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Moritz Rinke plant seinen Monat

Das erste Mal gespielt worden bin ich in einer sogenannten Langen Nacht der Autoren, 1996 war das mit dem "Grauen Engel". Der Regisseur der Werkstattinszenierung bekam bei den Proben einen Gehörsturz und musste aus einem schalldichten Kasten heraus Regie führen. Eine "Lange Nacht" beschließt die Autorentheatertage (siehe Seite 45), die mein früherer Theaterförderer Ulrich Khuon einst in Hannover erfunden hat. Viele Jahre lang hat er das Konzept in Hamburg am Thalia Theater weiterentwickelt und nun mit nach Berlin ans Deutsche Theater genommen. Ab dem 8. April gibt es dort Gastspiele zeitgenössischer Texte und zum Abschluss am 17. April eben die "Lange Nacht der Autoren": Vier bisher unentdeckte Autoren werden in Werkstattinszenierungen vorgestellt.

Viktoria Tolstoy ist eine Ururenkelin des russischen Schriftstellers Tolstoi. Viktoria Tolstoy ist aber nicht Russin, sondern Schwedin, und sie schreibt nicht, sondern singt, aber wie! Schwedischer Jazz. Sie singt Lieder von Nils Landgren und Esbjørn Svensson - und ich glaube, wenn Woody Allen sie kennen würde, dann würde er sofort seine Klarinette rausholen und eine Band mit ihr gründen. Am 16. April tritt sie in der Schinkel-Kirche in Neuhardenberg auf. In Neuhardenberg steht auch mein Lieblingsschloss, da kann man dann gleich übernachten, denn am 17. April liest die wahnsinnige Sophie Rois aus "Anna Karenina" von Tolstoi, und die blonde Ururenkelin singt dazu Songs aus ihrem Album "My Russian Soul".

Ganz besonders freue ich mich auf die erste Fotoausstellung von Franziska Stünkel, weder mit Schinkel noch mit Tolstoi verwandt, aber auch so eine Seelenkünstlerin wie die Jazzsängerin Viktoria. Sie ist eigentlich Filmregisseurin ("Vineta", der Film, ist gerade auf DVD erschienen). Ihre fotografischen "Seven Billion Stories" sind in den USA, China und Europa entstanden und werden bis zum 2. Mai in der Galerie Geuer & Breckner in Düsseldorf gezeigt.

Max Raabe tritt am 20. April im Düsseldorfer Schauspielhaus auf mit seinem neuen Programm "Übers Meer", einem ganz stillen Soloprogramm, begleitet von Christoph Israel am Klavier.

Und dann freue ich mich, endlich den neuen Roman von Harriet Köhler zu lesen (Kiwi, siehe Seite 47) und Alissa Walsers "Am Anfang war die Nacht Musik" (Piper).

Habe ich jetzt eigentlich wieder nur Frauen empfohlen?

Rinke, 42, ist als Dramatiker bekannt geworden. Vor kurzem ist sein erster Roman bei Kiepenheuer & Witsch erschienen: "Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel".

FOTO: MARTIN LENGEMAN / INTRO


KulturSPIEGEL 4/2010
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