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DER SPIEGEL

Italien: Jagd auf Farbige

Geschäftsleute am Mailänder Hauptbahnhof wollen bezahlte Schläger einstellen, um ihre Kundschaft gegen die - überwiegend farbigen - Drogenhändler und Taschendiebe in der Gegend zu schützen. In Florenz engagierten Geschäftsleute Wachpersonal, das auf der Einkaufsmeile Via Panzani patrouilliert. Die Selbsthilfe-Aktion soll vor allem Touristen beruhigen. Zugleich haben die Wachleute auch den Auftrag, schwarze Straßenhändler einzuschüchtern, die den heimischen Ladenbesitzern heftig Konkurrenz machen. Weil in Florenz die Anträge auf private Waffenscheine "besorgniserregend" zugenommen haben (La Stampa), fürchten besonnene Bürger eine wachsende "Militarisierung" - hinter der sich oft purer Rassismus verbirgt. Am Karnevalsdienstag machten maskierte Jugendliche Jagd auf Afrikaner und verletzten einige schwer.

DER SPIEGEL 11/1990
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