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Panorama
Ausgabe
31/2017

Mentalitäten

Was ist los mit dir, Ossi?

Warum wählen viele Ostdeutsche die AfD? Warum schauen sie oft so fremdenfurchtsam auf die Welt? Und warum verklären sie die DDR? Eine Reise durch ein erschöpftes Land.

Janek Stroisch /DER SPIEGEL

Erholungssuchende in Koserow

Von Jochen-Martin Gutsch
Donnerstag, 03.08.2017   04:49 Uhr

Vor ein paar Tagen hat Ingo Schulze die Schweizer Flagge gehisst. Sie weht jetzt am Fahnenmast der Ferienpension Elisabeth in Koserow auf Usedom als Willkommensgruß an seine Schweizer Gäste. Schulze, der zufällig so heißt wie der bekannte Schriftsteller, macht das immer: Kommen ausländische Gäste zu ihm, hisst er erst mal die Landesflagge. Aus Respekt, sagt Schulze. Außerdem: "Weltoffenheit ist mir wichtig." Wenn die Gäste wollen, können sie die Flagge im Rahmen eines kleinen Fahnenappells auch selbst hissen.

Titelbild

Aus dem SPIEGEL

Heft 31/2017
Die Lage der Nation
Wie wir leben, wie wir denken: Ein Heft über Deutschland

Schulze zeigt jetzt auf eine weitere Flagge: die polnische. Die habe er dauerhaft gehisst, als "Geste der Wertschätzung" für seine polnischen Mitarbeiter. Der Hotelier Schulze bietet seinen Gästen auch Allergikerzimmer an, man kann bei ihm Urlaub im ökologischen Niedrigenergiehaus machen oder im Holzhaus frei von Elektrosmog. Und wenn man das nun alles zu einem Bild zusammensetzt, was kommt da raus? Der Schulze ist politisch sehr korrekt. Ein Grünen-Wähler vermutlich. Was denn bitte sonst?

Bei der Landtagswahl vor einem Jahr haben über 30 Prozent der Usedomer die AfD gewählt. Anschließend ging ein Aufschrei durch die Republik. Schulze lässt erkennen, dass er die AfD ja auch nicht falsch findet. Ob er sie auch gewählt hat? Dazu will er nichts sagen. Und dann steht man hier, schaut zusammen mit dem sympathischen Ingo Schulze auf die polnische Flagge, die heftig im Meereswind knattert, und ahnt, dass das keine einfache Reise wird, auf der es einfache Antworten gibt.
Usedom ist die erste Station einer Reise durch Ostdeutschland. Sie führt von der Ostsee bis runter in die Sächsische Schweiz, von Koserow nach Pirna. Durch Dörfer, Kleinstädte, die ostdeutsche Provinz. Es ist der Versuch einer Bestandsaufnahme, ein paar Wochen vor der Bundestagswahl. Heißt also: Stimmung testen, den Puls fühlen und immer wieder fragen: Was ist los mit dir, Ossi?

Im vergangenen Jahr 2016 hatte ich manchmal das Gefühl, den Osten nicht mehr zu verstehen. Das ist kein schönes Gefühl, wenn man selbst aus dem Osten kommt. Ich verstand nicht, warum viele Ostler zu Pegida rennen, warum sie die AfD wählen, warum sie zuweilen so islam-ängstlich und fremdenfurchtsam auf die Welt schauen. Zum ersten Mal verspürte ich eine Art Ost-Fremdheit. Und ärgerte mich gleichzeitig über das Bild von "Dunkeldeutschland", das wieder aus der Schublade gezogen wurde. Der Osten - ein bodenloses, schwarzes Loch.

In den Medien wurde ernsthaft darüber diskutiert, ob Sachsen ein "failed state" sei, im Internet kursierten Reisewarnungen und Boykottaufrufe für Usedom, der "braunen Insel", und Freunde aus dem Westen sagten mir, sie würden nicht mehr nach Mecklenburg fahren. Oder nach Dresden. Wegen der "politischen Lage". Es klang, als säßen im Osten lauter Sprengstoffattentäter.

Alte, längst überwunden geglaubte Ost-West-Zerwürfnisse brachen plötzlich wieder auf, die innerdeutsche Stimmung war so mies und aufgeladen wie seit den frühen Neunzigerjahren nicht mehr.

Jetzt, im Sommer 2017, hat sich der Rauch ein wenig gelegt. Ich packe meine Sachen und fahre einfach mal los, Richtung Osten. Vielleicht gibt es ja ein paar Antworten. Hit the road, Jack.

Koserow

Wollten Gäste ihren Usedom-Urlaub stornieren, wegen des Wahlerfolges der AfD? "Nö", sagt Ingo Schulze, der Hotelier. "Im Gegenteil. Für manche meiner Gäste war das ein Buchungsgrund."

Schulze hat eigentlich keine Zeit. Es ist Hochsaison, die Touristen rennen ihm gerade die Bude ein. Aber über eine Sache will er jetzt reden. "Die AfD wurde vor allem aus Protest gewählt", sagt Schulze. Man denkt natürlich sofort an die Eurokrise, die Flüchtlingskrise oder die allgemeine ostdeutsche Demokratievertrauenskrise. Aber Schulze spricht nur von der Krankenhauskrise.

In Wolgast, ein paar Kilometer entfernt, gibt es das nahe Kreiskrankenhaus. Dort wurde Schulze geboren, vor 54 Jahren. Auch seine Kinder wurden im Wolgaster Krankenhaus geboren. Aber sollte Schulze demnächst weitere Enkelkinder bekommen, wird er auf eine Reise gehen müssen. 50 Kilometer bis ins Krankenhaus von Greifswald. Oder 50 Kilometer bis ins Krankenhaus von Anklam. Oder gut 80 Kilometer bis nach Stralsund. "Oder am besten gleich bis nach Berlin!", sagt Ingo Schulze. Er kriegt schon wieder einen dicken Hals.

Wolgast

Sie stehen mit Plakaten an der Straße vor der Krankenhauseinfahrt, so wie jeden Montag. Gut 50 Leute sind gekommen, Autos rauschen vorbei, manche hupen solidarisch. Die wievielte Mahnwache ist das jetzt? "Wir demonstrieren seit 2015", sagt Anke Kieser, und Brigitte Knappik nickt. Sie bilden den Vorstand der Bürgerinitiative "Pro Krankenhaus".

In Wolgast, dem "Tor zur Insel Usedom", lief es in den vergangenen Jahren so: Zuerst machte die Werft fast dicht. Früher arbeiteten hier über 3000 Leute, jetzt sind es noch rund 200. Dann zogen das Finanzamt, das Amtsgericht und einige Krankenkassen weg, und die Filiale der Deutschen Bank soll auch schließen.

Es ist so leise in der Innenstadt, man denkt unwillkürlich, aha, Sonntag. Aber das stimmt nicht. Die Läden sind geöffnet, manche zumindest. Geschätzt steht jeder dritte Laden leer. Überall hängen Anzeigen: zu vermieten, zu verkaufen. Abends, auf dem Marktplatz, möchte man am liebsten jeden Menschen umarmen, der einem noch entgegenkommt.

Wolgast, das ist die Leere.

Als Anfang 2016 im Wolgaster Krankenhaus die Geburtshilfe und die Kinderstation geschlossen wurden, weil sich der Betrieb aus Sicht der Landesregierung nicht mehr lohnte, ökonomisch und demografisch, gingen die Wolgaster auf die Barrikaden.

Es war das Gefühl: Jetzt hat uns die Politik endgültig aufgegeben. Eine Stadt, in der keine Kinder mehr geboren werden, welche Zukunft hat die noch?

Es folgten Demonstrationen, 20.000 Unterschriften gegen die Schließung wurden gesammelt, die Bürgerinitiative gründete sich. Die AfD sah das Potenzial und machte die Geschichte zum Wahlkampfthema in Vorpommern, eine der ärmsten Regionen in Deutschland. Anke Kieser und Brigitte Knappik schickten verzweifelte Briefe an die Landesregierung nach Schwerin, und montags stellten sie sich mit ein paar Getreuen zur Mahnwache vor die Krankenhauseinfahrt.

Es passierte nichts. Sie hätten wohl bis in alle Ewigkeiten demonstrieren können.

Aber dann schoss die AfD bei den Landtagswahlen durch die Decke. 36,5 Prozent der Erststimmen in Wolgast. Ein Schockergebnis. In diesem Moment, sagt Anke Kieser, öffneten sich plötzlich die Türen der Politik.

Kieser ist Steuerberaterin und in der CDU. Brigitte Knappik ist in Rente und war Kinderärztin am Wolgaster Krankenhaus. Sie haben die AfD nicht gewählt, aber sie haben von ihr profitiert. "Muss man so sehen", sagt Knappik.

Der damalige Ministerpräsident Erwin Sellering lud die Bürgerinitiative zum Gespräch nach Schwerin ein. Der Gesundheitsminister kam vorbei, Staatssekretäre suchten nach Lösungen.

Seit Juni gibt es im Krankenhaus von Wolgast nun wieder eine kleine Kinderabteilung. Noch immer keine Geburtsstation. Aber ein Anfang, sagt Knappik.

Um 18 Uhr wird die Mahnwache aufgelöst. Anke Kieser und Brigitte Knappik packen zusammen, fahren in die Innenstadt und setzen sich noch kurz in die Konditorei Biedenweg, die Knappiks Ehemann gehört. Die Konditorei ist über hundert Jahre alt, aber es läuft nicht besonders gut. Knappiks Mann ist bereits im Rentenalter, sie haben sieben Angestellte, alle bekommen den Mindestlohn. Mehr ist nicht drin. "Wir hatten auch mal einen Flüchtling hier im Geschäft", erzählt Brigitte Knappik. "Aus Eritrea. Prima Kerl. Er wollte eine Ausbildung bei uns machen, und wir wollten ihn auch gern behalten. Aber wir hätten ihn einfach nicht bezahlen können."

Und dann fährt man weiter, raus aus der Stadt, und denkt, dass es sehr einfach ist, nicht die AfD zu wählen und ein braver Demokrat zu sein, wenn man als sorgenfreier Bürger in Berlin, Hamburg oder München sitzt und von dort aus kopfschüttelnd auf den Osten schaut.

Und sehr viel schwieriger, wenn man in Wolgast lebt. City of Totentanz.

Neubrandenburg

Roland Kohn, den alle "Koni" nennen, wird wohl nicht zur Wahl gehen im September. Mangels Angebot. "CDU und Mutti kann ich nicht wählen", sagt Koni. SPD aber auch nicht. Die Grünen? Wählt hier in Mecklenburg keine Sau. Die FDP? Kennt hier keine Sau. Die Linken? "Die Wagenknecht ist mir sympathisch", sagt Koni, hinter dem ein großes Porträt von Walter Ulbricht hängt. Aber wählen?

Fährt man durch die ostdeutsche Provinz, fährt man immer auch ein bisschen durch die DDR. Da sind die Straßennamen: Ernst Thälmann. Karl Liebknecht. LPG-Straße. Manchmal gibt es ein "Haus der Jugend", ein "Haus der Kultur". Oft gibt es Soljanka und Steak au four im Restaurant. Die Ostklassiker. In Wünsdorf steht noch eine verwitterte Lenin-Statue auf dem ehemaligen Gelände der Roten Armee. Und in Neubrandenburg öffnet man am Abend zufällig die Tür zu "Koni's Center", einer Kneipe, und ist nun endgültig zurück in der Deutschen Demokratischen Republik.

Janek Stroisch /DER SPIEGEL

Gastwirt Kohn

An den Wänden hängen die Porträts von Ulbricht, Stalin, Lenin, Honecker und Horst Sindermann. Unter anderem. Dazu der Ernst-Thälmann-Wandteppich, die große SED-Fahne der "Bezirksdirektion Deutsche Post Neubrandenburg", die gerahmten "Zehn Grundsätze der sozialistischen Moral". Man sitzt auf Original-DDR-Polstergarnituren im Lichtschein von Original-DDR-Lampen und schaut, während man nun ein Bier trinkt, auf die massige, 160 Kilo schwere Büste von Felix Dserschinski, Gründer der sowjetischen Geheimpolizei. Es ist ein bisschen gespenstisch. Und gleichzeitig sehr vertraut, wenn man aus dem Osten kommt. Heimisch irgendwie.

Der Laden ist voll, viele junge Leute. Was machen die denn alle hier? Warum sitzen die abends in der DDR?

Als in den vergangenen Monaten Pegida marschierte, als es Übergriffe auf Flüchtlingsheime gab, wurde als Erklärung oft auf die DDR verwiesen, die noch immer in den ostdeutschen Köpfen stecke und dort antidemokratische Verwirrung stifte. DDR-Identität. DDR-Prägung. Folgen der DDR-Diktatur. Es war das immer gleiche, bequeme Erklärungsmuster, weitgehend unverändert seit der Wendezeit, bestehend aus drei Buchstaben. Wann immer etwas falsch läuft im Osten, wer hat Schuld? Die DDR.

Aber nicht mal hier, bei Koni, zwischen Stalin und Walter Ulbricht, scheint der Sozialismus noch große Kraft zu haben. Also: erst mal schön lockermachen. Und Koni erzählen lassen, den DDR-Wirt.

Früher, sagt Koni, 57 Jahre alt, habe er noch in NVA-Uniform hinter dem Tresen gestanden. Dienstrang Major. Aber das waren vor allem die Neunzigerjahre.

"Die DDR interessiert doch heute keine Sau mehr. Meine Stammgäste sind zwischen 18 und 25 Jahre alt. Die mittlere Generation ist ja aus Neubrandenburg fast geschlossen rüber nach der Wende. Und die Jungen wissen gar nicht, was hier an den Wänden hängt. Ist denen auch völlig egal. Die halten Erich Honecker für Karl Marx und meine Mutter für Rosa Luxemburg."

Im Prinzip könnte er das DDR-Zeugs auch abhängen, sagt Koni. "Die Leute kommen nicht wegen Ernst Thälmann zu mir. Sondern wegen der Vasen." Wegen der Vasen? Koni stellt eine gläserne Vase auf den Tresen. 1,2 Liter. Die kauft er bei Ikea und serviert dann 1,2-Liter Cocktails. "Swimming Pool", "Zombie" oder "Honni Melone". Jeder Monster-Cocktail kostet bei Koni nur acht Euro. So gesehen ist es natürlich doch noch wie in der DDR. Gesoffen wird gern viel und billig.

Koni zieht das linke Bein ein wenig nach. Rheuma, sagt er. Er läuft wie ein alter, hinkender Rabe zwischen den Kids umher, die im DDR-Ambiente auf ihr Handy starren und nichts wissen von früher, so wie Koni oft nichts mehr wissen will vom Heute. Er schaue keine Nachrichten mehr, sagt Koni. Das erträgt er nicht. Die Krisen, die Unruhe in der Welt. Euro, Flüchtlinge, Terrorismus. Er verreise auch kaum noch, sagt Koni. Lieber bleibe er zu Hause in Mecklenburg. Auf Usedom hat er jetzt eine Wohnung. Nah am Meer. Das beruhigt.

"Vielleicht reagieren wir Ostler besonders empfindlich auf die unsicheren Zeiten. Finanziell geht's mir gut. Aber ich habe kein Vertrauen in das System. Seit der Wende arbeite ich immer auch unter Angst: Kommt die Miete rein? Läuft es? Jedes Jahr zu Silvester mache ich mir eine Flasche Sekt auf und denke: geschafft. Vor dem Kapitalismus muss man so eine Grundangst haben", sagt Koni.

Großräschen

Wo bleibt denn nun die positive Geschichte aus dem Osten? Eine mit Held und Happy End? Okay, hier kommt eine.

Denn plötzlich sind da ein großer See, ein Jachthafen, weiße Häuser und Weinhänge fast wie am Mittelmeer.

Der See - gut, dem fehlt viel Wasser. Das Hafenbecken ist bislang noch ein Sandkasten, eingerahmt von Beton. Boote und Jachten gibt es auch keine. Die Seebrücke führt auf eine sandige Wiese, über die der Wind heult. Von den weißen Häusern stehen einige noch leer. Aber das kommt doch alles! Das wird doch alles!

Sagt Thomas Zenker.

Er ist der Bürgermeister von Großräschen, ein Ort in Brandenburg, 130 Kilometer südlich von Berlin. Zenker ist schon ewig im Amt, seit dem Jahr 1994, was sehr erstaunlich ist. Denn damals hätte Zenker eigentlich wegrennen müssen aus Großräschen. Ganz weit und ganz schnell. Im Ort, in der ganzen Gegend, gingen gerade die Lichter aus. Schicht im Schacht, im wahrsten Sinne des Wortes.

Großräschen - das war immer die Braunkohle, der große Tagebau lag direkt vor der Tür. Zusammen mit Senftenberg, Lauchhammer, Hoyerswerda und Schwarze Pumpe bildete Großräschen das rußende Kohle- und Energiezentrum der DDR.

Nach 1990 brauchte das Energiezentrum dann niemand mehr. "Hier war Totentanz", sagt Zenker. "Offizielle Arbeitslosigkeit damals: 30 Prozent. Ohne ABM-Stellen: 50 Prozent." Das Einzige, was besser wurde in Großräschen, war die Luft.

Wenn man in solchen Zeiten freiwillig Bürgermeister wird, hat man entweder einen Knall. Oder eine Vision. Zenkers Vision: Von der Bergbaustadt zur Seestadt. Wir erfinden uns völlig neu!

In Zenkers Büro hängen die allerersten Pläne für die Seestadt an der Wand. Sie wirken noch immer futuristisch, wie Ideen aus einem Jules-Verne-Buch. Seit über 20 Jahren ist das kleine Großräschen jetzt auf dem Weg von der alten Identität in die neue. So wie die ganze Region.

Nebenan, in Senftenberg, gibt es heute eine große Indoor-Skihalle. Von der Bergbaustadt zum Skigebiet sozusagen. Um die Ecke entstand auch der "EuroSpeedway", der ostdeutsche Nürburgring. Die Formel 1 wollte hier starten. Die Formel 1 kam dann aber nie. Und überall wurden alte Tagebaue geflutet, um das "Lausitzer Seenland" zu erschaffen - das Superprojekt der Zukunft, mehr als 20 neue Seen, die "größte von Menschenhand geschaffene Wasserlandschaft Europas", so heißt es im Werbeprospekt.

Und jetzt? Sollen die Touristen kommen, jährlich 1,5 Millionen Übernachtungen im Seenland und damit auch hier in Großräschen. Aber kommt da jemand? Irgendwie fällt einem niemand ein, der sagt: Dieses Jahr machen wir Urlaub im Lausitzer Seenland. Wir schwimmen nicht im Mittelmeer, sondern durch den Tagebau! Zenker sagt: Dort, wo die Seen schon fertig sind, kommen die Tschechen, die Polen und die Sachsen. Zenker sagt auch: "Der Tourismus ist eine Ergänzung. Wir können uns hier nicht alle am Strand gegenseitig Bratwürste verkaufen."

Der See ist natürlich trotzdem gut. Zenker ist 20 Jahre lang rumgerannt, um Firmen nach Großräschen zu holen. Es sind 3000 neue Jobs entstanden, sagt er, und ein Argument war immer auch: Wir haben da einen sehr schönen See im Ort. Also, irgendwann. Zenker hat auf ein großes Erdloch gezeigt, der zukünftige Jachthafen, und den Investoren gesagt: "Da könnte bald ihr Segelboot liegen!" Hat anscheinend funktioniert. "Für die 120 Liegeplätze haben wir bereits 160 Vormerkungen." Und die Eigentumswohnungen in den weißen Häusern am See sind auch fast alle verkauft.

Janek Stroisch /DER SPIEGEL

Spaziergänger am Großräschener See

2018 soll der alte Tagebau fertig geflutet sein. 2019 ist der See hoffentlich "schiffbar". Dann ist Großräschen also Seestadt. Auferstanden aus Ruinen.

Am 24. September, dem Tag der Bundestagswahl, wird in Großräschen auch der Bürgermeister gewählt. Bislang einziger Kandidat: Thomas Zenker. Man sieht ihm den Stolz an. Der See ist sein Lebenswerk. Und man spürt gleichzeitig die Mühsal, die das ewige Neuerfinden gekostet hat. Zenker, der gute Irre von Großräschen, sagt: "Nach all den Jahren ist bei den Leuten ein Sättigungsgrad für Veränderungen erreicht. Es gibt eine große Erschöpfung, hier im Osten."

Bischofswerda

Gut möglich, dass Karsten Hilse bald im Bundestag sitzt. Die Umfragewerte jedenfalls sind vielversprechend. Bei rund 20 Prozent liegt die AfD zurzeit in Sachsen. Das würde wohl reichen für Hilse.

Er ist der Direktkandidat für den Landkreis Bautzen, 52 Jahre alt, von Beruf Polizeihauptmeister. In der DDR war Hilse Volkspolizist. Er treibe gern Sport, sagt er. Er interessiere sich für Astronomie und Politik. Er ist ein ruhiger, freundlicher Typ. Seit 1990 hat er eigentlich immer die CDU gewählt. Angela Merkel fand er wirklich gut. Und dann?

Wir sitzen auf dem Marktplatz von Bischofswerda, eine Kleinstadt in Sachsen. Hilse wird gleich einen Vortrag über Integration halten, aber erst mal bestellt er einen Kaffee, und ich schaue, weil ein Grillgeruch herüberweht, auf die vielen Dönerläden, die es hier am Marktplatz gibt. Tantana-Döner. Tatli Dürüm Kebab Haus. Bistro Döner Haus. Es gibt überhaupt eine ungeheure Dönerladen-Dichte in der ostdeutschen Provinz. Selbst in entlegenen Orten, wo man es nie erwartet, bei wem brennt abends noch Licht? Beim Döner-Mann. Kulinarisch ist der Osten erstaunlich islamisiert. Gehört der Islam also zu Ostdeutschland?

"Nee. Für mich nicht", sagt Hilse müde.

Seit einem halben Jahr ist er im "Wahlkampfmodus". Mindestens eine Veranstaltung pro Woche. Dazu der Schichtdienst als Polizist. Die regionalen "Mainstream-Medien" meiden die AfD, sagt Hilse. Deshalb müsse man fleißiger sein, als die Altparteien. Hilse hat sich auch einen alten DDR-Campingwagen gekauft, blau angesprüht und mit dem Slogan "Unser Land, unsere Heimat" versehen. Das Blaumobil, sagt er. Es könnte ein Wahlkampfschlager werden.

Vor ein paar Jahren, mit der Eurokrise, erzählt Hilse, verlor er zum ersten Mal das Vertrauen in Angela Merkel und die deutsche Politik. Dann kam die Flüchtlingskrise, und Hilse hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen. Er ging zu Pegida und fühlt sich dort zum ersten Mal wieder zu Hause. Hier traf er Leute, die aufbegehrten, die auch das Gefühl hatten, ihre Heimat zu verlieren.

Die Stimmung, sagt Hilse, habe ihn an die Wendezeit erinnert. Seit Januar 2016 ist er AfD-Mitglied. Und nun schon auf dem Weg in den Bundestag. Eine ostdeutsche Politikkarriere im Zeitraffertempo.

Man würde, als Reporter mit DDR-Migrationshintergrund, Hilse gern verstehen. Überhaupt ja: die AfD verstehen und ihren Erfolg im Osten. Aber es ist nicht einfach. Ich habe Hilse dreimal getroffen. Und jedes Mal wurde das Bild unergründlicher, trüber. So, als strömte in Hilse alles durcheinander: rechts, links, Ost, West, die Religionen, die Flüchtlinge, die Weltverschwörung, der Islam, die deutsche Geschichte.

Hilse trinkt seinen Kaffee aus, dann springt er auf, holt Beamer und Wahlkampfmaterial aus seinem Auto, schafft alles in den "Salon Sachsen" vom Hotel "Evabrunnen" und hält kurz darauf seinen Vortrag mit dem Titel: "Integration oder Übernahme?"

Es ist Ferienzeit, nur ein gutes Dutzend Zuhörer sind gekommen. Aber Hilse lässt die Apokalypse auf sie niederfahren.

Er spricht von "toleranzbesoffenen, zum Teil Deutschland hassenden Politikern". Von Frauen, die sich in den Städten nicht auf die Straße trauten. Aus Angst vor Vergewaltigung. Von den Plänen, Deutschland in ein transformatorisches Siedlungsgebiet zu verwandeln. Von Frankfurt am Main, "der ersten deutschen Großstadt, wo Deutsche in der Minderheit sind". Von Muslimen, die Gebetszeiten bei vollem Lohnausgleich forderten. Und davon, dass in Deutschland nach der Homo-Ehe nun bald auch die Kinderehe und die Vielehe zugelassen werden könnte. "Die Pläne dafür liegen bereits in der Schublade." In welcher Schublade, das sagt Hilse nicht.

Eine Frau meldet sich: "Was bezwecken die deutschen Politiker damit, dass sie unser Land abschaffen wollen?"

Hilse verweist auf Marx, das Lumpenproletariat, den Niedriglohnsektor.

Die Frau sagt: "Ich vermute ja, da steckt der Hooton-Plan dahinter."

Hooton-Plan? Moment mal. Muss man schnell googeln. Eine Verschwörungstheorie basierend auf einem amerikanischen Zeitungsartikel von 1943, wonach Deutschland vernichtet werden soll durch Masseneinwanderung. Kurz gefasst.

Hilse verweist auf die Theorie, wonach gewisse Mächte die Destabilisierung Deutschlands vorantreiben, um den Europäischen Zentralstaat zu errichten.

Die Frau sagt: "Da stecken sicher amerikanische Lobbyisten dahinter. Die neue Weltordnung."

Irgendwann ist es vorbei, und man geht hinaus in die deutsche Wirklichkeit und fühlt sich ganz benommen. So, als hätte man kurz dem Wahnsinn in den Schlund geschaut.

Zittau

Der schwarze Dienstwagen schnurrt leise durch die Landschaft. Wo ist man hier? Die Ministerin weiß es auch nicht. Jedenfalls auf dem Weg nach Zittau. Zur Veranstaltung: "Die Wende und Ihre Geschichte". Petra Köpping, eine kleine Frau mit roten Haaren, ist die sächsische Integrationsministerin. Und damit eigentlich zuständig für Ausländer.

Ihr größtes Integrationsprojekt, sagt sie, sind aber zurzeit die Ostdeutschen. Die Inländer. Das war natürlich nicht so geplant, es ist den Zeiten geschuldet.

Im November 2014 wurde Köpping Ministerin. Kurz darauf, mit der Flüchtlingskrise, explodierte die Lage, und Köpping sah sich plötzlich mit der Frage konfrontiert, warum es ausgerechnet im schönen Sachsen so viel Ausländerfeindlichkeit, Aggressivität und Wut gibt.

Also fuhr die Integrationsministerin nach Heidenau, nach Freital und Clausnitz, all jene Orte, die nun für das "dunkle Ostdeutschland" standen. Und sie ging immer wieder zu Pegida. Montag für Montag stellte sich Petra Köpping an den Rand der Demonstration, beobachtete, ließ sich beschimpfen, sprach Leute an, lud manche sogar in ihr Büro ein, um herauszufinden: Was ist los mit euch?

In diesen vielen Gesprächen, erzählt Köpping, habe sie folgende Erfahrung gemacht: Zunächst kochte die Wut auf die Flüchtlinge hoch. Aber bald begannen die wütenden Leute ihre Geschichte zu erzählen. Von Kränkungen, Niederlagen, Ängsten, unverarbeiteten Nachwendeerlebnissen. Es war, als würde sich plötzlich ein Ventil öffnen. Irgendwann sagte jemand zu ihr: "Frau Ministerin, Sie immer mit Ihren Flüchtlingen! Warum integrieren Sie nicht erst mal uns?"

Seitdem ist Petra Köpping auf einer Mission. "Wir müssen in Deutschland endlich die Nachwendejahre aufarbeiten", sagt sie. Vor dem Autofenster fliegt sächsische Provinz vorbei. Das ist es also?, denkt man. Nachwendefrust?

Nicht nur, sagt Köpping. "Aber es gärt im Osten unter der Oberfläche."

Die Letzte, die versucht hat, die Nachwendezeit aufzuarbeiten, war vermutlich Regine Hildebrandt. Damals in den Neunzigerjahren. Seitdem liegt das Thema brach. Die größte Umwälzung in der jüngeren deutschen Geschichte ist ein weitgehend unentdecktes Feld. Es gibt kaum wissenschaftliche Forschung über diese Zeit und die Frage, was sie mit den Menschen im Osten machte. Vor allem gibt es kaum politisches Bewusstsein dafür, dass hier ein Problem liegen könnte. Das Ostgeschichtsbild reichte für die Westdeutschen bislang nie viel weiter, als bis zu dem Moment, in dem Günter Schabowski durch seinen Zettelhaufen raschelte. Die glückliche Revolution.

Im Herbst vergangenen Jahres hielt Petra Köpping eine Rede zur Deutschen Einheit. Sie sprach darin von einer "entwurzelten Arbeiterschaft" im Osten. Von Gefühlen und Erlebnissen der Nachwendezeit, die "vielen wie ein Klotz am Bein" hängen. Wahrscheinlich war es genau die Rede, die sich viele Ostdeutsche von Joachim Gauck immer erhofft hatten. Jedenfalls war das Thema "Nachwendezeit" damit in der Welt. Und Köpping rannte offene Türen ein. Noch immer bekommt sie haufenweise Mails, Briefe, Einladungen zu Gesprächsrunden. Sie fährt kreuz und quer durch Sachsen und hört sich Geschichten an. "Ich kann gar nicht so viel machen, wie ich eigentlich müsste", sagt Köpping.

Und die Frage ist ja auch, was sie überhaupt machen kann. Im Regierungsprogramm der SPD ist jetzt der sogenannte Gerechtigkeitsfonds berücksichtigt. Eine Rentenentschädigung für erlittenes Nachwendeunrecht. Das hat Köpping durchgesetzt. Und sonst? Das Wichtigste sei eine große gesellschaftliche Debatte, sagt Petra Köpping. "Am besten natürlich gesamtdeutsch."

Es geht vor allem ums Zuhören. Aber das könnte schwierig werden. Wie sind denn die Reaktionen aus dem Westen?

Oft komplettes Desinteresse, sagt Köpping. "Die fragen: Warum das denn jetzt noch? Die alten Kamellen?"

Man kann sich gut vorstellen wie die Westler genervt mit den Augen rollen. Schon wieder Ostgeschichte? Schon wieder irgendwas aufarbeiten? Man hat ja schon kaum diese sperrige, graue DDR-Geschichte verstanden, und dann wurde in den vergangenen 27 Jahren auch noch jede alte Stasi-Unterhose dreimal umgedreht. Vorwendezeit. Wendezeit. Nachwendezeit. Hört das denn nie auf?

Dabei ist es ja gar keine Ostgeschichte, sondern gesamtdeutsche Geschichte. Es geht um die Gründerjahre der neuen Bundesrepublik. Vor allem aber ist die Nachwendezeit keine ferne Vergangenheit.

Petra Köpping war lange Zeit Bürgermeisterin und Landrätin in Sachsen. "Noch im Jahr 2005 hatten wir in der Region Borna eine Arbeitslosenquote von 30 Prozent. Das prägt die Menschen, bis heute." Und man muss jetzt nur durch die Ostprovinz fahren, durch Wolgast, Demmin, Anklam, Pasewalk, Eisenhüttenstadt - dort ist die Nachwendezeit noch immer Gegenwart.

Und auch hier, in Zittau. Der Wagen der Ministerin hält. In einem verrumpelten "Treff für Senioren, Familien, Jugend" warten schon die nächsten Leute und wollen ihre Geschichte erzählen.

Pirna

Am Ende dieser Reise weht vor dem Rathaus von Pirna eine Regenbogenfahne. Auf dem Marktplatz wird eine große Bühne aufgebaut. Buden werden zusammengezimmert. Was ist denn hier los? Ein junger Mann mit starkem sächsischen Akzent sagt: "Morgen ist CSD."

Der Mann heißt Christian Hesse und ist der CSD-Veranstalter. Es gibt einen Christopher Street Day in New York. In London. Paris. Berlin. Auch in Dresden. Aber in Pirna? Eine Kleinstadt kurz vor Tschechien, bekannt für Sandstein, rund 38¿000 Einwohner. "Wir sind der kleinste CSD in Deutschland", sagt Hesse stolz. Und vermutlich: auch weltweit.

Das will man sich ja gern anschauen. CSD in Pirna! Und während man noch darüber nachdenkt, was da wohl passiert, passiert gleich mal was ganz anderes. Auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes versammelt sich jetzt eine Demonstration der AfD. Gut hundert Leute, nicht alle ganz nüchtern, Deutschlandflaggen und die zackige Begrüßung: "Guten Abend, liebe Patrioten!"

Zwei junge Frauen rufen den Patrioten zu: "Haut ab!" Einige Patrioten antworten mit: "Haltet die Fresse, ihr Viecher!" Und, was nun verwundert: "Nazis raus!" Über den wunderschönen Pirnaer Marktplatz scheint die Abendsonne. "Volksverräter! Volksverräter!", schallt es hinüber. In den Restaurants sitzen die Touristen und schauen unruhig. Was die jetzt wieder denken über den Osten?

Am nächsten Morgen ist ein Teil der CSD-Bühnen-Abdeckung beschädigt. Die NPD, vermutet Christian Hesse. Aber dann füllt sich der Marktplatz schnell. Musik pumpt aus den Boxen, auf der Bühne moderiert eine Dragqueen namens Lara Liqueur, Transvestiten stöckeln über den Asphalt, der erste schwule "Mister Sachsen" gibt Interviews, lesbische Frauen diskutieren über Beinbehaarung, es riecht nach Bratwurst und Bier, Pirnaer Normalobürger in Trekkingsandalen wippen im Takt der Musik, Rentner stehen am Stand der Linkspartei, ein paar Gegendemonstranten tauchen kurz auf und vor dem Stand der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche e.V. bietet ein Mann mit blauen Haaren "Free Hugs" an.

Alles mischt sich. Alles liegt in großer Widersprüchlichkeit sehr eng beieinander. Gestern AfD. Heute CSD.

Ein gutes Schlussbild eigentlich.

Und wenn ich nun ein Reisefazit ziehen müsste über den Osten im Sommer 2017, dann vielleicht dieses: Der Osten ist nicht der Westen. Das mag banal klingen, aber seit Ewigkeiten wird der Osten am Westen gemessen. Wie weit sind die da drüben? Wann kommen die endlich an im Westen? Was nichts anderes heißt als: Wann sind die endlich so wie wir?

Die Antwort fiel für den Westen oft enttäuschend aus. Und für den Osten sowieso. Der ewige Problemfall. Auch jetzt, nach dieser Reise, könnte man natürlich wieder enttäuscht sein. Aber wem nützt es, wenn man auf den Osten immer nur schaut wie auf ein ungezogenes Kind?

Der Osten ist das Produkt seiner ganz eigenen, widersprüchlichen Geschichte. Nicht nur vor 1990 - sondern vor allem auch danach. Daran muss man ihn messen. Je länger ich jetzt durch den Osten reiste, umso normaler, zwangsläufiger, erschien er mir. Gerade auch in seinen Extremen. Nicht normal nach westlichen Maßstäben vielleicht.

Aber eben nach östlichen.

insgesamt 25 Beiträge
schlauchschelle 03.08.2017
1. Nun, ich kann die Menschen im Osten des Landes
irgendwo verstehen. Jahrzehntelang hat man nur die Seifenblasen-Kitschwelt BRD im TV sehen können. Man sehnte sich, auch so leben zu können wie die "Brüder und Schwestern" im Westen. Das war geschickt aufgezogen, das [...]
irgendwo verstehen. Jahrzehntelang hat man nur die Seifenblasen-Kitschwelt BRD im TV sehen können. Man sehnte sich, auch so leben zu können wie die "Brüder und Schwestern" im Westen. Das war geschickt aufgezogen, das angebliche Westdeutsche Wirtschaftswunder. Von den USA kräftig inszeniert als Schaufenster gen Osten, Motto "Ätsch, seht her, was der Kapitalismus kann, das könnt ihr nicht, ällabätsch". Dieser Druck, vollkommen menschlich halt, suchte sich irgendwann ein Ventil, was 1989 den Druck ablassen musste. Gerissen, wie der Kapitalismus nach dem Gusto der Finanz- und Großkonzerne nunmal ist, hat man hier und da "nachgeholfen". So, nun war der Sozialismus / Kommunismus endlich besiegt, man brauchte das Schaufenster BRD (soziale Marktwirtschaft) nicht mehr, dem Raubtierkapitalismus ward Tür und Tor geöffnet. Was für die Menschen der DDR bedeutete, im freien Fall erkennen zu müssen, dass die bunte Welt von ARD und ZDF nur Illusion war, und man direkt auf dem Betonboden des Kapitalismus zerschellte. Wer gerissen genug war, sich schnell anzupassen, hat seinen Reibach gemacht. Wie kann man es den Leuten da verübeln, dass sie heute noch Brass haben? Man hat ihnen gezeigt in den 1990-ern, was sie "Wert" sind und dass Gier und Geld über Allem stehen, heute noch. Das Ende der sozialen Marktwirtschaft hat ja dann auch der Unteren und Mittelschicht im ehemaligen Westdeutschland nachhaltig das Licht ausgeblasen, denn das Niedriglohnland DDR war nun weg, ein Ersatz musste her. Wo reicht denn heute z.B. noch der Lohn eines Elektrikers als Alleinverdiener, ein Haus zu bauen, eine Familie zu ernähren, etwas Wohlstand und Altersvorsorge zu betreiben, ein Auto zu haben UND dazu noch Urlauben zu können? Ich verurteile Rassismus, Diskriminierung, Ausgrenzung, Gewalt jeglicher Art gegen "Andere", nur weil sie nicht dem eigenen Wunschdenken entsprechen, und nach fast 30 Jahren müssen wir die Mauer in den Köpfen endlich abreißen. Das aber wird mindestens eine Generation dauern, weil die Mauer eine Generation lang stand. Dennoch, ich habe durchaus Verständnis für die Leute von "drüben".....
schlauchschelle 03.08.2017
2. Nachtrag zu meinem Kommentar
Habe noch vergessen zu erwähnen: Ich bin geborener "Wessi" und Lebe in der Nähe des Finanzmolochs FFM....
Habe noch vergessen zu erwähnen: Ich bin geborener "Wessi" und Lebe in der Nähe des Finanzmolochs FFM....
kayhoffm 03.08.2017
3. Toller Artikel
vielen Dank für diesen Artikel. Ich habe viel darüber nachgedacht. Wir treffen uns seit langem jedes Jahr mit sehr guten Freunden, um gemeinsam ein grosses Festival nahe Bitterfeld zu besuchen. Einige von unseren Freunden kommen [...]
vielen Dank für diesen Artikel. Ich habe viel darüber nachgedacht. Wir treffen uns seit langem jedes Jahr mit sehr guten Freunden, um gemeinsam ein grosses Festival nahe Bitterfeld zu besuchen. Einige von unseren Freunden kommen aus Magdeburg, Gera und es wird immer wieder bei reichlich guten Getränken über "Die Wessis und Die Ossis" gefrotzelt. Desweiteren haben wir unseren Urlaub vor 2 Jahren in der sächsischen Schweiz verbracht, viele interessante Orte besucht und durch viele kleine Dörfer gefahren. Es stimmt absolut, daß auch wir immer wieder OST mit WEST verglichen haben. Vielleicht sollte man es doch einfach hinnehmen, daß OST nicht gleich WEST sein muß, sondern etwas komplett eigenes ist. Auf jeden Fall hat mich Ihr Artikel dazu gebracht, darüber mal nachzudenken und beim nächsten Treffen mit unseren Freunden mal darüber zu diskutieren, vielen Dank.
seppfett 03.08.2017
4. Bezugnehmend
Auf Überschrift und Vorspann: es fehlen dort die Entnazifizierung, die 68er und schliesslich auch die Möglichkeit in einem eigenen Staatsgebilde sich von der nationalistischen Einparteidiktatur zu befreien. Links oder gar [...]
Auf Überschrift und Vorspann: es fehlen dort die Entnazifizierung, die 68er und schliesslich auch die Möglichkeit in einem eigenen Staatsgebilde sich von der nationalistischen Einparteidiktatur zu befreien. Links oder gar sozialistisch war diese Diktatur in der Realität nie. Also sehnt man sich nach dieser einen Partei (jetzt AFD) und hat Angst vor allem was fremd ist oder unkontrolliert (chaotisch) sein könnte.
dfmartin 03.08.2017
5. AfD, was sonst?
Welche Partei außer AfD sollte man eigentlich wählen. Dem Wahlprogramm kann man in allen Punkten nur zustimmen!
Welche Partei außer AfD sollte man eigentlich wählen. Dem Wahlprogramm kann man in allen Punkten nur zustimmen!
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