Pershings ziehen ab
Die Bundeswehr nimmt vorzeitig Abschied von ihren Pershing-Atomraketen. Einen Tag nach dem Vollzug der deutschen Einheit darf Verteidigungs-Staatssekretär Ludwig-Holger Pfahls (CSU) im bayerischen Landsberg am Lech die "Außerdienststellung" der beiden Flugkörpergeschwader der bundesdeutschen Luftwaffe mit militärischem Zeremoniell besiegeln. Ursprünglich sollten die 72 Nuklearraketen (Reichweite maximal 900 Kilometer) erst Ende Mai nächsten Jahres abgeschafft werden. Weil Amerikaner und Sowjets ihr Abrüstungssoll gemäß dem INF-Vertrag von 1987 mit dem Abzug der letzten Mittelstreckenraketen und Marschflugkörper Cruise Missile aus Deutschland bereits vorige Woche erfüllt hatten, konnte Bundesverteidigungsminister Gerhard Stoltenberg nicht länger zögern: Die auf Drängen des zweiten Bonner Wehrministers Franz Josef Strauß in Amerika gekauften Raketen sollen nun dort verschrottet werden. Die Atomsprengköpfe bleiben in den Händen der US-Militärs, die auch über die mögliche "Weiterverwendung" entscheiden. Das übrige "Gerät" - vom Lastwagen bis zum Stromgenerator - soll von der Bundeswehr verschrottet werden. Die Soldaten der zwei Flugkörpergeschwader gelten im Bonner Verteidigungsministerium derweil als "Handlungsspielraum für Personalmaßnahmen im Zusammenhang mit der deutschen Einheit".
