Strahlenangst in Murmansk
Erstmals haben sowjetische Behörden einem Greenpeace-Schiff erlaubt, das militärische Sperrgebiet zwischen Murmansk und der Atomversuchsinsel Nowaja Semlja zu befahren. In Murmansk, Haupthafen sowjetischer Atom-U-Boote, kursierten "haarsträubende Geschichten" über die radioaktive Verseuchung des Weißen Meeres, berichtet der Journalist Reiner Luyken von Bord des Motorschiffes "Greenpeace". So seien bis Mitte der achtziger Jahre Behälter mit schwerem Wasser, das aus Kernreaktoren stammte, vor Archangelsk versenkt worden. Der verstrahlte Reaktor der "Lenin", des ersten atomgetriebenen Eisbrechers der Welt, wurde vor Nowaja Semlja ins Meer gekippt. In Murmansk selbst herrscht Strahlenangst. Im Stadtzentrum werden die Werte der Radioaktivität täglich auf einer Tafel angezeigt. Besorgniserregend ist auch der Gesundheitszustand der Bevölkerung. Kinder erkranken sechsmal häufiger an Krebs als ihre Altersgenossen im Rest der Sowjetunion.
