Tod eines Kindes
Juni 1945. Durch die Trümmer der zerbombten Stadt Kobe irrt der 14jährige Seita mit seiner 4jährigen Schwester, ausgehungert, geschüttelt vom Durchfall, kraftlos im eigenen Kot kauernd. Nachts schleppen sie sich in eine stinkende Flußhöhle, wo einzig die Glühwürmchen, die doch zugleich an das Irrlicht der Flak-Scheinwerfer erinnern, das hoffnungslose Dunkel flüchtig erhellen. "Wenn man sie wenigstens essen könnte!" Hilflos muß Seita zusehen, wie das Leben der kleinen Schwester erlischt.
Der erschütternden, poetischen Titelerzählung "Das Grab der Leuchtkäfer" mit ihren unerbittlichen, aus der Perspektive der Kinder gezeichneten Details ist als Gegenstück die bitter-groteske Erzählung "Algen aus Amerika" zur Seite gestellt.
Mit den Augen eines japanischen Jungen und, 20 Jahre später, mit denen des Erwachsenen schildert sie die Demütigung der kleinen Japaner durch die siegreichen, schon körperlich riesenhaft erscheinenden amerikanischen Besatzer: die unvernarbte Wunde im Selbstbewußtsein eines jäh aus dem Größenwahn ins Nichts gestürzten Volkes.
Akiyuki Nosaka, geboren 1930, gehört zu jener mißbrauchten Generation, die den Schablonen der von außen verordneten Nachkriegsdemokratie skeptisch gegenübersteht. Seine beiden Erzählungen beruhen auf persönlichem Erleben und sind im heutigen Japan außerordentlich populär. Der renommierte Naoki-Preis, den Nosaka 1967 dafür erhielt, unterstreicht ihren literarischen Rang.
