Schrift:
Ansicht Home:
Kultur
Ausgabe
49/2017

Netflix-Serie "Mindhunter"

"Du bist gestörter, als ich dachte"

In seinem Drama über einen FBI-Profiler verarbeitet Regisseur David Fincher ("Sieben") echte Serienmorde. Eine Zumutung?

Merrick Morton/ Netflix

"Mindhunter"-Darsteller Cameron Britton als Häftling, Jonathan Groff als FBI-Agent

Von
Dienstag, 05.12.2017   23:35 Uhr

Edmund Kemper ist ein Berg von Mensch und ein Monster von Mann, aber ganz nett. Untergebracht ist er in einem Gefängniskrankenhaus in Kalifornien. Er hat zehn Menschen ermordet, fast alles Frauen, seine Großeltern, seine Mutter, Studentinnen und Schülerinnen, die er als Anhalterinnen mitgenommen hatte, die jüngste war 15. Er hat die Leichen zerstückelt, bevor er sich an ihnen verging.

Titelbild

Aus dem SPIEGEL

Heft 49/2017
Verlierer an die Macht!
Die Kleine Koalition - was sie anrichten und bewirken könnte

Holden Ford, ein junger FBI-Agent, besucht ihn im Gefängnis. Kemper, mehr als zwei Meter groß, 130 Kilogramm schwer, die Brille wie Glasbausteine, empfängt den FBI-Mann, wie ein Gastgeber seinen Gast empfängt. Die Fahrt sei sicherlich lang gewesen, ob Ford schon gefrühstückt habe?

Ein Sandwich vielleicht?
Nein, danke, sagt Ford.
Was für ein Sandwich?
Ist schon gut, sagt Ford.
Ein Sandwich mit Eiersalat?
Wirklich nicht.
Ich besorge uns ein Sandwich mit Eiersalat.
Gibt es auch Thunfisch?, fragt Ford.
Er weiß, dass er längst verloren hat.
Sie wirken ziemlich nervös, sagt Kemper, die Stimme ruhig und bestimmt.

Es ist das Jahr 1977, von dem die Netflix-Serie "Mindhunter" erzählt. Zwei FBI-Agenten wollen das Böse erforschen, die Psychologie einführen in die Betonkopfwelt des alten FBI. Sie sind nur zu zweit in der Abteilung für Verhaltensforschung, neumodischer Hippiekram. Gemeinsam touren sie durch die USA, um Polizisten vor Ort Vorträge über die Ermittlungsmethoden des FBI zu halten.

Die Vorlage der Serie ist ein Sachbuch des ehemaligen FBI-Profilers John Douglas, der damals begann, Serienmörder zu befragen. Holden Ford hat kaum Ähnlichkeit mit ihm, die inhaftierten Mörder in "Mindhunter" aber beruhen alle auf wahren Personen.

Es gibt 1977 noch keinen richtigen Begriff für das, was Son of Sam, Jerry Brudos oder eben Ed Kemper getan haben, es scheint ein neuer Typus von Tätern zu sein, die fremde Menschen umbringen ohne jedes Motiv, ohne Habgier, ohne Eifersucht, einfach so.

Aber wie findet man einen Täter, der ohne Motiv handelt? Könnte es nicht sinnvoll sein, mit jenen Serienmördern zu sprechen, die schon im Gefängnis sitzen, herauszufinden, wie sie denken und was sie zu ihren Taten brachte, um Muster zu entdecken, die helfen, andere Fälle aufzuklären?

Es ist nur so eine Idee, und der Besuch bei Ed Kemper ist der erste Versuch von Holden Ford, der, wie das gesamte FBI, völlig ahnungslos ist.

Kaum 30 Jahre alt, ein wenig nerdig und mit dem Talent, ziemlich blöd gucken zu können, sitzt Holden Ford nun vor dem Monster im Gefängnis. Seine Pistole hat er am Eingang zum Sicherheitstrakt abgeben müssen. Ford hat Angst. Ed Kemper ist es, der hier im Knast bestimmt. Sein Zuhause, sein Spiel.

Warum schauen Sie mich so an?, fragt Kemper.
Wie denn?
Komisch. Als wäre ich eine seltene Spezies.

Zwei Personen, ein Raum, ein Kampf, ein Rätsel. "Mindhunter" ist eine Erkundung ins Reich des Bösen. Das Böse tut, was es will, und wer es bekämpfen will, muss es verstehen. Wer das Böse verstehen will, muss denken und fühlen können wie das Böse. Aber geht das, das Böse denken und fühlen, ohne selbst Schaden zu nehmen, verrückt zu werden oder zumindest ein wenig seltsam? Das Licht der Erkenntnis zu suchen, wie es Holden Ford ausdrückt, im Dunklen des Bösen, heißt ja nicht, dass man es auch findet.


Im Video: Spektakel oder Charakterstudie?
SPIEGEL-Autor Lothar Gorris über die entscheidenden Unterschiede zwischen Kinofilmen und TV-Serien

Foto: DER SPIEGEL

Im vergangenen Jahr wurden in den USA rund 450 Serien ausgestrahlt. Dieses Jahr werden es mehr als 500 sein. Die Rede ist schon lange von einem neuen goldenen Fernsehzeitalter, von Meilensteinen wie " Die Sopranos", "The Wire", "Breaking Bad", "Game of Thrones", aber das ist alles ein wenig her. Weswegen längst die Rede davon ist, dass die Blase bald platze. Zu viele Serien, zu teuer, zu viel Mittelmaß, zu lange schon keine neue große Erzählung mehr.

Nun soll dem amerikanischen Regisseur David Fincher genau das gelingen: eine neue Großerzählung, ein paar Staffeln, vielleicht ein paar Jahre lang, so wie "Breaking Bad" oder "Die Sopranos". Netflix musste wahrscheinlich nicht mal die Daten seiner 109 Millionen Abonnenten auswerten, um auf Fincher zu kommen. 1962 geboren, erwachsen geworden in den Achtzigerjahren, hat er alles gemacht, was ein Regisseur dieser Generation hat machen können: kunstverdächtige Werbespots für Nike, Coca-Cola und Levi's, die eine Minute lang sind und Millionen kosten. Fünfminütige Videoclips für Popstars wie Madonna und George Michael. Große Hollywoodfilme wie "Sieben" und "Fight Club", "The Social Network" und "Gone Girl", zehn Filme insgesamt, die 650 Millionen Dollar Budget verschlangen, aber mehr als 2 Milliarden Dollar einspielten. Und er war es auch, der für Netflix, das damals noch eher eine Art digitaler Videoverleih war, die Serie "House of Cards" entwickelte.

Fincher ist der wohl beste und wichtigste Regisseur seiner Generation. "Prince of Darkness" nennt man ihn in Hollywood, Cineasten sehen in ihm einen Erneuerer des Film noir. "House of Cards", wo er eigentlich nur an den ersten beiden Staffeln beteiligt war, ist eine Geschichte über einen zynischen Politiker, der auf dem Weg zur Macht auch Morde begeht. In "The Social Network" porträtiert er Mark Zuckerberg als Autisten, der für den Erfolg alles opfert. In "Fight Club", mit dem jungen Brad Pitt in der Hauptrolle, zeigt er Männer, die in einer Welt der politischen Korrektheit und der Emanzipation sich nur noch spüren können, wenn sie sich blutig schlagen, und im Terrorismus enden.

Fincher, ein Autodidakt und Kind der nihilistischen Postpunk-Kultur der Achtzigerjahre, hat nie eine Filmschule besucht. Es gibt viele, die ihn für ein Genie halten, für ein ziemlich obsessives Genie, weil er die Schauspieler quält, Einstellung auf Einstellung wiederholen lässt. Fincher nennt das kreativen Darwinismus. Ein Perfektionist, der alles will, alles kann, er würde, hat er einmal gesagt, auch Musicals inszenieren oder Theater oder Eröffnungsfeiern Olympischer Spiele. Große Geschichten in großen Bildern.

Seit rund 25 Jahren arbeitet er in Hollywood. David Fincher ist nicht unbedingt ein glühender Verehrer Hollywoods und der Filme, die es produziert. Er war keine 30 Jahre alt, als ihn die Produzenten der "Alien"-Filme fragten, ob er im dritten Teil der Reihe Regie führen wolle. Andere Regisseure hatten abgelehnt oder aufgegeben, das Studio schien ratlos, aber es war die Chance schlechthin für einen Anfänger. Fincher, smart, selbstbewusst, bissig, schuf eine dystopische Bilderwelt, dunkel die Farben und das Setting. Die Dreharbeiten waren kompliziert, das Skript nicht fertig, jede Entscheidung des Regisseurs musste mit dem Studio abgesprochen werden, der Kameramann war an Parkinson erkrankt. Ein Desaster. Während der Postproduktion stieg Fincher aus, den Schnitt machten andere. Er sagte damals, dass er lieber Krebs bekäme, als noch mal einen Film in Hollywood zu drehen.

"Alien 3" war ein Muster für das, was heute aus Hollywood geworden ist: Franchise-Filme, Popcorn-Movies, Superhelden-Spektakel, in denen ein ums andere Mal die Welt gerettet werden muss und auch gerettet wird. Immer weniger Filme mit immer größerem Aufwand werden produziert, das Risiko wächst, der Wagemut schwindet. Ein Flop kann ein ganzes Studio ruinieren. Also viel Farbe, viel Bewegung, Verschwörungs-Plots, Stunts, spektakuläre Computeranimationen. Was auf der Strecke bleibt, sind Filme, wie sie Fincher macht: Dramen für Erwachsene.

Merrick Morton/ Netflix

Regisseur Fincher: "Film als Literatur, das ist die Hoffnung"

Das Kino, sagt Fincher, sei nicht tot. Es ist nur anders. Kino ist heute ein soziales Ereignis. Wie ein Feuerwerk. Teenager gehen ins Kino, um andere Teenager zu treffen. Das Feuerwerk selbst ist gar nicht so bedeutend, es ist sowieso immer das Gleiche. Es muss nur immer größer und lauter werden, damit sie überhaupt kommen oder mal aufschauen, während sie im Kinosaal Snapchat vollposten. "Am Ende interessieren mich Filme, so wie sie jetzt sind, nicht besonders. Genauso wie mich auch das Fernsehen und seine Formate nicht interessieren, weil ich nicht daran glaube, dass sich gute Geschichten destillieren lassen, nur damit sie in ein Format passen."

In vier der zehn Episoden der ersten Staffel von "Mindhunter" führt Fincher selbst Regie, er ist auch Produzent der Serie, und eigentlich macht er bei Netflix, was im Kino und auch im konventionellen Fernsehen nicht möglich ist. In "Mindhunter" wird in 500 Minuten und zehn Folgen nur geredet, gefragt und geantwortet, gestritten und diskutiert. Morde geschehen, aber sie werden nie gezeigt. Es ist eine Serie ohne richtigen Plot, ohne Wendepunkte, ohne Akte, ohne Sensationen, eine lange, fließende Erzählung, ein Kammerspiel, ein langes Nachdenken und Erforschen und eine einzige Zumutung. Man könnte es Literatur nennen, Literatur, in der Buchstaben durch Bild und Ton ersetzt werden. So wie man auch die einzelnen Folgen Kapitel nennen könnte, unterschiedlich lang, wie es der Fluss der Erzählung erfordert und nicht das Format. Die "Mindhunter"-Episoden sind mal 60 Minuten lang, mal auch nur 34 Minuten. Was fehlt, ist ein Name für dieses neue Genre. Früher, sagt Fincher, habe er Filme gemacht, heute schaffe er streambare, erzählte Geschichten.

"Film als Literatur", sagt Fincher, "ja, das ist die Hoffnung. Dass sich Leute eine Geschichte in Bildern anschauen, wie sie ein gutes Buch lesen. Ein paar Seiten, ein Kapitel oder zwei, wann immer sie wollen, und am nächsten Tag schauen sie weiter."

Figuren wie Walter White aus "Breaking Bad" oder Tony Soprano oder eben Holden Ford sind literarische Figuren geworden, Erzähler eines Lebens, die, je länger man ihrem Alltag folgte, Familienmitglieder wurden. Es sind Erzählungen eines Lebens, das keinem Plot folgt. Ein Leben der Widersprüche und Unklarheiten, der Dissonanzen und der Ratlosigkeit. Oder anders herum: Der Versuch, das Leben zu einem Plot zu destillieren, kann nur eine Lüge sein.

Dass Netflix ein weiteres Mal mit Fincher zusammenarbeitet, hat auch damit zu tun, dass Fincher eine Art Experte für Serienmorde ist. "Sieben", sein erster richtiger Film, erzählte 1995 die Geschichte von zwei Ermittlern, gespielt von Morgan Freeman und Brad Pitt, die in einer amerikanischen Großstadt, in der es immer regnet und die Tage dunkel sind wie die Nacht, einem Serienmörder auf der Spur sind, der seine Taten inszeniert wie die sieben Todsünden. In Finchers Film "Zodiac", der 2007 in den Kinos lief und eine wahre Geschichte erzählt, recherchieren zwei Journalisten einem Serienmörder hinterher, der Ende der Sechzigerjahre in Kalifornien begann, verschlüsselte Briefe mit Hinweisen und Details seiner Morde an Zeitungen zu schicken. Wie der Mörder in "Sieben" spielt Zodiac mit denen, die hinter ihm her sind. Fincher war sieben Jahre alt und lebte in Kalifornien, als eines Tages sein Schulbus von der Polizei begleitet wurde, weil Zodiac in einem Brief gedroht hatte, Schüler anzugreifen. Fincher fragte seinen Vater, einen Journalisten, der für das "Life"-Magazin gearbeitet hatte und Texte für "Psychology Today" schrieb, was denn los sei. Na ja, da wolle jemand, sagte er, Kinder umbringen. Das war alles. Sein Vater sei, sagt Fincher, ein ziemlich nüchterner Typ gewesen.

Wenn jemand heute in Hollywood ein Drehbuch über Serienmorde verkaufen will, ist Fincher die erste Adresse. "Mindhunter", die Geschichte des FBI-Profilers John Douglas, wurde ihm von der Schauspielerin Charlize Theron geschickt. Nicht schon wieder, Charlize, bitte, das war Finchers erste Reaktion damals.

Serienmörder sind große, mythisch verklärte Figuren der populären Kultur. Serien und Filme wie "Dexter" oder "Das Schweigen der Lämmer" handeln von fehlgeleiteten Genies, von Übermenschen, die schlauer sind und böser als wir. In "Mindhunter" erzählt Fincher eine andere Geschichte: Serienmörder sind missbrauchte, konfuse, böse, misogyne Männer, Menschen mit gestörten Mutterbeziehungen und abwesenden Vätern. Und diejenigen, die sie verstehen und überführen wollen, die wissen wollen, "how crazy thinks", wie das Verrückte denkt, lassen sich auf etwas ein, was seinen Preis hat.

Menschen, sagt Kemper zu Ford, Menschen, die andere Menschen jagen, weil das ihre Berufung sei, wollten eigentlich über nichts anderes sprechen. Über den ganzen Scheiß, der da passiere, über den Irrsinn. Es sei gar nicht so einfach, Menschen abzuschlachten, harte Arbeit, körperlich und psychisch. Irgendwann müsse man das alles auch rauslassen.

Dann fragt Kemper den FBI-Mann, ob das, was er hier erzähle, helfen würde. Ob es das sei, weswegen er ihn hier im Gefängnis besuche?

Ich glaube schon, antwortet Ford.

Merrick Morton/ Netflix

Schauspieler Groff, Holt McCallany: "Du bist gestörter, als ich dachte"

Ein paar Folgen später besucht Ford den Häftling Jerry Brudos, der Ende der Sechzigerjahre in Oregon vier Frauen erwürgt hat. Wieder so ein massiger Mann, aber nicht so schlau wie Kemper, sondern laut und widerlich, ein Scheusal. Auch er zerstückelte die Leichen der Frauen, die er dann fotografierte. Schon als Kind hatte er einen Schuhfetisch, die Mutter erniedrigte ihn, lehnte ihren Jungen ab, sie hatte sich ein Mädchen gewünscht. Als Teenager wurde ihm Schizophrenie attestiert. Nach seinen Taten zog er sich High Heels an und befriedigte sich selbst.

Holden Ford ist da schon weit gekommen auf seiner Reise in die Finsternis. Er hat begonnen, die Sprache der Mörder zu sprechen. Er ist zu einer Art Schauspieler der Empathie geworden, seine Besuche inszeniert er wie eine Theateraufführung. Bei seinem zweiten Treffen erzählt er Brudos, dass seine Mutter ihn auch einmal beim Onanieren erwischt und er sie nie so schockiert erlebt habe, als ob er etwas Schlimmes getan hätte. Sie habe ihm dann gesagt: Holden, du brauchst Hilfe.

Sie hat angeboten, dir zu helfen? Brudos lacht. Sie meinte die Hilfe eines Psychologen.

Dann gibt Ford ihm einen Karton mit einem Paar neuer High Heels, das er mitgebracht hat. Brudos setzt sich in eine Ecke und öffnet seine Hose.

Draußen vor dem Gefängnis sagt Ford zu seinem Kollegen: Das mit den High Heels hat funktioniert. Der Kollege ist angewidert darüber, dass Ford solch einem Monster derart Persönliches erzählt und auch noch stolz darauf ist: Wenn dir das, was wir hier tun, sagt der Kollege, nicht unter die Haut geht, dann bist du gestörter, als ich dachte - oder aber du machst dir etwas vor.

How crazy thinks. Holden versucht, die Lücke zu füllen zwischen dem, was passiert ist, und dem, wie es zu verstehen ist. Die Lücke zwischen Menschlichkeit und Unmenschlichkeit. "Mindhunter" hat wie jede wirklich gute Serie kein Ziel, keine Erkenntnis, keine Erlösung. Monster bleiben Monster. Und der Held ist, nun ja, allerhöchstens ein verzweifelter Held.

Sechs Milliarden Dollar hat Netflix in diesem Jahr in das investiert, was Fincher chronologisch erzählte Geschichten nennt, die man streamen kann. Im nächsten Jahr sollen es sogar sieben bis acht Milliarden werden. Martin Scorsese wird 125 Millionen Dollar allein für seinen neuen Film "The Irishman" mit Robert DeNiro ausgeben dürfen. Netflix hatte die Studios überboten.

In Hollywood gibt es Budgets für Produktion und Marketing, es gibt die Einnahmen an den Kinokassen, am Ende ist es eine einfache Rechnung, was Erfolg oder Misserfolg ist. Das Geschäftsmodell von Netflix ist anders: Ob sich 125 Millionen Dollar für einen Scorsese-Film lohnen oder Dutzende von Millionen für eine Fincher-Serie, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Es geht darum, dass die Zahl der Abonnenten steigt, dass Netflix Aufmerksamkeit bekommt und dass die Abonnenten etwas sehen, das sie sonst nicht zu sehen bekommen. Ob ein einzelner Film oder eine einzelne Serie dazu etwas beiträgt oder nicht, ist eine Sache der Interpretation und auch der Daten, die Netflix sammelt, aber streng geheim hält.

David Fincher sagt, er wolle Filme machen und nicht seine Zeit damit verbringen, sie zu verkaufen. Netflix ist für ihn ein Paradies, er bekommt Geld und Freiheit, niemand redet ihm rein, er kann machen, was er will. Bleibt nur die Frage, ob Netflix nicht irgendwann das Geld ausgeht. Und was eigentlich die Kriterien dafür sind, ob ein Film ein Erfolg ist.

Fincher sagt auch, dass er die Zahlen von Netflix, wie viele Menschen sich seine Serien und Filme dort ansehen, nicht kenne und auch nicht danach frage. "Wissen Sie, was der meistgesehene Film aller Zeiten ist? 'Der Zauberer von Oz'. Die Menschen können die Lieder singen, sie kennen die Story, aber damals an der Kinokasse war es ein Flop, einer der größten überhaupt in der Geschichte Hollywoods. Was also ist ein wertvoller Film?"

Die Zahlen sind egal?

"Na ja, wenn Netflix entscheiden würde, dass es keine zweite Staffel gibt, würde ich nach den Gründen fragen. Die Antwort wäre wahrscheinlich: Wir mochten die erste Staffel nicht, das ist alles zu schwer und zu ernst."

Artikel

© DER SPIEGEL 49/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP