", sagt S. dann freundlich und redet weiter. S. ist ein Mann mit breitem Lächeln und kleinem Bäuchlein, der sich im Urlaub gern in der gelb-schwarzen Jacke und Mütze seines Vereins vor der Jerusalemer Klagemauer fotografieren lässt. Er sieht dann ein bisschen aus wie die Biene Maja. Er hat mit sieben Jahren eine Bank gegründet, in der er das Geld seiner Eltern verwaltete, er lebt seit 30 Jahren gut vom Aktienhandel und fand neben Geld noch eine zweite Leidenschaft: den BVB.

Am Nachmittag des 11. April, dem Tag des Anschlags, dekoriert Rudolf S. seinen Fanraum für die Übertragung, er freut sich auf das Spiel am Abend. Im zweiten Stock seines holzvertäfelten Hauses, zwischen einer signierten BVB-Aktie und einem beleuchteten Fußball, plant er an diesem Abend mit seiner Familie "laut, falsch und mit Begeisterung", wie er sagt, die Hymne zu singen: "You'll never walk alone."

Er hat vor einiger Zeit Aktien des BVB erworben, sie sind stark gestiegen, deshalb hat S. zur Absicherung Put-Optionsscheine gekauft, Wertpapiere, die steigen, sobald die damit verknüpften Aktien abstürzen. Die Papiere sind wie eine Hausratversicherung für ihn, sagt er, im besten Fall zahlt er einen geringen Betrag, und es passiert nichts, doch falls ein Feuer in seiner Wohnung ausbricht, kriegt er einen Teil seines Verlustes ersetzt. Was Sergej machte, sagt er, ist, erst die Versicherung zu kaufen und dann das Haus in Brand zu setzen.

Die Comdirect-Bank, auf deren Seite er seine Kurse kontrolliert, ist zufälligerweise auch die Bank von Sergej, und beide kaufen zufälligerweise dieselben Scheine. Die Bank tätigt mehrere Zehntausend Transaktionen am Tag. Käufe von Optionsscheinen werden über ein Computersystem abgewickelt, die Chance, dass es zu einer Entdeckung kommt, ist gering. Doch als Rudolf S. den Kurs seiner Optionsscheine abfragt, sieht er die Umsätze dieser Scheine auf deutschen Börsenplätzen und auch, einen Wimpernschlag lang, einen Kauf über 15.000 Optionsscheine, ziemlich viele. Er denkt sich nichts weiter dabei.

Abends sieht er die Sondersendungen im Fernsehen und ist entsetzt über den Anschlag, dann erleichtert, dass niemand schwer verletzt wurde. In der Nacht wacht S. plötzlich auf, und auf einmal fallen ihm die hohen Put-Umsätze in Frankfurt ein. Was wäre, denkt S., wenn der Käufer von dem Anschlag im Vorfeld gewusst hätte? Ein Trittbrettfahrer vielleicht, jemand der einen Hinweis auf den Täter geben könnte?

Am nächsten Morgen setzt sich S. vor seinen Computer und findet weitere Umsätze, die am Tag zuvor getätigt wurden, insgesamt 60.000 Stück. Er hat jetzt für sich Gewissheit. Er ruft die Polizei in Dortmund an, die ihn an die Sonderkommission "Pott" vermittelt. "Sind Sie für den BVB Anschlag zuständig?", fragt er, "mir ist gestern etwas aufgefallen." S. erklärt dem Beamten die Problematik von Put-Optionsscheinen, den Frankfurter Börsenhandel und die Hebelwirkung im Derivathandel, dann legt er auf. Er hat das Gefühl, dass der Mann ihn nicht verstanden hat.

Er schreibt eine Mail an den Anwalt des BVB, der wendet sich an die Commerzbank. Am nächsten Tag erstattet die Bank eine Geldwäscheanzeige. Tatsächlich hat bei Weitem niemand so viele Put-Optionsscheine auf BVB-Aktien gekauft wie Sergej. Die Bank kann die IP-Adresse nachvollziehen, die Sergej beim Kauf benutzt hat: 212.185.189.67. Es ist die Internetadresse des l'Arrivée-Hotels, von dessen WLAN aus Sergej an der Börse handelte. Er ist jetzt der Hauptverdächtige.

Die Polizei beschattet ihn eine Woche lang. Sie wollen Beweise sammeln, prüfen, ob es Komplizen gab, vielleicht eine Bombenwerkstatt. Sergej bucht einen Flug nach Sankt Petersburg. Zehn Tage nach dem Anschlag, an einem Freitagmorgen um 5.16 Uhr, verlässt Sergej sein Haus und fährt zur Arbeit. Ein mobiles Einsatzkommando des BKA folgt ihm. Als Sergej 20 Minuten später aussteigen will, nehmen sie ihn fest. Ein Gefangenentransporter bringt ihn in die Untersuchungshaft der JVA Stammheim. Parallel stürmen Spezialkräfte die Wohnung des Verdächtigen, das Elternhaus. Die Mutter steht im Nachthemd im Treppenhaus, umringt von schwer bewaffneten Polizisten.

Sergej war der beste Elektrotechniker seines Jahrgangs, die Berufsschule schließt er mit der Note 1,5 ab und erhält einen Schulpreis. Bei seiner Verabschiedung sagt eine Schulleiterin, dass jeder im Leben "seinen eigenen Weg finden müsse". Ob das Ziel direkt oder auf verschlungenen Pfaden erreicht würde, sagt sie, sei unwichtig, solange die Richtung stimme. Sergejs Weg ist es nun, eine Bombe zu bauen. Für ihn, der eine komplette Werkstatt zur Verfügung hat und als Elektrotechniker über nützliches Vorwissen verfügt, ist das leicht.

Laut Anklageschrift bestellt sich Sergej einen Zeitschalter bei Amazon. Bei Conrad, im Elektronikmarkt, kaufte er im Januar Antennen, Akkus, Kabel und Schaltstufen. Diese Bauteile werden später am Tatort gefunden. Eine Fernsteuerung ersteigert er bei Ebay. Seiner Freundin erklärt er, er wolle eine Drohne bauen.

Im Internet sucht er nach "Wetten auf fallende Kurse", "chemisch-mechanischer Langzeitzünder", "Funkfernsteuerung". Auf einem Collegeblock macht sich Sergej Notizen zu seinem Vorhaben: "Was man in Erfahrung bringen sollte: Wie schnell kann man vom Handy zünden?"

Er spielt nun - nach Überzeugung der Ermittler - verschiedene Varianten durch, er überlegt vermutlich, das Attentat bei einem öffentlichen Training zu machen, eine falsche Spur zu einem Flüchtlingsheim zu legen. Irgendwann entscheidet er sich demnach für den Anschlag auf den Bus. Auf einem Notizblock finden die Fahnder Einträge, in denen Sergej die Länge des Busses und Stückzahlen von Optionsscheinen notiert hat. Nur an eines denkt er offenbar nicht: an andere Menschen.

Roderick Aichinger / DER SPIEGEL

Börsenhändler Rudolf S. im BVB-Fanraum seines Hauses in Bad Ischl

Die Profiler des BKA beurteilen Sergej als einen Menschen, der in einer "Welt technischer Abläufe" lebe. Sie vermuten, dass er solche Abläufe besser kontrollieren könne als den Umgang mit Menschen. Sie vermuten, dass er nicht daran glaubt, dass ihm jemand auf die Spur kommen könne, kein Börsenhändler, kein Ermittler. Weil ein solcher Mensch in seiner Welt nicht vorgesehen sei.

Im Februar trennt sich seine Freundin von ihm, per SMS, einen Tag vor dem Valentinstag, sie ist nach Australien gereist. Man habe sich schon länger auseinandergelebt, sagt Sergej seinem Psychiater. Sein Arzt empfiehlt eine stationäre Therapie, Sergej fühlt sich "gedrängelt" und bricht die Therapie ab. Er meldet sich bei vier Onlinepartnerbörsen an. "Einfach Folter", notiert er. Es gibt jetzt nichts mehr, das ihn zurückhalten könnte.

Das psychiatrische Gutachten erwähnt eigene Aufzeichnungen Sergejs und die Expertin fasst einiges hiervon zusammen. Demnach schreibe Sergej offenbar am 12. Februar dieses Jahres von "Schwierigkeiten, Menschen zu begegnen" und Nähe zuzulassen. Am 12. Februar habe der Explorand notiert, dass er verzweifelt sei, weil er keine Partnerin finde, dabei wolle er doch "so sehr Liebe". Er erwähne, dass er Zuneigung wolle, doch überall seien "nur deutsche Mädchen". Davon kriege er Attacken und frage sich, "wozu er lebe".

Je schlechter es Sergej geht, desto entschlossener werden seine Vorbereitungen. Anfang März fährt er mit einem Mietwagen nach Belgien, er kauft dort Konservendosen, die später leer im Wald gefunden werden. Sergej, so vermuten die Ermittler, will eine Spur legen nach Belgien, in das Land, in dem zuletzt viele Attentäter des "Islamischen Staats" wohnten. Er checkt zum ersten Mal im Hotel l'Arrivée ein, um die Umgebung auszukundschaften.

Am Tag danach, dem 8. März, feiert Borussia einen 4:0-Sieg gegen Benfica Lissabon und den Einzug ins Viertelfinale. Das nächste Spiel soll gegen Monaco gehen. "Insgesamt ist es ein schönes Los", sagte Watzke. Drei Tage später bucht Sergej erneut das Hotel zu beiden möglichen Zeitpunkten des Heimspiels - das genaue Datum wird noch ausgelost, doch Sergej will sichergehen, dass das Hotel nicht ausgebucht ist.

Am 19. März nimmt Sergej einen Kredit bei der Postbank auf, von 40.000 Euro, mit weiteren 5000 Euro belastet er seine Kreditkarte. Sein Geld steckt er in 96.000 Optionsscheine. Wenn der Kurs der BVB-Aktie von etwa fünf Euro auf einen Euro fällt, steigt der Wert der Optionsscheine, Sergej hätte auf seinem Konto eine halbe Million Euro - und damit sein eingesetztes Geld verzehnfacht. Ein halber Millionär, aus dem Nichts.

Er muss Wasserstoffperoxid kaufen und es aufkochen, dazu braucht er eine Kochstelle mit Abzug und Abluftfilter. Sergej belädt am Vormittag des 9. April, Palmsonntag, seinen Mietwagen mit zwei großen, gefüllten Sporttaschen, einem dunklen Rollkoffer und einer Plastiktüte. Auf dem Weg, so rekonstruieren die Ermittler, tankt er Diesel in einen Extrakanister, checkt nachmittags im Hotel ein und besucht den Wellnessbereich. Am Abend fährt er zurück nach Baden-Württemberg, etwa 500 Kilometer, um sich am nächsten Morgen, es ist Montag, eine Krankschreibung zu organisieren. Dann fährt er zurück zum Hotel.

Am Dienstag, zwei Stunden vor dem Anschlag, kontrolliert er offenbar noch einmal die Sprengsätze, dann geht er auf sein Zimmer, von dessen Badezimmerfenster aus er die Straße überblicken kann, auf der der BVB-Mannschaftsbus das Gelände verlassen wird.

Er wartet.

Am 29. März, zwei Wochen vor der Tat, schreibt Sergej, dass er sich weiterhin nicht gut fühle, dass er "müde" sei und sich gleichgültig fühle. Immer noch wolle er sterben. Er werde "kein Teil dieser Welt" werden, glaubt er. In vielen seiner Einträge, so geht aus den Akten hervor, fantasiert er von einem Leben mit Frauen, denen er zufällig auf der Straße begegnet, am Postschalter, im Restaurant. Nie traue er sich, sie anzusprechen, manchmal noch nicht mal, sie anzusehen. Dann wieder habe er auf dem Betriebsgelände Möhren und Sauerampfer pflanzen, Blumensamen streuen wollen. Immer unsichtbarer wird Sergej, so scheint es. Am 8. April habe er seine Eltern zu seinem Geburtstag ins Restaurant eingeladen. "Letztes Abendmahl" notiert er. Dann brechen die Aufzeichnungen ab, drei Tage vor dem Anschlag.

Sascha Baumann / Bild

Polizisten bei Erstürmung der Wohnung des Verdächtigen in Rottenburg am Neckar am 21. Februar

"Zeitlich optimal" hat der Täter den Sprengsatz gezündet, wird die Staatsanwaltschaft später befinden. Nur den zweiten Sprengsatz, der den Bus in der Mitte treffen sollte und der damit am meisten Schaden hätte anrichten können, platzierte er zu hoch in der Hecke, die meisten Metallstifte fliegen über den Bus hinweg. Ein Fehler? Oder Absicht?

Für Sergejs Rechtsanwalt ist diese Frage bedeutsam, er meint, der Täter wollte gar nicht töten, wollte auch nicht verletzen. Diese Frage dürfte vor Gericht entscheidend dafür werden, ob Sergej wegen versuchten Mordes verurteilt wird oder nicht. Doch was, wenn nicht Mord, war dann Sergejs Absicht? Wollte er die Spieler nur erschrecken? Ob die Wette auf den starken Kursabsturz dann noch sinnvoll sein würde, ist fraglich.

Am 11. April, als die Spieler den Bus besteigen, wartet Sergej in seinem Badezimmer, bis der Bus langsam eine Laterne passiert, auf deren Höhe sich die Sprengsätze befinden, dann, um 19.16 Uhr, löst er per Fernbedienung die elektrische Zündung aus. Der Sprengstoff verbrennt, wird zu Gas, dehnt sich aus, die Rohrbehälter bersten, die Druckwelle schleudert die Metallstifte gegen den Bus, sie treffen umliegende Autos, durchdringen die Scheiben des gegenüberliegenden Hauses und schlagen dort in die Wand ein. Die Nachbarin, die dort gerade bügelt, wird nicht verletzt, weil sie in diesem Augenblick Wasser für ihr Dampfbügeleisen holt. Die Anwohner denken zunächst an ein Erdbeben, an die Explosion eines Gastanks, an eine Sprengung, an den Krieg.

Am nächsten Tag lässt sich Sergej massieren. Teelichter stehen neben ihm. Sergej ist der einzige Kunde, der seinen Massagetermin nicht abgesagt hat nach dem Anschlag. Er verliert während der Behandlung kein Wort über den Vorfall, was die Masseurin merkwürdig findet, schließlich ist es das Hauptgesprächsthema im Hotel. Sie findet einen Zeckenbiss an seinem rechten hinteren Oberschenkel, er stammt womöglich aus einer Schonung in einem dunklen Wald.

Die Profiler des BKA vermuten, dass Sergej sich mit diesen letzten Stunden den perfekten Tag geschenkt habe, dass er eine "Neue Welt" betreten habe, die seiner Traumvorstellung als reicher Lebemann entspricht. Eine Welt, wie er sie auf seinem Facebook-Account zeigt. Ein paar Stunden vor dem Attentat fährt Sergej in ein Bordell, dem Saunaclub FKK Magnum, wo junge Frauen ihn fragen, wie es ihm gehe, und wo das "Standardprogramm" für eine halbe Stunde 50 Euro, für eine Stunde 100 Euro kostet. Sergej hebt 150 Euro ab. Er fährt mit einem teureren Mietwagen als bisher, kein Seat, sondern ein Audi A6. Abends isst er Steak, statt wie bisher zu McDonald's zu fahren. Er lässt sich massieren. Für diese paar Stunden passt sein Leben zu seinen Träumen.

Doch die neue Welt gibt es nicht. Sergejs vermeintlicher Plan ist gescheitert. Der Aktienkurs fällt nur leicht. Sergej hat nach Monaten der Vorbereitung und nach einem, so die Anklage, versuchten 28-fachen Mord statt einer halben Million Euro einen Gewinn von 5872,05 Euro auf dem Konto.

Noch zehn Tage verbringt er in Freiheit, zehn Tage bis zu seiner Verhaftung. Er scheint schon bald eine neue Idee zu haben. Eine Woche nach dem Anschlag sucht Sergej im Netz nach Begriffen wie "Seilbahnaktie", "Berchtesgadener Bergbahn", "Nebelhornbahnaktie" und "Optionsscheinfinder". Er sucht auch Informationen über den Eurotunnel. Schließlich findet er Aktien der Schweizer Titlis-Bergbahn. Sergej hat augenscheinlich ein neues Ziel gefunden, offenbar denkt er nun an einen Anschlag auf eine Bergbahn. Zwei Tage später wird er festgenommen.

Auch wenn die Indizien erdrückend sind, formal gilt die Unschuldsvermutung. Und es kann nie ganz ausgeschlossen werden, dass die Experten in der kurzen Zeit Sergejs Persönlichkeit nicht vollständig ergründen konnten. War Sergej wirklich widerwärtig, perfide, abscheulich? Oder war er ein kranker, einsamer Mensch, der zerstören wollte, um geliebt zu werden; so verzweifelt, dass er die Folgen seiner Tat für andere ausblendet, weil er in einer "Welt technischer Abläufe" lebte? "Die Religionszugehörigkeit des BVB-Attentäters ist übrigens folgende: Kapitalismus", schrieb kurz nach der Festnahme jemand auf Twitter. Für Sergej war Geld aber vermutlich nicht profan, es schien ihm ein Mittel zu einem höheren Zweck. Er wollte ankommen, geliebt werden, sichtbar sein. Nur eines davon hat er erreicht.

Der Staatsanwalt wird dem Richter bei der Anklageverlesung in wenigen Wochen sagen: "Der Angeschuldigte handelte, um sich zu bereichern." Sergej erzählte seinem Gutachter etwas anderes. Seine Absicht sei es, sagte er, "aktuell zu beweisen, dass er unschuldig sei", und eventuell "ein Haus bauen, Kinder bekommen". Im Februar notierte er, er wolle "so sehr Liebe". Vermutlich hat Sergej nicht verstanden, was das ist, nicht verstanden, dass es Dinge gibt, die man nur geschenkt bekommt.

Ein paar Wochen später verschwindet er in einem dunklen Wald und zündet ein Feuer an.


Im Video: Der Anschlag auf den BVB - Metallstifte in der Kopfstütze

Foto: DPA

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